Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Baby beim Wickeln © JPC-PROD

Akuter Durchfall (Gastroenteritis)

Die akute infektiöse Gastroenteritis ist die häufigste Ursache für Durchfall im Kindesalter. Besonders oft erkranken Säuglinge und Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr. Bei Durchfall riecht der Stuhl unangenehmer und wird häufiger oder flüssiger als normal entleert . . .

Von einer Durchfallerkrankung spricht man unter folgenden Umständen:

  • Säuglinge: täglich mehr als fünf dünne Stühle,
  • ältere Kinder: täglich mehr als drei dünne Stühle.
    In unseren Breiten verlaufen mehr als 90 Prozent der Durchfälle akut (Krankheitsdauer maximal zwei Wochen). Ursache sind meistens Darminfektionen. In diesen Fällen spricht man von akuter infektiöser Magen-Darm-Entzündung (akute infektiöse Gastroenteritis).  

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von ein bis sieben Tagen kommt es zu meist wässrigen Durchfällen, begleitend können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Bauch- und Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome auftreten. Blutiger Stuhl ist als Alarmsignal zu werten – in diesen Fällen sollte unverzüglich eine Kinderärztin/ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Die weiteren Beschwerden hängen in erster Linie vom Ausmaß des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes, d.h. der Dehydration, ab. Meist klingt das Erbrechen bei entsprechendem Flüssigkeitsersatz innerhalb von zwei Tagen ab, der Durchfall binnen zwei bis sieben Tagen.

Ursachen

Akute Durchfallerkrankungen werden fast immer durch Infektionen mit verschiedenen Erregern verursacht:

  • Viren: Etwa 40 Prozent der akuten Gastroenteritiden in den ersten fünf Lebensjahren sind durch Rotaviren bedingt. Seltenere Auslöser sind u.a. Adeno-, Noro- oder Enteroviren.
  • Bakterien: Bei rund 20 Prozent der erkrankten Kinder werden bakterielle Erreger (v.a. Campylobacter jejuni, Yersinien, Salmonellen, Shigellen, pathogene E. coli oder Clostridium difficile) im Stuhl nachgewiesen.
  • Parasiten: Lamblien, Cryptosporidien, Entamoeben und andere Darmparasiten sind bei weniger als fünf Prozent die Ursache.

Die Infektion erfolgt meistens durch mit Fäkalkeimen verunreinigte Hände, Lebensmittel, Trinkwasser oder Gebrauchsgegenstände. Durch Lebensmittel erworbene bakterielle Infektionen treten bevorzugt nach Verzehr von unvollständig gegartem Fleisch (Yersinien, Campylobacter, Salmonellen) oder Speisen aus rohem Ei (Salmonellen) auf. Weitere häufige Infektionsquellen sind Rohmilch sowie der direkte Kontakt mit infizierten Kühen. Selten können akute Durchfälle auch als Folge einer Nahrungsüberlastung, Allergie oder Vergiftung auftreten.

Was können Eltern tun?

Beurteilung des Hydrierungszustand des Kindes:

  • Anheben eines Hautstückes, z.B. an der Bauchdecke oder am Handrücken, zwischen Daumen und Zeigefinger: Bleibt die so entstandene Falte bestehen („stehende Hautfalte“), ist dies ein Hinweis auf zu wenig Flüssigkeit im Körper (Dehydratation).
  • Begutachtung der Durchfeuchtung der Schleimhäute: z.B. des Augenlids, der Zunge oder im Mund: Sind die Schleimhäute trocken, weist dies auf eine bereits deutliche Austrocknung hin. Rasches Reagieren ist notwendig – v.a. bei Säuglingen und Kleinkindern.

Eine sehr oft erfolgreiche Erstbehandlung besteht in der sogenannten Teepause (nur bei größeren Kindern empfehlenswert!): Dazu wird für fünf bis sechs Stunden eine absolute Nahrungskarenz eingehalten, d.h., die Kinder dürfen nichts essen. Während dieser Zeit werden ausreichende Mengen von schwarzem, ungesüßtem Tee zugeführt. Entscheidend ist dabei, dass die Flüssigkeit schluckweise aufgenommen wird und nicht größere Mengen auf einmal.

Diagnose

Die Kinderärztin/der Kinderarzt wird im Gespräch mit den Eltern insbesondere folgende Angaben erheben:

  • Beginn, Konsistenz und Häufigkeit des Durchfalls, eventuelle Blutbeimengungen,
  • Beginn und Häufigkeit von Erbrechen,
  • Fieber,
  • Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme in den letzten 24 Stunden,
  • Urinproduktion,
  • kürzlich erfolgte Auslands- oder Spitalsaufenthalte,
  • Einnahme von Antibiotika und anderen Medikamenten,
  • Umgebungserkrankungen,
  • Grundkrankheiten des Kindes: v.a. Immundefekte, Stoffwechsel- und Darmerkrankungen,
  • kürzlich erfolgte Nahrungsumstellungen,
  • Risikofaktoren für Darminfekte, wie z.B. Verzehr von Rohmilch oder rohem Fleisch.

Im Anschluss wird das Kind untersucht und gewogen, weiters wird das Ausmaß der Dehydration beurteilt. Bei unkomplizierten Gastroenteritiden ist ein Nachweis des Erregers entbehrlich. Er sollte jedoch bei schweren Verläufen bzw. Begleiterkrankungen, kurz zurückliegenden Aufenthalten in Risikoländern sowie bei Säuglingen unter drei Monaten durchgeführt werden. Gegebenenfalls sind eine Blut- und Harnuntersuchung sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Endoskopie erforderlich.

Therapie

Im Vordergrund steht der Ersatz der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste. Weiters sollten Kinder möglichst ihre gewohnte Nahrung erhalten bzw. auf eine altersadäquate Kost umgestellt werden. Nur in schwereren Fällen ist auch eine medikamentöse Therapie erforderlich.

Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr:

  • Liegt keine Dehydration vor, müssen lediglich die laufenden Verluste ersetzt werden. Dazu eignen sich z.B. Tee mit etwas Salz und Zucker, aber auch fertige Lösungen aus der Apotheke.
  • Säuglinge und Kinder mit leichter bis mäßiger Dehydration können in den meisten Fällen mithilfe einer speziellen Trinklösung (orale Rehydrationslösung, ORL) erfolgreich rehydriert werden. Diese Behandlung kann entweder unter ärztlicher Anleitung zu Hause, ambulant in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus erfolgen.
  • Sehr schwer erkrankte Kinder mit ausgeprägter Dehydration, Bewusstseinstrübung und Kreislaufschock müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Kinder unter fünf Jahren sollten keine selbsthergestellten Saft-/Zucker-Salz-Wasser-Mischungen bekommen, da derartige Lösungen oft sehr variable Zusammensetzungen aufweisen. Generell zur Rehydration ungeeignet sind Cola-Getränke und Säfte.

Ernährung:

  • Gestillte Säuglinge können bereits während der Rehydrierungsphase zwischen dem Füttern der ORL angelegt werden. Während und kurz nach dem Durchfall sollte jede Nahrungsumstellung unbedingt vermieden werden.
  • Flaschen-ernährte Säuglinge erhalten unverdünnte Säuglingsmilchnahrung.
  • Säuglinge, die hypoallergene Säuglingsmilch bekommen, sollten diese beibehalten.
  • Kleinkinder und ältere Kinder mit leichter bis mittelschwerer Dehydration sollten spätestens vier bis sechs Stunden nach Beginn der Rehydrierung ihre gewohnte Nahrung erhalten. Am besten wird mit fettarmen Nudel-, Kartoffel- oder Reisgerichten, Hafer- oder Grießbrei, Salzstangen, Brot und Suppen (z.B. Kartoffel-, Karottensuppe) begonnen. Falls diese Speisen nicht erbrochen werden, kann auf Normalkost übergegangen werden.
  • Säfte mit hohem Fruktose-, Saccharose- oder Sorbitanteil (z.B. Apfel- oder Birnensaft) sollten vermieden werden.

Medikamente:

  • Eine medikamentöse Behandlung ist bei der unkomplizierten Gastroenteritis nur sehr selten notwendig. Einige Medikamente können jedoch die Durchfalldauer nachweislich verkürzen, z.B. Racecadotril oder Probiotika (v.a. Lactobacillus rhamnosus GG). Der Einsatz von Antibiotika ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Vorbeugung

Zur Vermeidung von Darminfektionen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  •  Stillen (auch teilweise),
  • Beachtung von Hygienemaßnahmen, insbesondere Händewaschen (v.a. vor der Zubereitung von Mahlzeiten bzw. dem Umgang mit Lebensmitteln, vor dem Stillen, nach dem Toilettenbesuch sowie nach dem Wechseln von Windeln),
  • Vermeidung von unvollständig gegartem Fleisch, Speisen aus rohem Ei (Salmonellen) sowie Rohmilch,
  • Vermeidung des direkten Kontaktes mit infizierten Kühen,
  • Impfung: Die Schutzimpfung gegen Rotaviren wird für Säuglinge und Kleinkinder im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfkonzeptes empfohlen. Nähere Informationen finden Sie unter Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder sowie Impfplan 2015.

Wann sofort zur Ärztin/zum Arzt?

In den meisten Fällen klingt akuter Durchfall bei Einhaltung der genannten Verhaltensmaßnahmen bzw. der von der Kinderärztin/dem Kinderarzt empfohlenen Therapien binnen weniger Tage problemlos ab.

Unter folgenden Umständen sollte unverzüglich eine Kinderärztin/ein Kinderarzt kontaktiert werden, da möglicherweise lebensbedrohliche Komplikationen bzw. Begleiterkrankungen auftreten können:

  • Das Kind weigert sich zu trinken.
  • Das Kind leidet unter Brechdurchfall.
  • Es zeigen sich blutige Stuhlbeimengungen.
  • Das Kind hat hohes Fieber und/oder gleichzeitig Bauchschmerzen.
  • Die Bauchdecke des Kindes ist sehr angespannt.
  • Der Durchfall besteht bei Säuglingen seit sechs Stunden, beim Kleinkind seit zwölf Stunden und beim Schulkind seit 18 Stunden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Verstopfung bei Kindern werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab.

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse