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Arzt untersucht Füsse eines Patienten © Viacheslav Iakobchuk

Tarsaltunnelsyndrom

Taubheitsgefühl an der Fußsohle, Kribbeln und ein schmerzhaftes Brennen an der Ferse: Diese Beschwerden können Anzeichen für ein Tarsaltunnelsyndrom sein. Ursache ist eine Reizung des Schienbeinnervs im Bereich des Innenknöchels. Meist ist eine Überlastung oder Verletzung der Grund der Beschwerden. Bleibt der Druck (Kompression) auf den Nerv im Tarsaltunnel länger bestehen, ist eine dauerhafte Schädigung möglich. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung der Beschwerden wichtig. Oft führen die Schonung des Fußes und eine Behandlung der Schmerzen mit Medikamenten zum Abklingen der Beschwerden. Selten ist eine Operation notwendig, um den Nerv zu entlasten . . .

Der Schienbeinnerv (Nervus tibialis) ist einer der beiden Nervenstränge des Ischiasnervs, der sich oberhalb des Knies teilt. Der Schienbeinnerv verläuft an der Innenseite des Unterschenkels. Er verzweigt sich auf der Innenseite des Fußes (medial) im Tarsaltunnel zum Fersenbein und zur Fußsohle.

Der Tarsaltunnel ist ein Kanal im Bereich des Innenknöchels, durch den Blutgefäße, Sehnen und der Schienbeinnerv verlaufen. Über dem Tarsaltunnel liegt ein Halteband (Retinaculum). Es verbindet den Innenknöchel mit dem Fersenbein.

Was ist ein Tarsaltunnelsyndrom?

Beim Tarsaltunnelsyndrom – es wird auch als hinteres Tarsaltunnelsyndrom bezeichnet – entwickelt sich im Tarsaltunnel eine Verengung, z.B. durch eine Schwellung oder Wucherung. Das Halteband über dem Tarsaltunnel kann nur sehr wenig nachgeben. Somit wirkt ein vergrößerter  Druck auf den Schienbeinnerv. Diese Beeinträchtigung (Kompression) des Nervs stört dessen motorische und sensible Versorgung von Muskeln, Bindegewebe und Haut und löst die Beschwerden aus. Ein Tarsaltunnelsyndrom tritt im Vergleich zum Karpaltunnelsyndrom,einem anderen  Nervenkompressionssyndrom, deutlich seltener auf.

Am Fuß kann es auch außerhalb des Tarsaltunnels zu Nervenreizungen oder einer Nervenkompression kommen, z.B. an den Ästen des Wadenbeinnervs. Der Wadenbeinnerv (Nervus fibularis) führt an der Außenseite des Unterschenkels und verzweigt sich zum Fußrücken und zu den Zehen. Auch hier kann es zu einer Kompression eines Nervs kommen. Dies wird Fibularissyndrom oder vorderes Tarsaltunnelsyndrom bezeichnet. Die Beschwerden sind dem Tarsaltunnelsyndrom ähnlich.

Ursachen & Symptome

Die typischen Symptome eines Tarsaltunnelsyndroms sind:

  • Fußschmerzen, schmerzhaftes Brennen an der Ferse, Kribbeln und Taubheitsgefühl an der Fußsohle, Verstärkung der Beschwerden in Ruhe und nachts.
  • Die Schmerzen können sich vom Innenknöchel über den Innenrand des Fußes zur Fußsohle ziehen. Selten strahlen die Schmerzen auch in die Wade aus.
  • Die Beschwerden verstärken sich durch langes Gehen oder Stehen.
  • Bei längerer Nervenkompression kann es zu Sensibilitätsstörungen am Fuß und Muskelschwäche beim Spreizen der Zehen kommen sowie zu
  • verminderter Schweißbildung an der Fußsohle.

Meist wird ein Tarsaltunnelsyndrom durch Überlastungen ausgelöst. Der Grund: Fuß, Sprunggelenk und Knöchel sind beim Gehen und Laufen oft hohen Belastungen ausgesetzt. Mögliche Ursachen für Überlastungen sind:

  • Fehlstellungen des Fußes, z.B. Knick-Senkfuß und Plattfuß belasten die Umgebung des Sprunggelenks und können den Druck auf den Tarsaltunnel dauerhaft erhöhen.
  • Ungeeignete Schuhe – zu klein, zu eng  oder zu hoch – lassen den Fuß im Bereich des Sprunggelenks anschwellen.
  • Überlastungen des Sprunggelenks durch Bewegung, z.B. beim Laufen oder Gehen können zu einer Nervenkompression am Fuß und im Tarsaltunnel führen. Falsche Bewegungsabläufe und enge Sportschuhe mit nicht geeignetem Fußbett erhöhen das Risiko.
  • Übergewicht oder die Gewichtszunahme bei einer Schwangerschaft stellen eine erhöhte Belastung des Fußes dar.
  • Verletzungen  z.B. Schwellungen oder Ödeme aufgrund von Verstauchungen, Zerrungen, Vernarbungen oder Knochenbrüchen (Frakturen) können ein Tarsaltunnelsyndrom verursachen.

Auch Erkrankungen können ein Tarsaltunnelsyndrom auslösen. Dabei entwickelt sich die Nervenkompression oft schleichend. Dazu zählen:

  • Entzündliche Erkrankungen, wie rheumatoide Arthritis, Arthrosen oder Gicht,
  • Gefäßerweiterungen aufgrund von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes,
  • Synovialzysten (Ganglion) des Sprunggelenks,
  • benigne (gutartige) Nerventumore.

Manche Erkrankungen können ähnliche Symptome wie ein Tarsaltunnelsyndrom hervorrufen. Die Beschwerden haben jedoch andere Ursachen und es liegt keine Verengung im Tarsaltunnel vor. Dazu zählen z.B. Polyneuropathie, Durchblutungsstörungen, Nervenverletzungen, Fersensporn, Arthrosen der Fußgelenke oder entzündliche Veränderungen der Faszien (Muskel umgebendes Bindegewebe) und Bänder.

Diagnose

Typische Beschwerden eines Kompressionssyndroms sollten Patientinnen/Patienten früh von einer Ärztin/einem Arzt abklären lassen. Dadurch können dauerhafte Schäden am Nerv vermieden werden.

Zunächst erfragt die Ärztin/der Arzt die Krankengeschichte. Wichtig ist die Information

  • welche Beschwerden auftreten,
  • seit wann und an welcher Stelle sie auftreten,
  • wie stark die Schmerzen sind,
  • ob sie in Ruhe, in der Nacht oder bei Belastung auftreten sowie
  • ob begleitende Krankheiten bestehen und
  • ob die Patientin/der Patient sich vor Kurzem verletzt hat.

Danach untersucht die Ärztin/der Arzt den Fuß und prüft die Beweglichkeit. Durch Abtasten und Beklopfen der betroffenen Region wird untersucht, ob eine Überempfindlichkeit besteht. Ein elektrisierendes Gefühl (Hoffmann-Tinel-Zeichen) ist typisch für gereizte oder geschädigte Nerven. Aber auch andere Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen, z.B. Durchblutungsstörungen, Polyneuropathie, Fersensporn, Achillessehnenentzündung oder Bandscheibenvorfall.

Bei unklarem Krankheitsbild sind daher zur genaueren Diagnose weitere Untersuchungen notwendig. Dazu zählen:

  • Röntgen vom Fuß und vom Sprunggelenk zur Abklärung von Knochen und Gelenken,
  • Überprüfung der Nervenfunktion durch Fachärztin/Facharzt für Neurologie mit einer  Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), um schwere Schädigungen der Nervenbahnen auszuschließen bzw. einer Überprüfung der elektrischen Muskelaktivität (EMG) sowie
  • MRT, Sonographie oder andere bildgebenden Untersuchungen bei einem Verdacht auf Tumor, um Verdickungen von Sehnen und Bändern zu untersuchen. 

Therapie

Meist wird die Ärztin/der Arzt zunächst eine Ruhigstellung des Fußgelenks verordnen. Besteht eine Fußfehlstellung (z.B. Knick-Senk- oder Plattfuß), können Schuheinlagen mit einer erhöhten Innensohle den Nerv entlasten. Zur Linderung von Schmerzen kann die Ärztin/der Arzt entzündungshemmende Medikamente verschreiben. Meist klingen die Beschwerden nach einigen Wochen ab.

Kühlkompressen können helfen, Schwellungen am Fuß und Schmerzen zu lindern. Ev. kann die Ärztin/der Arzt physikalische Therapien oder Krankengymnastik verordnen. Möglicherweise zeigt die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut Übungen, die von der Patientin/vom Patienten zu Hause selbst durchgeführt werden können.

Bei anhaltenden, starken Schmerzen kann die Ärztin/der Arzt eine Injektion von Kortison vorschlagen. Da Kortison bei mehrmaliger Anwendung Sehnen und Bänder schädigen kann, wird Kortison sehr zurückhaltend eingesetzt. 

Wann ist eine Operation angezeigt?

Bei anhaltenden Beschwerden mit neurologischen Ausfällen und einer klaren Diagnose eines Tarsaltunnelsyndroms ist eine Operation angezeigt. Ziel einer Operation ist, den Nerv zu entlasten (Dekompression) und dauerhafte Nervenschäden zu vermeiden. Bei dem Eingriff wird das Halteband (Retinaculum) über dem Tarsaltunnel längs gespalten. Ev. werden bei der Operation auch knöcherne Druckstellen oder Wucherungen entfernt. Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) des Fußes durchgeführt werden. Kurz nach der Operation ist ein Hochlagern des Beines angezeigt. Danach wird der Fuß für ca. zwei bis drei Wochen mit einer Schiene (Orthese) ruhiggestellt. Die Patientin/der Patient wird mit Gehstöcken mobilisiert und kann voll belasten.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Schmerzen an der Ferse oder am Fuß mit den Anzeichen einer Nervenreizung können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Hausärztin/Hausarzt (Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin),
  • Fachärztin/einen Facharzt für Orthopädie oder Neurologie,
  • Schmerzambulanz bzw. Schmerztherapeutin/Schmerztherapeut. 

Eine Operation kann durch eine Fachärztin/einen Facharzt für Orthopädie durchgeführt werden.

Schuheinlagen erhalten Sie nach ärztlicher Verordnung bei Bandagistinnen/Bandagisten, Orthopädietechnikerinnen/Orthopädietechnikern sowie Orthopädieschuhmacherinnen/Orthopädieschuhmachern.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine Bewilligung des leistungszuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinischer Dienst – „Chefarzt“) erforderlich sein, ebenso wie bei bestimmten medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie), in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Ärztlich verordnete Schuheinlagen zählen zu den Heilbehelfen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Webseiten der Sozialversicherung finden.

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