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Mann arbeitet im Rollstuhl am Laptop © zinkevych

Querschnittlähmung

Eine Querschnittlähmung  bezeichnet die Kombination von Symptomen, die auftreten, wenn die Nervenleitung im Rückenmark beschädigt ist. Hierzu zählen jedoch nicht nur Lähmungen, sondern auch Störungen vegetativer Funktionen sowie Veränderungen der Muskelspannung und -reflexe. Obwohl viele Menschen mit einer Querschnittlähmung im Rollstuhl sitzen, sind die Einschränkungen, die durch die Schädigung des Rückenmarks auftreten können, nicht auf die Bewegungsfähigkeit begrenzt. Im Rückenmark befinden sich auch Nerven, die für die Steuerung von Organen verantwortlich sind. So hat das Rückenmark beispielsweise auch Einfluss auf Verdauung und Herzfrequenz.


Eine komplette Querschnittlähmung liegt dann vor, wenn aufgrund eines Traumas (Unfall, Verletzung) oder schwerer Erkrankung der Spinalkanal und das darin verlaufende Rückenmark komplett durchtrennt werden. Es kommt zu einem Funktionsausfall, dessen Ausmaß von der Läsionshöhe abhängig ist, da die Nervenbahnen (und damit die Reizleitung) zwischen der Steuerzentrale im Gehirn und den angesteuerten Organen, Gliedmaßen und Muskeln unterbrochen sind.

Ist das Rückenmark nur teilweise durchtrennt, liegt eine inkomplette Querschnittlähmung bzw. eine Parese vor. Aufgrund der verbesserten operativen Behandlungsmöglichkeiten und der schnellen Versorgung am Unfallort sind heute zirka 60 Prozent aller Querschnittlähmungen inkomplett.

Ursachen

Ursache für eine Querschnittslähmung ist die Schädigung des Rückenmarks. Unterschieden wird grundsätzliche zwischen der angeborenen und der „erworbenen“ Querschnittlähmung durch Krankheiten oder einen Unfall bzw. eine Verletzung.

Traumatisch bedingte Querschnittlähmung

Rund 70 Prozent der Betroffenen sind durch einen Unfall oder Sturz querschnittgelähmt. Da das Rückenmark durch einen knöchernen Kanal geschützt ist, wird es meist nicht direkt durchtrennt. Vielmehr wird die Verletzung durch gebrochene Wirbelkörper und/oder Luxationen (Verrenkungen) verursacht. Der Druck auf das Rückenmark führt letztlich zur Schädigung von Nerven mit der Folge einer Lähmung. Selten kommt es zur völligen Unterbrechung der Nervenbahnen.

Nicht traumatisch bedingte Querschnittlähmung

Darunter versteht man krankheitsbedingte Lähmungen, die durch Druck auf das Rückenmark entstehen oder direkt im Rückenmark verursacht werden. Ursachen können u.a. sein:

  • Tumoren der Wirbelsäule, des Rückenmarks oder seiner Häute,
  • entzündliche Erkrankungen der Wirbelkörper, der Bandscheiben oder des Rückenmarks bzw. seiner Häute (z.B.Kinderlähmung, Multiple Sklerose),
  • Rückenmarksinfarkte infolge von Durchblutungsstörungen des Rückenmarks oder von Einblutungen,
  • Bandscheibenvorfälle und andere degenerative Wirbelsäulenveränderungen (Cauda-equina-Syndrom),
  • Wirbelbrüche durch Osteoporose sowie
  • Autoimmunkrankheiten (z.B. Guillain-Barré-Syndrom).

Angeborene Querschnittlähmung

Eine Verschlussstörung des Neuralrohres (Spina bifida) in der Embryonalzeit führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Querschnittlähmung, welche bei der Geburt vorliegt. Mädchen sind hiervon etwas häufiger betroffen als Jungen. In Mitteleuropa tritt eine Spina bifida durchschnittlich bei einem von 1.000 Kindern auf. Die Öffnung des Rückens muss sofort nach der Geburt operativ geschlossen werden.

Symptome

Ausschlaggebend für das Ausmaß einer Querschnittlähmung ist vor allem, auf welche Bereiche des Rückenmarks Druck ausgeübt wird und wie lange dieser anhält. Bei einer kompletten motorischen Lähmung (Plegie) und vollständiger Durchtrennung der Nerven an einer bestimmten Stelle des Rückenmarks fehlen Muskelkraft und Empfindungsvermögen der betroffenen Regionen vollständig, während bei einer inkompletten Lähmung (Parese) eine Restmotorik und/oder eine Restsensibilität vorhanden sind. Die Unterscheidung in „Para“ und „Tetra“ bezieht sich auf die betroffenen Gliedmaßen: Bei Verletzungen in Höhe der Lendenwirbelsäule sind die Beine und eventuell Beckenorgane sowie der Rumpf betroffen (Para). Nach Schädigungen des Rückenmarks in Brusthöhe kommt es bei einer Tetraplegie oder Tetraparese (tetra = vier) zur Beeinträchtigung aller Gliedmaßen. Nach Verletzungen des vierten oder fünften Halswirbels ist der gesamte Körper vom Hals an abwärts komplett oder teilweise gelähmt.

Zudem unterscheidet man zwischen einer schlaffen Lähmung und einer spastischen Lähmung, wobei eine zunächst schlaffe Lähmung nach und nach in eine spastische übergehen kann.

Eine Querschnittlähmung kann auch Auswirkungen auf Organe und Körperfunktionen haben, u.a.:

  • Atemlähmung, Atemfunktionsstörungen, Störungen der Hustenfunktion.
  • Herz- und Kreislaufstörungen, Pulsverlangsamung, Temperaturregulationsstörungen, Thrombose, geschwollene Beine,
  • Störung von Sensibilität und Schmerzempfinden, Entstehung von Druckstellen (Dekubitus),
  • Funktionsstörungen von Blase und Darm sowie
  • Sexualfunktionsstörungen (Erektions- und Ejakulationsstörungen, veränderte Orgasmen).

Diagnose

Bildgebende Verfahren wie v.a. Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können Aufschluss über Lage und Ausmaß von Schädigungen im Rückenmark liefern. Blutuntersuchungen können sinnvoll sein, um Entzündungsparameter zu identifizieren. Eine neurologische Untersuchung ist immer angezeigt, wenn Schädigungen von Gehirnnerven als Ursache einer Lähmung in Betracht kommen.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Bei infektiös bedingten Lähmungen können Antibiotika oder Virustatika zum Einsatz kommen.
  • Durch Hirntumoren verursachte Lähmungen können sich nach operativer Therapie, Chemo-bzw. Strahlenbehandlung eventuell zurückbilden.
  • Bei durch Unfälle ausgelösten Lähmungen kann durch eine Operation versucht werden, die Nervenverbindungen zu retten.
  • Bei Lähmungen im Rahmen von Muskel- und Nervenkrankheiten sind v.a. unterstützende Maßnahmen wie Physiotherapie und physikalische Behandlungen sinnvoll, um Muskulatur, Durchblutung und Beweglichkeit zu stärken. Hauptziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu bremsen.

Hinweis Gegebenenfalls wird bei Lähmungen – speziell nach chirurgischer Traumabehandlung oder bei Tumorerkrankungen – eine Rehabilitation in einem neurologischen Rehabilitationszentrum empfohlen.

Verlauf

Ein durchtrenntes Rückenmark wächst nicht mehr zusammen. Diese Schädigung kann auch operativ nicht behoben werden. Betroffene können dann nur noch jene Körperteile bewegen, die oberhalb der durchtrennten Stelle des Rückenmarks liegen. Ist die Querschnittlähmung hingegen durch eine andere Erkrankung langsam entstanden, so kann eine frühzeitige Therapie zu einer Besserung oder sogar vollständigen Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit und körperlichen Funktionalität führen. Voraussetzung dafür ist, dass zumindest Teile der Nerven noch intakt sind. Grundsätzlich sind die Chancen auf eine Verbesserung der Symptome bei inkompletter Querschnittlähmung deutlich höher.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei jeder plötzlich oder neu aufgetretenen Lähmung sollten Sie sich unverzüglich an folgende Institutionen wenden:

  • Rettung,
  • Unfallambulanz,
  • Notfallambulanz,
  • diensthabende Ärztin/diensthabender Arzt für Allgemeinmedizin oder
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist zur Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Eine allenfalls erforderliche weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner oder die Fachärztin/den Facharzt für Neurologie.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wird eine Rehabilitation in einem neurologischen Rehabilitationszentrum empfohlen, wird der dafür erforderliche Rehabilitationsantrag in den meisten Fällen noch direkt im Krankenhaus durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt mittels Antragsformular gestellt.

Nähere Informationen zum Thema „Antragstellung für Rehabilitation“ finden Sie im Artikel Rehabilitations- und Kuraufenthalt.

Rehabilitationszentren für neurologische Erkrankungen finden Sie unter Services:
Suche nach Rehabilitationszentren.

Die Rehabilitationskosten während des Spitalsaufenthaltes sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Für weitere ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, die vom zuständigen Sozialversicherungsträger bewilligt werden muss. Für stationäre Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist ein Selbstbehalt (einkommensabhängig) vorgesehen.
 

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