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Junge und alte Frau beim Spielen © iofoto

Demenz: Kommunikation mit Betroffenen

Prinzipiell erfordert eine sinnvolle, wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Demenz keine besonderen „Techniken“. Allerdings kann der tägliche Umgang erleichtert werden, wenn spezielle Sensibilisierungstrainings (siehe unten) absolviert wurden. Da Personen mit Demenz mit zunehmendem Krankheitsstadium sehr sensibel auf Kritik, aber auch auf Unter- bzw. Überforderung reagieren, sollte in der Kommunikation vor allem auf einen wertschätzenden Umgang geachtet werden. Dazu gehört, vorhandene Fähigkeiten zu beachten, wenn passend lobende Worte zu finden und Vorwürfe zu vermeiden.

Voraussetzung einer wertschätzenden, ressourcenstützenden Kommunikation bildet vor allem das Wissen über den Verlauf und die Stadien der Erkrankung. Personen mit Demenz können ab dem fünften Stadium der Krankheit (mittelschweres Stadium) – ihre Bedürfnisse oder Ängste immer weniger klar verbal äußern. Es kann daher vorkommen, dass die Betreuungspersonen oder Angehörigen nicht verstehen, was die/der Betroffene sagen oder mitteilen möchte. Daher ist nicht nur die inhaltliche Botschaft der Sprache, sondern auch alle anderen Aspekte einer Kommunikation (nonverbale Kommunikation, Körpersprache) von Bedeutung.

Hinweis Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist für Angehörige und pflegende Personen erlernbar. Personen mit Demenz und Betreuungspersonen profitieren davon nachweislich mit einer höheren Lebensqualität.

Wenn Angehörige, Pflege- und Betreuungspersonen einfache Prinzipien in der Kommunikation mit Personen mit Demenz beachten, trägt dies wesentlich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei.

Verbale Kommunikation

  • Betreuungspersonen sollten auf ihren eigenen Kommunikationsstil achten. 
  • Mit zunehmendem Schweregrad der Krankheit müssen die Inhalte der Kommunikation vereinfacht werden, damit die Botschaft für die Person mit Demenz verarbeitbar ist.
  • Eventuell kann das Gesagte wiederholt und dabei umformuliert werden. Dies vermittelt Sicherheit und Vertrauen. 
  • Antworten können auch in nonverbalen Signalen oder in der Körpersprache stecken.
  • Wenn geplante Aktivitäten angekündigt bzw. vorschlagen werden, gibt man der betroffenen Person Zeit, darauf zu reagieren und zu signalisieren, dass sie/er einverstanden ist.
  • Eine Person mit Demenz kann unter Umständen nicht verstehen, warum sie bei einem Gespräch korrigiert wird. Auf Fehler aufmerksam zu machen, kann auch verletzen.
  • Wichtig sind positive Formulierungen und Aner­kennung.
  • Für Personen mit Demenz kann es in fortgeschrittenen Stadien schwierig sein, „Warum-, Wieso-, Weshalb-Fragen“ zu beantworten, da diese zu komplexe Anforderungen an die Person stellen.

Nonverbale Kommunikation

  • Augenkontakt und bewusstes Zuwenden, Begegnung auf Augen­höhe (ev. hinsetzen, in die Knie gehen) unterstützen die Kommunikation.
  • Empathisches und aktives Zuhören und emotionales Hinhorchen. 
  • Wichtig ist, die Gefühle und Bedürfnisse einer Person mit Demenz zu erkennen, aber auch abzuklären, ob man ihre/seine Zeichen und Botschaften richtig verstanden hat.
  • Körperliche Nähe – wenn angemessen und von der Person mit Demenz akzeptiert – ist ein wichtiges Element der nonverbalen Kommunikation.

Haltungen und Einstellungen

  • Als Betreuungsperson ist es wichtig, die Fähigkeiten der Person mit Demenz – trotz der Defizite und Einschränkungen – in jedem Stadium wahrzunehmen.
  • Beim Zusammenleben mit einer Person mit Demenz sollte man sich auch auf Unvorhergesehenes und Ungewöhnliches einlassen können.

Kommunikation lernen

Ein verstehendes Miteinander kann in speziellen Kommunikationstrainings erlernt und geübt werden und hat nachweislich eine positive Wirkung auf die Lebensqualität für Betroffene, Betreuende und Angehörige. Beispiele für in Österreich etablierte Methoden zur personen-zentrierten Kommunikation:

  • Validation nach Naomi Feil: Eine bewährte Methode für verständnisvolle, empathische Kommunikation mit sehr alten, desorientierten Menschen.
    Weitere Informationen: Österreichisches Institut für Validation.
  • Basale Stimulation: Eine Form ganzheitlicher, körperbezogener Kommunikation für Menschen mit wesentlichen Einschränkungen.
    Weitere Informationen: Basale Stimulation in der Pflege.
  • Stadiengerechtes Training als wertschätzende Kommunikationsform.
    Weitere Informationen: Alzheimerhilfe.

Hinweis Eine Einführung in den Themenkreis „Leben mit Alzheimerkranken“ gibt ein digitaler Lehrbehelf des Österreichischen Instituts für Validation. Texte, Tests und Spiele sowie Filmausschnitte bieten u.a. pflegenden Angehörigen, Laien oder Trainerinnen/Trainern alltags- und praxisbezogene Anregungen für einen wertschätzenden Umgang mit Demenzkranken und deren Umfeld. Zum kostenlosen Download.

Wohin kann ich mich wenden?

Selbsthilfegruppen oder soziale Organisationen bieten Kurse für Kommunikation bzw. für den Umgang mit demenzkranken Menschen an. Weitere Infos finden Sie unter Beratung & Hilfe.

Welche Einrichtungen in Ihrer Nähe Seminare oder Kommunikationstrainings für Angehörige anbieten, können Sie auch bei der betreuenden Ärztin/beim betreuenden Arzt oder bei einer Selbsthilfegruppe erfragen. Hier kommen Sie zur Suche nach Selbsthilfegruppen.

Beratung & Hilfe

Downloads & Broschüren

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