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Zwei Hufeisen und ein vierblättriges Kleeblatt © Creatix

Glück: Was ist das?

„Glück“ ist ein geflügeltes Wort. Doch Fakt ist: Glücklich sein macht Spaß und fördert die Gesundheit, sowohl körperlich als auch seelisch. Dabei geht es nicht um ein permanentes Ausklammern unangenehmer Gefühle, denn das wäre auf Dauer nicht förderlich. Ärger, Wut & Co. gehören zum Leben dazu. Doch wer lernt, das Glück zu genießen, gewinnt viel an Lebensqualität.

Die Dimensionen des Glücks

Glück zu definieren ist eine Herausforderung. Denn für jede/jeden kann es etwas anderes bedeuten – auch abhängig vom kulturellen Kontext. Das Wort „Glück“ durchdringt die Literaturlandschaft, zahlreiche Sprichwörter und Redewendungen gibt es zu diesem Thema.

Glück kann in mehreren Dimensionen erlebt werden, z.B.:

  • sich anderen Menschen nahe zu fühlen,

  • als schöpferisches Potenzial,

  • als völlige Entspannung,

  • als Verschmelzungsgefühl (z.B. erotischer Natur),

  • als Erfüllung,

  • als eine Art Trance,

  • ohne Zeitgefühl (die Zeit vergessen),

  • sinnerfüllt oder auch

  • durch das erhebende Gefühl der Selbstbestimmung.

Die Fähigkeit zum Empfinden positiver bzw. Glücksgefühle ist genetisch mitbestimmt. Doch Umweltbedingungen sowie die persönliche Entwicklung und das eigene Erleben gestalten und formen die „Glückslaufbahn“. In der psychologischen Forschung entwickelte sich z.B. auch das Konzept des subjektiven Wohlbefindens, das in der Folge erforscht wurde. Dieses setzt sich aus länger anhaltender Lebenszufriedenheit, häufigen positiven Emotionen (z.B. Freude) und seltenen negativen Gefühlen (z.B. Ärger) zusammen.

Persönlichkeitsfaktoren als Schlüssel

Glücksforschung ist ein jüngeres Forschungsgebiet, dem sich verschiedene Disziplinen (z.B. Psychologie) widmen. Die positive Psychologie, die von dem Psychologen Martin Seligman ins Leben gerufen wurde, beschäftigt sich beispielsweise mit erfreulichen Gefühlen und Persönlichkeitsstärken. Als menschliches Gefühl ist Glück gegenüber negativen Emotionen wie etwa Angst und Ärger allerdings wissenschaftlich unterrepräsentiert. Es gibt wesentlich weniger Publikationen zu positiven Emotionen als zu negativen.

Nach dem Psychologen Lewis Goldberg gibt es die sogenannten „Big Five“ der Persönlichkeitsmerkmale:

  • Extraversion: aus sich herausgehen, gesellig sein;

  • Offenheit: für neue Erfahrungen, flexibel sein, Einsatz von Fantasie;

  • Verträglichkeit: Rücksicht auf andere nehmen, freundlich sein;

  • Gewissenhaftigkeit:z.B. ausdauernd Ziele verfolgen;

  • Neurotizismus: emotionale Instabilität (etwa sich leicht aus der Ruhe bringen lassen bzw. nervös werden).

Mithilfe dieser Persönlichkeitsfaktoren konnte die Glücksforschung einige Erkenntnisse erzielen. Extravertierte Menschen sind laut dieser Studien glücklicher. Wer aus sich herausgeht und soziale Kontakte pflegt, profitiert sichtlich davon. Allerdings kann auch der Gegenpol Introvertiertheit (Menschen, die eher gerne alleine sind) zu einem glücklichen Leben führen, wenn die Betroffenen ein eher zurückgezogenes Leben als angenehm empfinden. Ganz ohne soziale Netze, die auch in Krisenzeiten für einen da sind, lebt es sich allerdings meist nicht so angenehm. Neurotizimus korreliert mit weniger Glücksmomenten und ist nicht mit Neurosen (Form von psychischen Krankheiten) zu verwechseln. Gewissenhaftigkeit – sofern sie nicht zwanghaft übertrieben wird – führt zu mehr Glück, als alles dem Zufall zu überlassen. Offenheit für neue Erfahrungen sowie Verträglichkeit hat in diesen Forschungen ebenfalls einen Zusammenhang zum Glücklichsein ergeben. Dabei sind diese Persönlichkeitsfaktoren nicht unabänderbar und durch die Lebensgeschichte geprägt.

Stress abbauen, Ressourcen aufbauen

Glücksempfinden wirkt sich nicht nur positiv auf die psychische, sondern auch auf die körperliche Gesundheit aus. Glückliche Menschen fühlen sich subjektiv gesünder, empfinden weniger Schmerzen und schütten in Stresssituation weniger Stresshormon Cortisol aus. Glück senkt den Stresslevel und hilft, Dinge auch als gegeben hinzunehmen. Die Erweiterungs- bzw. Aufbautheorie besagt, dass positive Gefühle – vor allem Freude und Glück – den Handlungs- sowie Gedankenspielraum erweitern. Ressourcen werden aufgebaut, die weitere Glückserlebnisse nach sich ziehen bzw. Stress leichter bewältigen lassen. Glücks- und Lebenskompetenzen aufzubauen, ist für den weiteren Lebensweg sehr hilfreich. Dabei geht es nicht nur um das pure Wohlbefinden. Es geht u.a. darum, das Selbstvertrauen zu stärken und zu lernen, mit den Herausforderungen des Alltags besser fertig zu werden. „Glück“ gibt es auf einigen Schulen als eigenes Schulfach.

Körperliches und seelisches Feuerwerk

Im menschlichen Gehirn gibt es ein sogenanntes Belohnungssystem. Bestimmte Hirnregionen reagieren auf Ereignisse, die sich lohnen. Botschaft dieser Abläufe ist: „Das lohnt sich – das möchte ich wiederholen.“ In der Wissenschaft werden sogenannte Belohnungsneuronen definiert, die spezifisch auf diese Reize reagieren. Diese Gehirnregionen sprechen allerdings nicht mehr an, wenn man die Belohnung gar nicht mehr möchte. Motivation und Belohnung sind eng miteinander verknüpft und bilden einen Zyklus aus Motivation, Verhalten und Belohnung, den Motivations-Belohnungs-Kreislauf. Mehrere Gehirnstrukturen sind an diesem Prozess beteiligt (z.B. der Nucleus accumbens, die Lust- und Belohnungszentrale). Bereits die Erwartung einer Belohnung kann als Vorfreude registriert werden. Dem Belohnungssystem kommt auch eine Rolle in der Suchtforschung zu.

Eine Schlüsselrolle nehmen Botenstoffe ein. Der Neurotransmitter Dopamin scheint Menschen zu einem Verhalten zu motivieren, das positive Konsequenzen nach sich zieht. Ein weiterer Botenstoff in Zusammenhang mit guten Gefühlen ist Serotonin. Auch Oxytocin, ein Hormon, das vor allem im Kontext mit Stillen und Bindung in Zusammenhang gebracht wird, wirkt sich auf den „Glückshaushalt“ aus. Genauso wie etwa körpereigene Endorphine.

Der Weg zur Erfüllung ist höchst individuell

Nach der sogenannten Adaptionstheorie kehren Menschen nach intensiven Glücksgefühlen wieder auf ein emotionales Ausgangslevel zurück. Glücklicher als glücklich und dauernd glücklich zu sein, funktioniert leider nicht und erscheint auch im Lebenszusammenhang und Reifungsweg eines Menschen nicht sinnvoll. Dennoch ist es möglich, das Glücksempfinden bzw. Wohlbefinden zu steigern – etwa durch Änderung des Denkens oder Handelns. Allerdings ist es wichtig, auch größere Lebenszusammenhänge zu betrachten und keinen Instantrezepten zu folgen.

Praktische Tipps, das eigene Lebensglück zu erreichen bzw. zu steigern, häufen sich in den letzten Jahren, z.B. auf dem Buchmarkt. Im Endeffekt kann nur jede/jeder selbst herausfinden, was sie/ihn individuell glücklich macht. Orientierungspfeiler geben die Glücksforschung und die eigene Erfahrung vor. Glück zu suchen ist vor allem oft dann erfolgreich, wenn man diesem nicht verbissen nachjagt, sondern eine gewisse entspannte Haltung dazu einnimmt.

Happy Writing mit dem Glückstagebuch

Eine Idee zur Steigerung von Glück ist es, ein gezieltes Glückstagebuch zu führen. Dieses ist auch wissenschaftlich untermauert und kann folgende wichtige Themen beinhalten:

  • Richten Sie den Fokus auf das Positive: Ereignisse, die schön sind bzw. waren und deren Geschichte. Andere (negative) Aspekte sollten aber nicht ausgeklammert werden.

  • Rufen Sie sich Dankbarkeit in Erinnerung: Wofür sind Sie dankbar?

  • Lernen Sie Ihre Stärken kennen: Ergründen Sie, welche guten und hilfreichen Charaktereigenschaften in Ihnen stecken, und setzen Sie diese immer wieder auf neue Art und Weise ein.

Das Festhalten dieser Erlebnisse und Gedanken kann Ausgangspunkt sein, um neue Wege und Betrachtungsperspektiven im Leben zu finden. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf! Auch eine Collage oder Zeichnung können in „Ihrem Werk“ Platz finden.

Wenn Sie sich mit Ihren Emotionen (z.B. im Rahmen einer Selbsterfahrung) genauer auseinandersetzen möchten, helfen Ihnen etwa Psychologinnen/Psychologen bzw. Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten weiter. Sollten Sie sich psychisch schlecht fühlen, zögern Sie ebenfalls nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Weitere informative Links:

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