Wir haben Videos eingebettet, die auf externen Video-Plattformen (z.B. YouTube) liegen. Es besteht die Möglichkeit, dass externe Video-Plattformen Cookies setzen. Wenn Sie dem zustimmen, können solche Videos abgespielt werden. Dazu besuchen Sie bitte unsere Cookie-Einstellungen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Wir haben Videos eingebettet, die auf externen Video-Plattformen (z.B. YouTube) liegen. Es besteht die Möglichkeit, dass externe Video-Plattformen Cookies setzen. Wenn Sie dem zustimmen, können solche Videos abgespielt werden. Dazu besuchen Sie bitte unsere Cookie-Einstellungen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Wir haben Videos eingebettet, die auf externen Video-Plattformen (z.B. YouTube) liegen. Es besteht die Möglichkeit, dass externe Video-Plattformen Cookies setzen. Wenn Sie dem zustimmen, können solche Videos abgespielt werden. Dazu besuchen Sie bitte unsere Cookie-Einstellungen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Virtueller Autismus

Digitale Medien, z.B. der Gebrauch von Smartphone, TV oder Tablet, gehören zum Alltag – so auch etwa in Familien. Sie bieten angemessen genutzt viele Möglichkeiten, haben jedoch auch Risiken – z.B. aufgrund weniger sozialer Erfahrungen. Fachleute stellen fest, dass der übermäßige Konsum von digitalen Medien bzw. Bildschirmzeit bei Kleinkindern zu Auffälligkeiten in Entwicklung und Verhalten führen kann. Auch auf Säuglinge kann sich dieser Konsum durch Mitschauen oder Mithören auswirken.

Der Fachbegriff für das Auftreten von Symptomen ähnlich wie bei Autismus durch den übermäßigen Gebrauch von digitalen Medien ist der virtuelle Autismus. Bei diesem kann es zu Verhaltensauffälligkeiten oder Schwierigkeiten in der Entwicklung kommen. Welche Kennzeichen gibt es für virtuellen Autismus? Kann man vorbeugen? Was können Eltern tun? Wo finde ich Rat? Plus: Tipps zum Umgang mit digitalen Medien bei Babys und Kleinkindern.
 

Hinweis

Dieser Artikel befasst sich mit dem noch jungen Fachbegriff des virtuellen Autismus. Er soll einen kurzen Überblick zum Thema bieten. Es ist wichtig zu beachten, dass die Fachwelt derzeit noch viel zu diesem Thema und Begriff diskutiert und forscht.

Virtueller Autismus: Was ist das?

Fachleute nehmen an, dass der übermäßige Konsum digitaler Medien wie Inhalte auf Tablets oder Smartphones bei Säuglingen und Kleinkindern zu Symptomen bzw. Verhalten ähnlich wie bei Autismus-Spektrum-Störungen führen kann. Die Fachwelt verwendet den Begriff virtueller Autismus in diesem Zusammenhang. Dabei kann es auch eine Rolle spielen, dass durch den Medienkonsum weniger echter sozialer Austausch stattfindet. Fachleute bezeichnen virtuellen Autismus auch als digitalen Autismus oder Pseudoautismus.

Bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen kann sich unpassender Medienkonsum zudem stärker auswirken, und Symptome können sich verschlechtern.

Welche Kennzeichen von virtuellem Autismus gibt es?

Zu Kennzeichen von virtuellem Autismus können zählen:

  • Kein bzw. kein durchgehender Blickkontakt
  • Geringere Zeitspanne, aufmerksam zu sein
  • Keine Reaktion, wenn man mit dem eigenen Namen gerufen wird
  • Schwierigkeiten, die Umgebung und Menschen rund um einen selbst wahrzunehmen 

Diese Symptome können sich allerdings zurückbilden, sobald der Konsum der digitalen Medien wieder gestoppt und die gewonnene Zeit mit sozialen Interaktionen wie gemeinsamen spielerischen Aktivitäten verbracht wird. Soziale Interaktionen fördern auch die Bindung und eine gesunde Entwicklung. Sie wirken zudem einer sogenannten sozialen Deprivation entgegen.

Ist virtueller Autismus eine Diagnose?

Nein, virtueller Autismus ist derzeit keine Diagnose im Gesundheitsbereich bzw. keine Erkrankung. Er ist jedoch ein Hinweis darauf, dass die Nutzung digitaler Medien in der frühen Kindheit einen negativen Einfluss auf die Entwicklung haben kann und sich Symptome ähnlich wie bei Autismus entwickeln können. Die Fachwelt benötigt für weitere Zuordnungen mehr Forschungen und Evidenz.

Nähere Informationen zur Diagnosestellung von Autismus-Spektrum-Störungen finden Sie unter Autismus und Asperger-Syndrom.

Die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt oder die Kinderpsychiaterin bzw. der Kinderpsychiater kann feststellen, ob zum Beispiel eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen könnte. Die Symptome von virtuellem Autismus können auch etwa ADHS ähnlich sein. Die Ärztin oder der Arzt schlägt im Fall von Schwierigkeiten bei Entwicklung bzw. Verhalten weitere individuelle Abklärungen sowie Unterstützungsmöglichkeiten vor.

Welche Risiken kann der Konsum digitaler Medien auf die Entwicklung haben?

Konsum von digitalen Medien kann verschiedene Risiken für die kindliche Entwicklung haben. Die Risiken sind auch abhängig von Alter sowie Ausmaß des Konsums und Art der genutzten Inhalte. Fachleute haben Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien (AWMF-Leitinie für Eltern zu Medienkonsum in der Familie) erstellt, um die Risiken zu senken und negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die gesunde Entwicklung eines Kindes zu vermeiden.

Die Risiken für die Entwicklung durch digitale Medien können zum Beispiel betreffen:

  • sprachliche Entwicklung,
  • soziale Entwicklung bzw. Kompetenzen und Verhalten,
  • psychische Entwicklung,
  • Entwicklung der Bewegungsfähigkeiten,
  • kognitive Entwicklung,
  • Augengesundheit.

Dies könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass die Kinder nicht ausreichend Zeit zum Spielen haben oder zu wenig Zeit mit ihren Bezugspersonen verbringen.

Im Zusammenhang mit dem Gebrauch von digitalen Medien können auch andere Probleme auftreten, wie zum Beispiel Schlafstörungen oder auch Übergewicht bzw. Adipositas. Längerfristige Folgen von Bildschirmzeit vor dem Alter von drei Jahren mit möglicher Auswirkung im späteren Leben sind allerdings derzeit wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht.

Kann man virtuellem Autismus vorbeugen?

Fachleute empfehlen folgende Maßnahmen, um virtuellem Autismus bzw. den damit verbundenen Symptomen vorzubeugen:

  • Keine Bildschirmzeit für Kinder unter drei Jahren.
  • Begrenzung und Begleitung der Nutzung digitaler Medien.
  • Altersgerechter Umgang mit digitalen Medien.
  • Förderung von nicht digitalen Aktivitäten wie gemeinsamem Spielen, Bewegung im Freien.
  • Stärkung der Medienkompetenz für einen angemessenen Umgang mit digitalen Medien von Bezugspersonen.
  • Rechtzeitige professionelle Hilfe, wenn Auffälligkeiten bei Entwicklung bzw. Verhalten bemerkt werden.

Die Fachwelt forscht jedoch noch weiter zu möglichen vorbeugenden Möglichkeiten von virtuellem Autismus. Nachstehend finden Sie hilfreiche Maßnahmen für Eltern bzw. Bezugspersonen sowie wo Sie Rat finden.

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien bei Babys und Kleinkindern

Fachleute empfehlen unter anderem folgende Maßnahmen im Umgang mit digitalen Medien bei Babys und Kleinkindern (in der Regel bezeichnet die Fachwelt Kinder ab dem Alter von einem Jahr bis zu sechs Jahren als Kleinkind):

  • Keine Bildschirmzeit für Kinder unter drei Jahren; auch kein Mitschauen oder Mithören. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sehr kleine Kinder erst lernen, zwischen Realität und Bildschirminhalten zu unterscheiden.
  • Maximale Bildschirmzeit für Kleinkinder von drei bis sechs Jahren: höchstens 30 Minuten pro Tag, mit bildschirmfreien Tagen dazwischen.
  • Nur altersgerechte Inhalte sehen bzw. spielen und keine Gewaltinhalte.
  • Bildschirmzeit begleiten – gemeinsam Inhalte ansehen bzw. anhören.
  • Vor dem Schlafengehen, dem Essen oder dem Kindergarten keine Bildschirmzeit.
  • Nicht digitale Alternativen zur Verfügung stellen bzw. anbieten: Zum Beispiel ein Lieblingsspielzeug oder Malstifte zur Beschäftigung bzw. gemeinsam ein Buch ansehen. Das fördert Nähe und echten zwischenmenschlichen Austausch. Dies ist in der frühen Kindheit besonders wesentlich.
  • Digitale Medien nicht zur Beruhigung, Belohnung oder als Strafe einsetzen.

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre Bildschirmfrei von Null bis Drei! von Saferinternet.at (10 Tipps für Eltern von Kindern zwischen 0 und 3 Jahren für den Umgang mit Handy, Tablet & Co. im Familienalltag), auf der Website der Frühen Hilfen sowie unter Frühe Kindheit: Broschüren & Formulare.

Was können Eltern tun?

Wenn Eltern bzw. Bezugspersonen Auffälligkeiten in der Entwicklung oder im Verhalten ihres Kindes beobachten, ist eine Abklärung durch eine Kinderärztin bzw. einen Kinderarzt wesentlich. Diese bzw. dieser leitet gegebenenfalls weitere diagnostische sowie unterstützende Schritte ein.

Zudem ist es wichtig, sich über die Nutzung von digitalen Medien im Kindesalter zu informieren, diese zu begrenzen sowie zu begleiten sowie gemeinsam nicht digitale Spiele zu spielen.

Die Umsetzung von Empfehlungen zur Begrenzung des Medienkonsums oder allgemein von Erziehungsangelegenheiten kann auch herausfordernd sein. Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung.

Wo finde ich Rat?

Bezüglich Fragen zur Kindesentwicklung bzw. zu Verhaltensauffälligkeiten können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde
  • Kinder-Primärversorgungseinheit
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)

Die Ärztin oder der Arzt leitet bei Bedarf weitere Schritte ein, z.B. Überweisung an spezialisierte Stellen wie eine Entwicklungsambulanz. Andere Gesundheitsberufe können zur Diagnose und Therapie hinzugezogen werden.

Zudem gibt es für werdende Eltern und Familien mit Kindern von null bis drei Jahren das Angebot der Frühen Hilfen. Dieses ist freiwillig, vertraulich, kostenlos und auch zu Hause möglich. Beispiele für die Inanspruchnahme der Frühen Hilfen sind z.B.: wenig Unterstützung im sozialen Umfeld, finanzielle Schwierigkeiten, Probleme im täglichen Zusammenleben oder psychische Probleme eines Familienmitglieds. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Frühen Hilfen.

Bei Fragen rund um Herausforderungen im Alltag mit Kindern kann man sich etwa auch an die Online-Elternberatung von Rat auf Draht oder eine Familienberatungsstelle wenden.

  • Al, M. et al. (2024): Virtual Autism” and Excessive Screen Exposure in Children Aged 0-3 Years: A Cross-sectional Study in the Lebanese Context. In: International Journal of Pediatrics and Adolescent Medicine 11(4): p 116-127. DOI: 10.4103/IJPAM.IJPAM_109_24. Online abgerufen im April 2025 unter journals.lww.com
  • AWMF online: Die wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit Smartphone, Computer, Spielkonsole und TV in der Familie. Medienleitlinie für Eltern. AWMF- Registernummer: 027 – 075. Online abgerufen im April 2025 unter register.awmf.org
  • Bode, H. et al. (2016): Psychosomatische Grundversorgung in der Pädiatrie. Kapitel 3.4 Bindung. Kapitel 3.5 Bindungstheorie. Online abgerufen im April 2025 unter www.thieme-connect.de
  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (2024): Bindung: Streben nach Sicherheit und Geborgenheit. Online abgerufen im April 2025 unter www.kindergesundheit-info.de
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) (2023): ICD-10 BMSGPK 2024 – Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision. Online abgerufen im April 2025 unter www.sozialministerium.gv.at
  • Canadian Paediatric Society, Digital Health Task Force, Ottawa, Ontario (2017): Screen time and young children: Promoting health and development in a digital world. In: Paediatr Child Health. 2017 Nov; 22(8):461-477. doi: 10.1093/pch/pxx123. Online abgerufen im April 2025 unter academic.oup.com
  • Detroja, S.; Bhatia, G. (2024): Early Screen Exposure and Developmental Abnormalities: Understanding the Trepidations of Virtual Autism”. In: Indian Journal of Psychological Medicine. doi:10.1177/02537176241263310. Online abgerufen im April 2025 unter journals.sagepub.co
  • Follmann, U. (2018): Deprivationsprophylaxe. In: Lauber, A.; Schmalstieg, P. (2012): Band 4: Prävention und Rehabilitation. Online abgerufen im Mai 2025 unter shop.thieme.de
  • Garg, R. K. et al. (2024): Virtual autism among children: A leading hazard of gadget exposure and preventive measures. In: Journal of Education and Health Promotaion 2024 Feb 26; 13:76. doi: 10.4103/jehp.jehp_1482_23. Online abgerufen im April 2025 unter pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Hermawati, D. et al. (2018): Early electronic screen exposure and autistic-like symptoms. In: Intractable & rare diseases research. Volume 7 Issue 1 Pages 69-71.  https://doi.org/10.5582/irdr.2018.01007. Online abgerufen im April 2025 unter www.jstage.jst.go.jp
  • Hinkley, T. et al. (2018): Cross sectional associations of screen time and outdoor play with social skills in preschool children. In: PLoS One. 13(4):e0193700. doi: 10.1371/journal.pone.0193700. Online abgerufen im April 2025 unter pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Komitee für Kinder- und Jugendgesundheit (2019): Altersgrenzen überdenken! Ausdehnung der Altersdefinitionen für Kinder und Jugendliche. Factsheet 1/2019. Wien: GÖG
  • Mößle, T.; Föcker, J. (2021): Der Einfluss der Medien auf die kindliche und jugendliche Psyche. In: Fegert, J. et al. Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Springer Reference Medizin. https://doi.org/10.1007/978-3-662-49289-5_48-1. Online abgerufen im April 2025 unter link.springer.com
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen, Gesundheit Österreich GmbH: Frühe Hilfen. Online abgerufen im April 2025 unter fruehehilfen.at
  • Numata‐Uematsu, Y. et al. (2018): Attachment Disorder and Early Media Exposure: Neurobehavioral symptoms mimicking autism spectrum disorder. In: The Journal of Medical Investigation. Volume 65 Issue 3.4 Pages 280-282. https://doi.org/10.2152/jmi.65.280. Online abgerufen im April 2025 unter www.jstage.jst.go.jp
  • Robert Koch-Institut (RKI) (2020): AdiMon-Themenblatt: RKI Berlin. Online abgerufen im Mai 2025 unter www.rki.de
  • Salari, N. et al. (2025): Global prevalence of myopia in children using digital devices: a systematic review and meta-analysis. In: BMC Pediatrics 25(1):325. doi: 10.1186/s12887-025-05684-8. Online abgerufen im April 2025 unter pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Sauseng, W.; Sonnleitner, A.; Hofer, N. et al. (2017): Empfehlungen zur Regulierung von Bildschirmzeiten im Kindes- und Jugendalter. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 165, 254–256.
  • Slobodin, O. et al. (2019): Screen media and autism spectrum disorder: a systematic literature review. In: Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics 40.4. 303-311. Online abgerufen im April 2025 unter www.epistemonikos.org
  • Spitzer, M. (2023): Babys und Bildschirme: Realer oder virtueller Autismus? In: Nervenheilkunde, 42: 332-341. DOI 10.1055/a-2022-0301. Online abgerufen im April 2025 unter www.thieme-connect.com
  • Swider-Cios, E. et al. (2023): Young children and screen-based media: The impact on cognitive and socioemotional development and the importance of parental mediation. In: Cognitive Development, Volume 66. https://doi.org/10.1016/j.cogdev.2023.101319. Online abgerufen im April 2025 unter www.sciencedirect.com

Letzte Aktualisierung: 6. Juni 2025

Erstellt durch:

Expertenprüfung durch: Dr.in Sonja Gobara, MSc, Ärztin für Allgemeinmedizin, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde (Additivfach Neuropädiatrie), ÖÄK-Diplome für: psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Medizin

Zurück zum Anfang des Inhaltes