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Eltern spielen mit Kind © detailblick

Viertes Lebensjahr bis Schulalter: Emotionen & Verhalten

Vom vierten Lebensjahr bis zum Schulalter entwickeln sich Kleinkinder zu Schulkindern. Spielerisch tasten sich die Kleinen in ihrer Entwicklung voran. Sie gelangen von der kindlichen (Fantasie-)Welt hin zur Realität und wappnen sich dadurch für das spätere Leben. Dabei hat jedes Kind – wie auch in anderen Entwicklungsphasen – sein eigenes Tempo. Gemeinsam mit den Eltern und neu gewonnenen Freunden wird dabei so manche Hürde gemeistert.

Kindern Vorbild sein und Unterstützung bieten

Immer neugierig und voller Bewegungsdrang stellen Kinder ihr Umfeld des Öfteren auf die Probe. Eltern können ihren Kindern bei vielen Schritten unterstützend unter die Arme greifen und der Hafen sein, von dem aus Kinder Abenteuer erleben und die Umwelt entdecken. Kinder brauchen viel Geborgenheit und Unterstützung, um diesen wichtigen Entwicklungsweg zu bewältigen. Eltern sind die wichtigsten Vorbilder für ihre Kinder. Zudem ist ein gesunder Lebensrhythmus, bei dem sich Aktivität und Erholung abwechseln, hilfreich für die ganze Familie.

Sprach- und Sauberkeitsentwicklung

Vierjährige Kinder wissen bereits, was Zeit ist, und können sich in andere Menschen einfühlen. Zudem können sie Sätze aus fünf bis sechs Wörtern bilden. Mit fünf Jahren beherrscht ein Kind bereits rund 8.000 Wörter und kann Geschichten erzählen. Viele Kinder gehen in diesem Alter schon auf die Toilette. Manchmal kann es allerdings noch zu kleinen „Missgeschicken“ kommen.

Von Hexen und Zauberern – Magisches Denken

Im Alter zwischen vier und sechs Jahren ist die kindliche Fantasie in ihrer Hochblüte. Vorschulkinder erklären Naturereignisse etwa mithilfe von Märchengestalten wie Hexen oder Zauberern. Auch Gegenstände werden vermenschlicht – so ist z.B. ein Gegenstand „böse“, weil man sich an ihm gestoßen hat. Man nennt diese kindliche Denkweise „magisches Denken“. Kinder entwickeln dieses Denken auch, wenn sie keine Märchen kennen. Erwachsene früherer Epochen erklärten oft Naturgeschehnisse mit mystischen Erklärungen. Es scheint also in der Natur des Menschen zu liegen – zumindest in einer Entwicklungsphase –, an „Magisches“ zu glauben.

Die Wahrnehmung eines Kindes entwickelt sich erst Schritt für Schritt hin zum Erkennen von (logischen) Zusammenhängen. So entsteht etwa im Rahmen der Sprachentwicklung ein Verständnis für Symbole. Das Kind lernt nach und nach Fantasie und Realität zu unterscheiden. Es verwendet die Fantasie auch als kreative Möglichkeit, die Geschehnisse rund um sich zu erklären. Je näher der siebente Geburtstag kommt, desto eher gelingt es Kindern, reale und Fantasiewelt zu unterscheiden. Mit sachlichen Erklärungen bringen Sie Ihrem Kind die Realität näher. Hören Sie ihm aber auch bei seinen fantastischen Erzählungen zu, und helfen Sie ihm, zwischen Fantasiewelt und realer Welt zu unterscheiden.

Warum? Wozu? – Der kindliche Wissensdrang

Fragen über Fragen – die Neugier von Vorschulkindern kennt keine Grenzen, gilt es doch so viel zu verstehen und zu erforschen. Wieso scheint die Sonne? Warum regnet es? Kinder wollen die Welt entdecken, und dabei ergibt sich eben eine ganze Menge an Unklarheiten. Oft wiederholen Kinder ihre Fragen – das liegt daran, dass sie durch Wiederholungen besonders gut lernen. Als Eltern gerät man durch diesen Schwall an Fragen schon mal in Erklärungsnotstand. Eltern müssen bei Weitem nicht alles wissen, aber sie können ihrem Nachwuchs helfen, die Fragen gemeinsam zu beantworten (z.B. durch Besuche eines Museums, Nachschlagewerke etc.). Fragen von Kindern sind nicht philosophischer Natur, sie möchten verstehen, warum es beispielsweise regnet (z.B. damit die Pflanzen Wasser bekommen).

Gefühle und Beziehung: Chancen & Herausforderungen

Kinder zeigen meist eine erfrischende Offenheit. Sie drücken oft ungezwungen ihre Emotionen aus. Kinder lernen im Lauf der Entwicklung ihre Gefühle zu unterscheiden, adäquat auszudrücken und damit umzugehen. Als Eltern sind Sie von Anfang als „Dolmetscher“ gefragt. Beim Baby, weil es noch nicht sprechen kann, beim kleinen Kind, weil es Gefühle noch nicht benennen kann. So zeigt sich Trauer bei Klein- und Vorschulkindern oft indirekt durch psychosomatische Beschwerden oder Verhaltensauffälligkeiten. Eltern können ihnen helfen, diese Gefühle und die anderer zu benennen und somit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung ihres Kindes leisten. Dabei sind alle Gefühle gleich wichtig und erfordern einen entsprechenden Umgang.

Kleine „Rumpelstilzchen“

Wut oder Aggression stellt Eltern meist vor eine besondere Herausforderung. Das Kind hat immer einen Grund für sein Verhalten. Es ärgert sich z.B. (genauso wie Erwachsene auch), wenn seine Wünsche und Bedürfnisse nicht genug erfüllt werden. Im Lauf der Entwicklung stößt ein Kind immer wieder an seine Grenzen. Ständig gibt es etwas, das es noch nicht kann und erst lernen muss. Die naturgegebene Neugier und Lernfreude kommt den Kleinen sehr entgegen, aber auch die sogenannte „Frustrationstoleranz“ wird geschult. D.h., sie lernen es auszuhalten, wenn einmal etwas nicht klappt. Das ist eine Fähigkeit, die das ganze Leben lang von großem Wert ist.

Das Gefühl der Wut bewusst zu machen, es benennen zu helfen und auf „harmlose“ Weise auszudrücken (z.B. Pölster auf den Boden werfen), hilft Kindern, einen konstruktiven Umgang mit Aggression zu lernen. Bewegung ist ein gutes Ventil für Wut – das merken auch Erwachsene, wenn sie z.B. nach einem harten Arbeitstag laufen gehen oder Kampfsport betreiben. Denn Aggression ist per se nichts Negatives und längst nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Sie bietet auch viel Potenzial, das schöpferisch oder als Motivation genutzt werden kann. Aber das „Wie“ ist bei dieser Emotion mehr als entscheidend. Jeder Mensch hat von Zeit zu Zeit Aggressionen, das ist ganz natürlich. Gewalt ist leider etwas, das meist gelernt wird (z.B. durch ein schlechtes Vorbild). Unkontrollierte, häufige Wutanfälle bei Kindern sollten fachmännisch abgeklärt werden.

Achtung! Körperliche und psychische Gewalt dürfen in der Erziehung keinen Platz finden. Zudem sind sie gesetzlich verboten. Wenn Sie in einer kritischen Situation nicht mehr weiter wissen oder Angst haben, in eine solche zu geraten, kontaktieren Sie zum Beispiel eine Familienberatungsstelle. Dort hilft man Ihnen weiter.

Das Gefühl der Geborgenheit in der Familie

Die Familie bzw. Mama/Papa oder eine andere primäre Bezugsperson ist der Hafen für ein Kind. Aus dieser Geborgenheit heraus hat es den Rückhalt, die Umgebung und das Leben zu erkunden. So wie sich Partner freuen, wenn sie Zuneigung bekommen, freuen sich auch Kinder. Kinder sind „die Schwächeren“ im Gegensatz zu Erwachsenen. Sie brauchen die Rücksichtnahme und Unterstützung ihrer Erziehungsberechtigten. Für die kindliche Entwicklung ist mindestens eine Bezugsperson wichtig. Mehr über Bindung und warum dafür ein gewisses Feingefühl notwendig ist, erfahren Sie unter Eltern-Kind-Bindung.

Unerfüllte Wünsche

Kinder können auch recht hartnäckig sein, wenn sie sich etwas wünschen. Können Sie einem Wunsch nicht nachgehen, z.B. weil Sie gerade keine Zeit haben oder weil es sich finanziell nicht ausgeht, erklären Sie Ihrem Kind die Gründe. Sie können auch gemeinsam nach einer alternativen Lösung suchen bzw. Prioritäten setzen (z.B.: „Was wünscht du dir mehr?“).

Gemeinsam mit Klarheit zu Lösungen finden

Eigene Wahrnehmungen in der „Ich“-Form formuliert (z.B.: „Ich werde wütend, wenn . . . ) weisen nicht automatisch Schuld zu und äußern klar, was Sache ist. Wünsche, die explizit geäußert werden (z.B.: „Ich möchte, dass du dein Spielzeug zusammenräumst“), helfen dem Kind, sich zu orientieren. Sie können Ihrem Kind zu Beginn auch Unterstützung bieten und ihm zeigen, wie etwas geht. Seien Sie konsequent und suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach Lösungen.

Unter Konflikte & Probleme bewältigen erfahren Sie mehr zu konstruktiver Konfliktlösung, Gewalt und Familientherapie. Tipps zur Gestaltung eines abwechslungsreichen Familienlebens sowie zur Kommunikation finden Sie unter Lebendiges Familienleben.

Sexualentwicklung: Der „kleine“ Unterschied

Etwa um den dritten Geburtstag wird Kindern bewusst, dass sich Mädchen körperlich von Burschen unterscheiden. Vater und Mutter werden diesbezüglich vorerst zum Vorbild. Es kommt auch zu „Konkurrenzverhalten“ – Mädchen buhlen um die Gunst des Vaters, Jungen um die der Mutter. Sie üben somit im weiteren Sinne für die spätere Partnerwerbung. Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, dass man es lieb hat, aber auch den Partner. Kinder entdecken sich gegenseitig oft spielerisch. Sie zeigen sich ihre körperlichen Unterschiede. Das ist ganz normal. Zudem beginnen Vorschulkinder langsam die eigenen Genitalien zu erkunden. Das gehört zur Sexualentwicklung dazu und legt sich nach einiger Zeit bis zur Pubertät wieder.

Hinweis Klären Sie Ihr Kind über mögliche Gefahren auf (etwa niemals zu einem Fremden ins Auto steigen). Übergriffe sexueller Art treten allerdings am häufigsten im direkten Familien- oder näheren Bekanntenkreis auf. Berichtet Ihr Kind von einem Vorfall, nehmen Sie es immer ernst und suchen Sie professionelle Hilfe auf (zum Beispiel eine Familienberatungsstelle).

Wenn Daumenlutschen & Bettnässen Probleme bereiten

Daumenlutschen beruhigt Kinder und ist bis zum Ende des dritten Lebensjahres unbedenklich. Lutscht ein Kind später noch am Daumen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass es etwas braucht (z.B. Nähe, Beschäftigung etc.). Nässt Ihr Kind nachts ein, finden Sie unter Bettnässen hilfreiche Informationen.

Hinweis Sind Sie mit Ihrem Latein am Ende, weil Ihr Kind Verhaltensauffälligkeiten (wie etwa Aggressivität, die dem Kind selbst oder anderen Schaden zufügt, Hyperaktivität, starke Introvertiertheit) oder Entwicklungsauffälligkeiten (zum Beispiel verzögerte Sprachentwicklung) zeigt, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe anzunehmen, etwa bei einer Kinderpsychiaterin/einem Kinderpsychiater oder einer Familienberatungsstelle.

Regelmäßige Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen stellen eine wichtige gesundheitliche Vorsorgemaßnahme dar und sichern die rechtzeitige Erfassung von Entwicklungsdefiziten sowie die Einleitung von eventuellen Förderungsmaßnahmen. Informationen zu ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter, bei denen die Gesundheit und kindliche Entwicklung verfolgt wird sowie Vorsorgemaßnahmen z.B. Impfungen stattfinden, finden Sie unter Mutter-Kind-Pass.
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