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Frau mit Kurzhanteln in Rückenansicht © improvisor
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„Sportsucht“: Symptome & Folgen

Erstes Anzeichen einer „Sportsucht“ kann eine entzugsähnliche Symptomatik sein, wenn kein Sport betrieben wird. Das können depressive Verstimmungen, Nervosität, Ruhelosigkeit, Gereiztheit oder auch Kopfschmerzen sein. Da dem Körper wenig bis keine Erholung (Regeneration) gegönnt wird, kann es nach und nach zu einer Stagnation oder Abnahme der Leistungsfähigkeit kommen.

Es existiert keine offizielle Definition, auch gibt es keine anerkannte Krankheitsdiagnose entsprechend der Kriterien nach ICD-11 oder DSM-5. Symptome wie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit geben Hinweise auf ein Übertraining und sollten ernst genommen werden. Zwanghaftes Bewegungsverhalten kann auch als Begleitphänomen einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie auftreten (sekundäre „Sportsucht”).

Hinweis „Sportsucht“ erweckt in der Sport- und Wellnessgesellschaft große Aufmerksamkeit, dennoch betrifft es nur einen sehr geringen Prozentsatz Sporttreibender. Wer leidenschaftlich Sport macht, ist nicht zwangsläufig „sportsüchtig“.

Welche Symptome treten bei „Sportsucht” auf?

Als zentrale Merkmale einer „Sportsucht“ werden u.a. folgende Ausprägungen beschrieben:

Anzeichen Beschreibung
Zwanghaftigkeit Der Sport wird weniger aus positiver Emotion (z.B. Naturerleben oder Freude an der Bewegung), sondern eher aus einer negativen Motivation („Zwang“) betrieben. Betroffene haben das Gefühl, den Sport „erledigen“ zu müssen.
Entzugssymptome Kann kein Sport ausgeübt werden, treten entzugsartige Symptome auf, die sich emotional oder körperlich äußern, z.B. Depression, Nervosität, Gereiztheit, Schuldgefühle und/oder Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen.
Toleranzentwicklung Um Zufriedenheit und innere Ruhe zu erlangen, verlangt der Körper nach einem immer höheren Trainingsumfang (mehr Zeit pro Trainingseinheit, mehr Einheiten pro Woche) und -intensität (höhere Geschwindigkeit, mehr Gewicht). Eine Dosissteigerung wird gefordert.
Kontrollverlust  Betroffene nehmen ihr Verhalten als fremdgesteuert wahr und erleben damit eine Art Kontrollverlust, ähnlich wie bei einer Drogen- oder Alkoholabhängigkeit. Zudem besteht eine hohe Gefahr des Rückfalls in frühere, extreme Suchtverhaltensweisen. Sport wird nicht aus Selbstbestimmung betrieben.
Körperignoranz/-missbrauch Krankheits- und Überlastungssignale sowie erforderliche Erholung (Regeneration) werden ignoriert. Ungeachtet von Krankheit oder Verletzung wird weiter Sport ausgeübt. Schmerzen werden verharmlost. Es kann zu selbstschädigendem Verhalten mit gesundheitlichen Folgen kommen.
Vernachlässigung sozialer Kontakte Sport hat oberste Priorität, andere Aktivitäten und Kontakte rücken immer mehr in den Hintergrund. Häufig kommt es zu Konflikten in der Familie bzw. Partnerschaft. Freunde und Beruf werden vernachlässigt.

Welche Folgen kann exzessives Sporttreiben haben?

Die ständige Überbelastung des Körpers über Jahre kann weitreichende negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Neben der psychischen Belastung durch exzessives Sporttreiben, kann es durch das Ungleichgewicht zwischen Be- und Entlastung u.a. zur Schwächung des Immunsystems und zu Schäden an Gelenken, Knochen, Sehnen, Bändern und Muskeln (mitunter auch Muskelabbau) kommen. Werden Krankheiten, Verletzungen oder Schmerzen ignoriert, können bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden.


Besonders gefährlich ist es, wenn ungeachtet von Herz-Kreislauf-Beschwerden, wie Schwindel, Atemprobleme, Herzstechen oder auch eines grippalen Infekts, weiter trainiert wird. Es kann zu einem Kollaps oder sogar einem Herzstillstand kommen. Mitunter werden Medikamente (z.B. Schmerzmittel) eingenommen, um das Training oder den Bewerb fortsetzen zu können. Derartige Kombinationen können sogar tödlich sein.
Zudem kann es zu Hormonstörungen, etwa bei Frauen zu Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung) sowie zu einer Abnahme der Knochendichte, mitunter Osteoporose kommen. Auch das Risiko für Mangel- und Unterernährung besteht.

Wohin kann ich mich wenden?

Steigt der Leidensdruck an und gerät das Sportpensum außer Kontrolle, sollte unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Voraussetzung für den Erfolg von Hilfe ist allerdings, dass sich Betroffene das gestörte Verhältnis zum Sport eingestehen.

Bei Verdacht auf „Sportsucht“ können folgende Stellen kontaktiert werden:

Die Expertin/der Experte wird eine genaue Erhebung (Anamnese) vornehmen und beurteilen, ob eine Verhaltenssucht vorliegt. Im Vordergrund der Behandlung steht der Umgang mit dem Suchtverhalten. Da es aber keine einheitliche Definition gibt, gestaltet sich die Wahl der geeigneten Therapie bei dieser Störung als sehr schwierig. Angewendet werden einzel- oder gruppentherapeutische Maßnahmen. Je nachdem welche Ursache die „Sportsucht” hat, können verhaltenstherapeutische oder tiefenpsychologische Ansätze zum Einsatz kommen. In vielen Fällen kann auch eine Familientherapie erforderlich sein, da die zwischenmenschlichen Beziehungen durch die „Sportsucht” häufig belastet sind. Hilfreich kann das Erlernen von Entspannungstechniken sein. Schäden und Verletzungen des Körpers werden durch entsprechende Fachärztinnen und Fachärzte, etwa für Innere Medizin und Orthopädie behandelt.

Was können Angehörige tun?

Wird an einer nahestehenden Person auffälliges Sportverhalten beobachtet, sollte dies unbedingt in einem offenen Gespräch thematisiert werden. Die/der exzessiv Sporttreibende wird vermutlich nur wenig Einsicht zeigen. Es sollte versucht werden, die betroffene Person zu überzeugen, dass auch ein geringeres Sportpensum sehr befriedigend und gesundheitsförderlich sein kann. Weniger Zeit für das Sporttreiben zu investieren, bedeutet zudem wieder mehr Zeit für andere Dinge und Aktivitäten (z.B. Freunde, Familie oder frühere Hobbys) zu haben, die durch den Sport zusehends verdrängt wurden.

Schaffen es die Betroffenen nicht, ihr Sportprogramm von selbst auf ein „Normalmaß“ zu reduzieren, sollten sie/er davon überzeugt werden, sich professionell helfen zu lassen.

Die „Sportsucht“ einer Partnerin/eines Partners kann auf Kosten der Familie gehen. Auch Angehörige sollten darauf achten, dass die eigenen Wünsche und Vorhaben nicht zu kurz kommen. Wenn Angehörige selbst unter der Situation leiden, kann auch für sie die professionelle Unterstützung oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

Nähere Informationen zur Kostenübernahme von Psychotherapie finden Sie unter Psychotherapeutin/Psychotherapeut sowie unter Psychotherapie: Angebote & Adressen. Informationen zur Kostenübernahme von klinisch-psychologischer Diagnostik und Beratung bzw. Behandlung finden Sie unter Klinische Psychologin/Klinischer Psychologe.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte zudem bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Beratung & Hilfe

Gesund sein heißt, sich rundum wohlfühlen. Erfahren Sie mehr über Beratungsangebote und Anlaufstellen zu den Themen Bewegung und Sport.


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