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Hände © Evrymmnt
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Pflegende Angehörige

Pflegebedürftigkeit kann jeden Menschen treffen. Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen wird von einem engen Familienmitglied – Ehe-, Lebenspartner oder Kinder – betreut und gepflegt. Die Aufgaben sind meist fordernd und anspruchsvoll. Jede Pflegesituation ist individuell unterschiedlich. Welche körperlichen und psychischen Belastungen gilt es zu bewältigen? Wie können die Belastungen verringert werden, um selbst gesund zu bleiben? Und wo finden pflegende An- und Zugehörige Entlastung und Unterstützung, zum Beispiel bei medizinischen, rechtlichen und finanziellen Fragen oder bei der Pflege?

Wie viele Menschen pflegen Angehörige?

Rund 950.000 Menschen in Österreich widmen sich der Pflege und Betreuung eines Angehörigen oder Bekannten auf verschiedene Art und Weise. Dazu kommen rund 42.000 pflegende Kinder und Jugendliche („Young Carers“) bis 18 Jahren, meist weiblich, die – häufig überdurchschnittliche - pflegerische Verantwortung für kranke Familienmitglieder übernehmen.

Pflegende An- und Zugehörige sind in der Mehrheit älter als 60 Jahre und überwiegend Frauen. In der häuslichen Pflege beträgt der Anteil der Frauen rund 73 Prozent. Manchmal übernehmen auch Freunde oder Nachbarn Pflegeaufgaben oder bieten nützliche Hilfe an.

Meist sind alte Menschen von Pflegebedürftigkeit betroffen, wenn sie zunehmend gebrechlicher werden. Dazu können chronische Erkrankungen kommen, z.B. Demenz. Auch ein Unfall kann eine vorübergehende oder dauernde Pflege eines Verwandten oder Freundes notwendig machen.

Die meisten Menschen werden zu Hause ohne professionelle Hilfe gepflegt. Ein Teil der Betroffenen nutzt unterstützende Angebote wie Heimhilfen oder mobile Pflege. Ein Vorteil des betreuten Wohnen zu Hause ist die unterstützende Arbeitsteilung: Pflegedienste übernehmen die Pflege, Angehörige werden entlastet und haben mehr Zeit für Kommunikation. Ein Teil der Pflegebedürftigen lebt in einer stationären Einrichtung, etwa einem Pflegeheim.

Voraussetzungen für die Pflege zu Hause

Eine wichtige Voraussetzung für die Pflege zu Hause ist die Wohnsituation. Die Pflege wird durch altersgerecht ausgestattete Wohnungen erleichtert. Oft sind Anpassungen in der Wohnung erforderlich, z.B. Beseitigung von Sturzfallen, Anbringen von Haltegriffen im WC, Anschaffung eines Pflegebettes etc. Stiegen können zu einer großen Hürde werden. Hier helfen Treppenlifte oder Treppenraupen. Bad und WC müssen auch für gehbehinderte Personen nutzbar und barrierefrei ausgestattet sein. Zudem muss das Bad groß genug sein, damit eine zweite Person bei Bedarf bei der Körperhygiene helfen kann. Eine möglichst barrierefrei eingerichtete Wohnung erleichtert die Unterstützung von älteren Menschen durch pflegende Angehörige und erhöht die Sicherheit in der Wohnung.

Welche Aufgaben übernehmen pflegende An- und Zugehörige?

Eine Pflegebedürftigkeit entwickelt sich meist langsam. Zunächst benötigen die pflegebedürftigen Personen praktische Unterstützung im Alltag, beim Einkaufen, Aufräumen, bei Behördenwegen oder beim Ermöglichen sozialer Kontakte außerhalb des Wohnortes. Später kann Hilfe auch bei einfachen Tätigkeiten notwendig werden, wie Essen kochen, Einnahme der Mahlzeiten, Waschen, Anziehen, beim Gang auf die Toilette oder der Einnahme von Medikamenten.

Kontakt zu Ärztinnen/Ärzten und sozialen Diensten

Ist die/der Angehörige krank, sind Kenntnisse in der Pflege erforderlich. Pflegende An- und Zugehörige bilden oft die Schnittstelle zwischen den Personen, die Hilfe brauchen, und den Betreuungs- und Pflegediensten oder den Ärztinnen/Ärzten.

Sozialer Kontakt und gute Gespräche 

Eine wichtige Rolle von pflegenden An- und Zugehörigen ist der soziale Kontakt mit der pflegebedürftigen Person. Gespräche, gemeinsame Aktivitäten, menschliche Nähe und emotionale Unterstützung helfen, den Alltag positiv zu erleben. Oft kennen Verwandte die zu pflegende Person und ihre Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse am besten.

Angehörige können einen wichtigen Beitrag leisten, die Fähigkeiten der betreuten Person zu erhalten und zu verbessern. Das richtige Motivieren, Aktivieren und Stärken einer Person mit einer wertschätzenden Kommunikation will auch gelernt sein. Manchmal bestehen eingespielte, belastende Muster in der Kommunikation in der Familie, die durch die Pflegesituation verstärkt werden.

Welche Belastungen treffen pflegende An- und Zugehörige?

Die Pflege eines Angehörigen ist oft körperlich, emotional und psychisch belastend. Viel zu oft wird diese Pflege als selbstverständlich betrachtet, obwohl Betroffene immer wieder vor neuen Herausforderungen und schwierigen Situationen stehen.

Die Pflege kann zeitaufwändig und anstrengend werden. Oft sind pflegende An- und Zugehörige mit der zu pflegenden Person allein. Und obwohl auch positive Aspekte - wie das Gefühl gebraucht zu werden oder etwas zurückgeben zu können – erlebt werden, fehlt es doch meist an Anerkennung, Information und Vernetzung. Zudem ist es für pflegende An- und Zugehörige oft schwierig, die Aufgaben der Betreuung mit einer Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen. Wird neben dem Job ein Verwandter betreut und gepflegt, steigt die Gefahr einer Überforderung.

Untersuchungen zeigen, dass sich rund 70 Prozent der pflegenden An- und Zugehörigen überlastet fühlen. Als psychische Belastungen werden das Gefühl der Verantwortung, die Überforderung und Aussichtslosigkeit erlebt. Je höher der Pflegeaufwand ist, desto weniger Zeit bleibt, um auf die eigene Gesundheit zu achten oder auf Urlaub zu gehen. Pflegende An- und Zugehörige werden häufiger krank als die Durchschnittsbevölkerung. Und sie sind anfälliger für stressbedingte Krankheiten. Im körperlichen Bereich sind sie am häufigsten von Rückenschmerzen, Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich sowie in den Gelenken betroffen. Auch Kopf- und Gliederschmerzen, Herz- und Magenbeschwerden, Schwindel, Schlafstörungen, nervöse Zustände und Erschöpfung sind häufige Begleiterscheinungen. 

Als große Belastung wird die zeitliche Bindung durch die Pflege und Betreuung gesehen. Dies birgt die Gefahr, die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Viele pflegende An- und Zugehörige fühlen sich ausgebrannt und erschöpft.

Trotz des großen Potenzials an Belastungen nimmt nur ein geringer Teil der pflegenden An- und Zugehörigen professionelle Hilfe in Anspruch. Ursachen sind die Kosten, fehlende Informationen oder Unzufriedenheit mit der Qualität der Leistungen. 

Betroffene, die Unterstützung und Beratung benötigen oder sich mit Expertinnen/Experten bzw. anderen pflegenden Angehörigen austauschen möchten, können dafür unterschiedliche Angebote in Anspruch nehmen. Dazu zählen etwa Selbsthilfegruppen, Beratungseinrichtungen oder spezialisierte Internet-Plattformen. Weitere Infos im Internet finden Sie auf den Sozialseiten der Bundesländer.

Wie können pflegende An- und Zugehörige gesund bleiben und entlastet werden?

Pflegende An- und Zugehörige stellen häufig ihre eigenen Bedürfnisse und ihre persönliche Lebensqualität hinten an. Sie erlauben sich oft nicht, eine Auszeit zu nehmen, da sie sich verpflichtet sehen, für die zu pflegende Person da zu sein.

Um gesund zu bleiben, ist es jedoch wichtig, ein Bewusstsein für die Selbstpflege zu entwickeln. Es hilft, körperliche und psychische Überforderungen zu vermeiden. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Stress und Erholung sowie unter Psyche und Seele. Pflegende An- und Zugehörige benötigen selbst Unterstützung, vor allem in folgenden Bereichen:

  • Entlastung und Erholung, z.B. durch Unterstützungsangebote von sozialen Diensten oder Hilfe durch andere Angehörige oder Freunde;
  • Information, Beratung und Schulung bei praktischen pflegerischen Tätigkeiten im Alltag sowie
  • Möglichkeiten der persönlichen Aussprache.

Gründe, weshalb pflegende An- und Zugehörige keine Unterstützung oder Beratung in Anspruch nehmen, sind unter anderem die Selbstüberschätzung der eigenen Person und gleichzeitig die Unterschätzung der auf sie zukommenden Betreuungs- und Pflegearbeit. Manche empfinden die vermeintliche soziale Verpflichtung, diese Arbeit alleine schaffen zu müssen. Oft wissen die Betroffenen auch nicht über die bestehenden Angebote zur Unterstützung Bescheid oder sie finden aufgrund der Pflegesituation keine Zeitressourcen dafür. 

Wo gibt es für pflegende An- und Zugehörige Unterstützung und Entlastung?

Für viele Betroffene wird durch Unterstützungsangebote jene Pflege möglich, die ihren Bedürfnissen möglichst gut entspricht. Sie ermöglichen einen selbstbestimmten Umgang mit Pflegesituationen. Und sie erleichtern das Leben pflegebedürftiger Menschen im Alltag.

Hier finden Sie einen Überblick über finanzielle, pflegerische, medizinische und rechtliche Unterstützungen: 

Pflegegeld

Das Pflegegeld ist eine staatliche Unterstützung für pflegebedürftige Personen. Es soll die pflegebedingten Kosten zumindest teilweise abdecken. Mehr Infos unter: Pflegegeld (oesterreich.gv.at).

Hinweis Neben der Pflegefreistellung bietet die Familienhospizkarenz die Möglichkeit, sich für die Begleitung sterbender Angehöriger oder schwerstkranker Kinder bei aufrechtem Arbeitsverhältnis karenzieren zu lassen oder die Arbeitszeit zu verändern. Infos unter www.oesterreich.gv.at und www.arbeiterkammer.at.

Hausbesuche durch Pflegefachkräfte & Angehörigengespräch

Ein unterstützendes Angebot für Bezieherinnen/Beziehern von Pflegegeld und deren Angehörige sind Hausbesuche durch diplomierte Pflegefachkräfte. Der Schwerpunkt dieser Hausbesuche liegt auf Beratung und Information der Betroffenen. Dadurch soll die Qualität der häuslichen Pflege gesichert werden. 

Als Ergänzung zum Hausbesuch wird psychisch belasteten Angehörigen zur Entlastung ein Angehörigengespräch durch fachkundiges Personal kostenloses angeboten.

Die Hausbesuche und Angehörigengespräche werden bundesweit vom Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ der SVS im Auftrag des Sozialministeriums organisiert.

Information & Anmeldung: Telefon 01/797 06 - 2705 

Versicherung für pflegende Angehörige

Informationen zur Pensionsversicherung, Weiterversicherung und Selbstversicherung für pflegende An- und Zugehörige finden Sie unter betreuende und pflegende Angehörige (Sozialministerium).

Mobile und soziale Dienste

Länder und Gemeinden bieten verschiedene mobile, soziale Dienste an. Diese Dienste unterstützen die Pflege eines Menschen in ihrer/seiner gewohnten Umgebung. Dazu zählen Besuchsdienste, Essenszustelldienste („Essen auf Rädern“), Fahrtendienste, Heimhilfe, mobile therapeutische Dienste, Reinigungsdienste, qualifizierte Hauskrankenpflege etc. Mehr Infos und Links finden Sie unter Angebote soziale Dienste (oesterreich.gv.at) und im nächsten Absatz.

Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege, Kurse für pflegende Angehörige

Tageszentren für Seniorinnen und Senioren bieten umfassende Betreuung. Stationäre Kurzzeitpflege ist in spezialisierten Einrichtungen möglich. Diese Angebote entlasten die pflegenden Angehörigen. 

Soziale Organisationen oder Selbsthilfegruppen bieten Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige zu verschiedenen Themen. Dazu zählen rechtliche, finanzielle und psychische Aspekte der Pflege und Betreuung in Form von Einzelberatungen, Angehörigengruppen, schriftlichen Informationen. Neben der fachlichen Bedeutung haben diese Schulungen einen zweiten wichtigen Aspekt: Betroffene können auch andere Pflegende kennen lernen, die in einer ähnlichen Situation sind. Dieser Erfahrungsaustausch ist ein wichtiger Faktor bei der Bewältigung der Aufgaben, denn die ständige Verfügbarkeit, die körperliche Anstrengung und die Verantwortung belasten oft sehr.

Mehr Infos zu diesen Angeboten finden Sie unter:

Unterstützung für pflegende Kinder und Jugendliche (Young Carers)

Infos, Hilfe und Unterstützung finden Young Carers unter:

Entlassung nach einem Spitalsaufenthalt 

Nach einem Spitalsaufenthalt benötigen Patientinnen und Patienten möglicherweise Unterstützung und Hilfe für das Leben zu Hause nach der Entlassung. Beratung für pflegende Angehörige bieten Entlassungsmanagerinnen/-manager oder Sozialarbeiterinnen/-arbeiter im Spital. Mehr Infos unter: Der Entlassungstag. 

Medizinische Rehabilitation

Bei schweren Erkrankungen oder nach medizinischen Eingriffen sind nach der Akutbehandlung im Spital mitunter weitere medizinische Maßnahmen für die Genesung der Patientin/des Patienten nötig, damit Patientinnen und Patienten wieder in der Lage sind, möglichst ohne fremde Hilfe ein eigenständiges Leben zu führen. Mehr Infos unter: Medizinische Rehabilitation

Hilfsmittel

Verschiedene Hilfsmittel erleichtern die Pflege. Dazu zählen Pflegebett, Rollstuhl, Gehhilfe (Rollator), Dekubitusmatratze, Badelift etc. Für eine ev. Erstattung der Kosten durch die Krankenversicherung ist eine ärztliche Verordnung notwendig. Mehr Infos unter: Heilbehelfe und Hilfsmittel.

Ärztliche Betreuung

Die medizinische Betreuung zu Hause kann durch die Hausärztin/den Hausarzt erfolgen. Auf die Betreuung alter Patientinnen/Patienten sind niedergelassene Ärztinnen/Ärzte mit Diplom bzw. Zusatzgebiet für Geriatrie spezialisiert. Hier kommen Sie zur Arztsuche.

Patientenrechte und rechtliche Fragen

Die Patientenanwaltschaften der Bundesländer unterstützen bei Fragen der Patientenrechte in Zusammenhang mit Spitälern und teilweise Pflegeheimen. Rechtliche Fragen im Falle einer Einschränkung oder des Verlustes der Entscheidungsfähigkeit oder Handlungsfähigkeit werden durch das Erwachsenenschutzrecht (bisher Sachwalterschaft) geregelt. Vorsorgende Willenserklärungen sind durch eine Vorsorgevollmacht möglich.

ELGA

Die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) bietet die Möglichkeit, eigene ELGA-Gesundheitsdaten, z.B. Befunde oder Medikationsdaten, einzusehen. Die Teilnahmerechte an ELGA können unter bestimmten Voraussetzungen auch für eine andere Person ausgeübt werden. Mehr Infos unter: FAQ Teilnahme an ELGA.

Weitere Informationen

Hier finden pflegende An- und Zugehörige weiterführende Informationen und Beratung:

Beratung & Hilfe

Downloads & Broschüren

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