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Älterer Mann im Rollstuhl mit Frau und Kind © luckybusiness

Pflegende Angehörige entlasten & unterstützen

Pflegebedürftigkeit kann jeden Menschen treffen. Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen wird von einem engen Familienmitglied – Ehe-, Lebenspartner oder Kinder – betreut und gepflegt. Die Aufgaben sind meist fordernd und anspruchsvoll. Welche körperlichen und psychischen Belastungen gilt es zu bewältigen? Wie können die Belastungen verringert werden, um selbst gesund zu bleiben? Und wo finden pflegende Angehörige Entlastung und Unterstützung, zum Beispiel bei medizinischen, rechtlichen und finanziellen Fragen oder bei der Pflege?

Rund 400.000 Menschen widmen sich in Österreich der Pflege und Betreuung eines Angehörigen oder Bekannten. Pflegenden Angehörige sind in der Mehrheit älter als 60 Jahre und überwiegend Frauen. Manchmal übernehmen auch jüngere Menschen, Freunde oder Nachbarn Pflegeaufgaben oder bieten nützliche Hilfe an.

Meist sind alte Menschen von Pflegebedürftigkeit betroffen, wenn sie zunehmend gebrechlicher werden. Dazu können chronische Erkrankungen kommen. Auch ein Unfall kann eine vorübergehende oder dauernde Pflege eines Verwandten oder Freundes notwendig machen.

Die meisten Menschen werden zu Hause ohne professionelle Hilfe gepflegt. Ein Teil der Betroffenen nutzt unterstützende Angebote wie Heimhilfen oder mobile Pflege. Ein Vorteil des betreuten Wohnen zu Hause ist die unterstützende Arbeitsteilung: Pflegedienste übernehmen die Pflege, Angehörige werden entlastet und haben mehr Zeit für Kommunikation. Ein Teil der Pflegebedürftigen lebt in einer stationären Einrichtung, etwa einem Pflegeheim.

Voraussetzungen für die Pflege zu Hause

Eine wichtige Voraussetzung für die Pflege zu Hause ist die Wohnsituation. Die Pflege wird durch altersgerecht ausgestattete Wohnungen erleichtert. Oft sind Anpassungen in der Wohnung erforderlich, z.B. Beseitigung von Sturzfallen, Anbringen von Haltegriffen im WC, Anschaffung eines Pflegebettes etc. Stiegen können zu einer großen Hürde werden. Hier helfen Treppenlifte oder Treppenraupen. Bad und WC müssen auch für gehbehinderte Personen nutzbar und barrierefrei ausgestattet sein. Zudem muss das Bad groß genug sein, damit eine zweite Person bei Bedarf bei der Körperhygiene helfen kann. Eine möglichst barrierefrei eingerichtete Wohnung erleichtert die Unterstützung von älteren Menschen durch pflegende Angehörige und erhöht die Sicherheit in der Wohnung.

Welche Aufgaben übernehmen pflegende Angehörige?

Eine Pflegebedürftigkeit entwickelt sich meist langsam. Zunächst benötigen die pflegebedürftigen Personen praktische Unterstützung im Alltag, beim Einkaufen, Aufräumen, bei Behördenwegen oder beim Ermöglichen sozialer Kontakte außerhalb des Wohnortes. Später kann Hilfe auch bei einfachen Tätigkeiten notwendig werden, wie Essen kochen, Einnahme der Mahlzeiten, Waschen, Anziehen, beim Gang auf die Toilette oder der Einnahme von Medikamenten.

Kontakt zu Ärztinnen/Ärzten und sozialen Diensten

Ist die/der Angehörige krank, sind Kenntnisse in der Pflege erforderlich. Pflegende Angehörige bilden oft die Schnittstelle zwischen den Personen, die Hilfe brauchen, und den Betreuungs- und Pflegediensten oder den Ärztinnen/Ärzten.

Sozialer Kontakt und gute Gespräche 

Eine wichtige Rolle von pflegenden Angehörigen ist der soziale Kontakt mit der pflegebedürftigen Person. Gespräche, gemeinsame Aktivitäten, menschliche Nähe und emotionale Unterstützung helfen, den Alltag positiv zu erleben. Oft kennen Verwandte die zu pflegende Person und ihre Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse am besten.

Angehörige können einen wichtigen Beitrag leisten, die Fähigkeiten der betreuten Person zu erhalten und zu verbessern. Das richtige Motivieren, Aktivieren und Stärken einer Person mit einer wertschätzenden Kommunikation will auch gelernt sein. Manchmal bestehen eingespielte, belastende Muster in der Kommunikation in der Familie, die durch die Pflegesituation verstärkt werden.

Welche Belastungen treffen pflegende Angehörige?

Die Pflege eines Angehörigen ist für viele eine befriedigende Aufgabe. Aber sie ist oft körperlich, emotional und psychisch belastend. Immer wieder gilt es, neue Herausforderungen und schwierige Situationen zu bewältigen. Oft sind pflegende Angehörige mit der zu pflegenden Person allein. Und es fehlt meist an Anerkennung, Information und Vernetzung.

Die Pflege kann zeitaufwändig und anstrengend werden. Für pflegende Angehörige wird es oft schwierig, die Aufgaben der Betreuung mit einer Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen. Wird neben dem Job ein Verwandter betreut und gepflegt, steigt die Gefahr einer Überforderung.

Untersuchungen zeigen, dass sich rund 70 Prozent der pflegenden Angehörigen überlastet fühlen. Als psychische Belastungen werden das Gefühl der Verantwortung, die Überforderung und Aussichtslosigkeit erlebt. Je höher der Pflegeaufwand ist, desto weniger Zeit bleibt, um auf die eigene Gesundheit zu achten oder auf Urlaub zu gehen. Pflegende Angehörige werden häufiger krank als die Durchschnittsbevölkerung. Und sie sind anfälliger für stressbedingte Krankheiten. Im körperlichen Bereich sind sie am häufigsten von Rückenschmerzen, Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich sowie in den Gelenken betroffen.

Als große Belastung wird die zeitliche Bindung durch die Pflege und Betreuung gesehen. Dies birgt die Gefahr, die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Viele pflegende Angehörige fühlen sich ausgebrannt und erschöpft.

Trotz des großen Potenzials an Belastungen nimmt nur ein geringer Teil der pflegenden Angehörigen professionelle Hilfe in Anspruch. Ursachen sind die Kosten, fehlende Informationen oder Unzufriedenheit mit der Qualität der Leistungen. 

Wie können pflegende Angehörige gesund bleiben und entlastet werden?

Pflegende Angehörige stellen häufig ihre eigenen Bedürfnisse und ihre persönliche Lebensqualität hinten an. Sie erlauben sich oft nicht, eine Auszeit zu nehmen, da sie sich verpflichtet sehen, für die zu pflegende Person da zu sein.

Um gesund zu bleiben, ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Selbstpflege zu entwickeln. Es hilft, körperliche und psychische Überforderungen zu vermeiden. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Stress und Erholung sowie unter Psyche und Seele. Pflegende Angehörige benötigen selbst Unterstützung, vor allem in folgenden Bereichen:

  • Entlastung und Erholung, z.B. durch Unterstützungsangebote von sozialen Diensten oder Hilfe durch andere Angehörige oder Freunde;
  • Information, Beratung und Schulung bei praktischen pflegerischen Tätigkeiten im Alltag sowie
  • Möglichkeiten der persönlichen Aussprache.

Gründe, weshalb pflegende Angehörige keine Unterstützung oder Beratung in Anspruch nehmen, sind unter anderem die Selbstüberschätzung der eigenen Person und gleichzeitig die Unterschätzung der auf sie zukommenden Betreuungs- und Pflegearbeit. Manche empfinden die vermeintliche soziale Verpflichtung, diese Arbeit alleine schaffen zu müssen. Oft wissen die Betroffenen auch nicht über die bestehenden Angebote zur Unterstützung Bescheid. 

Wo gibt es für pflegende Angehörige Unterstützung und Entlastung?

Für viele Betroffene wird durch Unterstützungsangebote jene Pflege möglich, die ihren Bedürfnissen möglichst gut entspricht. Sie ermöglichen einen selbstbestimmten Umgang mit Pflegesituationen. Und sie erleichtern das Leben pflegebedürftiger Menschen im Alltag. Hier finden Sie einen Überblick über finanzielle, pflegerische, medizinische und rechtliche Unterstützungen: 

Pflegegeld

Das Pflegegeld ist eine staatliche Unterstützung für pflegebedürftige Personen. Es soll die pflegebedingten Kosten zumindest teilweise abdecken. Mehr Infos unter: Pflegegeld (help.gv.at).

Versicherung für pflegende Angehörige

Informationen zur Pensionsversicherung, Weiterversicherung und Selbstversicherung für pflegende Angehörige finden Sie unter betreuende und pflegende Angehörige (Sozialministerium).

Mobile und soziale Dienste

Länder und Gemeinden bieten verschiedene mobile, soziale Dienste an. Diese Dienste unterstützen die Pflege eines Menschen in ihrer/seiner gewohnten Umgebung. Dazu zählen Besuchsdienste, Essenszustelldienste („Essen auf Rädern“), Fahrtendienste, Heimhilfe, mobile therapeutische Dienste, Reinigungsdienste, qualifizierte Hauskrankenpflege etc. Mehr Infos und Links finden Sie unter Angebote soziale Dienste (help.gv.at) und im nächsten Absatz.

Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege, Kurse für pflegende Angehörige

Tageszentren für Seniorinnen und Senioren bieten umfassende Betreuung. Stationäre Kurzzeitpflege ist in spezialisierten Einrichtungen möglich. Diese Angebote entlasten die pflegenden Angehörigen. 

Soziale Organisationen oder Selbsthilfegruppen bieten Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige zu verschiedenen Themen. Dazu zählen rechtliche, finanzielle und psychische Aspekte der Pflege und Betreuung in Form von Einzelberatungen, Angehörigengruppen, schriftlichen Informationen.

Mehr Infos zu diesen Angeboten finden Sie unter:

Entlassung nach einem Spitalsaufenthalt 

Nach einem Spitalsaufenthalt benötigen Patientinnen und Patienten möglicherweise Unterstützung und Hilfe für das Leben zu Hause nach der Entlassung. Beratung für pflegende Angehörige bieten Entlassungsmanagerinnen/-manager oder Sozialarbeiterinnen/-arbeiter im Spital. Mehr Infos unter: Der Entlassungstag. 

Medizinische Rehabilitation

Bei schweren Erkrankungen oder nach medizinischen Eingriffen sind nach der Akutbehandlung im Spital mitunter weitere medizinische Maßnahmen für die Genesung der Patientin/des Patienten nötig, damit Patientinnen und Patienten wieder in der Lage sind, möglichst ohne fremde Hilfe ein eigenständiges Leben zu führen. Mehr Infos unter: Medizinische Rehabilitation

Hilfsmittel

Verschiedene Hilfsmittel erleichtern die Pflege. Dazu zählen Pflegebett, Rollstuhl, Gehhilfe (Rollator), Dekubitusmatratze, Badelift etc. Für eine ev. Erstattung der Kosten durch die Krankenversicherung ist eine ärztliche Verordnung notwendig. Mehr Infos unter: Heilbehelfe und Hilfsmittel.

Ärztliche Betreuung

Die medizinische Betreuung zu Hause kann durch die Hausärztin/den Hausarzt erfolgen. Auf die Betreuung alter Patientinnen/Patienten sind niedergelassene Ärztinnen/Ärzte mit Diplom bzw. Zusatzgebiet für Geriatrie spezialisiert. Hier kommen Sie zur Arztsuche.

Patientenrechte und rechtliche Fragen

Die Patientenanwaltschaften der Bundesländer unterstützen bei Fragen der Patientenrechte in Zusammenhang mit Spitälern und teilweise Pflegeheimen. Rechtliche Fragen im Falle einer geistigen Behinderung werden durch das Vertretungsbefugnis nächster Angehöriger und die Sachwalterschaft geregelt. Vorsorgende Willenserklärungen sind durch eine Vorsorgevollmacht und Sachwalterverfügung möglich.

ELGA

Die Elekronische Gesundheitakte (ELGA) bietet die Möglichkeit, eigene ELGA-Gesundheitsdaten, z.B. Befunde oder Medikationsdaten, einzusehen. Die Teilnahmerechte an ELGA können unter bestimmten Voraussetzungen auch für eine andere Person ausgeübt werden. Mehr Infos unter: FAQ Teilnahme an ELGA.

Weitere Informationen

Hier finden pflegende Angehörige weiterführende Informationen und Beratung:

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