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Testosteronmangel beim Mann - Hypogonadismus

Testosteronmangel bedeutet, dass die Konzentration von Testosteron im Blut zu niedrig ist. Testosteronmangel beim Mann kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Erkrankung der Hoden oder eine Störung der Hormonregulierung. Auch bestimmte organische Erkrankungen können zu einem Testosteronmangel führen. Liegt ein Testosteronmangel aufgrund einer gestörten Funktion der Hoden vor, sprechen Fachleute von Hypogonadismus. Je nach Ursachen und Alter treten verschiedene Symptome auf, z.B. sexuelle Funktionsstörungen. Die Diagnose eines Testosteronmangels ist oft schwierig. Eine wichtige Rolle spielen die Erhebung von Laborwerten und körperliche Untersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Testosteronmangels.

Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt bei Testosteronmangel bzw. Hypogonadismus im Erwachsenenalter. In der Altersgruppe von 40 bis 79 Jahren sind ungefähr vier Prozent von symptomatischem Hypogonadismus betroffen.

Was ist Testosteron?

Testosteron ist das wichtigste Sexualhormon bei Männern. Es ist für die männliche körperliche Entwicklung und für einen gesunden Organismus wichtig. So beeinflusst Testosteron unter anderem die Fortpflanzungsfähigkeit und die Sexualfunktionen bei Männern, das Muskelwachstum, die Knochendichte und es reguliert den Fettstoffwechsel. Beim Embryo steuert Testosteron u.a. die Ausbildung der männlichen Geschlechtsteile. In der Pubertät beginnen u.a. die Hormone die Produktion der Samenzellen zu aktivieren und die Testosteronproduktion zu steigern. Dadurch bilden sich auch sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale heraus und es kommt zur Geschlechtsreife. Zu sekundären Geschlechtsmerkmalen zählen etwa tiefe Stimme, Bartwuchs oder Intimbeharrung.

Wie wird Testosteron gebildet?

Testosteron wird bei Männern zum größten Teil in den Hoden gebildet, und zwar in den Leydig-Zellen. Ein Teil wird auch von der Nebenniere produziert. Wie viel Testosteron produziert wird, steuert vor allem das luteinisierende Hormon (LH). Das follikelstimulierende Hormon (FSH) unterstützt unter anderem die Bildung von Spermien, die sogenannte Spermatogenese. LH und FSH werden über ein weiteres Hormon gesteuert: das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). Das Zusammenspiel der Hormone regeln zwei Steuerzentren im Gehirn: Hypothalamus und Hypophyse. Fachleute bezeichnen diesen Regelkreislauf der Sexualhormone als Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Im Blut wird Testosteron an einen Eiweißstoff gebunden – das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) – und so im Körper transportiert. Mehr Informationen unter: Männliche Geschlechtsorganse – Basisinfo.

Testosteron wird auch bei Frauen gebildet, und zwar in den Eierstöcken und in der Nebenniere – sowie in der Plazenta. Bei der Frau werden Androgene, männliche Hormone wie Testosteron, zum großen Teil in Östrogen umgewandelt.

Was kann den Testosteronspiegel bei Männern beeinflussen? 

Der Testosteronspiegel schwankt auch bei gesunden Männern und ist von Mann zu Mann verschieden hoch. Im Tagesverlauf ist der Testosteronspiegel in der Früh und am Vormittag am höchsten.

Zudem können verschiedene Faktoren funktionelle Störungen im Organismus auslösen, die zu niedrigen Testosteronspiegeln führen. Dazu zählen: 

  • langes Fasten bzw. Mangelernährung,
  • starke körperliche Anstrengung, 
  • schwerer Missbrauch von Alkohol, Cannabisgebrauch,
  • Einnahme von Opioiden oder Anabolika 

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung vermeidet negative Einflüsse auf die Produktion und Wirkung von Testosteron und kann unterstützen, einem Testosteronmangel vorzubeugen.

Welche Ursachen hat Testosteronmangel bei Männern?

Ein Testosteronmangel bei Männern kann verschiedene Ursachen haben.

Je nachdem, ob die Störung im Bereich der Hoden oder im Hypothalamus-Hypophysen-System liegt, werden zwei Hauptformen unterschieden: primärer und sekundärer Hypogonadismus. Zudem können der altersbedingte Rückgang des Testosteronspiegels und andere Erkrankungen funktionelle Störungen auslösen, die zu niedrigen Testosteronspiegeln führen. Fachleute bezeichnen dies als funktionellen Hypogonadismus.

Primärer Hypogonadismus - Erkrankungen der Hoden: Die Leydig-Zellen der Hoden können kein Testosteron bilden. Mögliche Ursachen sind z.B.:

  • Klinefelter-Syndrom
  • Fehlen oder Funktionsverlust der Hoden (Anorchie),
  • Unbehandelter Hodenhochstand (Kryptorchismus)
  • Hodenentzündung (Orchitis), z.B. als Folge von Mumps,
  • Hodenverletzungen,
  • Hodenkrebs,
  • Beeinträchtigung der Hodenfunktion durch systemische Erkrankungen, z.B. Leberzirrhose

Sekundärer Hypogonadismus - Störungen des Hypothalamus oder der Hypophyse: Die Bildung von Hormonen für die zentrale Steuerung der Testosteronproduktion (LH, FSH; GnRH) kann aufgrund verschiedener Erkrankungen gestört sein. Dazu zählen:

  • Hypophyseninsuffizienz: Funktionsmangel oder Ausfall der Hypophyse,
  • Hypothalamustumoren inklusive Hypophysenadenom, eine gutartige Geschwulst in der Hypophyse,
  • Mangel an Gonadotropin-Releasing-Hormon, ausgelöst durch eine systemische Erkrankung, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, Drogenkonsum oder Toxine,
  • Kallmann-Syndrom sowie
  • Gehirnverletzungen.

Funktioneller Hypogonadismus: Mit zunehmendem Alter sinkt die Testosteronproduktion. Hypogonadismus im Alter steht oft mit überschüssigem Bauchfett und einer Stoffwechselstörung in Zusammenhang. Zudem können bestimmte Erkrankungen einen niedrigen Testosteronspiegel begünstigen. Dazu zählen: 

Welche Symptome können bei Testosteronmangel auftreten?

Testosteronmangel kann viele verschiedene Symptome verursachen, die auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Dazu zählen sexuelle, körperlich-organische, psychologische und kognitive Symptome. Je nach Ursache und Form entwickeln sich die Anzeichen langsam über Wochen, Monate oder Jahre. Sie halten meist über längere Zeit an, zumindest mehrere Wochen. Testosteronmangel vor der Pubertät führt zu einer verzögerten Pubertätsentwicklung. Testosteronmangel nach der Pubertät zeigt sich teilweise in unterschiedlichen Symptomen.

Symptome für Testosteronmangel vor der Pubertät sind z.B.:

  • Ausbleiben der Stimmveränderung (Stimmbruch), 
  • Hautblässe,
  • unterentwickelte Muskulatur,
  • kindlicher Penis,
  • kleine Hoden,
  • keine Entwicklung der Erektionsfähigkeit und Libido (sexuelles Verlangen) sowie
  • Störungen der Spermatogenese (Bildung von Sperma).

Symptome für Testosteronmangel nach der Pubertät bzw. im Erwachsenenalter sind z.B.:

Die verschiedenen Symptome eines Testosteronmangels können auch durch andere Erkrankungen verursacht werden. Deshalb versucht die Ärztin oder der Arzt, durch genaue Diagnostik die Ursache festzustellen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnostik bei Verdacht auf einen Testosteronmangel beim Mann umfasst zumindest eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen. Bei der Anamnese erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt u.a. nach Krankheiten, Einnahme von Medikamenten, sexuellen Problemen und anderen Beschwerden. Die Ärztin oder der Arzt prüft zudem, ob klinische Symptome für einen Testosteronmangel vorliegen.

In der Laboruntersuchung wird u.a. das Gesamttestosteron ermittelt. Die Blutabnahme zur Messung des Testosterons muss morgens erfolgen, da der Testosteronspiegel bei Männern in der Früh erhöht ist. Die Ergebnisse müssen durch eine zweite Messung bestätigt werden.

Auch die Messung des sogenannten freien Testosterons kann für die Diagnose von Bedeutung sein, vor allem, wenn die Messungen des Gesamttestosterons keine eindeutige Diagnose ermöglichen. Testosteron ist im Blut zu ca. 97 Prozent an Proteine, z.B. SHBG, gebunden und liegt nur in geringer Menge als freies Hormon vor. Um die Ursachen weiter einzugrenzen, werden die Serumspiegel von SHBG, LH und FSH gemessen. Daraus kann die Ärztin oder der Arzt schließen, ob ein primärer oder sekundärer Hypogonadismus bzw. ein Altershypogonadismus vorliegt. Eventuell sind weitere Untersuchungen für die Diagnostik einer zugrunde liegenden Erkrankung notwendig, z.B. ein Ultraschall der Hoden und der Prostata.

Wie erfolgt die Behandlung von Hypogonadismus?

Je nach Ursache des Testosteronmangels kann die Ärztin oder der Arzt verschiedene Behandlungen vorschlagen. Dazu zählen z.B. eine Testosteronersatztherapie bei primärem Hypogonadismus. Die Behandlung von Grunderkrankungen sowie Begleiterkrankungen erfolgt auf diese abgestimmt. Bei funktionellen Hypogonadismus kann die Ärztin oder der Arzt begleitende Änderungen im Lebensstil empfehlen, vor allem ausgewogene Ernährung, Gewichtsreduktion und regelmäßige Bewegung.

Behandlung mit Testosteron

Fachleute empfehlen, dass eine Behandlung mit Testosteron nur bei Männern mit eindeutiger Diagnose eines Hypogonadismus zur Anwendung kommen sollte. Das bedeutet: bei Vorliegen klinischer Symptome und zu niedrigen Testosteronkonzentrationen, die in mindestens zwei Laboruntersuchungen morgens ermittelt wurden.

Ziel einer Testosteronersatztherapie ist, den normalen Testosteronspiegel wiederherzustellen. Dadurch sollen durch Testosteronmangel ausgelöste Beschwerden behandelt werden. Dazu zählen:

  • verzögerte Pubertät,
  • Symptome des Klinefelter-Syndroms,
  • Störungen der sexuellen Funktionen,
  • niedrige Knochenmasse,
  • Symptome eines durch Testosteronmangel begünstigten Metabolischen Syndroms.

Voraussetzung für die Wahl des Hormonersatzpräparates wie Testosteron bzw. GnRH ist die genaue Kenntnis der Ursache des Testosteronmangels. Vor der Behandlung klärt die Ärztin oder der Arzt mögliche Risiken oder Erkrankungen ab, die z.B. eine Testosteronersatztherapie ausschließen. Gegenanzeigen für eine Testosteronersatztherapie sind z.B. Prostatakarzinom, erhöhte PSA-Werte, männliches Mammakarzinom, Polyzythämie, schwere Schlafapnoe, schwere Herzinsuffizienz, oder männliche Unfruchtbarkeit bzw. Kinderwunsch.

Für eine Testosteronersatztherapie stehen kurzwirkende und langwirkende Präparate in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Verfügung, z.B. Medikamente zum Einnehmen, zur Injektion in den Muskel oder Gels und Pflaster zur Anwendung auf der Haut. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welches Präparat am geeignetsten ist.

Die Ärztin oder der Arzt informiert über die Prognose bzw. den voraussichtlichen Therapieerfolg und klärt über mögliche Risiken und Nebenwirkungen auf. Dosierung und Präparat werden so gewählt, dass sich die Testosteronspiegel im normalen Bereich einpendeln. Unter dieser Voraussetzung treten Nebenwirkungen nur sehr selten auf. 

Unerwünschte Wirkungen von Testosteronersatztherapie

Bei manchen Männern kann eine Testosteronersatztherapie Akne hervorrufen. Eine Testosteronersatztherapie kann die Spermatogenese vorübergehend unterdrücken. Hat der Patient einen Kinderwunsch, kann die Ärztin oder der Arzt andere Therapiemöglichkeiten vorschlagen. Weitere mögliche Nebenwirkungen einer Testosteronersatztherapie sind z.B. eine Schwellung der Brustdrüsen (Gynäkomastie), eine Verringerung der Hodengröße, eine Erhöhung der Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozythose), die mit einer Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes und ev. mit einer erhöhten Thromboseneigung verbunden sein kann.

Hinweis

Im Arzneimittelspezialitäten-Register des BASG sind Medikamente mit ihrem Beipacktext und der Häufigkeit der jeweiligen Nebenwirkungen abrufbar.

Therapiekontrolle bei Testosteronersatzttherapie

Regelmäßige Laboruntersuchungen der Testosteronwerte des Patienten ermöglichen es der Ärztin oder dem Arzt, den Therapieerfolg zu prüfen. Zudem empfehlen medizinische Leitlinien bei einer Testosteronersatztherapie folgende Kontrolluntersuchungen: Laborwerte von Hämatokrit, Hämoglobin, PSA, rektale Untersuchung der Prostata sowie Brustuntersuchung.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung von Beschwerden in Zusammenhang mit einem möglichen Testosteronmangel sowie der sexuellen Entwicklung bzw. Sexualfunktionen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

  • Amboss (2026): Sexualhormone. Androgene. Online abgerufen im Mai.2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • Pschyrembel Online (2020): Testosteron. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
  • EAU Guidelines Office (2026): EAU Guideline on Sexual and Reproductive Health. Male Hypogonadism. European Association of Urology. Online abgerufen im Oktober 2019 unter uroweb.org 
  • Mahabadi, V., et al. (2025): Hypogonadism in Male Adults. Dynamed. Ipswich, Ma: EBSCO Information Services. Online abgerufen im Februar 2025 unter www.dynamed.com (Registrierung erforderlich)
  • Matsumoto, A. et al (2022): Hypogonadism in Men. Endocrine Society. Abgerufen im Mai 2026 unter www.endocrine.org
  • Snyder, P.J. (2025): Causes of primary hypogonadism in males. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Snyder, P.J. (2026): Clinical features and diagnosis of male hypogonadism. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Snyder, J.S. (2026): Testosterone treatment of male hypogonadism. Uptodate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Uptodate: Patient education: Low testosterone in males (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Uptodate: Patient education: Testosteron replacement in men (The Basic). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Vehkavaara, S. (2023): Männlicher Hypogonadismus und Hormonsubstitution. In EbM-Guidelines. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.ebm-guidelines.com (Registrierung erforderlich)

Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2026

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Prim. Univ.Prof. Dr.med.univ. Stephan Madersbacher, Facharzt für Urologie

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