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Bluttest für Testosteron © jarun011

Testosteronmangel beim Mann

Das Sexualhormon Testosteron ist für eine normale männliche Entwicklung und für einen gesunden Organismus wichtig. So beeinflusst Testosteron unter anderem die Fortpflanzungsfähigkeit, die Sexualfunktionen, das Muskelwachstum, die Knochendichte und reguliert den Fettstoffwechsel. Beim Embryo steuert Testosteron u.a. die Ausbildung der männlichen Geschlechtsteile. In der Pubertät beginnen die Hormone die Produktion der Samenzellen zu aktivieren und die Testosteronproduktion zu steigern. Dadurch bilden sich sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale heraus (z.B. tiefe Stimme, Gesichtsbehaarung, Muskelmasse, Knochengröße etc.), und es kommt zur Geschlechtsreife . . .

Das Sexualhormon Testosteron

Testosteron wird von den Leydig-Zellen der Hoden gebildet. Die Produktion von Testosteron und die Bildung von Spermien (Spermatogenese) werden durch andere Hormone gesteuert, wie das luteinisierende Hormon (LH), das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). Diese Hormone werden im Hypothalamus-Hypophysen-System gebildet. Im Blut wird Testosteron durch einen Bluteiweißstoff – das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) – gebunden und transportiert.

Was den Testosteronspiegel beeinflusst 

Der Testosteronspiegel schwankt und ist von Mann zu Mann verschieden hoch. Im Tagesverlauf ist der Testosteronspiegel in der Früh und am Vormittag am höchsten. Zudem können weitere Faktoren zu niedrigen Testosteronspiegeln beitragen. Dazu zählen: 

  • starkes Übergewicht – meist verursacht durch Bewegungsmangel und nicht ausgewogene Ernährung,
  • hoher Alkoholkonsum, Drogen, Medikamentenmissbrauch, 
  • langes Fasten, 
  • sehr anstrengende körperliche Aktivität, 
  • psychischer Stress, 
  • schwere Infektionen und chronische Erkrankungen, z.B. Typ-2-Diabetes.

Auch durch körperliche Veränderungen im Alter sinken die Testosteronspiegel langsam ab. Ein gesunder Lebensstil vermeidet zusätzliche negative Einflüsse auf die Produktion und Wirkung von Testosteron und hilft, einem Testosteronmangel vorzubeugen.

Ursachen von Testosteronmangel

Verschiedene Ursachen können einen Testosteronmangel auslösen:

  • Störungen oder Erkrankungen der Hoden (primärer Hypogonadismus): Die Leydig-Zellen der Hoden können kein Testosteron bilden. Mögliche Ursachen sind z.B.
    • Fehlen oder Funktionsverlust der Hoden (Anorchie)
    • Hodenentzündung (Orchitis), z.B. als Folge von Mumps
    • Hodenverletzungen, Hodenkrebs
    • Klinefelter-Syndrom
  • Störungen des Hypothalamus oder der Hypophyse (sekundärer Hypogonadismus): Die Bildung von Hormonen für die zentrale Steuerung der Testosteronproduktion (LH, FSH; GnRH) kann aufgrund verschiedener Erkrankungen gestört sein. Dazu zählen:
    • Hypophyseninsuffizienz (Funktionsmangel oder Ausfall der Hypophyse)
    • Hypophysenadenom (gutartige Geschwulst in der Hypophyse)
    • Mangel an Gonadotropin-Releasing-Hormon, der durch eine systemische Erkrankung, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, Drogenkonsum oder Toxine ausgelöst werden kann
    • Kallmann-Syndrom
    • Gehirnverletzungen
  • Androgen-Resistenz aufgrund genetischer Erkrankungen
  • Altershypogonadismus: Die Mischform aus primärem und sekundärem Hypogonadismus steht oft mit überschüssigem Bauchfett und dem metabolischen Syndrom in Zusammenhang. Mehr Infos finden Sie unter Testosteronmangel im Alter.

Symptome

Die Anzeichen für Testosteronmangel können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie halten meist über längere Zeit, zumindest mehrere Wochen, an. Testosteronmangel in oder nach der Pubertät zeigt sich teilweise in unterschiedlichen Symptomen.

Symptome für Testosteronmangel in der Pubertät sind z.B.:

  • Ausbleiben der Stimmveränderung (Stimmbruch), 
  • Hautblässe,
  • unterentwickelte Muskulatur,
  • kindlicher Penis,
  • kleine Hoden,
  • keine Entwicklung der Erektionsfähigkeit und Libido (sexuelles Verlangen),
  • keine Bildung von Sperma.

Symptome für Testosteronmangel nach der Pubertät sind z.B.:

  • Nachlassen des sexuellen Verlangens (Libidoverlust),
  • Erektionsstörungen,
  • Rückgang der sexuellen Aktivität,
  • Stimmungsschwankungen, depressive Stimmungen und Antriebsverlust, 
  • Schlafstörungen,
  • Rückgang der Muskulatur,
  • Verkleinerung der Hoden,
  • Zunahme des Bauchfetts,
  • Anzeichen des metabolischen Syndroms,
  • kognitive Störungen, vor allem Verringerung der räumlichen Wahrnehmungsfähigkeit.

Die verschiedenen sexuellen, psychologischen, kognitiven, körperlich-organischen Symptome eines Testosteronmangels können auch durch andere Erkrankungen verursacht werden. Deshalb versucht die Ärztin/der Arzt, durch genaue Diagnostik die Ursache festzustellen.

Diagnose

Die Diagnostik bei Verdacht auf einen Testosteronmangel beim Mann umfasst zumindest die Anamnese, die körperliche Untersuchung und die Laboruntersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung prüft die Ärztin/der Arzt u.a. Brust, Körperbehaarung, Bauchumfang, Penis, Hoden und Prostata.

In der Laboruntersuchung wird u.a. das Gesamttestosteron ermittelt. Die Messung des Testosterons muss morgens zwischen sieben und elf Uhr erfolgen, da der Testosteronspiegel bei Männern in der Früh erhöht ist. Die Ergebnisse müssen durch eine zweite Messung bestätigt werden. Für das Gesamttestosteron wird in medizinischen Leitlinien folgende Einteilung angegeben:

  • über 12 nmol/Liter (3,46 ng/ml): normal, kein Testosteronmangel
  • zwischen 12 und 8 nmol/Liter: Hinweis auf Testosteronmangel, weitere Laboruntersuchungen (z.B. freies Testosteron) notwendig
  • unter 8 nmol/Liter (2,31 ng/ml): Testosteronmangel aufgrund einer Erkrankung liegt vor

Hinweis Es gibt Unterschiede in den Normalbereichen verschiedener Laboratorien. Deshalb müssen eventuell die Grenzwerte durch die Referenzwerte im jeweiligen Labor festgelegt werden.

Auch die Messung des freien Testosterons kann für die Diagnose von Bedeutung sein. Testosteron ist im Blut zum größten Teil (ca. 97 Prozent) an Proteine, z.B. SHBG, gebunden und liegt nur zu einem kleinen Teil (ca. ein bis drei Prozent) als freies Hormon vor. Um die Ursachen weiter einzugrenzen, werden die Serumspiegel von SHBG, LH und FSH gemessen. Daraus kann die Ärztin/der Arzt schließen, ob ein primärer oder sekundärer Hypogonadismus bzw. ein Altershypogonadismus vorliegt. Eventuell sind weitere Untersuchungen für die Diagnostik der zugrunde liegenden Erkrankung notwendig, z.B. eine sonografische Untersuchung der Hoden und der Prostata.

Therapie

Voraussetzung für die Wahl des Hormonersatzpräparates (z.B. Testosteron, GnRH) ist die genaue Kenntnis der Ursache, die für den Testosteronmangel verantwortlich ist. Vor der Behandlung klärt die Ärztin/der Arzt mögliche Risiken oder Erkrankungen ab, die z.B. eine Testosteronersatztherapie ausschließen. Gegenanzeigen für eine Testosteronersatztherapie sind z.B. Prostatakarzinom, männliches Mammakarzinom, Polyzythämie, schwere Schlafapnoe oder männliche Unfruchtbarkeit.

Ziel einer Testosteronersatztherapie ist, den normalen Testosteronspiegel wiederherzustellen. Dadurch sollen durch Testosteronmangel ausgelöste Beschwerden oder Erkrankungen behandelt werden. Dazu zählen:

  • verzögerte Pubertät,
  • Klinefelter-Syndrom,
  • Störungen der sexuellen Funktionen,
  • niedrige Knochenmasse.

Für eine Testosteronersatztherapie stehen kurzwirkende und langwirkende Präparate in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Verfügung, z.B. orale Medikamente, intramuskuläre Injektionen oder Gels und Pflaster zur Anwendung auf der Haut. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welches Präparat am geeignetsten ist. Die Ärztin/der Arzt informiert über die Prognose bzw. den voraussichtlichen Therapieerfolg und klärt über mögliche Risiken und Nebenwirkungen auf. Dosierung und Präparat werden so gewählt, dass sich die Testosteronspiegel im normalen Bereich einpendeln. Unter dieser Voraussetzung treten Nebenwirkungen nur sehr selten auf.

Unerwünschte Wirkungen

Eine Testosteronersatztherapie kann die Spermatogenese vorübergehend unterdrücken. Hat der Patient einen Kinderwunsch, kann die Ärztin/der Arzt andere Hormonpräparate vorschlagen. Sehr seltene Nebenwirkungen einer Testosteronersatztherapie sind z.B. eine Schwellung der Brustdrüsen (Gynäkomastie), eine Verringerung der Hodengröße, eine Erhöhung der Zahl der roten Blutkörperchen, die mit einer Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes und ev. mit einer erhöhten Thromboseneigung verbunden sein kann. Eine Schlafapnoe kann sich durch die Gabe von Testosteron verschlechtern.

Gefährliches Doping

Testosteronpräparate sind rezeptpflichtige Medikamente. Sie werden von der Ärztin/vom Arzt eingesetzt, um einen Patienten mit Testosteronmangel bei bestimmten Indikationen zu behandeln. Der Missbrauch von Testosteron, z.B. zur Förderung des Muskelwachstums oder beim Doping, kann zu gefährlichen Gesundheitsschäden führen.

Therapiekontrolle

Regelmäßige Laboruntersuchungen der Testosteronwerte des Patienten ermöglichen es der Ärztin/dem Arzt, den Therapieerfolg zu prüfen. Zudem empfehlen medizinische Leitlinien bei einer Testosteronersatztherapie folgende Kontrolluntersuchungen: Laborwerte von Hämatokrit, Hämoglobin, PSA, rektale Untersuchung der Prostata sowie Brustuntersuchung.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung von Beschwerden in Zusammenhang mit der sexuellen Entwicklung bzw. mit den Sexualfunktionen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Urologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Andrologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin mit dem Spezialgebiet für Endokrinologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Webseite der Sozialversicherung finden.

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