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Junge Frau in Gedanken © prudkov

Persönlichkeitsstörungen im Überblick

Persönlichkeitsstörungen sind sehr grundlegende und umfassende Störungen der menschlichen Psyche und weisen deshalb verschiedenste Symptome auf. Es hat sich als sinnvoll und hilfreich für die Diagnose und Behandlung erwiesen, verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen nach zentralen Merkmalen zu unterscheiden . . .

Die folgende Auflistung der wichtigsten Persönlichkeitsstörungen kann Betroffenen und Angehörigen dazu dienen, eigener oder fremder Befindlichkeit Aufmerksamkeit entgegenzubringen und den Weg zum Fachmann zu erleichtern.


 Persönlichkeitsstörung  Beispiele für Merkmale
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (inklusive Borderline-Typus)
  • Stimmungsschwankungen
  • hohe Impulsivität
  • Gefühle innerer Leere
  • selbstschädigendes Verhalten
  • erhöhte Gefahr der Selbstverletzung (z.B. Ritzen, Schneiden, Verbrennungen, Selbst-Schlagen) oder eines Suizids
ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • Drang, sich ständig Sorgen zu machen
  • Vermeidungsverhalten
  • Angst, vor Zurückweisung bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Nähe
  • eventuell in Verbindung mit einer Angststörung
zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung
  • „Übergenauigkeit“ („Pedanterie“)
  • von starken Zweifeln geplagt
  • „Übervorsichtigkeit“
  • eventuell in Verbindung mit einer Zwangsstörung
abhängige (asthenische, dependente) Persönlichkeitsstörung
  • verminderte Selbstständigkeit/Hilflosigkeit
  • Vernachlässigung eigener Bedürfnisse zugunsten anderer
  • herabgesetzte Belastbarkeit
  • große Ängste, verlassen zu werden
  • starkes Bedürfnis nach Geborgenheit und Bindung
passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
  • großes Misstrauen
  • sehr distanziert
  • starkes Bedürfnis, eigene Grenzen zu wahren
paranoide Persönlichkeitsstörung
  • sehr misstrauisch/eifersüchtig
  • besonders leicht kränkbar
  • bezieht Gesagtes/Handlungen allgemein stark auf sich selbst
  • große Empfindlichkeit gegenüber Grenzüberschreitungen (z.B. Eindringen in Privatsphäre)
  • ausgeprägtes Bedürfnis nach Selbstständigkeit
  • „Streitsüchtigkeit“
narzisstische Persönlichkeitsstörung
  • verminderte Kritikfähigkeit
  • Selbstüberschätzung
  • gleichzeitig bestehende (meist unbewusste) Minderwertigkeitsgefühle
  • sehr starker Drang, immer im Mittelpunkt zu stehen
  • hohes Bedürfnis nach Solidarität
histrionische Persönlichkeitsstörung
  • Neigung zu „dramatischen Auftritten“
  • stark ausgeprägtes Aufmerksamkeitsbedürfnis
  • große Rolle der eigenen Wichtigkeit für andere
schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht zu verwechseln mit Schizophrenie)
  • Einzelgängertum
  • scheinbare oder tatsächliche Gefühlskälte bzw. Gleichgültigkeit
  • verdeckte Wünsche nach Anerkennung
  • Distanziertheit bis hin zu „Unnahbarkeit“
  • Rückzug in Phantasiewelten
schizotype Persönlichkeitsstörung (nicht zu verwechseln mit Schizophrenie)
  • sehr „schrullig“ und zurückgezogen
  • Vorliebe für esoterische/magische Denkweisen
  • umständliche Ausdrucksweise
  • Schwierigkeiten im passenden Gefühlsausdruck
dissoziale Persönlichkeitsstörung
  • Missachtung sozialer/gesellschaftlicher Regeln
  • fehlendes Mitgefühl („eiskalt“)
  • nach außen teilweise aber oft auch charmant („Wolf im Schafspelz“)
  • Kriminalität
  • ev. in Verbindung mit Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit


Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung fällt es schwer, ihren Meinungen und Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Sie haben in vielen Fällen die Erfahrung gemacht, dass sie mit einer offenen Art nicht wahrgenommen oder wertgeschätzt werden. Um Ziele im zwischenmenschlichen Bereich zu erreichen (z.B. Anerkennung, Liebe), benehmen sie sich oft eigenartig und beeinflussen – unbemerkt für das Gegenüber – dessen Reaktionen. Diese Verhaltensweisen entstanden meist im Laufe des Lebens und haben nach näherer Betrachtung oft einen greifbaren Nährboden (z.B. problematische Beziehungserfahrungen).

Hinweis Menschen mit Persönlichkeitsstörungen können ein erhöhtes Risiko aufweisen, sich das Leben zu nehmen (Suizidrisiko). Spricht eine Betroffene/ein Betroffener von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen und sofort eine Ärztin/ein Arzt zu konsultieren. Die/der Betroffene darf in dieser Situation keinesfalls alleine gelassen werden. Nähere Informationen finden Sie unter Suizidgefahr erkennen.

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