Suizidalität und Suizid
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Suizidalität und Suizid
Suizidalität umfasst alle Handlungen sowie Gedanken, die darauf abzielen oder zum Inhalt haben, sich das Leben zu nehmen. Zu suizidalem Verhalten zählen:
- Suizidgedanken und Suizidvorstellungen.
- Suizidpläne, Vorbereitungshandlungen für einen Suizid.
- Suizidankündigungen: direkte oder indirekte Suizidhinweise oder Suiziddrohungen. Suizidversuche und Suizide.
Der Begriff Suizid stammt aus dem Lateinischen und lässt sich mit dem Wort Selbsttötung übersetzen. Suizid ist eine selbstausgeführte Handlung einer Person, die zu ihrem Tod führt. In der Umgangssprache werden dafür auch die Wörter Selbstmord oder Freitod verwendet. Diese Begriffe sind in der Fachwelt jedoch nicht mehr gebräuchlich, da das Wort Selbstmord Suizid sprachlich mit einer kriminellen Handlung wie Mord in Verbindung bringt und somit wertend bzw. verurteilend ist. Suizid ist jedoch kein krimineller Akt. Durch den Begriff Freitod wird fälschlicherweise angedeutet, dass der Suizid eine völlig freie Entscheidung ist. Ist jedoch ein Mensch verzweifelt und hoffnungslos, die Sicht auf die Dinge dunkel und eingeengt, werden Entscheidungen nicht wie sonst in freier Selbsbestimmung getroffen.
Insbesondere Menschen, die sich in einer akuten Krisensituation befinden oder psychisch erkrankt sind, können suizidal werden und dabei eine Einengung ihres Erlebens und ihrer Möglichkeiten erfahren. In den meisten Fällen verschwinden bei Bewältigung der Krise bzw. bei Überwinden der psychischen Beeinträchtigung die Suizidgedanken.
Mehr Suizidfälle als Verkehrstote
2023 starben in Österreich 1.212 Menschen durch Suizid. Die Anzahl ist in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken und liegt im europäischen Mittelfeld. Dennoch sterben ca. mehr als dreimal so viele Menschen infolge eines Suizids wie durch Verkehrsunfälle. Suizid wird oft als Problem von Männern angesehen, da die Suizidrate bei Männern mehr als dreimal so hoch ist wie jene der Frauen. Hierbei gilt es allerdings zu bedenken, dass die Suizidraten nur die Zahl der vollzogenen Suizide beinhalten. Suizidversuche kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern.
Gründe für Suizid
Grundsätzlich gilt, dass es nie einen einzelnen Grund für Suizid gibt. Vielmehr entwickelt sich Suizidalität aus einem Zusammenspiel unterschiedlicher biologischer, sozialer, psychologischer und kultureller Faktoren.
Die Ursachen, sich das Leben zu nehmen, können sehr unterschiedlich sein. Oft handelt es sich um eine Flucht vor einer als unerträglich empfundenen Situation oder vor schwer aushaltbaren Gefühlen und Leidenszuständen. Die Gefahr ist umso größer je weniger Betroffene einen anderen Ausweg als möglich erachten. Suizidale Handlungen können auch als Hilferufe, Problemlösungsversuche oder Abwehr von Hoffnungslosigkeit verstanden werden. In selteneren Fällen steht tatsächlich der Wunsch nach dem Tod im Vordergrund. Meistens dominiert der Wunsch nach Ruhe bzw. einem Ende der aktuellen Krisensituation, die als aussichtslos empfunden wird.
Risikofaktoren für Suizid
Ein erhöhtes Risiko für einen Suizid ist vor allem in folgenden Fällen gegeben:
- psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Suchterkrankungen),
- akute psychosoziale Krisen, z.B. Partnerschaftskonflikte, Verlust des Arbeitsplatzes, traumatische Ereignisse,
- früheres suizidales Verhalten bei einer psychischen Erkrankung oder in psychosozialen Krisen,
- chronische Erkrankungen,
- Isolation bzw. Einsamkeit,
- wirtschaftliche Not, Armut.
Aus der Forschung ist zudem bekannt, dass mit steigendem Alter das Suizidrisiko zunimmt. Vor allem vereinsamte Männer über 60 Jahren zählen zur Risikogruppe. Männer weisen im Vergleich zu Frauen ein deutlich reduziertes Hilfesuchverhalten auf und sind oftmals von damit im Konflikt stehenden Rollenerwartungen beeinflusst. Darin sehen Fachleute einen wesentlichen Grund für das höhere Suizidrisiko bei Männern.
Suizidpräventionsprogramm SUPRA
2012 wurde das österreichische Suizidpräventionsprogramm SUPRA vom Gesundheitsministerium ins Leben gerufen. Aktuelle Informationen zu vorbeugenden nationalen Maßnahmen finden Sie im Bericht Suizid und Suizidprävention in Österreich 2024.
Weitere Informationen finden Sie zudem auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.
- Australian Suicide Pervention Foundation: Suicide Prevention. Online abgerufen im Juni 2024 unter suicideprevention.com.au
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- Bleib bei uns – Verein für Lebensmut: Online abgerufen im Juni 2024 unter www.bleibbeiuns.at
- Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich (Hg.): Nach einem Suizidversuch. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.reden-kann-retten.ch
- Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) (2019): Gender-Gesundheitsbericht Schwerpunkt Psychische Gesundheit am Beispiel Depression und Suizid. Wien: BMASGK. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
- Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGK) (2019): Suizid und Suizidprävention in Österreich: Bericht 2018. Wien: BMASGK Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
- Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGK) (2020): Publikationen zum Thema Suizidprävention und Suizid für Angehörige und Berufsgruppen. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
- Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) (2017): Suizid und Suizidprävention in Österreich. Bericht 2016. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
- Bundesministerium für Justiz (2021): Erlass über die am 1. Jänner 2022 in Kraft tretende Neuregelung des § 78 StGB. Wien: Bundesministerium für Justiz. Online abgerufen im April 2024 unter www.ris.bka.gv.at
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) (2023): Suizid und Suizidprävention in Österreich: Bericht 2023. Wien: BMSGPK. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) (2024): Suizid und Suizidprävention in Österreich: Bericht 2024. Wien: BMSGPK. Online abgerufen im Juni 2024 unter www.sozialministerium.at
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Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2025
- Gesundheit Österreich GmbH
- In Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien, Zentrum für Public Health, Unit Suizidforschung & Mental Health Promotion
- Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Kriseninterventionszentrum Wien