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Therapiegespräch © Photographee.eu

Persönlichkeitsstörungen: Diagnose & Therapie

Die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen ist nicht leicht und nicht unmittelbar zu stellen, da sie sich auf unterschiedlichste Weise zeigen. Somit ist die Diagnose eine Verdachtsdiagnose, die sich erst im Lauf der Behandlung bestätigen lässt. Persönlichkeitsstörungen sind im Allgemeinen behandelbar, wenngleich sich die Therapie oft langandauernd gestaltet und den Betroffenen ein gewisses Durchhaltevermögen abverlangt.

Diagnose von Persönlichkeitsstörungen

Die Diagnose erfordert Wissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl und erfolgt in der Regel durch Psychiaterinnen/Psychiater bzw. Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten. Eine fundierte Diagnosestellung erleichtert es, die richtige Behandlungsform zu finden, um ein ausgeglicheneres Leben zu führen. In Österreich erfolgt die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen anhand des ICD-10 (International Classification of Diseases). Andere Diagnoseschemata (z.B. OPD, DSM-V) können zur Ergänzung und zum besseren Verständnis herangezogen werden. Um körperliche Erkrankungen (z.B. des Gehirns) auszuschließen, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. In einem ausführlichen Gespräch – oft auch mit Angehörigen – wird die Lebens- und Krankengeschichte genau erhoben. Klinische Psychologinnen/Psychologen können in Diagnose (z.B. mittels psychologischer Tests) und Therapie mit einbezogen werden.

Therapie von Persönlichkeitsstörungen

Betroffenen fällt es oft schwer, Hilfe zu suchen. Viele können auch nicht erkennen, dass sie selbst Unterstützung brauchen. Oft suchen zuvor Menschen im sozialen Umfeld nach Beratung oder Therapie, da sie mit dem Verhalten ihrer Nächsten nicht zurechtkommen bzw. in der Folge eigene seelische Probleme entwickeln. Die Behandlung nimmt einige Zeit in Anspruch und ist prinzipiell möglich. Psychotherapie sowie Soziotherapie ((Wieder-)Erlernen sozialer Fertigkeiten, Sicherstellung sozialer Grundbedürfnisse, Rehabilitation) sind die wesentlichen Therapiesäulen. Dabei wird unter anderem individuell versucht, neue Verhaltens- und Sichtweisen zu erproben bzw. zu erlernen.

Therapieabbrüche keine Seltenheit

In einer Gruppenpsychotherapie können vor allem auch Differenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung sichtbar gemacht, soziales Miteinander in geschütztem Rahmen gelebt und das Verständnis für einander gefördert werden. Je nach Ausprägung von Symptomen oder anderen Erkrankungen/Störungen können ärztlich verordnete Medikamente notwendig sein (z.B. zur Angstlinderung). Die Probleme, mit denen Betroffene zu kämpfen haben (Schwierigkeiten bezüglich Nähe/Distanz, Vertrauen etc.), spiegeln sich meist in einem erschwerten Behandlungsweg wider. Nicht selten kommt es zu Therapieabbrüchen. Eine wesentliche Basis bildet das langsam aufzubauende Vertrauensverhältnis zu den professionellen Helferinnen/Helfern.

Innerhalb der Psychotherapie haben sich unterschiedliche Methoden entwickelt, die sich mit Persönlichkeitsstörungen im Besonderen beschäftigen. Am besten ist die emotional instabile Persönlichkeit (Borderline-Typus) erforscht. Nähere Informationen finden Sie unter Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Therapie.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden, möchten Sie jemandem aus Ihrer Umgebung helfen oder benötigen Sie als Angehöriger/Angehörige seelische Unterstützung, ist die Fachärztin/der Facharzt für Psychiatrie oder die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut für Sie die Anlaufstelle erster Wahl. Für Jugendliche unter 18 Jahren stehen auch spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiaterinnen/Jugendpsychiater zur Verfügung. Sie können sich auch an eine klinische Psychologin/einen klinischen Psychologen wenden. Für Angehörige bietet zudem beispielsweise HPE Information und Unterstützung. Unter Services, Links und Broschüren finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche sowie Suche nach Selbsthilfegruppen (auch für Angehörige).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co: So werden Medikamentenkosten abgedeckt.

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie (genaue Auskunft gibt Ihr Krankenversicherungsträger). Eine komplette Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Service-Suche.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherungsträger. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden.

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