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Symbolbild Stimmungen © Minerva Studio

Bipolare Störung: Symptome & Diagnose

Eine bipolare Störung ist gekennzeichnet durch manische, ggf. hypomanische sowie depressive Episoden. Bei diesen wechseln die Stimmungen zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Bei der Akutbehandlung steht die Linderung der depressiven bzw. (hypo-)manischen Symptome im Vordergrund. Langfristiges Ziel ist die Reduktion bzw. Vermeidung von weiteren Episoden. Die Kennzeichen einer bipolaren Störung können sehr vielschichtig sein. Dies liegt an den wechselnden Phasen, die unterschiedliche Ausprägungen und Ausmaße annehmen können. Für die Diagnosestellung muss eine bestimmte Anzahl von Symptomen vorhanden sein, die in diagnostischen Leitlinien angegeben ist. 

Episoden und ihre Merkmale

Die folgende Tabelle soll eine Übersicht zu den unterschiedlichen Episoden, wie sie bei einer Bipolaren Störung vorkommen, bieten:

 Episode Beispiele für Merkmale
Manische Episode (Dauer: ≥ 1 Woche)
  • unangemessene, auffällig gehobene Stimmung
  • Gereiztheit bis hin zu Aggression
  • gesteigerter Antrieb
  • schnelles und unaufhörliches Sprechen
  • plötzliche, häufige und nicht immer nachvollziehbare Themenwechsel in Gesprächen, „vom Hundertsten ins Tausendste kommen“
  • erhöhte Ablenkbarkeit
  • verminderte soziale Hemmschwelle
  • reduziertes Schlafbedürfnis
  • riskantes Verhalten und Selbstüberschätzung, „Allmachtsfantasien“
  • Denkstörungen, Wahnhaftigkeit, Halluzinationen
  • gesteigertes sexuelles Verlangen
Hypomanische Episode (Dauer: ≥ 4 Tage)
  • ähnliche Merkmale wie bei manischer Episode, aber abgemildert
  • vorwiegend Konzentrationsprobleme, Gedankensprünge und Überfülle an Ideen
Depressive Episode (Dauer: ≥ 2 Wochen)
  • getrübte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • Verlust an Interessen
  • sozialer Rückzug
  • Hoffnungslosigkeit
  • Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • verminderter Appetit
  • in schweren Fällen Wahnideen (z.B. Verfolgungswahn), Halluzinationen
  • reduziertes sexuelles Verlangen
Gemischt affektive Episode (Dauer: ≥ 2 Wochen)
  • Mischung bzw. schneller Wechsel zwischen depressiven und (hypo-)manischen Kennzeichen

adaptiert nach DGBS e.V. und  DGPPN e.V.:  S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen. Langversion 1.0, Mai 2012

Diagnose

Neben einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) bzw. der Symptome können auch Tests oder Skalen zur Beurteilung herangezogen werden (z.B. Altman Self-Rating Scale, Bech-Rafaelsen-Manie-Skala). Eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls eine Erhebung von Laborbefunden bzw. weiterführende Diagnostik bilden die Basis für die Diagnosesicherung und Behandlungspläne.

Bipolare Störungen werden mittels der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10-Code) klassifiziert und zugeordnet. Für die Diagnose müssen im Krankheitsverlauf mindestens zwei eindeutige, gut voneinander abgrenzbare Episoden vorliegen. Wechseln sich besonders viele Episoden ab, spricht man von Rapid Cycling.

Von der bipolaren Störung abzugrenzen sind eine alleinige Depression sowie die Zyklothymie (andauernde Instabilität der Stimmung mit etlichen Phasen leichter Depression und leicht gehobener Stimmung). Auch eine Schizophrenie oder organische Ursachen müssen ausgeschlossen werden. Zudem können bestimmte Medikamente ähnliche Zustände hervorrufen (z.B. Hormonpräparate, Antidepressiva).

Risikofaktoren & Begleiterkrankungen

Zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer bipolaren Störung gehören etwa bipolare Störung bei einem Familienmitglied oder schwere Depression im Kindes-/Jugendalter, rascher Stimmungswechsel und Substanzmissbrauch. Menschen mit einer bipolaren Erkrankung weisen ein höheres Risiko für andere psychische Erkrankungen (z.B. Angststörungen, Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen) sowie körperliche Krankheiten (z.B. Herzerkrankungen, Diabetes oder Migräne) auf.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer bipolaren Störung zu leiden, oder möchten Sie jemandem aus Ihrer Umgebung helfen, ist die Fachärztin/der Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin für Sie die geeignete Anlaufstelle. Sie können auch zuerst ein Gespräch mit der Allgemeinmedizinerin/dem Allgemeinmediziner führen. Diese/dieser leitet dann weitere Schritte ein. Für Jugendliche unter 18 Jahren stehen auch spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiaterinnen/Jugendpsychiater zur Verfügung.

Unter Services, Links und Broschüren finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche sowie Suche nach Selbsthilfegruppen (auch für Angehörige).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung werden im Normalfall von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co: So werden Medikamentenkosten abgedeckt. Informationen zu Kosten bei einem Krankenhausaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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