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Blutphiole © Rob Byron

Hepatitis D

Bei der Delta-Hepatitis verursachen Hepatitis-D-Viren (HDV) eine im ganzen Organ verbreitete (diffuse) Entzündung des Lebergewebes. HDV ist ein defektes RNA-Virus, das mit Vorliebe an Leberzellen andockt und das auf die Helferfunktion des Hepatitis-B-Virus angewiesen ist. Nur bei einer Hepatitis-B-positiven Person sind Hepatitis-D-Viren infektiös und vermehrungsfähig . . .

Bei einer Koinfektion mit dem Hepatitis-B-Virus entwickelt sich in fünf Prozent der Fälle ein chronischer Verlauf, bei einer Superinfektion in bis zu 90 Prozent der Fälle. Der Verlauf einer akuten Hepatitis B wird durch HDV komplizierter und langwieriger. Die Erkrankung ist meldepflichtig.

Globale Verbreitung

Hepatitis D stellt ein häufig unterschätztes, globales Gesundheitsproblem dar. Weltweit sind ca. zehn bis 15 Millionen Menschen mit HDV chronisch infiziert. In Mitteleuropa sind überwiegend Migrantinnen/Migranten und Drogenabhängige von einer Hepatitis D betroffen. Obwohl grundsätzlich jede/jeder Patientin/Patient mit Hepatitis B dem Risiko einer HDV-Infektion ausgesetzt ist, gibt es signifikante Unterschiede im weltweiten Auftreten zwischen HBV und HDV.

In den ostasiatischen Ländern mit hohem HBV-Vorkommen ist die HDV-Prävalenz relativ niedrig, während die HDV-Koinfektion nach wie vor insbesondere in der Osttürkei, den südlichen Republiken der ehemaligen Sowjetunion, in Moldawien und Rumänien sowie in Südamerika und Zentralafrika endemisch ist, mit einer HDV-Verbreitung von bis zu 30 Prozent bei HBV-Infizierten. Insbesondere im Osten der Türkei stellt die Hepatitis-D-Koinfektion ein sehr großes Problem dar und wird bei fast 50 Prozent der Patientinnen/Patienten mit Leberkrebs gefunden.

Übertragungsweg

Der Übertragungsweg entspricht demjenigen des Hepatitis-B-Virus. Die Infektion wird durch Blut und über Geschlechtsverkehr übertragen. Weniger infektiös sind auch Speichel und Tränenflüssigkeit. Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind kann in sehr seltenen Fällen vorkommen, und zwar wenn bei der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes eine hohe Hepatitis-B-Infektiosität (hohe Hepatitis-B-Viruslast, positives HBe-Antigen) gegeben ist.

Eine Übertragung von Hepatitis D ist vor allem möglich,

  • wenn die Sexualpartnerin/der Sexualpartner Hepatitis D hat,
  • durch „needle-sharing“ (gemeinsames Benützen von Spritzen unter Drogenabhängigen),
  • bei der Geburt, wenn die Mutter Hepatitis D hat oder
  • durch eine Nadelstichverletzung, wenn eine Person mit Hepatitis B/D beteiligt ist.

Zusätzliche Infektionsmöglichkeiten ergeben sich durch die Mitbenutzung der Zahnbürste einer Person mit Hepatitis D oder durch Tätowierungen und Piercings unter unhygienischen Bedingungen. Extrem selten sind sogenannte nosokomiale Übertragungsfälle von medizinischem Personal auf Patientinnen/Patienten.

Durch übliche soziale Kontakte wie Händeschütteln, Umarmen, Küssen der Wange, Essen, Trinken und Benutzen der gleichen Toilette besteht kein Risiko für eine Übertragung von Hepatitis-D-Viren.

Vorbeugung

Einen zuverlässigen Schutz vor Hepatitis D kann vor allem durch die Hepatitis-B-Schutzimpfung erreicht werden. Weitere Vorbeugemaßnahmen sind die Vermeidung von Blutkontakten, sterile Durchführung von Tätowierungen und Piercings, alleinige Benutzung von Zahnbürsten, Rasierklingen, Nadeln oder Spritzbesteck (kein „needle sharing“) sowie Safer Sex (Kondome).

Diagnose und Krankheitsverlauf

Die akute Hepatitis D kann wie die akute Hepatitis B ohne Symptome verlaufen. Meist treten jedoch Übelkeit, Müdigkeit, Fieber und Gelbsucht auf.

Es können zwei Möglichkeiten einer Infektion auftreten:

  • Die akute Koinfektion (Simultaninfektion) mit dem Hepatitis-B- und -D-Virus zur gleichen Zeit. In 95 Prozent kommt es hier zu einer Ausheilung beider Infektionen, allerdings treten fulminante Verläufe mit akutem Leberversagen häufiger auf, als bei Einzelinfektionen mit Hepatitis B oder C. Deshalb wird empfohlen, alle Patientinnen/Patienten mit akuter Hepatitis B auf das gleichzeitige Vorliegen einer akuten Hepatitis D zu testen. Wenn dies bestätigt wird, ist eine engmaschige Überwachung notwendig. Chronische Verläufe sind selten (rund zwei Prozent), können aber bei Patientinnen/Patienten mit Immundefekten (z.B. HIV-Infektionen, immunsuppressive medikamentöse Therapie) häufiger auftreten, weshalb diese Patientengruppe unbedingt gegen Hepatitis B geimpft werden sollte.
  • Die HDV-Superinfektion bei Patientinnen/Patienten, die HBs-Antigen-Träger sind. Hier tritt häufiger ein deutlich schwererer Verlauf der Lebererkrankung auf, als bei Personen mit alleiniger Hepatitis-B- oder -C-Infektion. Die Hepatitis D wird in diesen Fällen in 70 bis 90 Prozent chronisch. Die Entwicklung einer Zirrhose schreitet deutlich rascher voran (innerhalb von fünf bis zehn Jahren nach HDV-Infektion) ebenso die Entwicklung von Leberkrebs.

In der Labordiagnostik ist die Bestimmung von HD-Antigen und Anti-HDV mittels ELISA von Bedeutung, zusätzlich zum Nachweis des HDV-Genoms die RNA-Hybridisierung bzw. Polymerasekettenreaktion (PCR). Unabhängig ob Ko- oder Superinfektion, in beiden Fällen ist ein deutlicher GPT-Anstieg feststellbar. Die Höhe der Leberwerte lässt jedoch keinen Rückschluss auf das Ausmaß des Leberzellunterganges zu. Da es, wie bei allen klassischen akuten Hepatitis-Virusinfektionen, keine spezifische Behandlung für Hepatitis D gibt, können nur die Symptome beeinflusst werden.

Therapie & Nachsorge

Der Krankheitsverlauf kann durch Interferon (pegyliertes Interferon Alpha 2a) in vielen Fällen günstig beeinflusst werden. Die begleitende Hepatitis B sollte in jedem Fall optimal behandelt werden. Die Lebertransplantation stellt mittlerweile eine Therapiemöglichkeit für Patientinnen/Patienten mit Hepatitis-D-Virus bedingter Leberzirrhose dar. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wie bei chronischer Hepatitis B notwendig.

Wohin kann ich mich wenden?

Diagnostik und Behandlung von Hepatitis D sind in folgenden Einrichtungen möglich:

  • spezielle Krankenhausambulanz z.B. hepatologische Ambulanz,
  • Kassenambulatoren mit hepatologischer Spezialambulanz,
  • im niedergelassenen Bereich: Fachärztinnen/Fachärzte für Innere Medizin mit fundierten hepatologischen Kenntnissen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Behandlung von Hepatitis D werden von der Sozialversicherung übernommen; bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse, die Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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