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Schmerzen am Handgelenk © Von Schonertagen
Schmerzen am Handgelenk © Von Schonertagen

Arthrose

Die Arthrose (auch „Gelenkverschleiß“) ist eine vorwiegend degenerative, verschleißbedingte Gelenkerkrankung, die meist erst mit zunehmendem Alter auftritt. Die Erkrankung macht sich typischerweise durch schmerzhafte und steife Gelenke bemerkbar. Werden die Beschwerden stärker, können sie die Beweglichkeit massiv einschränken.

Arthrose tritt häufig bei älteren Menschen auf, doch auch im mittleren Lebensalter kann sie Betroffenen zu schaffen machen. Dabei kann die Erkrankung in fast jedem Gelenk auftreten. Frauen sind etwas häufiger von Arthrose betroffen als Männer.

Die häufigsten Formen einer Arthrose sind:

  • Kniearthrose (Gonarthrose),
  • Hüftarthrose (Coxarthrose),
  • Hand- und Fingerarthrose und
  • Wirbelgelenkarthrose (Facettensyndrom).

Arthrosen können sehr unterschiedlich verlaufen. Meistens kommt es über Jahre zu einem langsamen Fortschreiten der Beschwerden und krankhaften Veränderungen.

Welche Ursachen hat Arthrose?

Der Knorpel ist eine schützende und elastische Schicht, die sich auf den beiden Knochenenden befindet, die ein Gelenk bilden. Eine gesunde Knorpelschicht fungiert bei plötzlichen und harten Bewegungen als Stoßdämpfer und ermöglicht einen reibungslosen Bewegungsablauf. Im Laufe des Alterns wird die Knorpelschicht dünner und rauer und die Gleitfähigkeit nimmt ab, wodurch es mit der Zeit fast immer zu einer normalen, altersbedingten Abnutzung der Gelenke kommt. Ist die Abnutzung so weit fortgeschritten, dass der Knochen freigelegt ist, reiben die Gelenkanteile aneinander. Die Verschleißerscheinungen bleiben oft lange Zeit unbemerkt. Schmerzen und Funktionseinschränkungen des betroffenen Gelenkes treten häufig erst in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien auf.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Der Knorpelverschleiß wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zu den biologischen Risikofaktoren zählen:

  • Alter (insbesondere nach dem 50. Lebensjahr),
  • weibliches Geschlecht,
  • genetische Veranlagung (familiäre Häufung),
  • Entzündungen und Gelenkverletzungen (z.B. Knochenbrüche, Bänderrisse, Meniskusschaden) sowie
  • anatomische Faktoren (z.B. Fehlstellung von Knie- und Hüftgelenk).

Zu den lebensstilbedingten Risikofaktoren zählen:

  • Starkes Übergewicht bzw. Adipositas (z.B. vier- bis fünfmal höheres Risiko für Hüft- oder Kniearthrose),
  • Berufe, bei denen man häufig knien, sich bücken, hinhocken oder schwer heben muss,
  • bestimmte gelenkbelastende Sportarten wie Ringen, Boxen, Fußball oder Handball,
  • Bewegungsmangel (z.B. durch tägliches stundenlanges Sitzen vor dem Computer) und Ruhigstellung der Gelenke führen zu einer unzureichenden Ausbildung der stabilisierenden Muskulatur, zu Haltungsschäden und zur Rückbildung des Knorpels oder
  • dauerhafte Überbeanspruchung der Gelenke bei einseitiger Belastung (z.B. Spitzensport) oder monotonen oder falsch eingelernten Bewegungsabläufen (z.B. Schwerarbeit).

Wie kann man einer Arthrose vorbeugen?

Jeder Mensch kann selbst dazu beitragen, die Entstehung bzw. das Fortschreiten von Arthrosen zu bremsen. Folgende Maßnahmen helfen, eine dauerhafte Überbelastung von Gelenken zu vermeiden:

  • Angeborene Fehlstellungen rechtzeitig korrigieren, z.B. durch orthopädische Einlagen, operative Korrektur.
  • Regelmäßige Bewegung einplanen, v.a. Haltungs- und Ausgleichsturnen. Über eine gestärkte Muskulatur können Gelenkschäden deutlich hinausgezögert werden.
  • Bewegungstraining und gelenkschonender Sport (z.B. Schwimmen, Radfahren).
  • Vermeidung von unphysiologischen, kniebelastenden Aktivitäten in Alltag, Beruf und Sport sowie einseitige Bewegungsabläufe vermeiden bzw. korrigieren.
  • Übergewicht vermeiden ( BMI< 25).
  • Auf gesundheitsfördernde Ernährung achten.
  • Auf Extremsport verzichten.

Welche Symptome können bei Arthrose auftreten?

Die Beschwerden beginnend schleichend. Bei einer beginnenden Arthrose schmerzt das Gelenk meist nur, wenn es belastet wird. Im betroffenen Bereich (z.B. Knie oder der Hüfte) sind dann oft stechende Schmerzen bei Stoßbelastungen spürbar, etwa beim Joggen. In der Früh kann in den betroffenen Gelenken auch das Gefühl der „Steifigkeit“ bestehen, das sich meist innerhalb einer halben Stunde wieder legt.

Zu den Frühzeichen einer Arthrose gehören u.a.:

  • Gelenkschmerzen: Diese können bei bestimmten Bewegungen auftreten. In späteren Stadien kann der Schmerz dauerhaft vorhanden sein und das alltägliche Leben beeinflussen. Bei schwerer Arthrose können auch Nachtschmerzen auftreten, die den Schlaf stören.
  • Gelenkgeräusche bei Belastung: Knacksen oder Reibegeräusche können erste Hinweise für eine beginnende Arthrose sein.
  • Bewegungseinschränkung: z.B. Schwierigkeiten beim An- und Ausziehen von Kleidungsstücken (v.a. Mäntel, Pullover) oder beim In-die-Hocke-Gehen, oft, aber nicht zwingend verbunden mit Schmerzen.
  • Instabilität des Gelenks: Häufig kommt es zu einem plötzlichen „Einknicken“ der Beine – die Hüfte, das Knie oder das Sprunggelenk gibt plötzlich nach. Gelegentlich kommt es zu einem Stolpern und Stürzen. Die Instabilität kann auch ein Hinweis auf mangelhafte Muskelkraft sein. Sind die Hände betroffen, macht sich dies besonders bei der Hausarbeit bemerkbar. Zum Beispiel können beim Greifen Gegenstände aus der Hand fallen oder Dosen und andere Verschlüsse nur mehr unter Mühe und Schmerzen geöffnet werden.

Anzeichen einer fortgeschrittenen Arthrose sind u.a.:

  • Druckschmerz, Schwellung des Knochens und der Gelenke
  • Gelenkdeformierungen: Diese sind ein Zeichen für eine fortgeschrittene Gelenkschädigung und meist mit Dauerschmerzen verbunden. Oft handelt es sich um bereits von außen sichtbare und tastbare Veränderungen. Sie treten im Spätstadium der Erkrankung auf. Ausgeprägte Bewegungseinschränkungen und Schmerzen können Alltagstätigkeiten massiv behindern.
  • Schmerzen auch in Ruhe: Bei stark fortgeschrittener Arthrose treten die Schmerzen auch in Ruhe auf. Dies kann sehr belastend sein und den Schlaf stören. Dabei wechseln sich oft Phasen mit leichteren und starken Beschwerden ab.
  • Ermüdungs- und Belastungsschmerzen: Die fortgeschrittene Zerstörung des Gelenkknorpels führt zu Schmerzen und beeinträchtigt die Beweglichkeit betroffener Gelenke.
  • Schwellung der Gelenke: Durch lokale Entzündungsreaktionen können sich auch Gelenkergüsse bilden. Daher wird die Arthrose auch als „Osteoarthritis“ bezeichnet. Die Krankheit ist aber von anderen klassischen entzündlichen Gelenkerkrankungen (wie z.B. der Rheumatoiden Arthritis) klar zu unterscheiden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Beginn der Diagnose steht eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Die Ärztin/der Arzt fragt u.a. nach Beschwerden, deren Beginn und Ausprägung sowie eventuellen Vorerkrankungen. Das typische Beschwerdebild weist auf das Vorliegen einer Arthrose hin. Die Diagnosesicherung erfolgt mittels Röntgenuntersuchung, Ultraschall oder MRT. Zudem kann eine Blutuntersuchung erfolgen. Die Untersuchungen dienen auch dazu, andere Erkrankungen, etwa eine rheumatische Gelenkentzündung, auszuschließen. Die Kernspintomografie erlaubt neben dem Erkennen von Frühzeichen der Abnützung auch die Abstufung des Knorpelschadens. Die Arthrose kann in vier Stadien eingeteilt werden:

  • Stadium 1: Verdichtung des Knochengewebes, keine Gelenkspaltschmälerung, keine Osteophyten (knöcherne Ausläufer am Rand des Knochens).
  • Stadium 2: Geringe Gelenkspaltverschmälerung. Beginnende Osteophytenbildung. Angedeutete Unregelmäßigkeit der Gelenkfläche.
  • Stadium 3: Ausgeprägte Osteophytenbildung, Gelenkspaltverschmälerung, deutliche Unregelmäßigkeit der Gelenkfläche.
  • Stadium 4: Ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung bis zur vollständigen Zerstörung. Deformierung/Absterben der Strukturen des Gelenks.

Wie erfolgt die Behandlung der Arthrose?

Eine Arthrose lässt sich bisher nicht heilen. Um die Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Abnutzung zu verlangsamen, kommen verschiedene Therapien infrage. Die Behandlung richtet sich u.a. nach dem betroffenen Gelenk, dem Stadium der Abnützung sowie dem Beschwerdebild. Bei der Wahl der Therapie berücksichtigt die Ärztin/der Arzt zudem weitere Faktoren, wie das Körpergewicht der Patientin/des Patienten, die Beweglichkeit und Kraft etc. Die Therapie ist umso erfolgreicher, je früher sie beginnt. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu erhalten oder zu verbessern.

Für die Behandlung stehen nicht medikamentöse Therapien (z.B. Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion, spezielle Heilbehelfe für Gelenke, wie Orthesen) und Medikamente zur Schmerzbehandlung zur Verfügung. Diese werden auch als konservative Therapien bezeichnet. Bei weit fortgeschrittener Knie- oder Hüftarthrose kann ein künstliches Gelenk (Endoprothese) mittels Operation eingesetzt werden.

Nicht medikamentöse Therapien:

  • Bewegungstherapie: Bewegungstherapie in Form einer physiotherapeutischen Behandlung stellt einen zentralen Bestandteil bei der Therapie der Arthrose dar. Schmerzen können dadurch gelindert und die Gelenkbeweglichkeit erhalten oder verbessert werden. Hierbei können sowohl Krafttraining, Ausdauertraining, funktionelles Training sowie Kombinationen an Land und als Unterwassergymnastik durchgeführt werden. Durch die Kräftigung der Muskulatur wird das geschädigte Gelenk entlastet. Welche Sportarten individuell zu empfehlen sind, kann mit der Physiotherapeutin/dem Physiotherapeuten  bzw. der Ärztin/dem Arzt im Detail besprochen werden.
  • Gewichtsreduktion bei starkem Übergewicht: V.a. bei Knie- oder Hüftarthrose wird eine Gewichtsabnahme empfohlen.
  • Beseitigung gelenkbelastender Faktoren: z.B. Gewichtsreduktion, Einlagenversorgung zur Korrektur einer Beinachsenfehlstellung.
  • Dauerhafte Reduktion der Gelenkbelastung: Bei schweren Arthrosen können spezielle Entlastungsschienen (Orthesen), Krücken oder Spazierstöcke hilfreich sein. Bei Fingerarthrose können zudem spezielle Stifte, Greif- und Öffnungshilfen für Gläser und Flaschen entlasten.
  • Physikalische Maßnahmen: Zur Linderung von Beschwerden werden u.a. Hydrotherapie (v.a. die Therapie im Bewegungsbad), Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen zur Muskellockerung, Ultraschalltherapie, Elektrotherapie, Röntgenschwachbestrahlungen und Magnetfeldtherapie angewendet. Physikalische Therapie sollte möglichst in Kombination mit Bewegungstherapie erfolgen.
  • Ergotherapie: Bei einer Arthrose der Finger- oder Handgelenke kann im Zuge einer Ergotherapie vermittelt werden, wie belastende Bewegungen vermieden oder gelenkschonend ausgeführt werden.

Medikamente zur Schmerzbehandlung:

Je nach Ausmaß der Beschwerden und der vorhandenen Entzündungszeichen werden nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Coxibe zum Schlucken oder zur lokalen Anwendung als Gel, Salbe oder Creme eingesetzt. Diese wirken entzündungshemmend und schmerzstillend. Die lokalen Anwendungen werden insbesondere an den Knien und Händen empfohlen. Um das Risiko für gastrointestinale Beschwerden (z.B. Oberbauchschmerzen und Sodbrennen) zu verringern, sollte die Einzeldosis so niedrig wie möglich sein. NSAR sollten nicht zur Dauerbehandlung eingesetzt werden, sondern nur während einer Schmerzperiode und bis zum Abklingen der Entzündung. Bei Bedarf kommen auch andere unterschiedlich stark wirksame Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Metamizol oder schwache Opioide), die aber nicht entzündungshemmend, sondern nur schmerzlindernd wirken, möglichst kurzfristig zum Einsatz. Auch kortisonhaltige Injektionen ins Gelenk können kurzzeitig hilfreich sein.

Operative Maßnahmen:

Wenn konservative Therapien aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums keine ausreichende Schmerzlinderung gewährleisten, können, je nach betroffenem Gelenk, beispielsweise arthroskopische, gelenkerhaltende Operationsverfahren, ein Gelenkersatz (künstliches Gelenk) oder eine operative Gelenkversteifung erwogen werden. Die Entscheidung für einen Gelenkersatz muss sehr kritisch getroffen sowie Vor- und Nachteile genauestens abgewogen werden. Bei geringeren Schweregraden muss eine konservative Therapie für mindestens sechs Monate ohne ausreichenden Erfolg geblieben sein, um einen Gelenkersatz in Erwägung zu ziehen.

Ergänzende Therapiemaßnahmen:

Bei verschiedenen Maßnahmen ist die Evidenz der Wirksamkeit gering oder nicht ausreichend. Sie können jedoch in Einzelfällen als ergänzende Therapien von der Ärztin/vom Arzt vorgeschlagen werden. Dazu zählen z.B. Spritzen mit Hyaluronsäure, die natürlichen Knorpelbestandteile Chondroitin und Glucosamin, andere Nahrungsergänzungsmittel, Akupunktur, lokale Wärmeanwendungen.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer Arthrose zu leiden, können Sie sich bezüglich Abklärung an folgende Stellen wenden:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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