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Symbolfoto Safer Sex © Victoria М
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Genitalherpes (Herpes genitalis)

Herpes genitalis bzw. Genitalherpes ist eine ansteckende Erkrankung, die durch Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 oder Typ 2 (HSV-1 oder HSV-2) ausgelöst wird. 70 bis 80 Prozent aller Fälle von Herpes genitalis sind auf HSV-2 zurückzuführen. Dieses wird fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr übertragen.

Genitalherpes ist weltweit verbreitet und vermutlich die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung überhaupt. In Österreich sind zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung mit HSV-2 infiziert. Der Großteil der Infektionen verläuft ohne Symptome und bleibt unbemerkt. Einmal infiziert, bleibt das Virus lebenslang im Körper und „schläft“ in den Nervenwurzeln. Durch bestimmte Faktoren kann das Virus wieder aktiviert werden und neue Krankheitsausbrüche auslösen. 

Wie wird Genitalherpes übertragen?

Genitalherpes wird durch direkten Kontakt mit infektiöser Schleimhaut übertragen. HSV-2 befällt in erster Linie die Geschlechtsorgane. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr bzw. intime Kontakte. Zur Ansteckung kommt es meist in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter. Eine Infektion mit HSV kann auch ohne sichtbare Symptome erfolgen. In jedem zweiten Fall wird das Virus durch Personen übertragen, die nicht wissen, dass sie Virusträger sind. Das Ansteckungsrisiko einer Frau ist fünfmal höher als das eines Mannes.

Die hauptsächliche Übertragung von HSV-1 erfolgt über den Speichel, z.B. beim Küssen. HSV-1 befällt in erster Linie die Mundschleimhaut und verursacht typischerweise Lippenherpes (Fieberblasen). Zur Ansteckung kommt es meist bereits in der Kindheit. Prinzipiell können aber sowohl HSV-1 als auch HSV-2 die Haut und Schleimhaut des ganzen Körpers angreifen. Somit kann auch HSV-1 Genitalherpes verursachen.

Herpes simplex-Viren dringen beim Erstkontakt über Schleimhaut- oder Hautverletzungen ein und beginnen dort, sich zu vermehren (Erstinfektion). In der Folge verbreiten sich die Viren weiter über die Nervenbahnen des Körpers. Auch nachdem die Erstinfektion abgeklungen ist, verbleiben die Viren lebenslang in Teilen des Nervensystems und „schlummern“ dort. Durch bestimmte Faktoren, wie z.B. UV-Licht, Fieber oder eine Schwächung des Immunsystems, können die Viren wieder aktiviert werden (Reaktivierung), in bestimmte Nervenregionen auswandern und zu neuen Krankheitsausbrüchen (Rezidiven) führen.

Hinweis Wer bereits einen Herpesvirus-Typ im Körper trägt, hat unter Umständen eine Immunität dagegen aufgebaut. Diese bietet einen gewissen Schutz vor einer erneuten Ansteckung mit demselben Virustyp. Es besteht kein Schutz vor der Neuansteckung mit einem anderen Herpesvirus-Typ, jedoch kann dessen Krankheitsverlauf gemildert werden (z.B. milderer Verlauf von Genitalherpes bei bereits durchgemachtem Lippenherpes). Eine Reaktivierung von „schlummernden“ Herpesviren kann durch Aufbau einer Immunität nicht verhindert werden.

Genitalherpes erleichtert die Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, Chlamydien, Syphilisund HPV.

Welche Symptome können auftreten?

Die Beschwerden einer Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren unterscheiden sich deutlich von den Beschwerden der wiederkehrenden Episoden.

Symptome bei Erstinfektion (Akutphase) 

Drei bis 14 Tage nach der Infektion entstehen in Gruppen stehende, brennende, juckende und schmerzende Bläschen. Sie sind von einer Rötung (Erythem) umgeben. Die Bläschen platzen nach einigen Tagen auf und bilden kleine Geschwüre. Als Begleitsymptome können Fieber, Lymphknotenschwellungen, Beschwerden beim Harnlassen sowie Kopf- und Muskelschmerzen auftreten.

Die Beschwerden nehmen in den ersten sieben Tagen der Infektion zu, erreichen dann ihr Maximum und nehmen in der zweiten Krankheitswoche ab. Die Bläschen verkrusten und trocknen ab. Schließlich kommt es zu einer Abheilung nach zirka drei Wochen. Die Abheilung erfolgt, ohne Narben zu hinterlassen.

Bei Frauen wird das Beschwerdebild, das durch Genitalherpes ausgelöst wird, als herpetische Vulvovaginitis bezeichnet. Dabei kommt es zu: 

  • Schwellung und Rötung der Vulva, Ausfluss,
  • zahlreichen schmerzhaften Bläschen und später Geschwüren im Genitalbereich, diese können sich weiter über die angrenzende Haut, in die Vagina und die Harnröhre ausbreiten; bei 80 Prozent der Frauen ist auch der Gebärmutterhals befallen (herpetische Zervizitis),
  • Brennen und starkem Schmerz beim Harnlassen; in der Folge kann es als mögliche Komplikation zu Harnverhalt kommen,
  • Allgemeinsymptomen mit Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen,
  • Lymphknotenschwellungen in der Leiste,
  • Abheilung nach zwei bis drei Wochen.

Bei Männern wird das Krankheitsbild als herpetische Balanoposthitis bezeichnet. Dabei sind Penis, Vorhaut und Hodensack betroffen. Es tritt insgesamt seltener auf und verläuft milder. 

Bläschen und typische Beschwerden können auch im Analbereich (herpetische Proktitis), am Gesäß oder an der Innenseite der Oberschenkel auftreten (Herpes progenitalis).

Bei Personen mit Immunschwäche kann die Erkrankung schwerer verlaufen. Mögliche Komplikationen reichen von bakterieller Wund- und Augeninfektion bis hin zu Gehirnhautentzündung, Lungenentzündung und Leberentzündung.

Hinweis Der Erstkontakt mit Herpes-simplex-Viren kann auch ohne Symptome verlaufen und unbemerkt bleiben.

Chronische Phase (Reaktivierung)

Das Virus kann im Körper jahrzehntelang „schlafen“ oder innerhalb weniger Monate immer wieder neue Ausbrüche (Rezidive) hervorrufen. Solche erneuten Ausbrüche sind für gewöhnlich milder, kürzer, von geringerer Ausbreitung und werden mit zunehmendem Alter seltener. Sie kündigen sich oft durch ein unangenehm prickelndes oder stechendes Gefühl oder ein Kribbeln im Schambereich an. Danach werden die typischen, gruppiert angeordneten Bläschen auf entzündeter Haut sichtbar. Rezidive treten ausschließlich im Genitalbereich auf.

Begünstigt werden Rezidive vor allem durch ein geschwächtes Immunsystem, Stress und Infektionskrankheiten.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Für die Diagnose eines Genitalherpes wird zunächst eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Um die Diagnose zu sichern, wird ein Abstrich aus einem der betroffenen Hautbereiche genommen. Die Probe wird dann im Labor auf Herpesviren untersucht (meist mittels PCR). Der Virusnachweis gelingt am besten aus frischen unbehandelten Läsionen.

Bei Personen ohne Symptome ist es schwieriger, eine Herpesinfektion festzustellen. Abstriche werden in diesen Fällen nicht empfohlen. Unter Umständen wird das Blut auf das Vorliegen von Herpesantikörpern untersucht.

Wie erfolgt die Behandlung von Genitalherpes?

Genitalherpes ist nicht heilbar, da das Herpesvirus nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden kann. Die Behandlung hat daher vor allem das Ziel, die Herpesbläschen einzudämmen, die Beschwerden zu lindern, den Krankheitsverlauf zu mildern und zu verkürzen sowie Komplikationen zu vermeiden. Mit einer Therapie sollte bereits bei Vorliegen eines Verdachtes begonnen werden.

Behandlung der Erstinfektion

Bei der Erstinfektion können virushemmende Medikamente (Virustatika) die Abheilung beschleunigen und die Schmerzen reduzieren. Zudem wird der Zeitraum, in dem ansteckende Viren ausgeschieden werden, verkürzt. Meist kommen die Wirkstoffe Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir zum Einsatz. Bei starken Schmerzen können zusätzlich Schmerzmittel verordnet werden. Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes nicht.

Zur Behandlung gehören darüber hinaus auch Hygienemaßnahmen, wie z.B. desinfizierende Salben und Cremen, um zusätzliche bakterielle Infektionen zu verhindern.

Hinweis Während der Behandlung muss auf sexuelle Aktivitäten verzichtet werden.

Behandlung bei wiederkehrenden Krankheitsausbrüchen (Rezidiven)

Bei erneuten Krankheitsausbrüchen sind die Beschwerden meist deutlich weniger ausgeprägt. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht immer erforderlich. Bei starken oder sehr häufigen Ausbrüchen wird die Ärztin oder der Arzt unter Umständen eine vorbeugende Behandlung mit Virustatika (Suppressionstherapie) verordnen. Diese werden längerfristig, auch in beschwerdefreien Phasen, eingenommen. Sie können die Häufigkeit erneuter Ausbrüche senken. Auch die Virusausscheidung wird durch die Suppressionstherapie reduziert, wodurch die Gefahr sinkt, die Sexualparterin oder den Sexualpartner anzustecken. Ob eine solche Therapie infrage kommt, wird individuell entschieden.

Genitalherpes in der Schwangerschaft 

Herpesviren können während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Das Risiko besteht insbesondere dann, wenn die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt einen Genitalherpes-Ausbruch hat. Eine Infektion kann für das Neugeborene lebensbedrohlich sein, es sind schwere bis tödliche Gehirnhautentzündungen, Lungenentzündungen und Leberentzündungen möglich.

In allen Fällen sollte unbedingt die Kinderärztin oder der Kinderarzt über die Herpes-genitalis-Erkrankung der Mutter informiert werden.

Welche Maßnahmen notwendig sind und ob eine vaginale Geburt möglich ist, hängt in erster Linie davon ab:

  • wann sich die Frau mit dem Virus angesteckt hat,
  • ob es kurz vor der Geburt Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch gibt. 

Ansteckung bzw. Krankheitsausbruch vor oder zu Beginn der Schwangerschaft

Wenn die Frau bereits vor Beginn der Schwangerschaft Herpesviren im Körper hatte oder sich in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln ansteckt, ist das Risiko einer Übertragung auf das Kind gering. Regelmäßige vorbeugende Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um Anzeichen eines Ausbruches frühzeitig zu erkennen. Bei Frühsymptomen wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen sollte die Frauenärztin oder der Frauenarzt aufgesucht werden.

Bestehen zum Zeitpunkt der Geburt keine Anzeichen eines Krankheitsausbruches, spricht nichts gegen eine vaginale Geburt. 

Die virushemmenden Medikamente Aciclovir und Valaciclovir können Beschwerden eines Krankheitsausbruches lindern. Zudem können sie das Risiko eines Krankheitsausbruches senken, wenn sie vorbeugend eingenommen werden. Die Wirkstoffe sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Sie werden aber in bestimmten Situationen von internationalen Leitlinien als sicher angesehen und befürwortet. Ob sie zum Einsatz kommen, muss individuell entschieden werden. 

Ansteckung bzw. Krankheitsausbruch gegen Ende der Schwangerschaft

Wenn sich die Frau im letzten Schwangerschaftsdrittel mit Herpesviren ansteckt, besteht ein höheres Risiko, dass das Virus während der Geburt auf das Kind übertragen wird. In diesem Fall wird ein Kaiserschnitt empfohlen, um das Kind zu schützen. Gleiches gilt, wenn in der Spätschwangerschaft ein Rezidiv auftritt. 

Unter Umständen kommt eine medikamentöse Therapie mit Aciclovir infrage, dies muss individuell entschieden werden.

Hinweis Auch in den ersten Wochen nach der Geburt ist Vorsicht geboten. Stillen ist möglich, sofern keine Herpesbläschen im Bereich der Brust vorhanden sind. Personen mit Lippenherpes sollten Neugeborene nicht küssen, zudem ist sorgfältige Händehygiene wichtig

Herpesinfektion bei Neugeborenen

Herpes-simplex-Infektionen beim Neugeborenen treten sehr selten auf und können in den meisten Fällen verhindert werden. Wenn das Neugeborene mögliche Anzeichen einer Herpesinfektion entwickelt, muss sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall. Zu den Warnzeichen zählen:

  • Hautbläschen und Fieber, meist einige Tage bis sechs Wochen nach der Geburt
  • Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit
  • Krämpfe
  • Hautausschläge

Eine unbehandelte Herpes-simplex-Infektion kann beim Baby schwere, lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen, z.B. Gehirnhautentzündung, Leber-, Lungenentzündung, Blutgerinnungsstörungen und Schockzustände mit fatalem Verlauf.

Wie Sie Genitalherpes vorbeugen können

Das Risiko einer Übertragung von Genitalherpes ist während eines Krankheitsausbruches am größten. Sobald sich Beschwerden ankündigen, sollte daher auf sexuelle Aktivitäten verzichtet werden. Bei Herpesbläschen an den Lippen sollte Küssen und Oralverkehr vermieden werden.

Eine Übertragung kann auch stattfinden, wenn Viruspartikel z.B. von den Lippen über die Hände an den Genitalbereich gelangen (oder umgekehrt). Infizierte Stellen sollten daher nicht mit bloßen Händen berührt bzw. die Hände sofort danach gewaschen werden. Allgemein hilft die Einhaltung von Hygienegrundregeln, Ansteckungen und Übertragungen auf andere Körperstellen zu vermeiden. Mehr zum Thema:Händehygiene 

Die Herpes-simplex-Viren können prinzipiell auch in beschwerdefreien Phasen an andere weitergegeben werden. Das Risiko dafür lässt sich aber deutlich verringern, z.B. durch den Gebrauch vonKondomen. Ein gewisses Restrisiko bleibt dennoch vorhanden, da Herpesläsionen auch an Hautstellen liegen können, die nicht vom Kondom abgedeckt sind.

Erneuten Ausbrüchen von Herpes genitalis kann zudem mit einer Stärkung des Immunsystems vorgebeugt werden. 

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung und Behandlung einer Geschlechtskrankheit können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Fachärztin oder Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
  • Fachärztin oder Facharzt für Gynäkologie
  • Fachärztin oder Facharzt für Urologie

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Diee-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigenSozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über denOnline-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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