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Untersuchung eines Patienten © Iceteaimages

Herzinfarkt: Diagnose

Der Herzinfarkt ist eine akute Notfallsituation, in der jede Minute zählt. Denn verschließt sich eines der großen Herzkranzgefäße, wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Nur durch rasches Handeln können in dieser Situation die Folgeschäden eines Herzinfarktes möglichst gering gehalten werden. Die ersten Maßnahmen im Krankenhaus sind immer die Blutabnahme und das EKG . . .

Diagnose

Für die endgültige Diagnose eines akuten Herzinfarktes müssen nach WHO-Kriterien mindestens zwei der folgenden drei Kriterien zutreffen:

  • akuter Brustschmerz über eine Dauer von 20 Minuten,
  • typische EKG-Veränderungen in einem Zwölf-Kanal-EKG,
  • erhöhte Werte der Biomarker im Labor beim Herzinfarkt
    (Troponin I oder T; CK-MB; CK; Myoglobin; GOT; LDH). Weitere Informationen finden Sie unter „Herz“ im Bereich Laborwerte).

Die Herzinfarktpatientin/der Herzinfarktpatient wird, wenn die Möglichkeit besteht, direkt in ein Krankenhaus mit einem Herzkatheterlabor eingeliefert. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wird die Patientin/der Patient von der Notärztin/dem Notarzt vorangekündigt. Dadurch können im Zielkrankenhaus bereits Vorbereitungen für die schnelle Aufnahme und Diagnostik getroffen werden. Die ersten Maßnahmen im Krankenhaus sind immer die Blutabnahme und das EKG.

Blutanalyse

Als erste diagnostische Maßnahme im Krankenhaus erfolgt eine Blutanalyse. Dabei werden typische Laborparameter bestimmt, die bei einem Herzinfarkt erhöht sein können.

Besonders wichtig im Akutstadium sind die spezifischen Marker Troponin I und Troponin T. Diese Werte steigen bereits drei Stunden nach einem Herzinfarkt an und sind nach 20 Stunden am höchsten. Zusätzlich gibt es noch eine Anzahl von unspezifischen Labormarkern, die bei einem Herzinfarkt erhöht sind, wie z.B. CK, CK-MB, GOT, LDH.

EKG (Elektrokardiogramm)

Auch wenn die Notärztin/der Notarzt bereits ein EKG durchgeführt hat, wird im Krankenhaus noch einmal ein ausführliches Zwölf-Kanal-EKG (Elektrokardiogramm) geschrieben. Dabei können sich Veränderungen zeigen, die eindeutig auf einen Herzinfarkt schließen lassen. Diese Infarkte werden auch als STEMI bezeichnet und betreffen die gesamte Herzwand (transmuraler Herzinfarkt).

Der Begriff STEMI (englisch: ST-elevation myocardial infarction) beschreibt eine besondere Veränderung im EKG, die bei vielen „klassischen“ Herzinfarktpatientinnen/-patienten am Anfang eines Herzinfarkts steht. Im Gegensatz dazu gibt es den Innenschichtinfarkt (nicht transmuralen Herzinfarkt), auch als Non-STEMI bezeichnet, bei dem es zu keiner EKG-Veränderung kommt. Bei einem Innenschichtinfarkt kommt es jedoch zu einem positiven Troponin-T-Wert. Diese Patientinnen/Patienten haben die gleichen körperlichen Beschwerden wie Betroffene mit einem „klassischen“ transmuralen Infarkt (STEMI).

Körperliche Untersuchung

Bevor die Diagnose „Herzinfarkt“ feststeht, müssen Erkrankungen ausgeschlossen werden, die zu ähnlichen Beschwerden führen können, wie beispielweise:

  • Lungenembolie (Blutgerinnsel verschließt ein Lungengefäß),
  • Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels),
  • rupturiertes Aortenaneurysma (eine Gefäßaussackung der Hauptschlagader mit eventuellem Einriss),
  • Wirbelsäulenerkrankung bzw. Nervenreizung,
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse,
  • auch Sodbrennen (vermehrte Säureproduktion des Magens) kann einen Herzinfarkt imitieren.

Bildgebende Verfahren

Bei einem Herzinfarkt spielen bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle. Zurzeit ist bei einem akuten Infarkt immer noch die Koronarangiographie der „Goldstandard“, da hier Diagnostik und Therapie in einer Sitzung möglich sind und daher am wenigsten zeit bis zur Wiedereröffnung der Koronararterien vergeht. In der Akutphase eines Herzinfarktes gibt auch die Echokardiographie eine Vielzahl von Informationen. Angiographien der Herzkranzgefäße gemeinsam mit einer Computer- oder Magnetresonanztomographiegewinnen an Bedeutung und bieten in Zukunft vielleicht neue Diagnosemöglichkeiten.

Herzultraschall (Echokardiographie)

Eine Herzechountersuchung erlaubt innerhalb kürzester Zeit eine nicht invasive, patientenschonende eingehende Untersuchung des Herzens. Dabei werden die Größe der einzelnen Herzkammern, die Pumpfunktion und die Funktion der einzelnen Herzklappen beurteilt. Bei einem Herzinfarkt kommt es bereits nach kurzer Zeit im Herzen zu Wandbewegungsstörungen (noch vor Labor- oder EKG-Veränderungen). Fehlende Wandbewegungsstörungen sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen einen Herzinfarkt. Das Infarktalter ist jedoch mittels Echokardiographie nicht bestimmbar. Außerdem können mit diesem Verfahren die Herzkranzgefäße nicht dargestellt werden. Diese sind aufgrund ihrer Größe und Lage schlecht beurteilbar. Die Untersuchung ist vollkommen risikolos und schmerzfrei und wird durch eine Kardiologin/einen Kardiologen oder eine Röntgenfachärztin/einen Röntgenfacharzt durchgeführt. Dabei wird ein Schallkopf auf die Brust aufgesetzt und mittels verschiedener Schallrichtungen das Herz dargestellt.

Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie)

Mithilfe der Koronarangiographie können verschlossene Herzgefäße und Verengungen der Herzgefäße nachgewiesen und therapeutisch wieder geöffnet werden. Für diese Untersuchung wird ein Katheter unter lokaler Betäubung in die Oberschenkel- oder Armarterie eingebracht und bis in das Herz geführt. Über diesen Katheter wird ein Kontrastmittel eingespritzt. Dadurch können die Herzkranzgefäße auf einen Röntgenschirm dargestellt werden. Diese Bilder zeigen Unregelmäßigkeiten in den Gefäßwänden sowie Verengungen und Verschlüsse der Gefäße. Die Untersuchung ist schmerzfrei und wird normalerweise in einer leichten Sedierung durchgeführt. Da es bei dieser Untersuchung selten zu Komplikationen kommen kann, werden sämtliche Kreislaufparameter überwacht. Die Untersuchung wird durch eine speziell ausgebildete Kardiologin/einen speziell ausgebildeten Kardiologen durchgeführt.

MR-Angiographie (Magnetresonanztomographie)

Aufgrund der relativ langen Untersuchungszeiten und der teilweise nicht durchgehenden Verfügbarkeit der Geräte kommt die MRA des Herzens noch selten bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt zum Einsatz. Bei dieser Untersuchung können Veränderungen sowie die Durchblutungssituation im Herzen beurteilt werden. Die Bildqualität ist besonders bei sehr schnellen und komplexen Bewegungen des Herzens während einer Herzaktion vermindert. Damit ist zurzeit die MRA für die Darstellung der Herzkranzgefäße mit den in den meisten Spitäler verwendeten Geräten noch zu ungenau.

CT-Angiographie (Computertomographie)

CT-Angiographie (Computertomographie) 

Die Angiographie mittels Computertomographie (CT) ist eine zukunftsweisende Technik, die vermehrt an Bedeutung gewinnt. Die CT-Angiographie (CTA) der Herzkranzgefäße erlaubt eine schnelle, genaue und nicht invasive Darstellung der Herzkranzgefäße. Bei dieser Untersuchung erhält die Patientin/der Patient ein Kontrastmittel über einen Venenzugang. Gleichzeitig wird ein CT des Brustkorbes angefertigt. Nachdem sich das Kontrastmittel im Körper verteilt hat, können sämtliche Herzkranzgefäße dargestellt werden.
Mit der CTA kann mit hoher Sicherheit innerhalb weniger Sekunden das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Weiterer Vorteil: Im Gegensatz zum Herzkatheter können nicht nur der Durchmesser der Herzkranzgefäße, sondern auch die Veränderungen in der Gefäßwand dargestellt werden. Eine Intervention (PCI) ist damit jedoch nicht möglich.

Komplikationen beim Herzinfarkt

Der gefährlichste Zeitraum für Komplikationen sind die ersten 48 Stunden nach dem Akutereignis! Eine ständige Überwachung auf einer Herzintensivstation ist daher in dieser Akutphase unbedingt notwendig. Gerade bei Komplikationen ist rasches Handeln lebensentscheidend. Besonders gefährlich sind Rhythmusstörungen, diese können zum Sekundenherztod führen.

Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Rhythmusstörungen
    • Bradykarde Herzrhythmusstörung: Das Herz schlägt zu langsam.
    • Tachykarde Herzrhythmusstörung: Das Herz schlägt zu schnell.
  • Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz): Als Herzmuskelschwäche bezeichnet man die Unfähigkeit des Herzens, den ganzen Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Als Folge kann es zum Blutstau in der Lunge und anderen Organen kommen.
  • Entzündung des Herzbeutels nach einem Infarkt.
  • bei ausgedehnten Herzmuskelschädigungen
    • Einriss der Herzwand oder der Herzscheidewand.
    • Abriss eines Papillarmuskels: Ein Papillarmuskel ist eine warzenförmige Vorstülpung des Herzmuskels in das Herzinnere, der über Sehnenfäden mit einer Herzklappe verbunden ist.
  • Arterielle und venöse Embolien können in Form von Lungen-, Becken- oder Beinvenenthrombosen auftreten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Diagnostik erfolgt im Krankenhaus und wird über die Krankenhauskosten abgerechnet, die durch die Sozialversicherung abgedeckt sind. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag eine Kostenbeitrag zu bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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