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Frau im Gespräch mit Arzt © Syda Productions
Frau im Gespräch mit Arzt © Syda Productions

Kopfschmerzen: Formen & Ursachen

Primäre Kopfschmerzerkrankungen sind eigenständige Krankheiten. Sekundären Kopfschmerzen liegt eine andere Erkrankung zugrunde. Zu den häufigsten Kopfschmerzformen zählen Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Clusterkopfschmerzen und Migräne. 

Kopfschmerzen aufgrund von Grunderkrankungen können verschiedene Ursachen haben wie etwa Grippe oder Verspannungen. 

Welche Ursachen haben Kopfschmerzen?

Wie es zu primären Kopfschmerzen (eigenständigen Kopfschmerzerkrankungen) kommt, ist noch nicht eindeutig erforscht. Es ist möglich, dass genetische Veranlagungen eine Rolle spielen. Zudem kann es sogenannte auslösende Faktoren für Kopfschmerzattacken geben z.B. bei Stress, Hunger oder Schlafmangel. Bei Clusterkopfschmerzen ist bekannt, dass Alkohol begünstigend für Attacken wirken könnte.

Kopfschmerzen aufgrund von Grunderkrankungen (sekundäre Kopfschmerzen) können verschiedene Ursachen haben wie etwa Grippe, Nasennebenhöhlenentzündungen oder Verspannungen. Selten liegen die Ursachen für Kopfschmerzen in sehr ernsten Erkrankungen wie Hirntumoren, Hirnblutungen oder Hirnhautentzündung sowie etwa dem Glaukom oder starkem Bluthochdruck. Auch Medikamente können Kopfschmerzen auslösen. Z.B. Blutdruckmittel, Hormonpräparate oder Mittel zur Potenzsteigerung. Häufig eingenommene Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen können den sogenannten „medikamenteninduzierten Kopfschmerz“ begünstigen. 

Eigenständige Kopfschmerzerkrankungen: Migräne & Co.

Zu den eigenständigen (primären) Kopfschmerzerkrankungen zählen:

  • Migräne,
  • Kopfschmerz vom Spannungstyp (sogenannter „Spannungskopfschmerz“),
  • trigeminoautonome Kopfschmerzen (z.B. Clusterkopfschmerz),
  • andere primäre Kopfschmerzen (z.B. neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz oder Sex-assoziierte Kopfschmerzen, Kopfschmerz bei Kältereiz oder im Schlaf).

Migräneattacken

Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, der eine genetische Veranlagung zugrunde liegen dürfte. Es kommt zu Kopfschmerzattacken und möglichen Begleiterscheinungen wie z.B. Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit. Die Auslöser sind nicht genau bekannt. „Trigger“ können Migräneattacken auslösen. Diese sind individuell unterschiedlich, z.B. Stress.  Insbesondere während der Menstruation neigen Frauen zu längeren Attacken mit größerer Intensität und Übelkeit. Frauen im gebärfähigen Alter sind in etwa dreimal so häufig von Migräne betroffen als Männer. Ausführliche Informationen zu Migräne finden Sie unter Migräne: Was ist das? sowie Migräne: Diagnose & Therapie.  

„Spannungskopfschmerzen“

So gut wie jede/jeder ist im Lauf des Lebens damit konfrontiert. Es kommt zu drückenden, dumpfen oder ziehenden Kopfschmerzen, die meist beidseitig auftreten. Frauen und Männer leiden in etwa gleich häufig an Kopfschmerzen vom Spannungstyp („Spannungskopfschmerzen“). Diese fühlen sich meist an, als würde ein Helm oder ein Stirnband zu fest auf dem Kopf sitzen. Es handelt sich um leichte bis mittelschwere Schmerzen, die von einer halben Stunde bis einigen Tagen dauern können. Die Schmerzen verstärken sich nicht durch normale körperliche Bewegung. Beim Auftreten von mindestens 15 Tagen „Spannungskopfschmerzen“ pro Monat länger als drei Monate spricht man chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp. Nicht immer liegt eine Verspannung von Kopf- und Gesichts- oder Nackenmuskulatur – wie weitläufig vermutet wird – vor.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen: Clusterkopfschmerz & Co. 

Seltene Formen von meist einseitigen Kopfschmerzen, die durch relative kurze Schmerzattacken und Begleitsymptome (Tränenfluss, Hautrötung, Lidschwellung etc.) gekennzeichnet sind, werden unter dem Begriff trigeminoautonome Kopfschmerzen zusammengefasst.  

  • Clusterkopfschmerzen: Clusterkopfschmerzen sind vermutlich die heftigsten Kopfschmerzen, die es gibt. Es kommt zu einzelnen einseitigen Attacken mit bohrenden, stechenden Schmerzen im Augenbereich, die unbehandelt 15–180 Minuten andauern. Die Anfälle können bis zu drei Stunden andauern und treten mehrmals pro Tag – mit einem Maximum in der Nacht ­­ – auf. Zudem kann es zu Rötung, Pupillenverengung und Herabhängen des betroffenen Augenlides auf der gleichen Seite wie der Kopfschmerz kommen. Begleitend tritt auch gegebenenfalls eine halbseitige Gesichtsrötung auf. Betroffene haben während der Attacke einen Bewegungsdrang (pacing around). Es werden episodische (anfallsfreie Intervalle) und chronische Clusterkopfschmerzen (kein längeres beschwerdefreies Intervall) unterschieden. Treten die Anfälle fast ununterbrochen nacheinander auf, ist eine Spitalsbehandlung erforderlich. Männer sind von Clusterkopfschmerz häufiger betroffen, die Geschlechterverteilung beträgt in etwa 3:1.
  • Paroxysmale Hemikranie: Die paroxysmale Hemikranie ist dem Clusterkopfschmerz sehr ähnlich. Die Attacken dauern allerdings wesentlich kürzer, treten dafür sehr oft am Tag auf (ca. zehnmal). Frauen sind deutlich häufiger von paroxysmaler Hemikranie betroffen, die Geschlechterverteilung beträgt in etwa 3:1. Die Hemikranie kann auch chronisch werden.
  • SUNCT-Syndrom: Das SUNCT-Syndrom (short-lasting uniform neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing) ist durch extrem kurz andauernde Kopfschmerzattacken (Sekunden bis wenige Minuten) gekennzeichnet, die jedoch unglaublich heftig sind. Die Betroffenen schildern die Schmerzen so, als hätte man direkt einen „Nerv“ getroffen. Im Durchschnitt kommt es zu sechzig oder mehr Attacken täglich, in seltenen Fällen sind auch zweihundert möglich. Die Kopfschmerzen sind nur einseitig am oder im Auge spürbar. Das betroffene Auge ist gerötet und tränt. Die Geschlechterverteilung beim SUNCT-Syndrom wird geschätzt mit 3:1 bzw. 5:1 (Frauen:Männer).

Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz

Es handelt sich dabei um Kopfschmerz, der innerhalb eines Tages auftritt und ab diesem Zeitpunkt mehr oder weniger durchgehend vorhanden ist. Andere Erkrankungen müssen besonders bei dieser Diagnose ausgeschlossen werden. Die Schmerzen können mittelstark bis stark sein und an Migräne erinnern. Es ist möglich, dass sich diese Kopfschmerzform innerhalb von einem Zeitraum von zwei Jahren wieder vollständig zurückbildet. Sie kann jedoch auch darüber hinaus fortbestehen.

Sex-assoziierte Kopfschmerzen

In Verbindung mit sexueller Aktivität kann es zur Entstehung von beidseitigen Kopfschmerzen kommen (primärer Kopfschmerz bei sexueller Aktivität). Beschrieben werden dabei Präorgasmuskopfschmerzen („dumpfer“ Schmerz), die vor dem Höhepunkt auftreten können, sowie Orgasmuskopfschmerzen („explosiver“ Schmerz). Die Intensität des Kopfschmerzes steigt mit der sexuellen Erregung. Manchmal mit wenigen Minuten nur von kurzer Dauer, kann diese Kopfschmerzform auch bis zu zwei Tage anhalten. Von Sex-assoziierten Kopfschmerzen sind vorrangig Männer betroffen, das Geschlechterverhältnis beträgt in etwa 3:1.

Kopfschmerzen bei Übergebrauch von Schmerz-  & Migränemitteln

Werden Schmerzmittel (auch frei erhältliche) unkontrolliert eingenommen, kann sich daraus ein eigenständiges Schmerzsyndrom entwickeln. Man spricht von Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (Medication Overuse Headache = MOH). Von der Symptomatik ähneln sie Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder Migräne. Es kann beim sofortigen Absetzen von dauerhaft eingenommenen Schmerzmitteln zu Entzugserscheinungen kommen. Nähere Informationen zu Schmerzmittelabhängigkeit finden Sie unter Schmerzmittel.

Kopfschmerzen bedingt durch Grunderkrankungen

Die Ursache sogenannter sekundärer Kopfschmerzen ist auf Grunderkrankungen zurückzuführen, z.B. :

Die Diagnostik und Therapie richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung. Selten kommt auch die sogenannte idiopathische intrakranielle Hypertension („Pseudotumor“ des Gehirns) vor, die ebenfalls zu Kopfschmerzen führen kann.

Mehr Informationen finden Sie unter Kopfschmerz: Diagnose und Therapie.

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