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Nudeln aus Weizen © Jacek Chabraszewski

Glutenunverträglichkeit

Die Glutenunverträglichkeit ist eine Mischform aus Allergie und Autoimmunerkrankung. Tritt die Glutenintoleranz im Kindesalter auf, spricht man von Zöliakie. Im Erwachsenenalter spricht man auch von einheimischer Sprue. Eine Immunreaktion des Darms führt zu einer chronischen Entzündung und in weiterer Folge zu Schäden an der Darmschleimhaut, besonders im Zwölffingerdarm. Es gibt genetische Belastungen, die für das Erkrankungsrisiko, die individuelle Ausprägung des Krankheitsbildes sowie den Zeitpunkt des Auftretens verantwortlich sind.

Klebereiweiß (Gluten) in bestimmten Getreidesorten enthalten und wird auch dem Brot in Bäckereien zur Erhöhung der Elastizität zugesetzt. Es führt bei Betroffenen, hauptsächlich durch die ausgelöste Immunantwort, zu einer starken Schädigung sowie einem Oberflächenverlust der Dünndarmschleimhaut und ihren Ausstülpungen (Darmzotten).

Die Folge ist eine stark verminderte Aufnahme von Nährstoffen über den Darm in die Blutbahn. Schwere Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen sind möglich. Da die Beschwerden individuell sehr unterschiedlich und unspezifisch sein können, vergehen oft viele Jahre bis zur richtigen Diagnose.

Welche Symptome können bei Glutenunverträglichkeit auftreten?

Typische körperliche Symptome der Unverträglichkeit auf Gluten betreffen in erster Linie den Magen-Darm-Trakt, u.a.:

Vielfältige andere Symptome einer Glutenunverträglichkeit entstehen durch nachfolgende allgemeine Mangelernährung mit resultierendem Protein- und Vitaminmangel. Dazu gehören allgemeines Unwohlsein mit Müdigkeit, Nervosität oder Kopfschmerz bzw. Gewichtsverlust. Vitaminmangel kann sich beispielsweise in Nachtblindheit oder Schleimhautentzündungen zeigen. Bei (Klein-)Kindern äußert sich Zöliakie in Durchfällen, Blähbauch und Gedeihstörungen, die typischerweise nach dem ersten Zufüttern von Getreide auftreten (nach dem sechsten Lebensmonat).

Gluten in der Nahrung

Folgende Getreidesorten enthalten Gluten:

  • Weizen,
  • Roggen,
  • Hafer,
  • Gerste,
  • Dinkel,
  • Grünkern,
  • Ein- und Zweikorn (Emmer),
  • Urkorn,
  • Kamut,
  • Triticale,
  • Wildreis (schwarzbraun).

All diese Getreidesorten müssen bei Glutenunverträglichkeit strikt gemieden werden. Vorsicht ist auch bei Getreideprodukten wie Bulgur (gebrochener Weizen) oder Couscous (meist aus Hartweizen oder Gerste hergestellter Grieß) geboten.

Da die Zusammensetzung der Klebereiweiße unterschiedlich sein kann, werden andere Getreidesorten bzw. Kohlenhydratlieferanten wie Mais, (Natur-)Reis, Hirse, Amaranth, Quinoa und Buchweizen vertragen. Sie sind gut verdaulich und tragen bei Glutenunverträglichkeit zur Deckung des Kohlenhydratbedarfs bei. Auch Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse und Samen verursachen keine Probleme. Das Produktangebot glutenfreier Getreideprodukte ist mittlerweile sehr umfangreich und sorgt für Abwechslung.

Die Diagnose wird durch eine Fachärztin/einen Facharzt, die/der auf Magen-Darm spezialisiert ist (die Gastroenterologin/der Gastroenterologe), eine Kinderärztin/einen Kinderarzt oder eine klinische Immunologin/einen klinischen Immmunologen gestellt, indem im Blut Antikörper gegen Gluten und das körpereigene Antigen Gewebe-Transglutaminase (TTG) festgestellt werden. Darmbiopsien weisen eine Veränderung der Schleimhaut auf.

Nähere Informationen erhalten Sie unter Labor/Autoimmunerkrankungen.

Eine ausgewogene Ernährung ist auch bei absoluter Vermeidung von Gluten möglich. Viele Nahrungsmittel sind von Natur aus glutenfrei. Als Grundlage der Ernährung sollte die Österreichische Ernährungspyramide dienen. Austauschtabellen und Ersatzprodukte findet man in diversen Ratgebern. Glutenfreie Koch- und Backrezepte finden Sie auf der Website der Deutschen Zöliakie Gesellschaft. Zudem ist eine qualifizierte Ernährungsberatung ist hilfreich. Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährungsberatung und -therapie.

Lebensmittelkennzeichnung

Gemäß EU-Verbraucherinformationsverordnung müssen glutenhaltiges Getreide sowie daraus hergestellte Erzeugnisse gekennzeichnet und in der Zutatenliste z.B. durch Schriftart oder Hintergrundfarbe hervorgehoben werden. Diese erweiterte Kennzeichnungspflicht ist seit Dezember 2014 für verpackte und unverpackte Waren (offene, lose Ware) verpflichtend.

Da Getreide bzw. Gluten in vielen Lebensmitteln als Zusatz oder z.B. Trägermittel eingesetzt werden, können auch nicht offensichtlich mit Getreide in Verbindung stehende Waren problematisch sein. Österreichische Wurstwaren dürfen laut Codex Alimentarius B14 (Österreichisches Lebensmittelbuch, ein Projekt des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz) kein Weizenmehl oder andere glutenhaltige Mehle oder auch glutenhaltige Eiweißpräparate enthalten. 

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Wie wird die Diagnose gestellt?

Weil die Glutenunverträglichkeit eine Mischform aus Allergie und Autoimmunerkrankung ist, erfolgt die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern gegen Gluten und gegen das körpereigenen Antigen Gewebe-Transglutaminase (TTG) im Blut. Zur Sicherung der Diagnose kann eine Magen-Darm-Spiegelung mit inkludierter Dünndarmbiopsie (Gewebeuntersuchung) durchgeführt werden.

Im Anschluss wird die entnommene Gewebeprobe des Dünndarms zum Nachweis einer Zottenatrophie, also einer Oberflächenverminderung der Dünndarmschleimhaut, mikroskopisch untersucht. Da es sich bei Zöliakie um eine vererbbare Krankheit handelt, wird im Anamnese-Gespräch genau auf die Familiengeschichte eingegangen. Begleitend dazu ist ein Ernährungs- und Symptomprotokoll hilfreich, da dadurch bestimmte Zusammenhänge zwischen Beschwerden und verzehrten Nahrungsmitteln hergestellt werden können.

Hinweis Allgemeine Informationen erhalten Sie unter Diagnose und Therapie von Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Wie erfolgt die Behandlung einer Glutenunverträglichkeit?

Da das Klebereiweiß und die darauffolgende Immunreaktion gegen Gluten und Selbstantigene der Darmschleimhaut schwere Schäden zufügen, muss eine strikte glutenfreie Ernährung eingehalten werden – und das ein Leben lang. Wird weiterhin Gluten gegessen, wenn auch in kleinsten Mengen, kann es bis zur Zerstörung der Darmzotten (Zottenatrophie) mit schweren Folgeerkrankungen kommen. Bei Einhalten der Diät kann sich eine bereits erfolgte Darmzottenschädigung wieder vollständig zurückbilden, Folgeschäden werden vermieden. Beachten Sie, dass bereits kleine Glutenmengen sehr schädlich sind. Häufig tritt bei Glutenunverträglichkeit als Folge eine Laktoseintoleranz oder eine Fruktoseintoleranz auf. Bessert sich der Zustand des Darms durch Meiden von Gluten, vergeht die Unverträglichkeit des Milchzuckers in den meisten Fällen wieder.

Verhaltenstipps bei Glutenunverträglichkeit

Bei diagnostizierter Glutenunverträglichkeit sind u.a. folgende Maßnahmen hilfreich:

  • Meiden von Brot, Gebäck, Kuchen, Knödel, Müsli, Teigwaren, Paniertes etc. aus glutenhaltigen Getreidesorten.
  • Aufpassen insbesondere bei Milchprodukten (z.B. Käsefondue, fettreduzierten Milch- und Käsezubereitungen), Fertigprodukten (z.B. Suppen, Saucen), Bier, Malz- und Getreidekaffee sowie aromatisierten Tees (Gluten dient als Trägermittel für die Aromen).
  • Vorsicht auch bei Käse mit Kulturschimmel wie z.B. Blauschimmel- oder Roquefortkäse.

Wohin kann ich mich wenden?

Folgende Stellen sind für Diagnose und Therapie einer Glutenunverträglichkeit zuständig:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Gastroenterologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • klinische Immunologin/klinischer Immunologe,
  • Allergieambulatorium.

Hinweis Neuere Befunde zeigen, dass die in manchen Weizensorten aber auch in anderen (prinzipiell glutenhaltigen) Nahrungsmitteln vorhandenen sogenannten „ATIs“ (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) eine Überempfindlichkeit auslösen können. Sie scheinen besonders in industriellen Getreidezüchtungen in höheren Mengen vorzukommen. Diese sogenannte Zöliakie- bzw. Gluten-Weizensensitivität wird bei empfindlichen Personen spezifisch durch Weizen ausgelöst. Das Immunsystem im Sinne einer klassischen Allergie ist nicht beteiligt und die Symptomatik geht eher in Richtung Reizdarm. Noch mehr Studien müssen gemacht werden, um hier eindeutige Empfehlungen zu geben, aber zu vermeiden sind Weizen, Gerste, Roggen, Kamut, Dinkel, Emmer, während Mais, Kartoffel, Reis, Amaranth, Linsen und Hafer, Soja, Buchweizen, und Hirse mit geringerem ATI Gehalt gegessen werden können.

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