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Tuberkulosebakterien © Giovanni Cancemi

Tuberkulose

Die Tuberkulose (Tbc, Schwindsucht) ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Erreger sind Mykobakterien, die in erster Linie von Mensch zu Mensch übertragen werden (Tröpfcheninfektion). Andere Übertragungswege (z.B. über Nahrungsmittel wie nicht-pasteurisierte Milch) sind seltener. Die Bakterien siedeln sich in der Mehrzahl der Fälle in den Atemwegen an und führen zum Krankheitsbild der Lungentuberkulose. Es können jedoch auch alle anderen Organe betroffen sein (Organtuberkulose).

Die Tuberkulose zählt zu den bedeutensten bakteriellen Infektionen des Menschen, sie ist die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Die WHO meldete 2016 weltweit rund zehn Millionen Neuerkrankungen, rund 1,7 Millionen davon endeten tödlich.

Erreger: der bedeutenste Erreger für den Menschen ist Mycobacterium tuberculosis; daneben gibt es zahlreiche weitere Bakterienarten, die eine Tuberkulose auslösen können. Infektionsquelle ist in erster Linie der erkrankte Mensch.

Verbreitung: weltweit, v.a. in Entwicklungsländern und Krisengebieten. Etwa 80 Prozent aller Tuberkuloseneuerkrankungen entfallen auf Südostasien und Afrika. 

Die Erkrankung kommt so gut wie nie bei Touristen vor, nicht selten aber bei sogenannten VFR’s („visiting friends and relatives“). In Österreich werden die meisten Neuerkrankungen durch Migration aus Ländern mit hoher Tuberkuloseinzidenz (z.B. Osteuropa, Afrika, Südostasien) eingeschleppt. Im Jahr 2016 sind laut Statistik Austria 517 Fälle von ansteckender Tuberkulose in Österreich gemeldet worden.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulosebakterien infiziert, die Krankheit bricht jedoch nur bei fünf bis zehn Prozent davon aus. Besonders gefährdet sind (Klein-)Kinder und Jugendliche sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem. Das betrifft v.a. HIV-positive Menschen: in vielen Ländern der Welt ist die Tuberkulose die häufigste Todesursache von HIV-Patientinnen und Patienten.

Übertragung: Tröpfcheninfektion (Einatmung infizierter Speicheltröpfchen) direkt von Mensch zu Mensch. Da Rinder ebenfalls an der Tuberkulose erkranken können, war in Westeuropa früher (nicht pasteurisierte) Rohmilch eine verbreitete Infektionsquelle und ist es in Teilen der Welt bis heute.

Inkubationszeit: mehrere Wochen bis Monate; auch Jahre nach der Infektion kann die Krankheit noch ausbrechen.

Beschwerdebild: Der Verlauf der Tuberkulose ist abhängig von der Immunlage:

Nach einer Infektion lösen die Bakterien zunächst lokale Entzündungsreaktionen aus (bei der Lungentuberkulose innerhalb des Lungengewebes). Auch die örtlichen Lymphknoten sind beteiligt. Die Symptome sind unspezifisch, wie z.B. Schwäche, Müdigkeit, leichtes Fieber, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust; bei der Lungentuberkulose kommen typischerweise Husten und atemabhängige Schmerzen hinzu. Die Beschwerden können als grippaler Infekt verkannt werden. Solche Symptome, die unmittelbar nach der Infektion auftreten, werden als Primärtuberkulose bezeichnet.

Ist das Immunsystem intakt, kann es die Infektion eindämmen und die Bakterien in Schach halten. Es kommt zur Ausbildung kleiner Knötchen („Tuberkel“), in denen die Bakterien abgekapselt werden. So wird verhindert, dass sie sich weiter ausbreiten. Bei 90 Prozent der Betroffenen bleibt die Infektion lebenslang in diesem Stadium und wird mitunter nicht bemerkt. Man spricht von latenter („schlummernder“) Tuberkulose.

Ist das Immunsystem zum Zeitpunkt der Infektion geschwächt, können die Bakterien nicht ausreichend abgekapselt werden und lösen eine aktive Tuberkulose aus. Dies ist auch nach einer bereits durchgemachten Primärinfektion möglich: Der Erreger kann in abgekapselten Herden im Körper überleben und noch Jahrzehnte nach der Infektion zum Ausbruch der Tuberkulose führen. Man spricht dann von postprimärer Tuberkulose. Das höchste Risiko, eine aktive Tuberkulose zu entwickeln, haben Kleinkinder (die Hälfte aller betroffenen Kinder erkrankt im ersten Jahr nach der Infektion) sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. durch zusätzliche Erkrankungen wie HIV, Krebserkrankungen, Diabetes, Mangelernährung oder durch Einnahme bestimmter Medikamente).

Die Erreger breiten sich zunächst lokal aus, im Falle der Lungentuberkulose großflächig über weitere Lungenabschnitte. Anhaltendes Krankheitsgefühl mit Fieber, Husten, (blutigem) Auswurf und Gewichtsabnahme ("Schwindsucht"!) sind die Folgen. Wenn ein Entzündungsherd aufbricht und die Erreger in die Atemwege gelangen, kommt es zur sogenannten offenen Tuberkulose: In diesem Stadium sind die Betroffenen hochinfektiös, da sie die Bakterien mit dem Atem (v.a. beim Husten) an die Umgebung abgeben. Die offene Tuberkulose ist meldepflichtig.

Unbehandelt können sich die Tbc-Bakterien immer weiter vermehren und andere Organstrukturen befallen. Wenn sie Anschluss an das Gefäßsystem bekommen, können sie sich über die Blutbahn ausbreiten und zur besonders gefährlichen Form der Miliartuberkulose führen. Dabei bilden sich viele einzelne Entzündungsherde innerhalb des Körpers (z.B. im Brustfell, Bauchfell, Darm, Milz, Nieren, Haut etc.). Die Betroffenen leiden unter starkem Krankheitsgefühl, Husten, Atemnot, hohem Fieber, Schmerzen, neurologischen Ausfällen. Besonders bedrohlich ist es, wenn die Bakterien eine tuberkulöse Hirnhautentzündung (Meningiits) auslösen oder eine Blutvergiftung (Sepsis). Die Miliartuberkulose ist lebensbedrohlich und muss umgehend behandelt werden.

Das rechtzeitige Erkennen von Erkrankten sowie umfassende Umgebungsuntersuchungen sind die einzige Möglichkeit, diese Krankheit in den Griff zu bekommen. 

Diagnose: Neben dem Beschwerdebild dienen spezielle Laboruntersuchungen zur Bestätigung der Diagnose; bei einer Lungentuberkulose zusätzlich Röntgenuntersuchungen.

Therapie: Bei rechtzeitiger Kombinationstherapie kann die Patientin/der Patient üblicherweise geheilt werden. Sie wird in lungenfachärztlichen Abteilungen oder Ambulanzen von Krankenhäusern durchgeführt und erstreckt sich über mehrere Monate. Allerdings treten vermehrt (hoch-) resistente Tuberkulosen auf, gegen die keine wirksamen Medikamente verfügbar sind. 

Vorbeugung: Es gibt einen Tuberkuloseimpfstoff (BCG-Impfung), der lange Zeit auch in Europa eingesetzt wurde. Die WHO empfiehlt heute jedoch, in Ländern mit einem Tuberkuloserisiko von unter 0,1 Prozent keine allgemeine Tbc-Impfung durchzuführen, insbesondere wegen ihrer hohen Nebenwirkungsrate. Derzeit steht in Österreich kein zugelassener Tuberkuloseimpfstoff zur Verfügung.

In vielen Ländern der Welt gehört diese Impfung aber nach wie vor zu den Pflichtimpfungen. Manche Hochrisikoländer verlangen bei Einreise den Nachweis einer BCG-Impfung bei Kleinkindern und Kindern. Für diese seltenen Ausnahmefälle kann man sich an die für den Wohnort zuständige Tuberkulosefürsorgestelle wenden.

Die BCG-Impfung schützt nicht vor einer Infektion, kann aber eine gefährliche Miliartuberkulose sowie eine Tbc-Meningitis verhindern. In Hochrisikoländern empfiehlt die WHO, Kinder so schnell wie möglich nach der Geburt zu impfen und sie so vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen.  

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