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Detox-Drink © Melpomene

Fasten & Detox: Weniger ist mehr?

Detox, Fasten und andere Kuren erfreuen sich größter Beliebtheit. Ebenso facettenreich wie die individuellen Motive für die freiwillige Askese, sind Strömungen und Philosophien des Fastens. Die Thesen der „Übersäuerung des Körpers“, der „Entschlackung“ und „Detox“ halten allerdings keiner wissenschaftlichen Betrachtung stand . . .

Viele wenden sich aus religiösen Beweggründen dem Entsagen zu. Manchmal ist es das Verlangen nach Spiritualität, das Sichbesinnen auf Wesentliches oder schlicht das Bedürfnis einer Auszeit. Besonders häufig stehen gesundheitliche Motive im Vordergrund.

Man möchte dem Körper etwas Gutes tun, gesundheitliche Beschwerden verringern, den Organismus entgiften oder dem Altern entgegenwirken. So wird u.a. angepriesen, dass Fastenkuren diversen Stoffwechselerkrankungen vorbeugen, gegen chronische Erkrankungen wie z.B. Rheuma wirken sollen und gut für Herz und Kreislauf seien. Nicht zuletzt ist Fasten gerne Anlass einer angestrebten Gewichtsreduktion. Insbesondere der Begriff des „Entschlackens“ fällt häufig in Zusammenhang mit Fastenkuren.

Hochgesteckt sind die Erwartungen an das Fasten – doch was darf man sich aus gesundheitlicher Sicht tatsächlich vom Fasten erhoffen?

Wenn der Körper hungert . . .

Fasten versetzt den Körper in eine Ausnahmesituation: Wird keine Nahrung aufgenommen, müssen gewohnte Abläufe und Vorgänge umgestellt werden. Der Körper muss sozusagen auf „Plan B“ umschalten, er läuft im Hungerstoffwechsel. Bestimmte Strukturen und Organe, vor allem Gehirn und Herz müssen „notversorgt“ werden. Da unzureichend bzw. keine Nährstoffe aufgenommen werden, wird auf Reserven zurückgegriffen – dabei werden allerdings nicht nur Fettdepots mobilisiert.

Die Kohlenhydratspeicher (Glykogen) des Körpers in Leber und Muskulatur sind nach relativ kurzer Zeit des Fastens aufgebraucht. Schon bald beginnt der Körper unter Hunger, körpereigene Proteine, insbesondere Muskelgewebe abzubauen. Umwandlungsprozesse in der Leber (Glukoneogenese) stellen daraus wieder Glukose her. Das ist unbedingt erforderlich, da die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), das zentrale Nervensystem, das Gehirn sowie das Nierenmark besonders auf Glukose angewiesen sind. In besonderen Notsituationen kann das Gehirn auch sogenannte Ketonkörper als Energiewährung verbrennen. Diese fallen nach längerer Hungerepisode als Nebenprodukt der Fettverbrennung (Lipolyse) an. Diese Ketonkörper können beim Fasten zum typischen „Azetongeruch“ der Atemluft führen. Eine zu hohe Konzentration an Ketonkörper kann zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration (Gichtanfall) sowie zu Stoffwechselentgleisungen führen.

Der Hungerstoffwechsel verringert die Muskelmasse, wodurch der Grundumsatz sinkt, d.h. der Körper verbrennt in Folge auch in Ruhe deutlich weniger Kalorien. Verstärkt wird dieser Effekt durch hormonelle Veränderungen unter längerem Fasten, wie z.B. Veränderungen im Stoffwechsel der Schilddrüse. Der niedrigere Grundumsatz ist auch für den sogenannten Jo-Jo-Effekt nach Reduktionsdiäten verantwortlich.

Hinweis Gewichtsabnahmen, die sich gerade zu Beginn einer Fastenkur bemerkbar machen, kommen vom Verlust an Flüssigkeit sowie dem Muskelabbau.

Fasten unter ärztlicher Kontrolle

Wer eine Fastenkur antreten möchte, sollte dies nur unter ärztliche Kontrolle machen, da Fasten gesundheitliche Risiken nach sich ziehen kann (z.B. Herzrhythmusstörungen, Azidose, Gichtanfall). Bereits vor der Fastenkur sollte ein Ärztin/ein Arzt kontaktiert werden, um abzuklären, ob aus medizinischer Sicht Einwände bestehen. Während des Fastens sollten bestimmte Parameter (z.B. Blutdruck, Herzfrequenz, Urin) beobachtet werden, um bei drohenden Komplikationen rechtzeitig gegensteuern zu können.

Mögliche Gefahren des Fastens

Vorsicht ist insbesondere bei Fastenhilfsmittel wie z.B. Einläufen, Abführ- oder Entwässerungsmittel, Bittersalzen etc. angebracht. Dadurch kann es zu Störungen des Mineralstoffhaushalts (Elektrolyte) kommen, wodurch Nieren- und Darmfunktion beeinträchtigt werden. Auch die Darmflora, wichtige Bakterien im menschlichen Darm, kann gestört werden.

Mögliche Folgen und Gefahren des Hungerstoffwechsels:

  • unzureichende Versorgung mit Nährstoffen (u.a. Eiweiße, Fettsäuren),
  • Abbau körpereigener Eiweiße (vorwiegend aus dem Muskel),
  • hormonelle Veränderungen (z.B. Schilddrüsenhormone),
  • Verringerung des Grundumsatzes (Kalorienbedarf in Ruhe),
  • Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt (Mineralien),
  • Anstieg freier Fettsäuren und Ketonkörper,
  • gestiegene Harnsäurekonzentration (Risiko Gichtanfall),
  • Sehstörungen,
  • Kreislaufstörungen, Schwindel, Erbrechen,
  • verminderte Leistungsfähigkeit,
  • Herzrhythmusstörungen.

Mythos „Entschlackung“

Die häufig in der Naturheilkunde verwendete Argumentation der „Schlacken“ bzw. des „Entschlackens“ ist wissenschaftlich nicht begründbar. Im Körper und Stoffwechsel des Menschen treten weder Schlacken auf, noch sammeln sich solche im Organismus. Der Begriff „Schlacken“ stammt v.a. aus der Metall- und Schwerindustrie. Der Körper verfügt über ein enges Entgiftungs- und Puffersystem, das im Stoffwechsel anfallende oder von außen aufgenommene Substanzen wie z.B. Medikamente und andere Schadstoffe umgehend entsorgt. Auch bei etwaigen Verschiebungen im Säure-Basen-Haushalt sieht der Körper nicht tatenlos zu. Er reagiert umgehend, indem z.B. die Atemfrequenz oder die Urinkonzentration angepasst wird.

Hinweis Nieren, Leber, Darm, Blut, Atmung und Haut sorgen im Regelbetrieb engmaschig für ein Gleichgewicht im „Biosystem Mensch“.

Faktencheck: Fasten, Detox & Co.

Das wissenschaftliche Team hinter Medizin-Transparent.at an der Donau Universität Krems (Cochrane Österreich) hat unterschiedliche Fastenkuren und -thesen auf deren wissenschaftliche Haltbarkeit hin untersucht (Evidenz). Ob verschiedene Formen des Fastens einen langfristigen, gesundheitlichen Nutzen haben, ist nicht in aussagekräftigen Studien erforscht und daher nicht bekannt, so das Fazit. Dies gilt sowohl für die Behandlung als auch die Vorbeugung von Erkrankungen. Die Thesen der „Übersäuerung des Körpers“, der „Entschlackung“ und „Detox“ halten keiner wissenschaftlichen Betrachtung stand. Weitere Studien und Forschungserkenntnisse sind in allen Bereichen erforderlich.

Formen des Fastens

Schroth-Kur

Feuchte Wickel und eine eingeschränkte Nahrungszufuhr (salz- und fettlos, eiweißarm: trockene Semmeln, Zwieback, Grieß, Reis, Hafer, Gemüse) sollen den Körper „entgiften“. Bei der Schroth-Kur wechseln sich Trocken- mit großen und kleinen Trinktagen ab. Der Trockentag besteht aus einem Glas Flüssigkeit, an den kleinen Trinktagen darf 0,5 Liter Flüssigkeit, an den großen ein Liter Flüssigkeit getrunken werden. Kurgetränke können Mineralwasser, Tee, Saft oder Kurwein sein. Die Annahme, dass an den Trockentagen aus dem Gewebe Gifte und Schlacken ins Blut gesaugt werden und an den Trinktagen durch die Flüssigkeitsaufnahme ausgeschwemmt werden, entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.

Intervallfasten

Auch bekannt unter den Begriffen „intermittierendes Fasten“, „periodisches Fasten“, „alternate day fasting“, „10in2“ oder „5zu2“. Dabei wird an einem oder mehreren Tagen der Woche gefastet, erlaubt sind Getränke wie z.B. Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch. An den anderen Tagen darf nach Lust & Laune gegessen werden. Schlechte Ernährungsgewohnheiten werden durch Intervallfasten allerdings nicht geändert bzw. kompensiert. Eine langfristige Umstellung der Ernährung zur Regulation des Körpergewichts kann so nicht erreicht werden. Welche Auswirkungen intermittierendes Fasten auf die Gesundheit hat, ist unklar – zahlreiche Studien untersuchen diese eher „junge“ Form des Fastens, z.B. InterFAST-Studie an der Karl Franzens Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Graz.

Entgiftungsdiäten (Detox)

Gemieden werden bei dieser Fastenart unterschiedliche Nahrungsmittel oder -bestandteile wie Zucker, Gluten, Hefe oder Weißmehl etc. Der Körper soll so unterstützt werden, Substanzen wie z.B. Alkohol, Medikamente oder Umweltgifte zu eliminieren. Es gibt keine wissenschaftliche Untermauerung (Evidenz), dass der Körper durch Detoxdiäten entgiftet wird.

Basenfasten

Dieser Fastentrend beruht auf der Annahme, dass saure bzw. säurebildende Nahrungsmittel im Körper zu einer Übersäuerung führen, die u.a. chronische Entzündungen begünstigen sollen. Erlaubt sind nur jene Nahrungsmittel, die basisch bzw. basenbildend sind. Ergänzend zur Diät werden basenfördernde Stoffe, zumeist in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, eingenommen. Für Basenfasten gibt es keine wissenschaftliche Untermauerung (Evidenz). Diverse Puffersysteme des Körpers sorgen für einen engen Ausgleich von Säuren und Basen.

Fasten zum Abnehmen?

Um das Körpergewicht nachhaltig zu normalisieren und die Gefahr des Jo-Jo-Effekts zu vermeiden, empfehlen Ernährungsgesellschaften eine langfristige Ernährungsumstellung in Kombination mit ausreichend Bewegung. Die Ernährung sollte sich an der Österreichischen Ernährungspyramide orientieren, die eine Hilfestellung zur praktischen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung darstellt. Zu einem gesunden Lebensstil gehört auch ausreichend körperliche Bewegung: Empfohlen werden für Erwachsene mindestens 2,5 Stunden pro Woche bei mittlerer Intensität.

Dient eine Fastenkur als Einstieg in eine gesundheitsorientierte, langfristige Ernährungs- und Lebensstilmodifikation, kann sie durchaus als positiv betrachtet werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

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