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Babybrei mit Löffelchen © tycoon101

Fütterungsstörungen im Säuglingsalter

Wenn Säuglinge immer wieder die Nahrung verweigern bzw. keine Lust am Trinken oder Essen zeigen, ist das ein Warnsignal. Von Fütterungsstörungen spricht man, wenn Füttern bzw. die Nahrungsaufnahme eines Säuglings von den Eltern als Problem gesehen wird und länger als einen Monat anhält. Das Fütterungsproblem steht dabei oft im Mittelpunkt und dominiert den Alltag. Es ist wichtig, auch kurzfristige Schwierigkeiten beim Füttern mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt zu besprechen, da die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr besonders für Säuglinge täglich unabdingbar sind.

Füttern ist nicht immer leicht

Zu Lebensbeginn müssen die Säuglinge lernen, sich selbst zu regulieren, im zweiten Lebenshalbjahr kommen dann weitere Entwicklungsaufgaben auf die Kleinen zu, z.B. das Essen mit dem Löffelchen. Wenn Kinder beginnen, selbstständig essen zu wollen, stellen sich wieder neue Herausforderungen. „Machtkämpfe“ mit den Eltern am Esstisch sind möglich. Die Grenzen so zu setzen, dass das Füttern nicht zu strikt abläuft, aber auch nicht außer Kontrolle gerät, ist in vielen Fällen nicht leicht.

Gesunde Ernährung im Säuglingsalter

Sofern möglich, wird das ausschließliche Stillen für die ersten Lebensmonate empfohlen. Nähere Informationen finden Sie unter Stillen – gesunder Start ins Leben. In der Informationsbroschüre des Gesundheitsministeriums „Stillen – ein guter Beginn“ finden Sie eine Liste von Stillberatungen in ganz Österreich. Beginnt das Abstillen, bevor das Baby sechs Monate alt ist, wird nach und nach eine Brustmahlzeit durch eine Flaschenmahlzeit ersetzt. Nach Bedarf kann Säuglingsanfangsnahrung gegeben werden. Diese wird bis zum Ende des ersten Lebensjahres empfohlen.

Um den sechsten Lebensmonat sollte langsam zusätzlich zum Stillen bzw. zur Flaschenmahlzeit Beikost (feste Nahrung) eingeführt werden – allerdings nicht vor der 17. und nicht nach der 26. Lebenswoche. Weitere Informationen zur Beikost finden Sie in der Broschüre des Gesundheitsministeriums „Richtig essen von Anfang an! – Babys erstes Löffelchen“ sowie im Folder Checkliste Beikostprodukte. Zwischen dem zehnten und zwölften Monat kann das Kind bereits beginnen, gemeinsam mit der Familie zu essen (gut zerteilte feste – zu Beginn weiche – Nahrung). Weitere Informationen finden Sie unter Ernährung von Säuglingen. Ein fließender Übergang von der Brustnahrung zum Familienessen ist von Vorteil.

Während der reinen Stillzeit brauchen Babys keine Extraflüssigkeit. Ab Beginn der Beikost, kann – je nach Bedarf – ergänzend Flüssigkeit gegeben werden. Regelmäßige Getränkeaufnahme ist ab dem zehnten Lebensmonat notwendig. Am besten eignet sich dafür Wasser.

Wenn es mit dem Füttern nicht klappt

Sind Kinder älter als drei Monate, können folgende Kriterien einen aussagekräftigen Hinweis auf eine Fütterungsstörung geben (nach Ramsay, Gisel & Bountry):

  • Das Intervall zwischen den Mahlzeiten liegt unter zwei Stunden, und/oder
  • die durchschnittliche Dauer einzelner Fütterungen ist oder liegt über 45 Minuten.

Es ist möglich, dass sich zusätzlich zur Fütterungsstörung auch eine Gedeihstörung zeigt. Diese äußert sich in einer Gewichtsabnahme oder fehlender Gewichtszunahme. Vorübergehende Probleme beim Füttern von Säuglingen sind häufig, Gedeihstörungen hingegen seltener. Sie können auch unabhängig von Fütterungsstörungen auftreten und haben dann meist körperliche Ursachen. Mittels einer Wachstumskurve kann Ihre Kinderärztin/Ihr Kinderarzt feststellen, ob Ihr Kind gut wächst und gedeiht.

Verweigern Säuglinge die Nahrung, kann das auf verschiedene Weisen erfolgen, z.B.:

  • Ausspucken
  • Kopf wegdrehen
  • Löffel wegschieben
  • Erbrechen
  • Würgen bzw.
  • Mund verschließen

Die aufgenommene Menge an Nahrung wechselt zudem stark. Es fällt Eltern in diesen Fällen meist schwerer, bei ihren Kindern Hunger und Sättigung zu unterscheiden. Außerdem lässt sich beobachten, dass die kindlichen Essfähigkeiten nicht dem Alter entsprechen.
Häufig kommt es zusätzlich zu anderen Problemen wie häufige Unruhe, Schlafstörungen oder ausgeprägte Schreiphasen.

Entstehungsfaktoren

Fütterungsstörungen können unterschiedliche Ursachen haben – von körperlichen Erkrankungen bzw. Fehlbildungen über Entwicklungsverzögerungen bis hin zu schmerzhaften Erfahrungen und Problemen in der Eltern-Kind-Beziehung. Zu den Ursachen zählen:

  • Körperliche/organische Ursachen: z.B. Störungen der Magen-Darm-Funktion, angeborene Fehlbildungen (z.B. Ösophagusatresie/Fehlbildung der Speiseröhre), Überempfindlichkeit im Mundbereich, unterentwickelte Kaumuskulatur oder Schluckprobleme.
  • Regulatorische Probleme: Der Säugling lernt, sich selbst zu regulieren, z.B. damit umzugehen, kurz nicht unterhalten zu werden oder seine Bedürfnisse mithilfe des Gegenübers wahrzunehmen und zu äußern. Treten sogenannte „Regulationsstörungen“ auf, gelingt dies nicht bzw. nicht gut. Dies kann mehrere Gründe haben, z.B. eine Entwicklungsverzögerung oder Eltern-Kind-Interaktions-Problematik. Auch Schrei- und Schlafproblematiken können auf eine Regulationsstörung zurückzuführen sein.
  • Traumatische Erfahrungen: Das Kind hat erlebt, dass Berührungen im Gesicht, Mund oder Rachenbereich bedrohlich oder schmerzhaft sind. Dies kann z.B. durch (operierte) Fehlbildungen in diesem Bereich bedingt sein, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z.B. häufiges Erbrechen durch Sodbrennen) oder durch intensivmedizinische Behandlung (z.B. durch die lange Anwendung von Sonden).

Probleme in der Eltern-Kind-Interaktion

Eltern und Kinder stehen untereinander in Beziehung und Wechselwirkung. So können Belastungen in der Schwangerschaft (z.B. vorzeitige Wehen), Geburtskomplikationen (z.B. Notkaiserschnitt) oder Probleme/Erkrankungen in der ersten Zeit nach der Geburt (z.B. Infektion des Kindes, Depression der Mutter) Spuren hinterlassen, welche die Eltern-Kind-Beziehung belasten und sich auf die Kindesentwicklung auswirken.

Meist zeigt sich neben der problematischen Nahrungsaufnahme ein bestimmtes Muster bei der Eltern-Kind-Interaktion. Nicht selten entsteht dabei ein „Teufelskreis“, der Eltern an ihre Belastungsgrenzen bringt. Auch Machtspielchen finden ihren Platz beim Essen, z.B. :

  • Ab einem entsprechenden Alter wird um das Essen verhandelt.
  • Die fütternde Person versucht, das Kind zu stark zum Essen zu bewegen.
  • Das Kind versucht abzulenken und macht die Erfahrung, dass Nichtessen mehr Spaß macht als Essen etc.

Diagnose

Zu Beginn der Diagnostik von Fütterungsstörungen steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei finden unter anderem folgende Punkte Berücksichtigung:

  • Stillen
  • Fütterungssituation
  • Ernährung (Beikost etc.)
  • Gewicht
  • Essgewohnheiten in der Familie
  • Tagesablauf
  • sonstige Auffälligkeiten bzw. Symptome
  • Belastungssituation der Eltern bzw. Familien-/Paarsituation

Ernährungsprotokolle können helfen, dem Essensproblem auf die Spur zu kommen. In jedem Fall ist eine kinderärztliche Untersuchung unabdingbar. Dabei können auch Laboruntersuchungen und andere Abklärungen zur Anwendung gelangen.

Verhaltensbeobachtung aufschlussreich bei nicht organischen Ursachen

Zeigen sich keine organischen Ursachen, hilft ein von speziell ausgebildeten Professionalisten geführtes psychotherapeutisches bzw. beratendes Gespräch weiter. Dabei kommen unter anderem auch videogestützte Verhaltensbeobachtung und Analyse der Fütterungssituation zum Einsatz. Auch die Beziehung zwischen Bezugspersonen und Kind wird dabei betrachtet, um hilfreiche Impulse für die Förderung dieser zu geben. Durch Beobachtung der Eltern-Kind-Interaktion ergeben sich Anregungen, die für Diagnostik und Therapie wichtig sind. Fütterungsprobleme äußern sich auch in Form von Bindungsproblemen. Nähere Informationen über Bindung finden Sie unter Eltern-Kind-Bindung.

Hinweis Eine kinderärztliche Untersuchung ist in jedem Fall von Fütterungsstörungen unumgänglich, um organische Ursachen auszuschließen beziehungsweise diese rechtzeitig zu diagnostizieren!

Therapiemöglichkeiten bei Fütterungsstörungen

Leidet Ihr Kind unter Fütterungsstörungen, führt der erste Weg zur Kinderärztin/zum Kinderarzt. Diese/dieser leitet entsprechende therapeutische Maßnahmen ein. Körperliche Ursachen für Fütterungsstörungen werden medizinisch bzw. therapeutisch (z.B. durch eine Logopädin/einen Logopäden) behandelt. Liegen Entwicklungsstörungen vor, kommen entwicklungsfördernde Ansätze zur Anwendung (z.B. in speziellen Entwicklungsambulatorien). 

Findet sich die Ursache für die Problematik in der Eltern-Kind-Beziehung, gibt es mehrere Möglichkeiten der speziellen Beratung bzw. Psychotherapie (bis hin zur Familientherapie) – z.B. in einer Ambulanz für Schrei-, Schlaf- und Fütterungsprobleme. Dabei werden unter anderem Verhaltens- und Interaktionsmuster aufgedeckt und so mancher sich aufschaukelnde Teufelskreis durchbrochen. Mittels Training der Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit der fütternden Person für die kindlichen Signale ist eine Verbesserung der Fütterungssituation möglich. Durch Aufstellen von z.B. „Essensregeln“ (regelmäßige Mahlzeiten, klare Trennung von Esszeiten und Spielzeiten, Vermeiden von Ablenkung oder Druck, Grenzen setzen bei unangebrachtem Essverhalten etc.) kann die Fütterungssituation optimiert werden. Zugleich werden etwaige psychosoziale Hilfsangebote mobilisiert (z.B. finanzielle oder familiäre Unterstützung). 

Hinweis Es ist wichtig, Fütterungsstörungen rechtzeitig zu behandeln, um die Kindesentwicklung so gut wie möglich zu fördern sowie Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

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