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Anzeige einer Körperwaage © Omid Mahdawi

Gefahr: Mangel- und Unterernährung

Körperliche Altersbegleiterscheinungen wie Kau- und Schluckstörungen, Geruchs- und Geschmacksveränderungen, verringerte Magendehnung und gesteigerte Aktivität der Sättigungshormone etc. können so wie Krankheiten, Demenz, Veränderungen in der sozialen Umgebung, der Verlust der Partnerin/des Partners, aber z.B. auch Depressionen zu einem Ungleichgewicht in der Ernährung beitragen. Mangelernährung kann sich quantitativ (die Energieaufnahme liegt unter dem Bedarf) und qualitativ (Mangel an Eiweiß, Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen) zeigen. Während jüngere Seniorinnen und Senioren eher zu Übergewicht neigen, stellt im hohen Alter oft Untergewicht das Problem dar . . .

Untergewicht bei Seniorinnen und Senioren

Die Veränderungen im Ess- und Trinkverhalten führen oft unbemerkt zu einer nicht bedarfsdeckenden Energieaufnahme, das Körpergewicht verringert sich, zum Teil bis hin zu starkem Untergewicht (Altersanorexie). Gleichzeitig sind die Betroffenen unterversorgt an essenziellen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Häufig wird die Unter- und Mangelernährung älterer Personen als „Altersschwäche“ verkannt.


Verliert ein alter Mensch an Körpergewicht, reduziert sich auch der Anteil an Muskelmasse (Sarkopenie), was sich neben der Beweglichkeit (Sturzrisiko) auch auf die Atmung bzw. Verdauung (Darm) auswirken kann, da die inneren Organe auf eine kräftige Muskulatur angewiesen sind. Unter- und mangelernährte Seniorinnen/Senioren haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen und auch das Sterblichkeitsrisiko ist erhöht. Zudem verlangsamt sich die Genesung nach einer Krankheit, die Wundheilung ist gestört, es kann leichter zu Dekubitus („Wundliegen“) kommen, neurologische und kognitive Störungen bei z.B. Erinnerung oder Wahrnehmung werden begünstigt.

Mangel trotz Übergewicht

Auch unter einem Zuviel an Kalorien kann bei einer unausgewogenen Zusammenstellung der Nahrung ein Mangel an wichtigen essenziellen Nährstoffen entstehen (qualitative Mangelernährung). Lebensmittel mit niedriger Nährstoffdichte („leere Kalorien“) wie z.B. fette Snacks, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Limonaden oder alkoholische Getränke begünstigen die Entstehung von Übergewicht und gleichzeitiger Mangelernährung.

Nicht unproblematisch ist die Beurteilung des Körpergewichts im Alter mit dem Body Mass Index. Ein BMI zwischen 25 und 29,9, der laut BMI-Tabelle bereits Übergewicht anzeigt, sollte im Alter kein alleiniger Grund für eine Gewichtsreduktion sein. Ein BMI-Wert unter 22, eigentlich im Bereich des Normalgewichts, kann jedoch im Alter bereits ein Hinweis auf Mangelernährung sein. Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährung und Übergewicht.

Tipps gegen Mangel- und Unterernährung

  • Ursachen erkennen und ihnen nachgehen: Bereits kleine Veränderungen können den Grund einer Mangel- oder Unterernährung beheben. So kann z.B. das Anpassen einer Zahnprothese helfen.
  • Gewicht verfolgen: Muss der Gürtel enger geschnallt werden oder rutschen Ringe vom Finger? Regelmäßige Gewichtskontrollen lassen rechtzeitig erkennen und gegensteuern. Auch das Messen des Oberarmumfanges ist hilfreich, um einen Trend zu erkennen.
  • Energie- und Nährstoffdichte erhöhen: Lebensmittel mit hoher Energiedichte wie z.B. fettreiche Milchprodukte und das Anreichern von z.B. Saucen, Suppen und Breien mit hochwertigen Pflanzenölen, gemahlenen Nüssen oder Samen können eine Unterversorgung an Energie beheben. Milch und Milchprodukte sowie Getreide und Hülsenfrüchte liefern wertvolles Eiweiß, an dem es älteren Menschen häufig mangelt. Oft ist es sinnvoll, mit proteinreichen Lebensmitteln anzureichern, da dies ein Problemnährstoff sein kann (nach Rücksprache mit der Ärztin/dem Arzt).
  • Gusto & Geschmack anregen: Kräftiges Würzen mit Kräutern und Gewürzen verstärkt Geruch und Geschmack der Speisen, der Appetit wird angeregt. Achtung: Es sollte aber nicht mehr Salz verwendet werden!
  • Handling der Speisen verbessern: Kleine Speisen wie z.B. Fingerfood sind nicht nur in mundgerechter Form leichter zu kauen, auch der mitunter beschwerliche Umgang mit Messer und Gabel lässt sich umgehen. Dazu eignen sich z.B. kleingeschnittene Obst- und Gemüsestückchen, Brothäppchen, Käsewürfel, kleine Laibchen aus Fleisch, Gemüse oder Fisch, Kroketten, stichfeste Aufläufe, Trockenobst, Früchteriegel etc. Spezialgeschirr und -besteck sowie Zubehör können zudem Erleichterung schaffen.
  • Bedarfsdeckende Zufuhr über den Tag verteilen: Da sich der Magen älterer Menschen nicht mehr so gut dehnen kann und die Sättigung schneller einsetzt, werden nur ungern große Portionen verzehrt. Besser sind viele kleine (Zwischen-)Mahlzeiten über den Tag verteilt. Auch eine Spätmahlzeit wie z.B. Joghurt, Milchdrink, Obst oder Käsewürfel kann einer Unterversorgung vorbeugen.

Hinweis Ältere Menschen müssen mitunter viele Medikamente einnehmen (Multimedikation). Unerwünschte Nebenwirkungen wie z.B. Mundtrockenheit, Übelkeit, Appetitverlust und die verringerte Aufnahme mancher Nährstoffe über den Magen-Darm-Trakt können die Entstehung von Mangelernährung begünstigen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt darüber.

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