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Verletzter Fussballer © ALAIN VERMEULEN

Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelriss

Gemeinsam mit Prellungen stellen Muskelzerrungen die häufigsten Sportverletzungen überhaupt dar. Sie werden durch eine übermäßige Bewegung (z.B. Dehnung) des Muskels verursacht und können sehr schmerzhaft sein. Bei besonders starker, plötzlicher Überdehnung können die Muskelfasern oder ganze Muskelstränge auch einreissen – man spricht dann von einem Muskelfaser- oder Muskelriss. In jedem Fall wird die Sportlerin/der Sportler durch diese Verletzungen zum Einlegen einer Sportpause gezwungen.

Was ist eine Muskelzerrung?

Eine Zerrung wird durch eine übermäßige unphysiologische Bewegung, wie z.B. eine Überdehnung oder Drehung, verursacht. Der medizinische Fachausdruck lautet Distension. Von einer Zerrung können Bänder, Sehnen oder Muskeln betroffen sein. Die Verletzung entwickelt sich meist allmählich.

Was ist ein Muskelfaserriss bzw. ein Muskelriss?

Die Skelettmuskeln sind jeweils aus einer Vielzahl einzelner Muskelbündel aufgebaut, die sich wiederum aus einzelnen Muskelfasern zusammensetzen. Bei plötzlicher Belastungssteigerung bzw. Überdehnung eines Muskels kann es zu einem Einriss einzelner Muskelfasern oder sogar eines gesamten Muskelbündels kommen (Muskelruptur). 

Welche Ursachen hat eine Muskelzerrung bzw. ein Muskelriss?

Muskelzerrungen und Muskelfaser- bzw. Muskelrisse können durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung entstehen. Typischer Verletzungshergang ist etwa schnelles Lossprinten oder abrupter Wechsel zwischen Beschleunigen und Abbremsen (z.B. beim Tennis). Ermüdete oder nicht ausreichend erwärmte Muskulatur stellt einen Risikofaktor dar, ebenso wie gestörte Bewegungskoordination, ungenügender Trainingszustand, mangelhafte Fitness, ungewohnte Bodenverhältnisse oder das falsche Schuhwerk. Mehr zum Thema: Gesunde Bewegung

Auch ein Flüssigkeits- und Elektrolytmangel, unausgewogene oder „falsche“ Ernährung (z.B. Präparate zum raschen Muskelaufbau, sogenannte Anabolika) etc. können Muskelverletzungen begünstigen.

Welche Symptome können auftreten?

Eine Muskelzerrung äußert sich durch ziehende Schmerzen im betroffenen Muskel, die langsam und kontinuierlich zunehmen. Der Muskel ist zudem verhärtet und druckschmerzhaft. Meist wird eine Schonhaltung eingenommen. Der betroffene Muskel ist in seiner Funktion jedoch nicht eingeschränkt.

Ein Muskelfaser- bzw. Muskelriss äußert sich durch plötzlich einsetzende stechende Schmerzen. Sie werden oft als nadel- oder messerstichartig beschrieben und können typischerweise genau lokalisiert werden. Der betroffene Muskel ist in seiner Funktion deutlich eingeschränkt.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei der klinischen Untersuchung wird der betroffene Muskel abgetastet (Schwellung? Druckschmerzhaftigkeit?) und seine Funktion überprüft (kann der Muskel belastet werden? Ist eine aktive Bewegung möglich? Ist die passive Beweglichkeit erhalten?). Zur weiteren Abklärung wird eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT durchgeführt:

  • Beim Muskelfaserriss kommt es meistens zu einer Einblutung (Bluterguss). Diese ist anfangs oft nicht äußerlich sichtbar, kann jedoch bei entsprechender Größe mittels Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden.
  • Beim Muskelbündel- oder Muskelriss ist unmittelbar nach der Entstehung oft eine „Delle“ in der Muskulatur zu tasten. Kurze Zeit später entsteht ein Bluterguss, der diese Lücke „auffüllt“, und in der Folge eine schmerzhafte Schwellung. Auch hier kann eine Ultraschalluntersuchung die Diagnose sichern.

Hinweis Die Muskelzerrung ist in der bildgebenden Diagnostik (Ultraschalluntersuchung, MRT) nicht darstellbar. Sie entsteht meistens nicht akut, und es kommt auch zu keiner Einblutung. Allerdings kann unbehandelt ein Muskelfaserriss als Komplikation auftreten.

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Erstbehandlung erfolgt nach dem PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung). Mehr zum Thema: Sportverletzungen.

Unbedingt unterbleiben müssen unmittelbar nach der Verletzung die Erwärmung der betroffenen Muskulatur und Massagen, weil sie eine weitere Einblutung provozieren können. Bei starken Schmerzen können von der Ärztin/dem Arzt orale, nicht steroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Diclofenac verordnet werden. In schwereren Fällen kann eine Injektionsbehandlung sinnvoll sein. Bei Bedarf kann ein Bluterguss punktiert oder operativ entfernt werden.

Bei Muskelzerrungen und kleineren Muskelfasereinrissen ist eine komplette Ruhigstellung nur in den ersten Tagen nach der Verletzung notwendig. Danach kann schmerzabhängig mit leichten Bewegungsübungen begonnen werden. Eine dosierte physikalische Therapie, u.a. mit Lymphdrainage, Kältetherapie und Krankengymnastik, kann die erhöhte Muskelspannung reduzieren und den Regenerationsprozess fördern. Etwa sechs Wochen lang sollte der betroffene Muskel nicht voll belastet werden. Während der Therapie sind wiederholte ärztliche Kontrollen wichtig.

Große Muskelrisse mit deutlicher Funktionseinschränkung müssen gegebenenfalls operativ behandelt werden. Je nach Befund wird der betroffene Muskel rekonstruiert. Abhängig vom Ausmaß der Verletzung kann die Rehabilitation nach einem Muskelriss bis zu zwölf Wochen in Anspruch nehmen.

Wie kann vorgebeugt werden?

Vorbeugt werden kann u.a. durch sorgfältige Erwärmung der Muskulatur vor dem Sport (mindestens 15 Minuten Vorbereitungszeit), die geeignete Ausrüstung sowie einem langsamen Aufbau der Trainingsintensität. Mehr zum Thema: Training und Trainingsprinzipien  

Wohin kann ich mich wenden?

Zur Unterscheidung zwischen Muskelzerrung und Muskelfaserriss bzw. Muskelriss sowie zur Verabreichung der geeigneten Therapie sollte eine Ärztin/ein Arzt (z.B. Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin, Fachärztin/Facharzt für Unfallchirurgie, Sportmedizinerin/Sportmediziner) aufgesucht werden. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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