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 Im Labor © BillionPhotos.com

Lebensmittelinfektionen: Diagnose & Therapie

Lebensmittelinfektionen verlaufen in der Regel ohne schwere Komplikationen und heilen von selbst wieder aus. Im Mittelpunkt der Therapie steht vorrangig der Flüssigkeitsverlust aufgrund Durchfalls und/oder Erbrechens. Dennoch ist eine genaue Diagnose wichtig. Die Patientin/der Patient liefert dabei wichtige Informationen . . . 

Diagnose

Bei der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) informiert sich die Ärztin/der Arzt genau über die Beschwerden der Patientin/des Patienten. Wichtig ist die Information durch die Patientin/den Patienten, mit welchen konsumierten Speisen oder Getränken die Beschwerden ev. ursächlich in Verbindung stehen können (z.B. Rohwürste, Käse, Fisch, Salat etc.) und in welchem Zeitrahmen diese aufgetreten sind. Aufschlussreich ist für die Ärztin/den Arzt zudem, ob in der Vergangenheit eine (Fern-)Reise unternommen wurde. Diese kann bereits mehrere Wochen oder Monate zurückliegen und dennoch mit den Krankheitssymptomen in Verbindung stehen. Meist kann die Ärztin/der Arzt bereits aufgrund dieser Informationen auf einen Erreger oder ein Toxin schließen. Bei länger bestehenden Beschwerden können Stuhl, Erbrochenes und/oder Blut sowie Liquor im Labor auf Erreger oder Toxine untersucht werden. Zudem besteht die Möglichkeit, verdächtige Lebensmittel auf Erreger oder Toxine zu testen. Bei zurückliegenden Reisen in Tropengebiete sind drei verschiedene Stühle zu untersuchen. Zudem muss bei entsprechender Destination das Vorliegen von Malaria ausgeschlossen werden.

Anzeigepflichtige Krankheiten

Um eine Ausbreitung von Krankheiten rechtzeitig verhindern zu können, sind Lebensmittelvergiftungen anzeigepflichtig, darunter fallen bakterielle Infektionen durch z.B. Salmonella enterica, E. coli, Campylobacter, Shigellen, Listeria monocytogenes, Yersinia enterocolitica, Staphylokokkus aureus etc. sowie virale Lebensmittelvergiftungen durch z.B. Noroviren etc. Meldungen erfolgen in der Regel durch die Ärztin/den Arzt an die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde (u.a. Gesundheitsämter).

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des Gesundheitsministeriums unter Anzeigenpflichtige Krankheiten in Österreich. Nähere Informationen zum Vorgehen der Meldung einer Krankheit erhalten Sie unter Epidemiologisches Meldesystem (EMS).

Therapie

Lebensmittelinfektionen verlaufen in der Regel ohne schwere Komplikationen und heilen von selbst wieder aus (selbstlimitierend). Im Mittelpunkt der Therapie steht vorrangig der Flüssigkeitsverlust aufgrund Durchfalls und/oder Erbrechens. Eine Dehydrierung („Austrocknung“) kann allerdings insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und immungeschwächten Personen zu schweren Komplikationen führen. Der Verlust an Elektrolyten (Mineralien) muss durch eine angemessene Trinkmenge ersetzt werden, auch wenn es schwer fällt – insbesondere bei Erbrechen –, sollte unbedingt ausreichend getrunken werden.

Zum Flüssigkeitsausgleich eignen sich Wasser und Tees sowie spezielle Elektrolytpräparate. Steht kein Elektrolytpräparat zur Verfügung, kann mit einfachen Zutaten selbst eine Salz- und Zuckerlösung zum Trinken hergestellt werden. Davon sollten innerhalb eines Tages (24 Stunden) 40 ml pro Kilogramm Körpergewicht getrunken werden (entspricht bei einem z.B. 30 kg schweren Kind 1,2 Liter)

Zutaten für einen Liter Elektrolyt-Trinklösung:

  • 8 gestrichene TL Zucker
  • ¾ TL Salz
  • 0,5 Liter Mineralwasser
  • 0,5 Liter Orangensaft

Quelle: Österreichische Apothekerkammer, Durchfall: Die WHO-Trinklösung

Hinweis Zum Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich UNGEEIGNET sind stark kohlensäurehaltige Getränke sowie Cola und Salzstangen.

Antibiotika nur bei bestimmten Erregern

Antibiotika sowie Peristaltik hemmende Medikamente werden nur nach Identifikation des Erregers sowie unter ärztlicher Kontrolle verabreicht. Peristaltik hemmende Medikamente (Wirkstoff z.B. Loperamid) hemmen den Durchfall. Bei den in Österreich häufigsten Ursachen Lebensmittel induzierter Durchfälle (Campylobacter, Salmonellen) kommt Loperamid nicht zum Einsatz (Kontraindikation).

Der Einsatz von Antibiotika ist nur bei bestimmten Erregern angezeigt, u.a. bei Listeriose oder Cholera, nur selten z.B. bei Salmonellose. Kein Einsatz von Antibiotika erfolgt bei einer E.coli-Infektion (Kontraindikation): Unter dem Antibiotikaeinfluss käme es zur vermehrten Bildung von Bakteriengiften, was die Krankheit verschlimmern würde.

Toxoplasmose ist eine parasitäre Krankheit und kann während der Schwangerschaft mit bestimmten Antibiotika sowie ergänzend mit Antiprotozoika wie z.B. Pyrimethamin behandelt werden. Der Einsatz von Antibiotika erfolgt allerdings nur bei erstmaligem Auftreten in der Schwangerschaft (Erstmanifestation).

Hinweis Ein Toxoplasmose-Screening findet während der Schwangerschaft im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen statt.

Mögliche Komplikationen

Bei bestimmten Personengruppen kann eine Lebensmittelinfektion auch zu Komplikationen bzw. schweren Verläufen führen. Gefährdet sind u.a. Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen sowie Menschen mit geschwächter Immunabwehr.

Eine mögliche schwere Komplikation unter einer (VTEC)-verotoxin-bildende-E.-coli-Infektion ist das hämolytisch-urämische-Syndrom (HUS). Dabei kann es zur Zerstörung von Blutgefäßen kommen, was zu Nierenversagen, Blutarmut und neurologischen Veränderungen führen kann. Abhängig von Ausmaß und Folgen der Lebensmittelinfektion bzw. -vergiftung, z.B. starke Dehydrierung, Gefahr von Komplikationen kann ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich sein.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Für Schwangere stellen insbesondere Listerien eine Gefährdung dar: Neben dem erhöhten Infektionsrisiko während der Schwangerschaft kann es zudem zu einer Übertragung von der Mutter auf das Kind kommen. Folge kann mitunter eine Fehlgeburt (Abort) sein. Erfolgt eine Infektion mit dem Toxoplasmoseerreger zum ersten Mal während der Schwangerschaft, kann dies zu Fehlbildungen des Ungeborenen, Früh- oder Fehlgeburten führen.

Mehr Informationen für die Schwangerschaft erhalten Sie in der Broschüre Schwangerschaft – Infektionen durch Nahrungsmittel vermeiden (AGES).

Wohin kann ich mich wenden?

Bei heftiger Entwicklung einer Lebensmittelvergiftung sollte unbedingt ein Notruf abgesetzt werden (Rettung 144). Informationen zum weiteren Vorgehen gibt auch die Notrufnummer der Vergiftungsinformationszentrale für Österreich (VIZ) +43 (0)1 406 43 43.

Zur Abklärung von Beschwerden können Sie sich zudem an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (Infektiologie, Gastroenterologie und Hepatologie) sowie
  • Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte sowie auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Bei einem ambulanten Aufenthalt (z.B. Infusion) erfolgt die Abrechnung über die E-card, die Patientin/der Patient hat keinen Kostenbeitrag zu leisten.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Notfall auf Reisen

Kommt es auf Reisen zu einem lebensmittelbedingten Erkrankungsfall, kann mitunter ein Besuch im Krankenhaus oder bei einer Ärztin/einem Arzt erforderlich sein.

Näheres dazu erfahren Sie unter Notfall im Ausland sowie unter Behandlung im EU-Ausland.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

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