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Mann hält Hände auf den Bauch © Dan Kosmayer

Divertikulose und Divertikulitis

Bei einer Divertikulose liegen zahlreiche Ausstülpungen der Darmwand, sogenannte Divertikel, vor. Dabei können sich alle Gewebsschichten der Darmwand an bestimmten Stellen nach außen stülpen. Diese werden auch als „echte“ Divertikel bezeichnet. Sind lediglich Teile der Darmwand betroffen – die Schleimhaut des Darms und/oder Gewebsschicht zwischen Schleimhaut und Muskelschicht –, spricht man auch von Pseudodivertikel. 

Grundsätzlich können Divertikel bei Hohlorganen im Körper (z.B. Harnblase oder in der Speiseröhre) vorkommen. Am häufigsten treten sie im linken Drittel des Dickdarms auf (Sigmadivertikulose). Hierbei handelt es sich meist um Pseudodivertikel, die oftmals an Stellen entstehen, an denen Blutgefäße zur Versorgung der Darmschleimhaut durchtreten. Eine Form der Divertikel, bei der sich alle Schichten der Darmwand ausstülpen, ist das Meckel-Divertikel im Dünndarm.

Divertikel können harmlos sein und machen oftmals keine Beschwerden. Es kann jedoch auch zu einer akuten bzw. wiederkehrenden Entzündung der Divertikel und der Umgebung kommen – zu einer Divertikulitis

Dickdarmdivertikel entzünden sich z.B. durch Stuhlreste, die sich in den  Ausstülpungen ansammeln und diese verstopfen, so dass es zur Vermehrung von Bakterien kommt oder zur Bildung von Kotstein, welcher die Darmwand reizt. In komplizierteren aber nicht allzu häufigen Fällen kann es zur Bildung von Abszessen und Fisteln oder zur Perforation („Platzen“) der Darmwand kommen. Breitet sich die Entzündung aus, kann dies lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen, wie Bauchfellentzündung oder Darmverschluss.

Welche Ursachen haben Divertikulose und Divertikulitis?

Die Ursachen für die Entstehung von Divertikeln und Entzündungen sind noch nicht restlos geklärt. Ein Zusammenhang mit der Häufung der Divertikulose besteht mit zunehmendem Alter – sowie mit Veränderungen des Stoffwechsels, der Nerven und/oder Störungen der Reizleitung sowie Störungen des Bewegungsvermögens des Darms. Auch genetische Komponenten spielen bei der Entstehung eine Rolle.

Zudem werden Lebensstilfaktoren hinsichtlich des Auftretens von Divertikulitis und Divertikulose untersucht. Dies bezieht sich beispielsweise auf den Zusammenhang der Beschwerden mit ballaststoffarmer Ernährung, Übergewicht, Rauchen sowie Alkoholkonsum. Die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. NSAIDs, Aspirin, Paracetamol, Corticosteroide, Opioide), verschiedene Erkrankungen, Immunsuppression  etc. dürfte im Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung und/oder Komplikationen stehen.

Welche Symptome können auftreten?

Divertikel im Darm müssen keine Beschwerden verursachen und können einen Zufallsbefund darstellen, etwa bei einer Vorsorgeuntersuchung oder im Rahmen einer Dickdarmspiegelung bei der Abklärung von Erkrankungen.

Bei Divertikulose können jedoch folgende Beschwerden auftreten:

  • Schmerzen im Bereich des Bauches (meist im linken Unterbauch),
  • unregelmäßiger Stuhlgang,
  • Verstopfung, Durchfall (können abwechselnd auftreten) sowie
  • Blähungen.

Symptome einer Divertikulitis sind u.a.:

  • Schmerzen (meist im Bereich des linken Unterbauchs),
  • Fieber sowie
  • eventuell erschwertes, schmerzhaftes Urinieren (Dysurie), vermehrtes Wasserlassen in der Nacht (Nykturie), meist in Verbindung mit Schmerzausstrahlung in den Unterbauch.

Blutungen können als Komplikation einer Divertikulitis auftreten (Blut beim Stuhlgang).

Eine Divertikulitis wird nach Schwere und Ausbreitung der Entzündung in Stadien eingeteilt. Die Divertikulose wird dabei als Stadium 0 bezeichnet. Es bestehen Divertikel, jedoch ohne Beschwerden. Weitere Stadien sind:

  • Stadium I (unkomplizierte Divertikulitis): die akute Entzündung betrifft die Darmwand.
  • Stadium II (komplizierte Divertikulitis): die akute Entzündung hat sich ausgebreitet. Je nachdem wie weit, wird in Stufen unterteilt (a-c). Im schwersten Fall kommt es zum Durchbruch des Darms und damit zu einer Notfallsituation! Eventuell muss sofort operiert werden.
  • Stadium III: die Divertikulitis ist chronisch rezidivierend – d.h. sie kehrt immer wieder.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Symptome einer Divertikulose oder Divertikulitis treten teils auch bei anderen Entzündungen bzw. Erkrankungen auf. Jedenfalls sollten diese frühzeitig ärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Der Diagnoseverdacht wird durch Anamnese (inkl. Lebensstil, Stuhlgang) und diverse Untersuchungen (z.B. Palpation, Perkussion und Auskultation des Bauches, Tastuntersuchung des Afters) abgeklärt.

Zur Abklärung einer Divertikulose werden zudem unter anderem vorgenommen:

  • Röntgenuntersuchung des Dickdarms mit Kontrasteinlauf (Irrigoskopie), wobei diese Untersuchung heute weitgehend durch die sog. CT-Colonographie ersetzt wird oder idealerweise eine  Darmspiegelung (Koloskopie) gemacht wird, so dass man gleichzeitig eine Vorsorge durchführen kann.

Als Komplikation kann bei Divertikulose eine Entzündung (Divertikulitis) auftreten. Zur Diagnose einer Divertikulitis werden unter anderem zusätzlich vorgenommen:

  • Bestimmung von Laborwerten (BSG, Serum-CRP, Urinuntersuchung),
  • CT des Bauchraumes, Ultraschall,
  • Koloskopie (Darmspiegelung), Irrigoskopie (Röntgenuntersuchung des Dickdarms) mit wasserlöslichem Kontrastmittel und/oder CT-Colonographie. Bei Kontrastmittelallergie (Jod) alternativ ein MRT.

Hinweis Symptome wie Bauchschmerz, Durchfall, Verstopfung etc. sind für Betroffene oft schwer einzuordnen. Bei bestimmten Symptomen (z.B. starken Schmerzen, rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes etc.) muss sofort ärztliche Hilfe gerufen werden (Notruf 144 oder 112)!

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Behandlung wird auf die individuelle Situation der Patientin/des Patient abgestimmt.

Machen Divertikel keine Beschwerden, müssen sie nicht unbedingt behandelt werden. Generell ist eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitsaufnahme, Verzicht auf Nikotin und ausreichend Bewegung empfehlenswert. Auch abhängig von ev. Medikamenteneinnahme sowie dem Lebensstil (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum) kann die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt Maßnahmen besprechen.

Im Zuge der Behandlung von Beschwerden einer Divertikulose wird u.a. ballaststoffreiche Ernährung empfohlen. Mittels – milden – Laxantien (Abführmitteln) kann eine Obstipation (Verstopfung) behandelt werden. Zudem können Spasmolytika (krampflösende, muskelentspannende Medikamente) eingesetzt werden.

Die Divertikulitis wird abhängig von den Beschwerden und der Schwere der Erkrankung behandelt. In leichteren Fällen können Medikamente ausreichen, in schweren Fällen oder bei wiederkehrender Divertikulitis sind zudem Krankenhausaufenthalt und gegebenenfalls eine Operation notwendig.

Zur Behandlung zählen daher u.a.:

  • Breitbandantibiotika,
  • Medikamente, die den Stuhl regulieren,
  • Endoskopie (Koloskopie) z.B. bei Blutungen zur Blutstillung
  • Operation (z.B. bei Abszess, Durchbruch, Darmverschluss, Fisteln und Blutungen, die durch andere Behandlungsformen nicht gestoppt werden können), ev. wird ein Teil des Darms entfernt,
  • intravenöse Medikamente, parenterale Ernährung, Nahrungskarenz bzw. Schonkost.

Bei immer wieder auftretenden Divertikulitiden kommen einerseits längerfristige medikamentöse Behandlungen in Betracht sowie auch eine Operation.

Zu vermeiden sind v.a. die sogenannte NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie sie sehr häufig als „Schmerzmedikamente“ eingesetzt werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechpersonen bei Symptomen die den Magen-Darm-Bereich betreffen, sind:

  • Hausärztin/Hausarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Interne Medizin (und ev. Zusatzqualifikation Gastroenterologie),
  • Fachärztin/Facharzt für allgemeine Chirurgie.

Die Beschwerden im Zuge von Divertikulose oder Divertikulitis sind für Betroffene oft nicht eindeutig zuordenbar. Diese können auch auf andere Probleme und Erkrankungen des Magen-Darm-Bereiches hindeuten. Bei entsprechend schweren Symptomen, z.B. starken Schmerzen, rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes, umgehend die Notärztin/den Notarzt verständigen (144 oder 112)! Auch wenn beispielsweise kein Stuhlgang mehr möglich ist etc., sollte rasch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Ein stationärer Aufenthalt (Krankenhausaufenthalt) kann notwendig sein.

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