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Älterer Mann nachdenklich, im Hintergrund Frau © WavebreakmediaMicro
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Depression: Formen & Verläufe

Das Wort Depression kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „niederdrücken“ bzw. „herabziehen“. Diese Erkrankungen äußern sich unter anderem durch Veränderungen der Stimmung (Affektivität), Interessen- und Antriebslosigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. Depressionen können in jedem Alter auftreten. Sie zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. 6,5 Prozent der erwachsenen österreichischen Bevölkerung leiden zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer depressiven Erkrankung.

Frauen sind laut Statistik häufiger betroffen als Männer. In Europa wird Depression als dritthäufigste Ursache für Krankheitslast angesehen. Den traurigen ersten Platz europaweit belegen depressive Erkrankungen bei Lebensjahren, die durch krankheitsbedingte Behinderung (z.B. Arbeitsunfähigkeit) verloren gehen. Psychische Erkrankungen sind zudem nach wie vor mit vielen Vorurteilen behaftet. Diese werden von Betroffenen oft als sehr belastend empfunden. 

Welche Formen und Verläufe von depressiven Störungen gibt es?

Die Depression ist eine Erkrankung, die sich unter anderem durch eine niedergedrückte Stimmungslage äußert. Weitere Symptome wie etwa das Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder sozialer Rückzug können sich zeigen. Es gibt verschiedene Formen der Depression, die sich vor allem durch Krankheitsdauer und Ausprägungsgrad unterscheiden. Die Depression ist eine ernsthafte Erkrankung und nicht einfach gleichzusetzen mit vorübergehender Traurigkeit oder Unlust.

Depressionen können einmalig oder wiederholt in Episoden auftreten. Es ist auch möglich, dass eine Depression saisonabhängig entsteht (beispielsweise in den Wintermonaten die sogenannte „Herbst-Winter-Depression“). Depression ist nicht gleich Depression. Diese Erkrankung existiert in unterschiedlichen Ausprägungen und Kategorien. Ein besonderer Risikofaktor stellt die erhöhte Suizidgefahr dar. Es ist wichtig, Warnsignale rechtzeitig zu erkennen und entsprechend Hilfe zu holen.

Depressionen unterliegen typischerweise einem sogenannten episodischen Verlauf. Krankheitsphasen wechseln sich mit symptomarmen oder –freien Phasen ab. Bleiben nach einer akuten Phase Restsymptome zurück, spricht man von Residualsymptomatik. Diese erhöht das Risiko von Rückfällen. Die verschiedenen Arten der Depression unterscheiden sich vor allem durch Ausprägungsgrad und Krankheitsdauer.

Depressive Episode

Eine depressive Episode äußert sich vor allem in gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freud- und Antriebslosigkeit. Sie kann leicht, mittelgradig oder schwer sein. Bei mittelgradigen und schweren Episoden können auch psychotische Symptome auftreten. Psychotische Symptome gehen mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einher (Wahnvorstellungen, Halluzinationen  etc.).

Rezidivierende gegenwärtige depressive Störung

Wenn zwei oder mehrere depressive Episoden aufgetreten sind, spricht man von einer rezidivierenden gegenwärtigen depressiven Störung. Auch hier gibt es eine Unterscheidung in leicht, mittelgradig und schwer (mit oder ohne psychotische Symptome).

Rezidivierende kurze depressive Störung (recurrent brief depression)

Darunter versteht man eine depressive Episode, die nur wenige Tage anhält, jedoch wiederkehrend, zumeist einmal pro Monat über mindestens ein Jahr auftritt.

SAD (seasonal affective disorder, „Winterdepression“)

Diese Form der Depression tritt im Spätherbst oder Winter auf und ist vor allem durch Energielosigkeit, großes Schlafbedürfnis, Gewichtszunahme und Stimmungsverschlechterung am Abend charakterisiert.

Anhaltende affektive Störung

Hierzu gehören die Zyklothymie und die Dysthymie. Die Dysthymie ist eine chronische, mindestens zwei Jahre andauernde depressive Verstimmung mit weniger starken Symptomen. Die Zyklothymie ist eine mindestens zwei Jahre andauernde Instabilität der Stimmung mit leichter ausgeprägten manischen und depressiven Phasen. Zwischendurch können „normale“ Stimmungsphasen vorhanden sein, aber auch fehlen. Entwickelt sich aus einer Dysthymie eine „echte“ depressive Episode/Störung, spricht man von einer doppelten Depression (Double Depression). Dysthymien entwickeln sich eher früh im Erwachsenenleben. Wenn sie in höherem Lebensalter auftreten, dann meist nach einer depressiven Episode oder einer größeren psychischen Belastung z.B. einem schweren Trauerfall.

Bipolare gegenwärtige affektive Störung

Bei dieser Störung wechseln depressive und manische Episoden einander ab. Die Betroffenen durchleben Phasen der Hochstimmung (Manie) und der Niedergeschlagenheit (Depression). Es kann aber auch sein, dass manische und depressive Symptome gleichzeitig vorhanden sind – dies wird als „gemischte Episode“ bezeichnet (z.B. Antriebsverlust bei gleichzeitig gehobener Stimmungslage). Bei der bipolaren Störung können auch Wahnvorstellungen und/oder Halluzinationen auftreten. Nähere Informationen erhalten Sie unter Bipolare Störung.

Atypische depressive Episode

Darüber hinaus gibt es auch noch die atypische depressive Episode. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass positives gefühlsmäßiges Reagieren erhalten bleibt. Bei dieser Art der Depression kommt es oft zu Gewichtszunahme, erhöhter Schlafneigung und Sensibilität (z.B. leicht kränkbar sein).

Eine depressive Episode, die länger als zwei Jahre ohne Besserung anhält, wird chronische Depression genannt.

Depressionen werden außerdem noch nach ihrem Entstehungsmechanismus eingeteilt. Man spricht von einer primären Depression, wenn diese von sich aus entsteht. Eine sekundäre Depression entwickelt sich hingegen als Folge eines medizinischen Krankheitsfaktors (z.B. bei Epilepsie) oder einer anderen psychischen Erkrankung – auch z.B. ein Burnout-Syndrom kann in eine Depression münden.

Welche Rolle spielen psychische Belastungen und Traumata?

Treten akute schwere Belastungen oder Traumata auf, wirkt sich dies auch oftmals stark auf die Psyche aus. Dadurch kann es zu folgenden Erkrankungen kommen, bei denen depressive Anteile eine große Rolle spielen:

Achtung – Suizidgefahr!

Depressive Patientinnen und Patienten haben im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ein wesentlich höheres Risiko, sich das Leben zu nehmen.

Anzeichen einer Suizidgefährdung können z.B. sein:

  • direkte oder indirekte Ankündigung von Suizid,
  • Suizidgedanken und Suizidhandlungen,
  • leichtfertiges bzw. selbstschädigendes Verhalten,
  • schwere Depression,
  • Rückzug und Resignation,
  • akute Krise – psychosoziale oder traumatische Krise sowie
  • starke Ängste.

Hinweis Spricht jemand von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen und sofort eine Ärztin/ein Arzt zu konsultieren. Die/der Betroffene darf in dieser Situation keinesfalls alleine gelassen werden.

Nähere Informationen zum Thema Suizid sowie Anlaufstellen und Notrufnummern finden Sie auf dem Österreichischen Suizidpräventionsportal

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