Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Vor einer Mauer stehen © Bits and Splits

Depression: Typisch weiblich? Typisch männlich?

Frauen sind häufiger von depressiven Erkrankungen betroffen, Männer verüben jedoch öfter Suizid. Wie sich Risikofaktoren und Symptome unterscheiden und welche Rolle gesellschaftliche Einflüsse spielen können, erfahren Sie hier . . .

Frauen: Häufigere Diagnose der Depression

Laut Gesundheitsstatistiken werden bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern Depressionen diagnostiziert. Werden diese Daten etwa nach Personenstand und Berufstätigkeit unter die Lupe genommen, zeigt sich folgendes Bild: Es sind nicht generell die Frauen schlechthin, sondern vor allem jene in speziellen Lebenslagen (Doppelbelastungen, Gewalterfahrungen etc.) betroffen. Depressive Verstimmungen können bei Frauen auch im Rahmen des sogenannten prämenstruellen Syndroms, nach der Geburt und rund um die Wechseljahre auftreten. Doch es ist nicht endgültig geklärt, ob dabei die Hormone die Hauptrolle spielen und inwieweit die Lebensumstände daran beteiligt sind. So liefern epidemiologische Daten etwa keinen Hinweis darauf, dass das Neuauftreten einer Depression in Zusammenhang mit der Menopause erhöht ist.  

Vor allem Frauen mit Doppel- und Dreifachbelastungen (Kleinkinder, Berufstätigkeit, Haushalt etc.) leiden unter hohem Stress und haben ein erhöhtes Depressionsrisiko. Nicht nur durch die Situation an sich (z.B. Mehrfachbelastungen durch Familie/Partnerschaft/Job), sondern auch durch Druck, der immer wieder durch nahestehende Personen auf sie ausgeübt wird (z.B. durch „gut gemeinte“ Ratschläge). Frauen sind zudem häufiger Gewaltopfer. Traumatische Erfahrungen durch Gewalt begünstigen seelische Erkrankungen wie eine Depression. Während Männer eher zu Alkohol zur „Depressionsbewältigung“ greifen, sind Frauen gefährdet, sich an Beruhigungsmittel zu gewöhnen.

Männer: Höhere Suizidrate

Bei Männern können sich Depressionen anders als bei Frauen zeigen. Depressive Männer sind eher gereizt oder neigen zu Aggressionen – gegen sich oder andere Menschen. Auch die Flucht in Drogen und Alkohol ist beim männlichen Geschlecht häufiger. Männern fällt es zudem eher schwer, über seelische Probleme zu sprechen, meist aus gesellschaftlichen Erwartungen heraus. Allerdings zeigt sich neuerdings eine Tendenz, dass auch Männer vermehrt fachliche Unterstützung suchen.

Männer nehmen sich häufiger das Leben als Frauen. Depressionen sind ein Hauptrisikofaktor für Suizid. Nähere Informationen finden Sie unter Suizidprävention.

Es wird diskutiert, ob vor allem mit zunehmendem Alter ein Testosteronmangel das Depressionsrisiko erhöhen kann. Verheiratete Männer sind seltener depressiv, auch das Suizidrisiko ist geringer als bei Junggesellen. Dieser Ehe-Faktor scheint bei Frauen eine geringere Rolle zu spielen.

Stereotype: Frauen sind hilfsbereit, Männer tapfer?

Sogenannte gender belief systems bezeichnen Sterotype, die typisch weibliche bzw. männliche Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften definieren. Sie sind vor allem als ein Produkt der Gesellschaft, die jene Eigenschaften zuschreibt und deren Entwicklung beeinflusst, zu sehen.

Typisch weibliche Stereotype:

  • Mitgefühl

  • Gefühlsausdruck

  • Hilfsbereitschaft

  • Sanftheit

  • Passivität etc.

Typisch männliche Stereotype:

  • Selbstsicherheit

  • Unabhängigkeit

  • Tapferkeit

  • Willensstärke

  • Entscheidungsstärke etc.

Diese stereotypen Ansichten können unter anderem dazu führen, dass Männer Schwierigkeiten haben, sich bei seelischen Erkrankungen wie Depressionen Hilfe zu suchen, oder Frauen eventuell eher psychische Beschwerden zugeordnet werden. Es wird auch diskutiert, inwiefern diese Stereotype auch die Depressionsdiagnostik beeinflussen. 

Hinweis Diese Stereotypen dienen lediglich der Veranschaulichung. Sowohl Frauen als auch Männer weisen diese Eigenschaften individuell ausgeprägt auf.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse