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Spritzenbesteck von Drogenabhängigen © Infintiy

Hepatitis C: Übertragung & Vorbeugung

Hepatitis C ist eine meldepflichtige, infektiöse Viruserkrankung der Leber, von der weltweit schätzungsweise rund 170 Millionen Menschen betroffen sind. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1989 ist es zu einer enormen Wissenszunahme bezüglich Übertragung, Diagnostik und Vorsorge der Hepatitis-C-Virusinfektion gekommen. Auch in der Therapie konnten in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte erzielt werden. In Österreich wird eine Virusträgeranzahl von ca. 80.000 Personen angenommen . . .

Hepatitis-C-Genotypen

Die Antikörperprävalenz in der Allgemeinbevölkerung (Menschen mit positivem Antikörpernachweis, die bereits mit dem Hepatitis-C-Virus in Kontakt gekommen sind und dagegen Antikörper gebildet haben) beträgt in

  • Mitteleuropa 0,5 Prozent,
  • Skandinavien 0,3 Prozent,
  • Norditalien zwei Prozent,
  • Süditalien bis 13 Prozent und
  • in Ägypten bis 28 Prozent.

Derzeit sind sieben Hepatitis-C-Genotypen (bezeichnet mit den Ziffern 1 bis 7) bekannt, die sich durch ihre Hüllenproteine unterscheiden. Diese Genotypen werden wiederum in zahlreiche Subtypen (bezeichnet mit den Buchstaben a, b, c usw.) untergliedert.

Die einzelnen Genotypen unterscheiden sich durch folgende Faktoren:

  • Geographische Verteilung: In Österreich sind die Genotypen 1a und 1b am häufigsten (zirka 70 Prozent), gefolgt vom Genotyp 3, während in Nord- und Zentralafrika z.B. der Genotyp 4 und in Vietnam sowie Thailand der Genotyp 6 vorherrschend sind.
  • Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen in Österreich: Der Genotyp 3a findet sich vorwiegend bei jüngeren Patienten und bei intravenös Drogenabhängigen. In der Altersgruppe ab 50 Jahren wird dieser Genotyp selten festgestellt. Der Genotyp 1 dagegen, der mit zirka 70 Prozent den größten Anteil der HCV-Infektionen in Deutschland und den USA ausmacht, findet sich vor allem bei älteren Patienten, die sich über Bluttransfusion infiziert haben.
  • Erfolgsaussichten bei der antiviralen Therapie: Mit der inzwischen veralteten Kombinationstherapie aus Peginterferon und Ribavirin konnten von den Patientinnen/Patienten mit den Genotypen 2 und 3 zwischen 80 und 90 Prozent geheilt werden. Bei dem schwerer behandelbaren Genotyp 1 lagen die durchschnittlichen Heilungsraten bei knapp über 50 Prozent. Während der vergangenen Jahre wurden jedoch neue Medikamente entwickelt, welche die Vermehrung des Hepatitis-C-Virus hemmen. Damit können praktisch alle Patientinnen/Patienten ohne relevante Nebenwirkungen geheilt werden.

Hinweis In ca. 55 bis 80 Prozent der Fälle geht die akute Hepatitis C – die meist ohne Symptome verläuft –, in eine chronische Hepatitis C über.

Bei Kindern und jungen Erwachsenen kommt es in der Akutphase der Erkrankung in ca. 40 bis 45 Prozent zu einer Spontanheilung. Nur zwei bis vier Prozent entwickeln nach rund 20-jähriger Infektionsdauer eine Leberzirrhose. Bei älteren Patientinnen/Patienten gelingt es hingegen nur in ca. 20 Prozent der Fälle, das Virus in der Frühphase der Infektion zu eliminieren. Nach rund 20 Jahren kommt es bei diesen Patientinnen/Patienten in 20 bis 30 Prozent der Fälle zu einer Leberzirrhose. Patientinnen/Patienten mit HCV-induzierter Leberzirrhose haben ein hohes Risiko für ein Leberzellkarzinom.

Übertragungsweg

Das Hepatitis-C-Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Damit eine Ansteckung erfolgen kann, müssen die Viren direkt in die Blutbahn gelangen. Das Virus kann über Wunden oder offene Schleimhäute eindringen. Vor der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus und der damit verbundenen fehlenden Nachweisbarkeit waren Bluttransfusionen der Hauptinfektionsweg. Patientinnen/Patienten mit Hämophilie („Bluter“) hatten damals ein besonders hohes Risiko. Da heute alle Blutprodukte auf Hepatitis C untersucht werden, ist dieser Infektionsweg in Ländern mit gut funktionierendem Gesundheitswesen praktisch auszuschließen: Gegenwärtig wird das Risiko, durch eine Bluttransfusion mit Hepatitis C infiziert zu werden, mit 1:1,5 Millionen angegeben.

Mögliche Infektionswege:

  • Needle sharing (gemeinsames Benützen von verunreinigten, infizierten Injektionsnadeln, Spritzen, Filter und Löffel unter Drogenkonsumentinnen und Drogenkonsumenten oder gemeinsames Benützen des „Röhrchens“ – zusammengerolltes Papier oder Geldschein – zum Kokain-Schnupfen über die Nase).
  • Sexuelle Übertragung (sehr selten): Liegt keine der nachfolgenden Risikosituationen vor, wird seitens medizinischer Fachgesellschaften, keine allgemeine Empfehlung für Safer Sex (Kondom) beim Geschlechtsverkehr mit HCV-Infizierten ausgesprochen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern, vor allem zum Zeitpunkt der Monatsblutung, sowie bei der Ausübung traumatischer Sexualpraktiken (ungeschützter Analverkehr, Sadomasochismus).
  • Übertragung bei der Geburt: Das Infektionsrisiko eines Neugeborenen mit HCV-infizierter Mutter beträgt drei bis fünf Prozent. Bei gleichzeitigem Vorliegen einer HIV-Infektion der Mutter ist das Übertragungsrisiko für das Kind deutlich höher.
  • Personen, die beruflich mit Blut anderer Menschen in Kontakt kommen können (z.B. medizinisches Personal), haben ein erhöhtes Risiko. Das Nadelstichverletzungsrisiko beträgt 0,1 bis 0,5 Prozent.
  • Unhygienisch durchgeführte Tätowierungen, Piercings und Akupunktur.
  • Gemeinsames Benutzen von Nagelscheren, -clips, Zahnbürsten, Rasierapparaten,
    -messer und ähnlicher Hygieneartikel, auch Nasensprays.
  • Küssen, aber nur bei Zahnfleischblutungen (Parodontose).
  • Nosokomiale Übertragung (extrem selten): Ansteckung durch infiziertes, medizinisches Personal, z.B. Chirurginnen/Chirurgen.

Vorbeugung

Hepatitis-C-Infizierte sind von Blut-, Samen- und Organspenden ausgeschlossen. Hygieneartikel wie Rasierklingen, Nagelscheren und Zahnbürsten sollen von den Betroffenen nur alleine benutzt werden. Die verwendete Wäsche muss nicht desinfiziert werden. Gemeinsamer Gebrauch von Gläsern, Geschirr, Besteck und Handtüchern ist ungefährlich. Partnerinnen und Partner von HCV-Infizierten sollten eine Laboruntersuchung auf HCV durchführen lassen.

Eine Änderung der Sexualpraktiken ist bei stabilen Langzeitpartnerschaften nicht nötig. Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnerinnen/Sexualpartnern wird die Verwendung von Kondomen empfohlen. Bei HCV-infizierten Frauen ist ein Kinderwunsch keinesfalls ausgeschlossen. Die Entbindung kann normal erfolgen. HCV-positive Mütter können ihre Kinder stillen. Generell ist es Patientinnen/Patienten mit Hepatitis C möglich, ein normales soziales Leben zu führen.

Hinweis HCV-positive Drogenkonsumentinnen/Drogenkonsumenten sollten keinesfalls „needle sharing“ betreiben!

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