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Spritzenbesteck von Drogenabhängigen © Infintiy
Spritzenbesteck von Drogenabhängigen © Infintiy

Hepatitis C: Übertragung & Vorbeugung

Hepatitis C ist eine meldepflichtige, infektiöse Viruserkrankung der Leber. Weltweit sind schätzungsweise rund 71 Millionen Menschen von der chronischen Verlaufsform betroffen. Seit der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus (HCV) im Jahr 1989 ist es zu einer enormen Wissenszunahme bezüglich Übertragung, Diagnostik und Vorsorge der Hepatitis-C-Virusinfektion gekommen. Auch in der Therapie konnten in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte erzielt werden. In Österreich wird eine Virusträgeranzahl von ca. 26.000 Personen angenommen.

Der häufigste Übertragungsweg in Österreich ist der sogenannte intravenöse (i.v.) Drogenkonsum. Es werden dabei Suchtmittel (z.B. Heroin) mit Spritzen in den Blutkreislauf injiziert. Spritzen werden dabei häufig von mehreren Personen benutzt („Needle Sharing“). Auf diesem Weg können auch Hepatitis-C-Viren von einer infizierten Person auf andere übertragen werden.

Verbreitung der Hepatitis C in Europa

Anteil der Einwohner ausgewählter Staaten, die bereits mit dem Hepatitis-C-Virus in Kontakt gekommen sind und dagegen Antikörper gebildet haben (positiver Antikörpernachweis):

  • Irland: 0,1 Prozent,
  • Österreich: 0,3 Prozent,
  • Europa durchschnittlich: 1,5 Prozent,
  • östlicher Mittelmeerraum: 2,3 Prozent,
  • Italien: fünf Prozent (die meisten Erkrankten leben im Süden Italiens).

Weltweite Verbreitung der Hepatitis-C-Genotypen

Genotypen sind „Virusgruppen“, die sich durch kleine Veränderungen in der Erbsubstanz unterscheiden. Derzeit sind sieben Hepatitis-C-Genotypen (bezeichnet mit den Ziffern 1 bis 7) bekannt, die sich durch den Aufbau ihrer Hüllen (verschiedene Hüllenproteine) unterscheiden. Diese Genotypen werden wiederum in zahlreiche Subtypen (bezeichnet mit den Buchstaben a, b, c usw.) untergliedert.

Die einzelnen Genotypen unterscheiden sich durch folgende Faktoren:

  • Geografische Verteilung: In Österreich sind die Genotypen 1a und 1b am häufigsten, gefolgt vom Genotyp 3, während in Nord- und Zentralafrika z.B. der Genotyp 4 und in Vietnam sowie Thailand der Genotyp 6 vorherrschend sind.
  • Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen in Österreich: Der Genotyp 3a findet sich vorwiegend bei jüngeren Patientinnen/Patienten und bei i.v.  Drogenkonsumentinnen/-konsumenten. In der Altersgruppe ab 50 Jahren wird dieser Genotyp derzeit selten festgestellt. Der Genotyp 1 macht in Europa dagegen den größten Anteil der HCV-Infektionen aus und findet sich vor allem bei älteren Patientinnen/Patienten, die sich über Bluttransfusion infiziert haben.
  • Wahl der antiviralen Therapie: Die verschiedenen Genotypen sprechen unterschiedlich auf die Therapie mit manchen Hepatitis-C-Medikamenten an. Daher kann unter bestimmten Umständen (z.B. Unwirksamkeit einer vorhergehenden Hepatitis-C-Therapie) vor der Therapie der Genotyp bestimmt werden, um das passende Medikament für den vorliegenden Genotyp auswählen zu können.

Wie wird die Hepatitis C übertragen?

Das Hepatitis-C-Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Damit eine Ansteckung erfolgen kann, müssen die Viren direkt in die Blutbahn gelangen. Das Virus kann über Wunden von Haut oder Schleimhäuten eindringen. Vor der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus und der damit verbundenen fehlenden Nachweisbarkeit waren Bluttransfusionen der Hauptinfektionsweg. Patientinnen/Patienten mit Hämophilie („Bluterinnen/Bluter“) hatten damals ein besonders hohes Risiko. Da heute alle Blutprodukte auf Hepatitis-C-Viren untersucht werden, ist dieser Infektionsweg in Ländern mit gut funktionierendem Gesundheitswesen praktisch auszuschließen.

Hinweis Bei 20 bis 30 Prozent der Hepatitis-C-Infektionen ist der Übertragungsweg ungewiss.

Mögliche Infektionswege

  • „Needle Sharing“ (gemeinsames Benützen von verunreinigten, infizierten Injektionsnadeln, Spritzen, Filtern und Löffeln unter Drogenkonsumentinnen und Drogenkonsumenten oder gemeinsames Benützen des „Röhrchens“ – zusammengerolltes Papier oder Geldschein – zum Kokain-Schnupfen über die Nase).
  • Sexuelle Übertragung (sehr selten): Liegt keine der nachfolgenden Risikosituationen vor, wird seitens medizinischer Fachgesellschaften keine allgemeine Empfehlung für Safer Sex (Kondom) beim Geschlechtsverkehr mit HCV-Infizierten ausgesprochen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern, vor allem zum Zeitpunkt der Monatsblutung, sowie bei der Ausübung traumatischer Sexualpraktiken (ungeschützter Analverkehr, Sadomasochismus).
  • Übertragung zwischen Mutter und Kind: Das Infektionsrisiko eines Neugeborenen mit HCV-infizierter Mutter bei der Geburt beträgt zwischen fünf und sechs Prozent. Bei gleichzeitigem Vorliegen einer HIV-Infektion der Mutter liegt das Übertragungsrisiko bei zehn Prozent. Sehr seltene/ungewisse Übertragungswege: Auch während der Schwangerschaft ist eine Übertragung über den Mutterkuchen (Plazenta) prinzipiell möglich. Beim Stillen kann eventuell eine Übertragung von HCV stattfinden, wenn die Brustwarze wund ist und bei der Mutter eine hohe Viruslast vorliegt.
  • Personen, die beruflich mit Blut anderer Menschen in Kontakt kommen können (z.B. medizinisches Personal), haben ein erhöhtes Risiko. Das Infektionsrisiko bei einer Nadelstichverletzung beträgt allgemein unter einem Prozent.
  • Unhygienisch durchgeführte Tätowierungen, Piercings und Akupunktur.
  • Gemeinsames Benutzen von Nagelscheren, -clips, Zahnbürsten, Rasierapparaten,
    -messern und ähnlichen Hygieneartikeln, auch Nasensprays.
  • Küssen, aber nur bei Blutungen (z.B. Zahnfleischblutungen bei Parodontitis).
  • Nosokomiale Übertragung (extrem selten): Ansteckung in Gesundheitseinrichtungen (z.B. Krankenhaus, Zahnarztpraxis) u.a. durch infiziertes, medizinisches Personal, Geräte oder Blutprodukte.

Wie Sie einer Hepatitis-C-Infektion vorbeugen können?

HCV-positive Drogenkonsumentinnen/Drogenkonsumenten sollten keinesfalls „Needle Sharing“ betreiben. Hygieneartikel wie Rasierklingen, Nagelscheren und Zahnbürsten sollen von den Betroffenen nur alleine benutzt werden. Die verwendete Wäsche muss nicht desinfiziert werden. Gemeinsamer Gebrauch von Gläsern, Geschirr, Besteck und Handtüchern ist ungefährlich.

Partnerinnen und Partner von HCV-Infizierten sollten eine Laboruntersuchung auf HCV durchführen lassen. Eine Änderung der Sexualpraktiken ist bei stabilen Langzeitpartnerschaften nicht nötig. Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnerinnen/Sexualpartnern wird die Verwendung von Kondomen empfohlen. Bei HCV-infizierten Frauen ist ein Kinderwunsch keinesfalls ausgeschlossen. Die Entbindung kann normal erfolgen. HCV-positive Mütter können ihre Kinder stillen. Bei einer Verletzung oder Entzündung einer Brustwarze sollte jedoch mit der betroffenen Brust nicht gestillt werden. Generell ist es Patientinnen/Patienten mit Hepatitis C möglich, ein normales soziales Leben zu führen.

Bei einem möglichen Kontakt mit fremdem Blut oder anderen infektiösen Körperflüssigkeiten – z.B. beruflich bedingt oder bei Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Unfall – sollten zum Eigenschutz vor einer Hepatitis-C-Infektion Einmalhandschuhe getragen werden. Um weitere Personen vor einer Infektion zu schützen, müssen diese nach einem Kontakt mit Blut gewechselt werden, bevor eine andere Person berührt wird. 

Hinweis Es gibt bislang keine Impfung gegen Hepatitis C. Die hohe Mutationsrate (Veränderung des Erbguts des Virus) macht die Entwicklung eines Impfstoffes schwierig.

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