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Symbolbild Lymphozyt © Design Cells

Lymphome: Was ist das?

Lymphom im eigentlichen Sinn bedeutet „Lymphknotenschwellung“. Dahinter kann ein harmloser Infekt bzw. entzündlicher Prozess oder aber eine bösartige Erkrankung stecken. Im täglichen Sprachgebrauch wird der Begriff Lymphom hauptsächlich für Letzteres verwendet: Man versteht darunter eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems.

Lymphome gehen von krankhaft veränderten Lymphozyten aus, einer Form der weißen Blutkörperchen. Sie können sich an verschiedenen Stellen des Körpers ansiedeln und Beschwerden verursachen. Lymphome sind keine einheitlichen Krankheitsbilder, man unterscheidet rund 100 verschiedene Unterformen mit teils sehr unterschiedlichem Verlauf.  

Lymphome sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen (wie z.B. Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs) selten. Sie können in jedem Lebensalter auftreten, finden sich aber vorwiegend im (höheren) Erwachsenenalter. Bei Kindern verläuft die Erkrankung teilweise anders, und auch die Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich; die vorliegenden Informationen beziehen sich rein auf Lymphome im Erwachsenenalter.

Was ist das lymphatische System?

Das lymphatische System (Lymphsystem) ist Teil des körpereigenen Abwehrsystems. Es besteht aus den Lymphbahnen sowie Organen, die lymphatisches Gewebe enthalten. Dazu gehören die Lymphknoten, auch im Knochenmark, in der Milz, im Magen-Darm-Trakt und im Rachen findet sich lymphatisches Gewebe.

Die Lymphbahnen verlaufen parallel zu den Blutgefäßen durch den ganzen Körper. Sie nehmen die sogenannte Lymphe aus den Zellzwischenräumen auf und transportieren darin Abfallprodukte des Stoffwechsels sowie Fremdkörper, Krankheitserreger und abgestorbene Zellen zum Venensystem.

Auf diesem Weg durchfließt die Lymphe auch die Lymphknoten. Dort werden schädliche Stoffe herausgefiltert und bekämpft. Diese Aufgabe übernehmen die sogenannten Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen.

Lymphozyten

Lymphozyten werden – wie alle Blutzellen – zum größten Teil im Knochenmark gebildet. Durch komplexe Teilungs- und Reifungsschritte entstehen aus einer gemeinsamen Stammzelle die verschiedenen Arten der Blutzellen, so auch die Lymphozyten. Sie entwickeln sich weiter zu B-Zellen, T-Zellen und natürlichen Killerzellen. Die ausgereiften Lymphozyten lagern sich in lymphatischem Gewebe an und haben die Aufgabe, Krankheitserreger zu bekämpfen, Antikörper zu bilden und Immunreaktionen in Gang zu setzen.

Alle Blutzellen haben nur eine begrenzte Lebensdauer und müssen ständig nachgebildet werden. Normalerweise besteht dabei ein natürliches Gleichgewicht, d.h., es werden genauso viele neue Blutzellen produziert, wie benötigt werden. Die Abläufe der Blutbildung werden durch verschiedene komplexe Regelkreise kontrolliert und gesteuert.

Wie entsteht ein Lymphom?

Bei einem Lymphom sind diese Regelkreise gestört: Die Bildung der Lymphozyten läuft unkontrolliert ab, die Reifungsprozesse werden nicht (vollständig) durchgemacht. Es entsteht ein Überschuss krankhafter Blutzellen, die ihre eigentliche Funktion nicht erfüllen können.

Je nachdem welcher Reifungsschritt der Lymphozyten unterbrochen ist, entstehen unterschiedliche krankhafte Zellen. Sie sammeln sich in den Lymphknoten und in anderem lymphatischen Gewebe an. Gleichzeitig werden zu wenig reife, funktionstüchtige Blutzellen gebildet, was insgesamt zu den verschiedenen Krankheitssymptomen führt.

Die Ursache für die unkontrollierten Zellteilungen sind Veränderungen in der DNA (Mutationen). Wie es zu diesen Mutationen kommt, ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass z.B. genetische Faktoren, zunehmendes Lebensalter, eine dauerhafte Schwächung des Immunsystems, chronische Infektionen, Rauchen oder bestimmte Autoimmunerkrankungen Risikofaktoren darstellen können. In vielen Fällen lässt sich jedoch keiner dieser Umstände nachweisen, und die Mutationen treten zufällig im Laufe des Lebens auf.

Welche Formen von Lymphomen gibt es?

Alle Lymphome gehen von veränderten Lymphozyten aus. Die Einteilung in verschiedene Lymphomformen orientiert sich u.a. am Zelltyp, an speziellen Genveränderungen sowie an molekularbiologischen Eigenschaften und Oberflächenmerkmalen der Zellen. Heute kennt man rund 100 verschiedene Unterarten an Lymphomen, die teilweise mit sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen einhergehen.

Grob unterscheidet man:

  • Hodgkin-Lymphome (Morbus Hodgkin, Lymphogranulomatose): Diese Art der Lymphome entsteht aus Vorläuferzellen der B-Lymphozyten; sie machen etwa zehn Prozent aller Lymphome aus. Unter dem Mikroskop finden sich für die Erkrankung charakteristische Riesenzellen mit mehreren Zellkernen (Sternberg-Reed-Riesenzellen). Hodgkin-Lymphome können in jedem Lebensalter auftreten, die Erkrankungsgipfel liegen um das 30. sowie um das 70. Lebensjahr. Pro Jahr erkranken zwei bis vier Personen pro 100.000 Einwohnern.

  • Non-Hodgkin-Lymphome: Dazu werden – wie der Name sagt – alle Lymphome gezählt, die nicht die typischen Merkmale der Hodgkin-Lymphome aufweisen. Diese Gruppe an Lymphomen umfasst eine Vielzahl teilweise sehr unterschiedlicher Erkrankungen. Sie treten gehäuft in höherem Alter auf (Gipfel um das 70. Lebensjahr), pro Jahr gibt es fünf bis zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Grob unterteilt man die Non-Hodgkin-Lymphome weiter in:
    • B-Zell-Lymphome: Sie entwickeln sich aus Vorstufen der B-Lymphozyten und machen rund 80 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome aus. In diese Gruppe fallen u.a. das Multiple Myelom und die CLL (s. unten).
    • T-Zell-Lymphome entwickeln sich aus Vorläufern der T-Lymphozyten.

Die einzelnen Non-Hodgkin-Lymphome unterscheiden sich teilweise deutlich im klinischen Verlauf. Einige Lymphome wachsen nur sehr langsam und werden als indolent oder niedrig-maligne bezeichnet; sie machen rund 70 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome aus. 30 Prozent der Non-Hodgkin-Lymphome weisen ein schnelles Wachstum (aggressive Lymphome) oder sogar ein sehr schnelles Wachstum auf (sehr aggressive Formen).

Beispiele für Non-Hodgkin-Lymphome

Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom ist das häufigste aller Non-Hodgkin-Lymphome und wird zu den aggressiven Formen gezählt. Dabei sammeln sich krankhaft veränderte Lymphozyten in einem Lymphknoten an und vermehren sich ungebremst. Die Symptome sind – wie bei vielen anderen Lymphomformen auch – zunächst eher unspezifisch (Lymphknotenschwellung, Abgeschlagenheit, Infektneigung etc.). Innerhalb relativ kurzer Zeit können sich die krankhaften Zellen über Lymph- und Blutbahnen im Körper ausbreiten, und der Gesundheitszustand verschlechtert sich. Ohne entsprechende Behandlung kann das diffus großzellige B-Zell-Lymphom rasch lebensbedrohlich werden.

Follikuläres Lymphom

Das Follikuläre Lymphom ist das häufigste niedrig maligne Lymphom und macht etwa 25 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome aus. Es gehört zu den B-Zell-Lymphomen, das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 60 und 65 Jahren. Meist besteht als einziges Symptom eine Lymphknotenschwellung, die nur langsam voranschreitet und lange Zeit keine weiteren Beschwerden hervorruft. In sehr fortgeschrittenem Stadium kann der Krankheitsverlauf eine aggressive Form annehmen und zu einer raschen Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen.

Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL)

Trotz der Bezeichnung Leukämie wird die CLL zu den Lymphomen gezählt, denn die Erkrankung geht mit einer übermäßig hohen Anzahl an Lymphozyten (B-Zellen) einher. Diese finden sich einerseits im Blut (wie bei einer Leukämie), sie siedeln sich zudem aber auch in den Lymphknoten an.

Die CLL gehört zu den häufigsten Formen der Lymphome im Erwachsenenalter (20 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome). Sie tritt ab einem Alter von 50 Jahren auf. Erste Anzeichen sind häufig Lymphknotenschwellungen sowie eine Vergrößerung von Milz und Leber. Die Erkrankung kann über Jahre bestehen, ohne wesentliche Beschwerden zu machen. Die Diagnose wird in vielen Fällen zufällig gestellt. Die CLL zählt zu den niedrig malignen Lymphomformen.

Multiples Myelom/Plasmozytom

Auch das Multiple Myelom ist ein niedrig-malignes Non-Hodgkin-Lymphom. Es ist insgesamt selten, zählt aber zu den häufigsten Krebserkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems.

Das Multiple Myelom tritt nicht in den Lymphknoten, sondern vor allem in den Knochen auf. Es entwickelt sich aus krankhaften Plasmazellen (einer Unterart der B-Zellen). Diese sammeln sich im Knochenmark, dem Ort der Blutbildung, an und produzieren fehlerhafte Antikörper bzw. Antikörperbruchstücke. Die Plasmazellansammlungen finden sich typischerweise an mehreren Stellen im Knochenmark. Ein einzelner Tumor aus Plasmazellen wird hingegen als Plasmozytom bezeichnet.

Zusätzlich zu den möglichen Allgemeinsymptomen eines Lymphoms treten bei einem Multiplen Myelom und einem Plasmozytom häufig Knochenschmerzen (z.B. in Wirbelsäule, Beckenknochen und Rippen) sowie eine Schwächung der Knochenstruktur mit erhöhter Bruchneigung (Osteoporose) auf. Der Kalziumspiegel im Blut ist durch den Knochenabbau erhöht. Die Überzahl an Antikörpern kann weiters zu Durchblutungsstörungen und Nierenversagen führen.

Hautlymphome (kutane T-Zell-Lymphome)

Einige Lymphome entwickeln sich vorwiegend in der Haut, man spricht dann von Hautlymphomen oder kutanen Lymphomen. Die krankhaften Zellen siedeln sich in der Haut an und bleiben zunächst auch darauf beschränkt. Im weiteren Verlauf können sie sich auf die Lymphknoten und weiter im Körper ausbreiten.

Innerhalb der Hautlymphome gibt es verschiedene Formen (B-Zell- und T-Zell-Lymphome, niedrig maligne und aggressive Formen etc.), die sich in der Symptomatik und im Verlauf unterscheiden können. Typisches Merkmal von Hautlymphomen im Allgemeinen sind Hautveränderungen, die bei anderen Lymphomformen nicht auftreten: sie können von Rötung über Schuppung oder Krustenbildung bis hin zu dunklen, knotigen Veränderungen reichen. Auch Juckreiz tritt häufig auf.

MALT-Lymphome

Lymphome können auch in lymphatischem Gewebe der Schleimhäute entstehen, sie werden dann als MALT-Lymphome (Mukosa-assoziiertes lymphatisches Gewebe) bezeichnet. Am häufigsten findet sich diese Lymphomform im Magen, sie kann aber auch in den Speicheldrüsen, dem Darm, den Augen oder der Lunge vorkommen.

MALT-Lymphome wachsen meist langsam und machen kaum Beschwerden. Mögliche Symptome bei einem Befall der Magenschleimhaut sind z.B. Magenschmerzen, Sodbrennen, Völlegefühl und Gewichtsverlust. Bezüglich der Entstehung ist ein Zusammenhang mit Helicobacter-pylori-Infektionen bekannt. MALT-Lymphome sind insgesamt selten, sie machen nur rund sieben Prozent aller Lymphomerkrankungen aus.

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