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Einseitiger Rückenschmerz © corbis_infinite

ISG-Blockade (Iliosakralgelenk)

Ist das ISG-Gelenk (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, Iliosakralgelenk, kurz: ISG) in seinem Gelenkspiel (Mobilität) eingeschränkt, kann dies Schmerzen hervorrufen. Man geht davon aus, dass bei dieser Blockade die Gelenkflächen verkanten bzw. die Stellung der Gelenksflächen zueinander nicht richtig sitzt. Bekannt ist die ISG-Blockade auch unter den Begriffen ISG-Syndrom, Kreuzbein-Darmbein-Blockade oder SIG-Blockade (Sakroiliakalgelenk) . . .

Charakteristisch treten die häufig als Rückenschmerz beschriebenen Beschwerden einseitig auf. Meist ist der Schmerzursprung über dem Gesäß, er kann aber auch am seitlichen Becken und/oder in der Leistengegend beginnen und bis in die Oberschenkelrückseite oder zum Knie ausstrahlen. Oft werden Schmerzen im Sitzen beschrieben. Häufig klagen auch (Hobby-)Sportlerinnen/Sportler über Beschwerden.

Folgende Symptome sind charakteristisch für eine Blockade im ISG:

  • einseitiger Schmerz,
  • „tief sitzender“ Rückenschmerz,
  • wandernder, ausstrahlender Schmerz.

Ursachen einer ISG-Blockade

Verschiedenste Auslöser können eine Blockade im ISG-Gelenk begünstigen. Typische Vorkommnisse sind z.B. ein Tritt ins Leere, das Heben schwerer Lasten (Verhebetrauma) oder eine plötzliche Stoppbewegung. Eine ISG-Blockade kann allerdings auch vollkommen grundlos auftreten. Verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen begünstigen eine ISG-Blockade.

Unterschiedliche Ursachen einer Blockade im ISG-Gelenk:

  • Schonhaltungen durch z.B. einseitiges (Entlastungs-)Hinken,
  • Fehlhaltungen wie z.B. (funktionelle) Beinlängendifferenz,
  • Lockerung des Bänderapparates, z.B. in der Schwangerschaft,
  • Sturz auf das Gesäß,
  • Erkrankungen wie z.B. Arthrose oder Morbus Bechterew,
  • Verletzungen und Trauma.

Diagnose

Zu Beginn kommt es in der Arztpraxis zu einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), in dem festgestellt wird, welche Beschwerden bestehen, wo diese auftreten und ob der Schmerz ausstrahlt. Im Anschluss wird Sie die Ärztin/der Arzt körperlich untersuchen und dabei v.a. auf die Körperhaltung achten. Verschiedene klinische, orthopädische Tests liefern der Ärztin/dem Arzt aufschlussreiche Informationen. Diese werden an der Patientin/dem Patienten im Stehen oder Liegen durchgeführt.

Dazu zählen u.a. folgende Untersuchungen:

  • Test auf Druckschmerz: In Gelenksumgebung wird abgetastet, ob ein druckinduzierter Schmerz auftritt.
  • Provokationstest: Bestimmte (Rotations-)Bewegungen der Beine und Hüfte rufen mögliche Schmerzen im ISG-Gelenk hervor.
  • Vorlauftest: Dabei legt die Ärztin/der Arzt die Daumen auf beide Darmbeinhöcker oberhalb des Gesäßes und umfasst den Beckenkamm mit den Händen. Beugt sich die Patientin/der Patient nun vor, gibt das Bewegungsverhalten der Darmbeinhöcker Auskunft über eventuelle Blockaden oder Schiefstellungen (weitere Methode: Rücklauftest).
  • „Mennel“-Zeichen: In Rückenlage wird das zu untersuchende Bein überstreckt, gleichzeitig das andere Bein maximal gebeugt, d.h. angewinkelt.
  • 3-Phasen-Test: Die Patientin/der Patient liegt bei diesem Test auf dem Bauch. Die Ärztin/der Arzt zieht ein gestrecktes Bein nach oben, das andere Bein bleibt liegen. Gleichzeitig fixiert sie/er mit den Händen bzw. Unterarmen den Bewegungsapparat an drei verschiedenen Stellen (Becken, Kreuzbein, Lendenwirbelsäule).

Hinweis Es ist nicht möglich, eine Blockade im ISG-Gelenk mittels bildgebender Verfahren wie z.B. Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MR) darzustellen. Zum Ausschluss anderer Erkrankungen kann die Ärztin/der Arzt mitunter eine Bilddiagnostik anordnen.

Wie kann man vorbeugen?

Spezielle Übungen, die man auch selbstständig zu Hause durchführen kann, beugen einer ISG-Blockade vor bzw. können sie lösen. Es handelt sich dabei um Dehnungs- und Mobilisationsübungen. Weitere Informationen und Anleitungen erhalten Sie unter Übungen: ISG-Blockade selbst lösen sowie im Video: Mobilisieren.

Therapie

Liegen einer ISG-Blockade ursächlich Fehlhaltungen oder Erkrankungen zugrunde, sollten diese behandelt bzw. behoben werden. Um die Mobilität im Gelenk wiederherzustellen, kommen vorrangig manual-therapeutische Methoden zum Einsatz. Schmerzen werden symptomatisch mittels Wärme oder entzündungshemmender Schmerzmittel behandelt (lokale Injektion/Infiltration).

Physiotherapie

Die/der Therapeutin/Therapeut (Manualtherapie, Osteopathie) bewirkt mit bestimmten Griffen eine impulsive Krafteinwirkung auf das Gelenk, die die Blockade im ISG-Gelenk behebt. Man spricht dabei von Manipulationstechniken. Darüber hinaus kann die Patientin/der Patient mit bestimmten Übungen den Bereich des ISG-Gelenks dehnen und mobilisieren. In der Physiotherapie werden Techniken erlernt, die einer Blockade entgegenwirken und das Gelenk in seine richtige Position bringen. Kräftigungsübungen, insbesondere das gezielte Training der Rücken- und Bauchmuskulatur hilft zudem bei der Stabilisation des Oberkörpers. 

Weitere Informationen und Anleitungen erhalten Sie unter Übungen: ISG-Blockade selbst lösen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie unter Beschwerden leiden, die auf eine ISG-Blockade hindeuten, können Sie sich zur Abklärung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose und Behandlung von Beschwerden mit dem ISG-Gelenk werden in der Regel von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Physiotherapie (Kranken- oder Heilgymnastik)

Wird eine Physiotherapie ärztlich verordnet und die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut hat einen Vertrag mit Ihrem Krankenversicherungsträger, werden die Kosten direkt mit dem Krankenversicherungsträger abgerechnet.

Hinweis In bestimmten Fällen oder ab einer bestimmten Zahl an Behandlungen ist eine chefärztliche Bewilligung erforderlich.

Bei einer Wahltherapeutin/einem Wahltherapeuten (diese haben keinen Vertrag mit einem Krankenversicherungsträger) wird bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung und allenfalls einer chefärztlichen Bewilligung vom Krankenversicherungsträger Kostenersatz in der Höhe von 80 Prozent des jeweiligen Vertragstarifes geleistet. Bestimmte Sozialversicherungsträger bieten Physiotherapie in eigenen Einrichtungen an. Hier wird von der ärztlichen Leitung die Therapie festgelegt, Vorbewilligung ist in diesem Fall keine erforderlich. Für nähere Informationen hierzu wenden Sie sich an Ihren Sozialversicherungsträger.

Weitere Informationen zur Kostenabdeckung einer Physiotherapie, z.B. bei einem Kuraufenthalt oder im Krankenhaus, erhalten Sie unter Physiotherapeutin/Physiotherapeut.

Operation

In seltenen Fällen wird bei lange bestehenden Beschwerden am ISG-Gelenk und ausbleibendem Erfolg konservativer Methoden (Physio- und Schmerztherapie) eine Operation in Erwägung gezogen. Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv (Schlüssellochmethode), das Gelenk wird dabei versteift (Arthrodese). 

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