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Pärchen küsst sich © etunyia

Pfeiffersches Drüsenfieber

Das Epstein-Barr-Virus kommt weltweit vor. In Europa machen etwa 90 Prozent der Bevölkerung bis zum 30. Lebensjahr eine EBV-Infektion durch. Bei Kindern verläuft die Infektion meist symptomlos oder äußerst milde. Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten oft grippeähnliche Symptome auf. Schwerwiegende Komplikationen kommen sehr selten vor. Bei einem klassischen Verlauf der Infektiösen Mononukleose ist die Diagnose relativ einfach anhand des typischen Beschwerdebildes zu stellen. Bei der Behandlung stehen symptomlindernde Maßnahmen im Vordergrund . . .

Übertragung & Vorbeugung

Das Virus vermehrt sich zunächst in den Schleimhautzellen des Nasen-Rachen-Raumes. Anschließend befällt es die B-Lymphozyten, die sich über Blut- und Lymphbahnen im ganzen Körper verteilen. In den Lymphknoten und inneren Organen wie Milz und Leber produzieren sie bestimmte Substanzen, die zu einem Anschwellen von Lymphknoten und Organen führen.

Die Übertragung erfolgt meistens mit dem Speichel beim Küssen – kleine Kinder durch die Eltern, Jugendliche und junge Erwachsene untereinander. Weitere mögliche, aber deutlich seltenere Ansteckungswege sind z.B. Niesen, Husten, das Benutzen desselben Besteckes oder derselben Zahnbürste.

Bei Menschen mit intaktem Immunsystem tritt die Erkrankung daher nur einmal auf. Sie entwickeln Antikörper und zytotoxische T-Zellen gegen das Virus und sind dadurch lebenslang vor einer erneuten Infektion geschützt. Das Virus bleibt jedoch latent im Körper und kann über längere Zeit schubweise reaktiviert und über den Nasen-Rachen-Raum ausgeschieden werden. In dieser Zeit können sich alle Personen anstecken, die noch nicht mit dem Virus infiziert sind. Darüber hinaus kann die Erkrankung – allerdings meist in stark abgeschwächter bis symptomloser Form – erneut auftreten, z.B. wenn das Immunsystem vorübergehend geschwächt ist.

Bisher gibt es keine Impfung gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber. Das Risiko eine Ansteckung lässt sich durch die Vermeidung von nahem Kontakt mit erkrankten Personen – v.a. Speichelkontakt durch Küssen oder gemeinsames Benutzen von Besteck, Gläsern oder Zahnbürsten – verringern.

Symptome

Erste Krankheitszeichen treten etwa zehn bis 50 Tage nach der Infektion auf. Dazu gehören v.a. grippeähnliche Symptome:

  • Müdigkeit (auch über Wochen andauernd),
  • Konzentrationsstörungen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Muskel- und Gliederschmerzen,
  • Kopfschmerzen,
  • Allgemeines Krankheitsgefühl.  

Im weiteren Verlauf kann es typischerweise zu folgenden Beschwerden kommen:

  • Geschwollene Lymphknoten: an Hals und Nacken, manchmal auch anderen Körperstellen,
  • Fieber: bis etwa 39 Grad Celsius;
  • Monozyten-Angina: Halsentzündung mit geschwollenen Mandeln, dickem Belag, Schluckbeschwerden, Heiserkeit und üblem Mundgeruch.

Seltener tritt kurzzeitig ein feinfleckiger Hautausschlag auf. Bei Schwellungen von Leber und Milz können Übelkeit, Bauchschmerzen und Gelbsucht vorkommen. Darüber hinaus leiden Betroffene manchmal unter Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen und Orientierungsstörungen.

Bei kleinen Kindern sind oft überhaupt keine Krankheitszeichen vorhanden, bei Kindern unter zehn Jahren verläuft die Infektion meist deutlich harmloser als bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Meistens heilt die Erkrankung innerhalb von etwa drei Wochen ab. Bei manchen Patientinnen/Patienten kann es jedoch Wochen bis Monate dauern, bis sie sich wieder völlig gesund und leistungsfähig fühlen. In sehr seltenen Fällen nimmt die Krankheit einen chronischen Verlauf und dauert mehr als sechs Monate.

Darüber hinaus gilt das Epstein-Barr-Virus als Risikofaktor für bestimmte seltene Krebserkrankungen, insbesondere für Burkitt-Lymphom und Nasopharynxkarzinom. Es wird auch als ein möglicher Auslöser für Multiple Sklerose diskutiert.

Komplikationen

Komplikationen treten selten auf, können jedoch teilweise schwerwiegend sein, u.a.:

Bei Menschen mit Immundefekt (z.B. bei AIDS oder nach Organtransplantation) sind schwere Krankheitsverläufe mit ausgeprägten Lymphknotenwucherungen bis hin zu Tumoren möglich.

Diagnose

Neben den geschwollenen Lymphknoten wird auch der Mund-Rachen-Raum untersucht. Zur endgültigen Abklärung folgen Blutuntersuchungen. Zu Beginn der Infektion ist die Zahl der weißen Blutkörperchen stark verringert (Leukopenie). Nach einigen Tagen zeigt sich das für das Pfeiffersche Drüsenfieber charakteristische „bunte Blutbild" mit einer auffälligen Erhöhung der Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) sowie der veränderten mononukleären Zellen.

In vielen Fällen sind weitere Untersuchungen notwendig, z.B. der serologische Nachweis von Antikörpern und EBV-Antigenen im Blut oder eine Erreger-spezifische PCR. Leber und Milz können im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung beurteilt werden.

Therapie

Es gibt keine ursächliche Behandlung. Wichtig ist in den ersten Wochen der Erkrankung v.a., auf ausreichende Schonung zu achten. Zur Linderung der Beschwerden können fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac) eingesetzt werden. Darüber hinaus können bei Halsschmerzen feuchte Halswickel und Mundspülungen (z.B. mit Kräutern wie Eibisch oder Spitzwegerich) hilfreich sein.

Antibiotika werden nur bei einer gesicherten bakteriellen Superinfektion verabreicht. Penicilline sind allerdings zu vermeiden, da sie speziell bei Pfeifferschem Drüsenfieber zu Hautausschlägen führen können. In manchen Fällen können Virustatika (z.B. Aciclovir) oder Antikörpertherapien (z.B. Rituxumab) wirksam sein.

Schwere Schwellungen, die das Schlucken von Nahrung und/oder die Nahrung behindern, können mit Kortikosteroiden behandelt werden. In diesen Fällen sowie bei schweren Symptomen oder Komplikationen ist ein Krankenhausaufenthalt angezeigt.

Hinweis Bei akuten und schweren Krankheitsverläufen sollte auf sportliche Aktivitäten verzichtet werden, da unter anderem die Gefahr eines Milzrisses besteht.

Wohin kann ich mich wenden?

Erste Anlaufstelle ist eine Ärztin/ein Arzt für Allgemeinmedizin.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).
Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

In seltenen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Hausärztin/den Hausarzt bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet ein Spitalsaufenthalt?

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