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Hüftgelenksdysplasie

Bei der Hüftgelenksdysplasie (Hüftdysplasie, Dysplasia coxae congenita, angeborene Hüftluxation) handelt es sich um eine häufige angeborene Fehlanlage des Hüftgelenks. Dabei ist die Gelenkspfanne zu klein bzw. zu wenig tief. Bis zu vier Prozent aller Neugeborenen sind davon betroffen. In ausgeprägten Fällen kann der Oberschenkel-Hüftgelenkskopf teilweise oder vollständig aus der Hüftpfanne rutschen. In diesen Fällen spricht man von Subluxation bzw. Luxation des Hüftgelenks . . .

Entstehung & Vorbeugung

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Dabei handelt es sich meistens um eine Reifungsstörung der Hüfte, genauer gesagt der Pfannendachverknöcherung. Die Gelenkspfanne ist zu klein angelegt und dadurch der Hüftkopf nur unzureichend überdacht. In weiterer Folge kann sich eine sogenannte Hüftluxation entwickeln.

  • Hüftgelenksdysplasie: Die Hüftgelenkspfanne ist noch nicht genügend ausgebildet.
  • Hüftgelenksluxation: Der Hüftgelenkskopf rutscht aus der Gelenkspfanne heraus.

Verlässt der Hüftkopf die Pfanne teilweise, spricht man von Subluxation, bei komplettem Herausrutschen von Luxation. Diese Ausrenkung wird einerseits durch die Dysplasie begünstigt, andererseits auch durch gleichzeitig bestehende Fehlstellungen des Schenkelhalses

Die Entstehung einer Hüftgelenksdysplasie kann durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt werden. Die Hüftdysplasie kommt bei beiden Geschlechtern gleich häufig vor, die Hüftluxation jedoch bei Mädchen fünf- bis siebenmal häufiger als bei Knaben. Zu den möglichen Ursachen gehört Platzmangel in der Gebärmutter. Zwillinge, Frühgeborene und Kinder nach einem Kaiserschnitt oder nach einer Geburt aus Steißlage sind öfter betroffen. Weiters spielen hormonelle Faktoren während der Schwangerschaft sowie erblich bedingte Veranlagung eine Rolle.

Eine Hüftdysplasie ist eine angeborene Fehlstellung und daher nicht zu verhindern. Allerdings kann das Risiko, dass sich aus der Dysplasie eine Luxation entwickelt, verringert werden. Besonders ungünstig sind vorzeitige Streckstellungen im Hüftgelenk. Zur Ausreifung muss das Hüftgelenk weiterhin in jener Beugestellung gehalten werden können, die das Baby unter normalen Umständen im Bauch der Mutter eingenommen hat. Daher wird empfohlen, das Baby

  • in einem Tragetuch zu tragen,
  • so zu wickeln, dass sein Hüftgelenk gebeugt ist,
  • nicht zu frühzeitig und zu oft in Bauchlage zu legen

Symptome

Die Hüftdysplasie selbst führt meistens zu keinen wahrnehmbaren Beschwerden bei Neugeborenen. Wird die Fehlbildung allerdings nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann eine Hüftluxation auftreten. Die Kinder können dann das betroffene Bein nicht ausreichend zur Seite abspreizen. Weitere Hinweise können verspätetes Gehen, belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Leisten oder seitlichen Hüfte sowie ein- oder beidseitiges Hinken sein. Als Spätfolge kann im Erwachsenenalter eine Hüftarthrose (Coxarthrose) entstehen, weil durch das zu kleine oder komplett fehlende Pfannendach die Gewichtsübertragung vom Oberschenkel auf das Becken ungünstig verteilt ist und es dadurch zu einem vorzeitigen Verschleiß des Hüftgelenkes kommt.

Eltern können eine Hüftdysplasie unter Umständen daran erkennen, dass die Beine des Babys unterschiedlich lang sind, sich nicht gleichmäßig weit abspreizen lassen oder sich die Gesäßfalten auf unterschiedlicher Höhe befinden. Meist treten diese Zeichen allerdings erst bei bereits vorliegender Luxation auf. Bei einer beidseitigen Luxation ist keine Asymmetrie vorhanden, kompensatorisch kommt es bei diesen Kindern jedoch zu einer verstärkten Hohlkreuzbildung.

Diagnose

Das kindliche Hüftgelenk kann nur bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nachreifen. Eine korrekte und frühzeitige Diagnose ist die wesentlichste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Mittels körperlicher Untersuchung kann nur ein Teil der Hüftgelenkserkrankungen von der Kinderärztin/dem Kinderarzt festgestellt werden.

Äußere Zeichen sind:

  • unterschiedlich lange Beine,
  • seitenunterschiedliche Falten am Oberschenkel oder
  • eine Abspreizhemmung eines oder beider Hüftgelenke.

Eine spezielle Untersuchung ist das so genannte Ortolani-Zeichen. Dabei handelt es sich um ein Schnappgeräusch, das in den ersten Lebenswochen entsteht, wenn sich der Hüftkopf durch Druck und Anspreizung aus der Pfanne herausbewegen lässt. Diagnosestandard ist seit rund zwei Jahrzehnten die Hüftultraschalluntersuchung. Sie ist für Säuglinge nicht belastend und schmerzfrei. Dabei wird das Verhältnis von Hüftkopf und Hüftpfanne beurteilt und vermessen.

Im Mutter-Kind-Pass ist der erste Hüftultraschall in der ersten Lebenswoche vorgesehen. Dieser wird üblicherweise noch im Spital durchgeführt. Nach einer Hausgeburt können sich die Eltern für diese Untersuchung an die Kinderärztin/den Kinderarzt oder eine Orthopädin/einen Orthopäden wenden. Der zweite Hüftultraschall erfolgt im Alter von sechs bis acht Wochen. Bei auffälligem Befund bzw. im Verlauf einer Therapie müssen regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden.

Mit zunehmender Verknöcherung von Hüftkopf und Hüftpfanne nimmt die Aussagekraft des Ultraschalls ab, da die Ultraschallwellen Knochen nicht zu durchdringen vermögen. Zur Verlaufsbeurteilung ist daher ab dem zweiten Lebensjahr die Röntgenuntersuchung vorzuziehen.

Therapie

Die Therapie sollte möglichst frühzeitig begonnen werden, um eine möglichst rasche Nachreifung des Hüftgelenkes zu erreichen. Dadurch können die Behandlungsdauer kurz gehalten und Operationen bzw. mögliche Spätfolgen (z.B. Bewegungseinschränkung, Schmerzen, Notwendigkeit eines Hüftgelenksersatzes) oft vermieden werden. Je nach Ausprägung der Hüftdysplasie kommen unterschiedliche Maßnahmen zur Anwendung. Ziel ist es jeweils, die Beine in Beugung und Abspreizhaltung zu halten.

  • Breitwickeln: Damit kann eine gering ausgeprägte, bereits in der ersten Lebenswoche diagnostizierte Hüftdysplasie behandelt werden. Dazu wird ein etwa 15 Zentimeter breit gefaltetes Handtuch zwischen Körper und Kleidung eingelegt oder eine zusätzliche Windel über die eigentliche Windel gezogen.
  • Spreizhose: Die Spreizhose (auch Spreizschiene oder Spreizorthese genannt) – bestehend aus Schultergurt, Leibgurt und gepolsterten Beingurten – wird über der Kleidung getragen und sollte nur zum Wickeln und Baden abgenommen werden. Damit werden die Beine besser fixiert als beim Breitwickeln.
  • Pavlik-Bandage: Die Pavlik-Zügel bestehen aus einem Brustgurt und zwei Unterschenkelgurten und müssen von der Kinderärztin/dem Kinderarzt oder der Orthopädin/dem Orthopäden angemessen und regelmäßig kontrolliert werden. Sie bewirken, dass die Strampelbewegungen den Hüftkopf in Richtung Pfanne drücken.
  • Hüftgips: dient der Ruhigstellung in schweren Fällen. Er reicht meistens vom unteren Rippenbogen bis zum Unterschenkel des Säuglings und besitzt eine Aussparung im Bereich der Windel.
  • Hüftoperation: kann bei sehr ausgeprägten Hüftdysplasien erforderlich sein, wenn alle konservativen Methoden wie das Tragen einer Spreizhose, Bandagen, Schienen oder Gips nicht zum gewünschten Erfolg führen bzw. die Erkrankung zu spät erkannt wurde. Ziel ist es, den Hüftkopf besser zu überdachen, damit sich die Körperlast über eine größere Fläche verteilt. Seit Einführung des Hüftultraschalls konnte allerdings die Anzahl offener Hüftoperationen bei Säuglingen deutlich gesenkt werden. Sie liegt derzeit bei etwa 14 pro 100.000 Neugeborenen.
  • Einrenkung luxierter Hüften: Im Falle einer Luxation muss die Hüfte wieder eingerenkt und anschließend über eine bestimmte Zeit stabilisiert werden, um eine erneute Ausrenkung zu verhindern. Diese Stabilisierung erfolgt entweder durch eine Bandage oder einen Gipsverband.

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Alter des Kindes bei Therapiebeginn und der Hüftgelenkssituation. Beispielsweise reicht meistens das Anlegen einer Spreizhose für drei bis sechs Monate aus. In den meisten Fällen kommt es durch eine frühzeitig eingeleitete und individuell maßgeschneiderte Behandlung zu einer kompletten Ausreifung des Hüftgelenkes.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Diagnose einer Hüftdysplasie erfolgt entweder bereits beim Neugeborenen im Krankenhaus oder durch eine Kinderärztin/einen Kinderarzt oder eine Orthopädin/einen Orthopäden. Diese Fachärztinnen/Fachärzte sind auch für die konservative Therapie – das heißt, für sämtliche nicht operativen Maßnahmen – zuständig. Operative Eingriffe werden im Krankenhaus durchgeführt.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Hüftgelenksdysplasie oder -luxation werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB).

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Ist wegen einer Hüftgelenksdysplasie oder -luxation ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere Behandlung zu Hause erfolgt durch die Kinderärztin/den Kinderarzt oder die Orthopädin/den Orthopäden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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