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Kinder am Badesee © Brocreative

Zerkariendermatitis (Badedermatitis)

Nach dem Schwimmen in stehenden Süßgewässern kann es gelegentlich zu unangenehmen Hauterscheinungen kommen. Gerade im Hochsommer, wenn es bereits länger hindurch hohe Temperaturen hat und das Badewasser nicht mehr so recht erfrischend ist, können gehäuft Fälle einer Badedermatitis auftreten – insbesondere wenn in den Gewässern Tiere wie Wasserschnecken und Enten leben . . .

Auslöser sind zumeist bestimmte Larvenstadien (Zerkarien) von Saugwürmern (sogenannte Vogelbilharzien), die in die Haut eindringen können. Der starke Juckreiz und mögliche Entzündungen der Haut sind zwar sehr unangenehm, dennoch ist die Badedermatitis eine harmlose Hauterkrankung. Auch ohne Therapie klingt sie nach einigen Tagen ohne Folgen von selbst wieder ab. Bestimmte vorbeugende Verhaltensweisen können einer Badedermatitis entgegenwirken.

Man kennt die Badedermatitis auch unter folgenden Begriffen:

  • Schwimmdermatitis,
  • Zerkariendermatitis,
  • Schistosomendermatitis,
  • Hundsblattern,
  • Entenwurmkrankheit und
  • swimmers itch“.

Zerkarien: Was ist das?

Zerkarien sind winzig kleine Larven verschiedener Saugwurmarten (Trematoden, Schistosomen), die einen bestimmten Zyklus in der Natur durchleben. Sie sind weniger als einen Millimeter groß und mit freiem Auge kaum bis nicht wahrnehmbar. Die erwachsenen Würmer leben in Wasservögel (z.B. Stockenten) und produzieren Eier, die mit den Exkrementen ins Wasser abgegeben werden. Im Wasser verlässt eine Wimpernlarve (Miracidium) das Ei und dringt in eine Wasserschnecke (Zwischenwirt) ein, wo es zu einer Vermehrung und Verwandlung kommt. Endprodukt dieser Metamorphose in der Schnecke sind die Zerkarien, die die Schnecke verlassen und anschließend versuchen, wiederum in Wasservögel (Endwirt) einzudringen. Ihre kleinen Saugnäpfe an Bauch und Kopf erleichtern das „Andocken“ an einen Wirt.

Auf der Suche nach dem Endwirt können sich die Larven „verirren“ und auf der Haut des Menschen andocken. Sie können sich allerdings nicht im „Fehlwirt“ Mensch weiterentwickeln und sterben bereits nach kurzer Zeit ab.

Hinweis Zerkarien können sich im menschlichen Organismus nicht bis zum „erwachsenen“ Egel weiterentwickeln. Sie sterben noch in der Hautoberfläche ab.

Wann und wo können Zerkarien auftreten?

Zerkarien finden sich in stehenden Süßgewässern, vorrangig mit geringer Wassertiefe. Seltener treten sie in tieferen Wasserzonen auf. Als Parasiten können sie sich nur vermehren und gedeihen, wenn ihre benötigten Wirte – Wasserschnecken und Enten – anwesend sind.

Faktoren, die das Auftreten von Zerkarien begünstigen:

  • stehende Süßgewässer,
  • niedrige Wassertiefe (Uferrand),
  • Vorhandensein von Wasserschnecke und -vögel,
  • Schilfgürtel oder andere Wasserpflanzen,
  • länger andauernde Hitzeperioden,
  • hohe Badewassertemperatur,
  • artenarme Umweltbedingungen (wenige Fische im Wasser).

Symptome Zerkariendermatitis

Kommt es zum erstmaligen Kontakt mit der Larve, zeigen sich in der Regel keine schweren Hautreaktionen. Möglich sind eine leichte Rötung mit einem brennenden Gefühl bzw. Prickeln der Haut. Erst nach wiederholtem Kontakt (Sensibilisierung) mit den Larven, entstehen die typischen Symptome. Der Körper erkennt den Eindringling wieder und reagiert ähnlich einer Allergie mit einer sofortigen oder verzögerten Hautreaktion. Bei besonders empfindlichen Personen kann es zu Fieber und Kreislaufstörungen kommen.

Typische Symptome einer Zerkariendermatitis:

  • Rötung der Haut,
  • Juckreiz,
  • tastbare Pustel- oder Quaddelbildung.

Hinweis Eine Zerkariendermatitis ist nicht ansteckend. Auch das Verschlucken von Badewasser ruft keine Zerkariendermatitis hervor. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die Haut.

Wie kann man vorbeugen?

Bestimmte Verhaltensweisen beim Baden im Freien können einer Zerkariendermatitis vorbeugen, wenn auch nicht sicher verhindern. Möglicherweise wirksam ist das Abduschen nach dem Schwimmen sowie gutes Abfrottieren im Anschluss. Nasse Badekleidung soll nach dem Schwimmen gewechselt und mit Leitungswasser gespült werden. Man sollte nicht zu lange in seichtem Wasser schwimmen, tauchen bzw. waten, sondern ins Tiefe schwimmen.

Das Füttern von Enten sollte in Badegewässern vermieden werden, da es die Wassertiere anlockt und zum bevorzugten Ansiedeln im Badegewässer führen könnte. Fetthaltige Cremen etc. stellen für die Larven eine gewisse Barriere dar und erschweren das Eindringen in die Haut – allerdings kann dies das Ökosystem Wasser aus dem Gleichgewicht bringen und das Wasser sozusagen kippen lassen.

Diagnose & Therapie

In der Ordination beurteilt die Ärztin/der Arzt die klinischen Symptome wie Juckreiz und Hautausschlag. Wichtig ist dabei vor allem die Information seitens der Patientin/des Patienten, dass im Freien geschwommen wurde. In Verbindung mit den typischen Symptomen wird in der Regel eine Verdachtsdiagnose gestellt. Eine Untermauerung der Diagnose durch Biopsie oder Wasserentnahme am Badeort ist nicht erforderlich. Regional und zeitlich gehäuftes Auftreten der Badedermatitis geben der Ärztin/dem Arzt eindeutige Hinweise.

Die Zerkariendermatitis heilt in der Regel von selbst nach längstens drei Wochen aus. Wenn der Juckreiz sehr heftig ist und die Haut überreagiert oder Fieber bzw. Kreislaufschwäche auftreten, ist es jedenfalls empfehlenswert, eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen. Ist der Juckreiz sehr stark bzw. kommt es infolge Kratzens zu einer Entzündung, können juckreiz- bzw. entzündungshemmende Salben oder Gele eingesetzt werden. Mitunter wird ein Antihistaminikum zur Einnahme verschrieben, um die Reaktion der Haut abzuschwächen, bei Fieber eventuell fiebersenkende Mittel.

Badegewässerqualität in Österreich

Das Vorkommen von Zerkarien in Gewässern erlaubt keinen Rückschluss auf die Wasserqualität oder Hygiene. Im Gegensatz dazu dient der Gehalt von E. coli und Enterokokken als Indikator für das Vorhandensein von Krankheitserregern.

Gemäß einer EU-Richtlinie zur Qualität der Badegewässer bestehen einheitliche Regeln zur Untersuchung und Beurteilung von Badegewässern. Demgemäß stellt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in der Badegewässerdatenbank übersichtlich Messdaten zu Wasserqualität, Sichttiefe und Temperatur zur Verfügung. Für unterwegs ist diese kostenlos auch als App verfügbar. Weitere Informationen erhalten Sie unter Badegewässerdatenbank.

Die Apps finden Sie unter Badegewässer im Playstore bzw. Badegewässer im Appstore.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Zerkariendermatitis zu leiden, wenden Sie sich am besten an folgende Stellen.

  • Allgemeinmedizinerin/Allgemeinmediziner
  • Hautärztin/Hautarzt (Dermatologin/Dermatologe)

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie zudem auf der Website der Sozialversicherungsträger.

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