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Badedermatitis

Nach dem Schwimmen in stehenden Gewässern kann es gelegentlich zu unangenehmen Hautveränderungen kommen. Im Sommer, wenn es Hitzeperioden gibt und das Badewasser länger über 24 bis 26 Grad Celsius liegt, können gehäuft Fälle einer Badedermatitis auftreten. Auslöser dieser Hauterkrankung sind Zerkarien, Larven von Saugwürmern. Beim Menschen kann der Kontakt mit Zerkarien zu einer allergischen Reaktion führen: Typisch sind Hautjucken, gerötete Hautstellen oder ein Hautausschlag mit kleinen Pusteln. Die Symptome klingen auch ohne Therapie von selbst wieder ab. Gegen den Juckreiz gibt es Medikamente oder Salben. Mit einigen einfachen Maßnahmen kann man das Risiko für eine Badedermatitis verringern.

Für eine Badedermatitis gibt es auch noch andere Bezeichnungen, z.B. Schwimmdermatitis, Schistosomendermatitis, Zerkariendermatitis oder „swimmer´s itch“.

Was sind Zerkarien?

Zerkarien sind winzig kleine Larven von Saugwürmern. Diese Saugwürmer – auch Schistosomen oder Bilharzien genannt – sind Parasiten und durchleben in der Natur einen bestimmten Zyklus:

  • Die erwachsenen Saugwürmer leben in Wasservögeln, vor allem Enten. Die Saugwürmer produzieren Eier, die mit den Exkrementen ins Wasser abgegeben werden.
  • Im Wasser verlässt eine Wimpernlarve das Ei und dringt in bestimmte Wasserschnecken (Zwischenwirt) ein, wo es zu einer Vermehrung und Verwandlung kommt. Endprodukt dieser Metamorphose in der Schnecke sind die Zerkarien, die die Schnecke wieder verlassen.
  • Anschließend versuchen die Zerkarien, wiederum in Wasservögel (Endwirt) einzudringen. Die Zerkarien haben kleine Saugnäpfe an Bauch und Kopf, die ihnen das „Andocken“ an einen Wirt erleichtern.

Es gibt weltweit viele verschiedene Arten von Saugwürmern. Einige wenige davon können die Badedermatitis verursachen, wenn sie in die Haut eines Menschen eindringen. Die Zerkarien dieser Saugwürmer können sich jedoch im Menschen nicht weiterentwickeln und sterben ab.

Hinweis

Andere Saugwürmer, die in tropischen und subtropischen Regionen vorkommen, können sich auch im Menschen weiterentwickeln und schwere Krankheiten, wie Bilharziose verursachen. Diese Saugwürmer kommen in Österreich nicht vor. Informationen zu Bilharziose – auch Schistosomiasis genannt – und zu aktuellen Verbreitungsregionen bietet die WHO.

Wie entsteht eine Badedermatitis?

Beim Baden in stehenden Gewässern, bei denen Wasservögel leben, kann ein Mensch mit Zerkarien in Kontakt kommen. Die Larven der Saugwürmer können sich auf der Suche nach dem Endwirt „verirren“ und auf der Haut des Menschen andocken. Die in Europa heimischen Saugwurmarten können sich allerdings nicht im „Fehlwirt“ Mensch weiterentwickeln und sterben bereits in kurzer Zeit in der Haut ab. Dies kann eine Immunreaktion mit den typischen Beschwerden einer Badedermatitis auslösen.

In welchen Gewässern treten Zerkarien auf?

Zerkarien, die eine Badedermatitis verursachen, finden sich in stehenden Gewässern. Als Parasiten können sie sich nur vermehren, wenn ihre benötigten Wirte – Wasserschnecken und Enten – anwesend sind.

Was das Auftreten von Zerkarien begünstigt:

  • stehende Gewässer,
  • niedrige Wassertiefe, seichter Uferbereich,
  • Vorhandensein von Wasserschnecken und -vögel,
  • Schilfgürtel oder andere Wasserpflanzen,
  • länger andauernde Hitzeperioden,
  • hohe Badewassertemperatur (längere Zeit über 24 bis 26 Grad Celsius),
  • künstliche, artenarme Freigewässer, die Hitzeperioden schwer ausgleichen können.

Jede Person, die in einem Gewässer mit Zerkarien schwimmt, watet oder spielt, kann mit Zerkarien in Kontakt kommen. Kinder sind häufiger betroffen, da sie oft im seichten Wasser spielen.

Hinweis

In Schwimm- und Freibädern mit gechlortem Badewasser besteht kein Risiko für eine Badedermatitis, da keine Zerkarien vorkommen können.

Welche Symptome können bei einer Badedermatitis auftreten?

Hat ein Mensch zum ersten Mal Kontakt mit den Zerkarien, zeigen sich oft nur leichte Hautreaktionen, die rasch abklingen. Möglich sind leichte Rötungen der Haut und Prickeln bzw. Kribbeln. In manchen Fällen treten beim ersten Kontakt gar keine Symptome auf. Erst nach wiederholtem Kontakt mit den Zerkarien kommt es zu den typischen Symptomen. Der Körper erkennt den Eindringling wieder – das Immunsystem ist sensibilisiert. Es kommt zu einer allergischen Reaktion.

Typische Symptome einer Badedermatitis:

  • Rötung der Haut,
  • Juckreiz,
  • Hautausschlag mit Pustel- oder Quaddelbildung.

Die Symptome treten typischerweise 12 bis 24 Stunden nach dem Kontakt mit den Zerkarien auf. Danach gehen sie langsam zurück. Typischerweise entwickelt sich der Ausschlag an den Füßen oder Unterschenkeln. Bei jedem weiteren Kontakt der Haut mit den Zerkarien können die Beschwerden rascher auftreten und stärker ausgeprägt sein. Die Hautsymptome klingen nach 10 bis 20 Tagen auch ohne medizinische Behandlung ab. In seltenen Fällen können auch allgemeine Beschwerden wie Fieber oder Kopfschmerzen auftreten. Möglicherweise spielen bestehende Allergien eine Rolle.

Hinweis

Eine Badedermatitis ist nicht ansteckend. Auch das Verschlucken von Badewasser ruft keine Badedermatitis hervor. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die Haut.

Wie Sie einer Badedermatitis vorbeugen können

Bestimmte Verhaltensweisen beim Schwimmen in Freigewässern können einer Badedermatitis vorbeugen, wenn auch nicht sicher verhindern.

  • Nicht zu lange in seichtem Wasser schwimmen, tauchen bzw. waten, sondern besser ins Tiefe schwimmen.
  • Gutes Abtrocknen mit einem Hand- oder Badetuch direkt nach dem Aufenthalt im Wasser kann einer Badedermatitis vorbeugen, schützt jedoch nicht zuverlässig.
  • Nasse Badekleidung soll nach dem Schwimmen gewechselt und mit Leitungswasser gespült werden.
  • Neoprenanzüge, Füßlinge und Handschuhe können vor Zerkarien schützen.
  • Wasserfeste Sonnen- bzw. Badecremen, die Niclosamid enthalten, oder Quallenschutzmittel zeigen eine schützende Wirkung. Neutrale fetthaltige Salben und Cremes, z.B. Vaseline, stellen für Zerkarien eine gewisse Barriere dar und erschweren das Eindringen in die Haut.

Was kann ich selbst bei einer Badedermatitis gegen die Beschwerden tun?

Bei einem juckenden Hautausschlag können folgende Maßnahmen helfen:

  • Kühle Umschläge auf der betroffenen Hautstelle
  • Anwendung eine juckreiz-stillenden Salbe auf der Haut
  • Rezeptfreie Antihistaminika zum Einnehmen

In einer Apotheke können sich Betroffene beraten lassen, welche rezeptfreien Salben und Antihistaminika zur Verfügung stehen und wie sie angewendet werden. Die Badedermatitis heilt in der Regel von selbst auch ohne medizinische Behandlung aus.

Hinweis

An den juckenden Hautstellen sollte nicht gekratzt werden. Wenn die Haut aufgekratzt wird, können Bakterien leichter eindringen, und die Haut kann sich entzünden.

Wann ist eine ärztliche Behandlung angezeigt?

Bei akuten Hautbeschwerden wie starkem Juckreiz nach dem Aufenthalt in einem Gewässer kann eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, um die Beschwerden zu lindern. Treten zudem andere körperliche Symptome auf, wie Fieber oder Kreislaufschwäche, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Betroffene können sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin oder eine PVE
  • Fachärztin oder Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Wie wird die Diagnose gestellt?                                                            

Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haut und fragt die Patientin oder den Patienten nach der Krankengeschichte und den Beschwerden, z.B. Juckreiz. Wichtig ist die Information, dass sich die Patientin oder der Patient in einem freien Gewässer aufgehalten hat. In Verbindung mit den typischen Symptomen kann die Ärztin oder der Arzt meist die Diagnose einer Badedermatitis stellen und eine andere Erkrankung ausschließen. Regional und zeitlich gehäuftes Auftreten der Badedermatitis geben der Ärztin oder dem Arzt eindeutige Hinweise. Eine Untermauerung der Diagnose durch eine Blutuntersuchung ist meist nicht erforderlich.

Welche Möglichkeiten der Behandlung einer Badedermatitis gibt es?

Ist der Juckreiz sehr stark kann die Ärztin oder der Arzt juckreizhemmende Salben oder Gele verordnen. Kurzfristig können milde Glukokortikoide zur äußerlichen Anwendung eingesetzt werden. Die Ärztin oder der Arzt kann auch ein Antihistaminikum zur Einnahme verschreiben, um die Reaktion der Haut abzuschwächen. Hautentzündungen infolge Kratzens können mit entzündungshemmenden Salben behandelt werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

Badegewässerqualität in Österreich

Das Vorkommen von Zerkarien in Gewässern erlaubt keinen Rückschluss auf die Wasserqualität oder Hygiene. Im Gegensatz dazu dient der Gehalt von E. coli und Enterokokken als Indikator für das Vorhandensein von Krankheitserregern.

Gemäß einer EU-Richtlinie zur Qualität der Badegewässer bestehen einheitliche Regeln zur Untersuchung und Beurteilung von Badegewässern. Demgemäß stellt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in der Badegewässerdatenbank übersichtlich Messdaten zu Wasserqualität, Sichttiefe und Temperatur zur Verfügung. Für unterwegs ist diese kostenlos auch als App verfügbar. Weitere Informationen erhalten Sie unter Badegewässerdatenbank.

  • AGES (2026): Unsere Badegewässer Datenbank. Badedermatitis. Online abgerufen im Juli 2026 unter www.ages.at
  • AGES (2018): Broschüre Badedermatitis. Online abgerufen im Juli 2026 unter www.ages.at
  • Amboss (2024): Schistosomiasis. Lokale Reaktion: Zerkariendermatitis (Badedermatitis). Online abgerufen im Juli 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • Auer, H.; Aspöck, H. (2006): „Vogelbilharzien“ als Erreger einer Hautkrankheit. Die Zerkarien-Dermatitis. Online abgerufen im Juli 2026 unter www.researchgate.net
  • BMASGK (2017): Zerkarien-Dermatitis. Informationen für medizinisches Fachpersonal. Online abgerufen im Juli 2026 unter www.sozialministerium.at
  • BMASGPK (2024): Zerkarien-Dermatitis (Bade-Dermatitis). Online abgerufen im Juli 2026 unter sozialministerium.at
  • Chen, L. H.; Prasad, P. (2025): Skin and Soft Tissue Infektions Following Water Exporsure. Schistosome Dermatitis (Cercarial Dermatitis). DynaMed. Ipswich, MA: EBSCO Information Services. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.dynamed.com (Registrierung erforderlich)
  • Clernix, J. et al. (2025): Schistosomiasis: Epidemiology, clinical manifestations, and diagnosis. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Juli 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • CDC (2024): About Swimmer‘s itch. U.S. Centers for Disease Control and Prevention. Online abgerufen abgerufen im Juli 2026 unter www.cdc.gov
  • Jokiranta, S. (2017): Schistosomendermatitis (Zerkariendermatitis). In: EbM-Guidelines. Online abgerufen abgerufen im Juli 2026 unter www.ebm-guidelines.com (Registrierung erforderlich)
  • Vennervald, B.J (2020): Schistosomiasis und andere Tremotodeninfektionen. In: Harrissons Innere Medizin. 20. Auflage. Berlin.
  • WHO: Schistosomiasis (Bilharzia). Online abgerufen im Juli 2026 unter www.who.int.

Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2026

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Ao Univ.-Prof. Dr. Herbert Auer, Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Unfallchirurgie, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie

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