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Mädchen mit Badeente © sementsova321
Mädchen mit Badeente © sementsova321

Badedermatitis (Zerkarien)

Nach dem Schwimmen in stehenden Gewässern kann es gelegentlich zu unangenehmen Hauterscheinungen kommen. Gerade im Hochsommer, wenn es bereits längere Hitzeperioden gibt und das Badewasser länger zwischen 26 und 28 Grad Celsius liegt, können gehäuft bis epidemieartig Fälle einer Badedermatitis auftreten – insbesondere wenn in den Gewässern Tiere wie Wasserschnecken und Enten leben.

Auslöser dieser Hauterkrankung sind zumeist bestimmte Larvenstadien (Zerkarien) von Saugwürmern (bestimmten Schistosomenarten), die auch in die Haut des Menschen eindringen und bei mehrmaligem Kontakt zu Beschwerden führen können. Der starke Juckreiz und mögliche Entzündungen der Haut sind zwar sehr unangenehm, dennoch ist die Badedermatitis eine harmlose Hauterkrankung. Auch ohne Therapie klingt diese nach einigen Tagen ohne Folgen von selbst wieder ab. Bestimmte vorbeugende Verhaltensweisen können einer Badedermatitis aber entgegenwirken.

Man kennt die Badedermatitis auch unter folgenden Begriffen:

  • Zerkariendermatitis,
  • Schwimmdermatitis,
  • Schistosomendermatitis,
  • Hundsblattern,
  • Entenwurmkrankheit sowie
  • „swimmer´s itch".

Welche Ursachen hat eine Badedermatitis?

Zerkarien sind winzig kleine Larven verschiedener Saugwurmarten (Trematoden, Schistosomen), die einen bestimmten Zyklus in der Natur durchleben. Sie sind mit freiem Auge kaum bis nicht wahrnehmbar. Die erwachsenen Würmer leben in Wasservögeln (z.B. Stockenten) und produzieren Eier, die mit den Exkrementen ins Wasser abgegeben werden. Im Wasser verlässt eine Wimpernlarve (Miracidium) das Ei und dringt in eine Wasserschnecke (Zwischenwirt) ein, wo es zu einer Vermehrung und Verwandlung kommt. Endprodukt dieser Metamorphose in der Schnecke sind die Zerkarien, die die Schnecke verlassen und anschließend versuchen, wiederum in Wasservögel (Endwirt) einzudringen. Diese haben kleine Saugnäpfe an Bauch und Kopf, die ihnen das „Andocken“ an einen Wirt erleichtern.

Auf der Suche nach dem Endwirt können sich die Larven allerdings „verirren“ und auf der Haut des Menschen andocken. Sie können sich allerdings nicht im „Fehlwirt“ Mensch weiterentwickeln und sterben bereits binnen Stunden ab. Dennoch sind die Beschwerden unangenehm. 

Hinweis Zerkarien können sich im menschlichen Organismus nicht bis zum „erwachsenen“ Egel weiterentwickeln. Sie sterben noch in der Haut ab.

Unterschied Badedermatitis/Schistosomiasis

Die gewöhnliche Badedermatitis ist von einer weiteren parasitären Erkrankung zu unterscheiden, die ebenso durch Zerkarien anderer Saugwürmer-Arten verursacht wird: Dabei handelt es sich um die Schistosomose/Schistosomiasis/Bilharziose – einer schweren Erkrankung mit möglicher Beteiligung u.a. des Darms, der Leber, der Lunge, des Harntraktes oder des zentralen Nervensystems. Jene Schistosomenarten, die eine Bilharziose auslösen, können sich im menschlichen Organismus weiterentwickeln (Schistosoma mansonii, S. haematobium, S. japonicum). Diese Arten kommen in Österreich nicht vor. Fälle von Erkrankungen sind z.B. Reiserückkehrer aus Endemiegebieten oder Patientinnen/Patienten aus Endemiegebieten wie z.B. Afrika, Brasilien, Venezuela, Jemen, Irak, Syrien, China, Laos, Kambodscha, Philippinen oder Sulawesi. Eine Länderkarte von Schistosomenendemiegebieten finden Sie auf der Website der WHO unter www.who.int.

Erreger der Badedermatitis sind in Österreich laut Österreichischer Agentur für Gesundheit Ernährungssicherheit (AGES) überwiegend Trichobilharzia szidati und Bilharziella polonica, die sich im menschlichen Körper nach Eindringen durch die Haut nicht weiterentwickeln können und schnell absterben.

Wie wird eine Badedermatitis übertragen?

Zerkarien, die eine Badedermatitis verursachen können, finden sich in stehenden Süßgewässern, vorrangig mit geringer Wassertiefe. Seltener treten sie in tieferen Wasserzonen auf. Als Parasiten können sie sich nur vermehren und gedeihen, wenn ihre benötigten Wirte – Wasserschnecken und Enten – anwesend sind.

Faktoren, die das Auftreten von Zerkarien begünstigen:

  • stehende Süßgewässer,
  • niedrige Wassertiefe (Uferrand),
  • Vorhandensein von Wasserschnecken und -vögeln,
  • Schilfgürtel oder andere Wasserpflanzen,
  • länger andauernde Hitzeperioden,
  • hohe Badewassertemperatur (längere Zeit zwischen 26 bis 28 Grad Celsius),
  • künstliche, artenarme Freiwasser, die extreme Umweltbedingungen wie z.B. Hitzeperioden schwer ausgleichen können.

Welche Symptome können auftreten?

Kommt es zum erstmaligen Kontakt mit der Larve, zeigen sich in der Regel keine schweren Hautreaktionen. Möglich sind bereits nach wenigen Minuten eine leichte Rötung mit einem brennenden Gefühl und Prickeln bzw. Kribbeln der Haut. Erst nach wiederholtem Kontakt (Sensibilisierung) mit den Larven, kommt es zu den typischen Symptomen. Der Körper erkennt den Eindringling wieder und reagiert durch allergisch-toxische Prozesse mit einer sofortigen oder verzögerten Hautreaktion, es kommt zu einem juckenden Ausschlag. Die Symptome treten in der Regel einen Tag nach Kontakt mit den Zerkarien auf und können eine Woche bis etwas länger anhalten. Typischerweise entwickelt sich der Ausschlag an den Füßen oder Unterschenkeln. Bei besonders empfindlichen Personen kann es zu Fieber und Kreislaufstörungen kommen.

Typische Symptome einer Badedermatitis:

  • Rötung der Haut,
  • Juckreiz,
  • tastbare Pustel- oder Quaddelbildung.

Hinweis Eine Zerkariendermatitis ist nicht ansteckend. Auch das Verschlucken von Badewasser ruft keine Zerkariendermatitis hervor. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die Haut.

Wie Sie einer Badedermatitis vorbeugen können

Bestimmte Verhaltensweisen beim Schwimmen im Freiwasser können einer Badedermatitis vorbeugen, wenn auch nicht sicher verhindern.

  • Nicht zu lange in seichtem Wasser schwimmen, tauchen bzw. waten, sondern besser ins Tiefe schwimmen.
  • Gutes Abtrocknen mit einem Hand- oder Badetuch direkt nach dem Aufenthalt im Wasser kann einer Badedermatitis vorbeugen, schützt jedoch nicht zuverlässig.
  • Nasse Badekleidung soll nach dem Schwimmen gewechselt und mit Leitungswasser gespült werden.
  • Füttern von Enten oder Gänsen in Badegewässern vermeiden, da es die Wassertiere anlocken kann und zum bevorzugten Ansiedeln im Badegewässer führen könnte.
  • Fetthaltige Cremen etc. stellen für die Larven eine gewisse Barriere dar und erschweren das Eindringen in die Haut. Bestimmte Sonnen- bzw. Badecremen, die Niclosamid enthalten sowie Quallenschutzmittel zeigen eine schützende Wirkung. 

Hinweis Schwimmen in gechlortem Wasser wie z.B. in Freibädern oder Pools stellt kein Risiko dar, da keine Zerkarien enthalten sein können.

Wie wird die Diagnose gestellt?                                                                           

Die Ärztin/der Arzt beurteilt anhand der klinischen Symptome wie Juckreiz und Hautausschlag, dabei achtet sie/er auch darauf, dass es sich nicht um eine andere (Haut-)erkrankung handelt (Differenzialdiagnose). Wichtig ist dabei vor allem die Information durch die Patientin/den Patienten, dass im Freiwasser geschwommen wurde. In Verbindung mit den typischen Symptomen wird in der Regel eine Verdachtsdiagnose gestellt. Eine Untermauerung der Diagnose durch eine Blutuntersuchung, Biopsie oder Wasserentnahme am Badeort ist nicht erforderlich. Regional und zeitlich gehäuftes Auftreten der Badedermatitis geben der Ärztin/dem Arzt zumeist eindeutige Hinweise.

Wie erfolgt die Behandlung einer Badedermatitis?

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Badedermatitis zu leiden, wenden Sie sich am besten an folgende Stellen.

  • Allgemeinmedizinerin/Allgemeinmediziner
  • Hautärztin/Hautarzt (Dermatologin/Dermatologe)

Die Badedermatitis heilt in der Regel von selbst nach einem Tag bis maximal drei Wochen aus. Wenn der Juckreiz sehr heftig ist und die Haut überreagiert oder Fieber bzw. Kreislaufschwäche auftreten, ist es jedenfalls empfehlenswert, eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen. Ist der Juckreiz sehr stark bzw. kommt es infolge Kratzens zu einer Entzündung, können juckreiz- bzw. entzündungshemmende Salben oder Gele eingesetzt werden. Kurzfristig können milde Glukokortikoide zur äußerlichen Anwendung eingesetzt werden. Mitunter wird ein Antihistaminikum zur Einnahme verschrieben, um die Reaktion der Haut abzuschwächen, bei Fieber eventuell fiebersenkende Mittel.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter: 

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

Badegewässerqualität in Österreich

Das Vorkommen von Zerkarien in Gewässern erlaubt keinen Rückschluss auf die Wasserqualität oder Hygiene. Im Gegensatz dazu dient der Gehalt von E. coli und Enterokokken als Indikator für das Vorhandensein von Krankheitserregern.

Gemäß einer EU-Richtlinie zur Qualität der Badegewässer bestehen einheitliche Regeln zur Untersuchung und Beurteilung von Badegewässern. Demgemäß stellt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in der Badegewässerdatenbank übersichtlich Messdaten zu Wasserqualität, Sichttiefe und Temperatur zur Verfügung. Für unterwegs ist diese kostenlos auch als App verfügbar. Weitere Informationen erhalten Sie unter Badegewässerdatenbank

Die Apps finden Sie unter Badegewässer im Playstore bzw. Badegewässer im Appstore.

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