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Nervenzelle © adimas

Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung. Dabei attackiert das Immunsystem körpereigene periphere, d.h. außerhalb von Gehirn und Wirbelsäule befindliche Nervenzellen und zerstört deren isolierende Myelinschicht. Die auch „akute idiopathische Polyneuritis“ genannte Erkrankung tritt jährlich bei ein bis zwei pro 100.000 Personen auf, unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Ursachen

Die Ursachen sind bis heute unbekannt. Viele Fälle treten innerhalb weniger Tage bis Wochen nach einer Infektionserkrankung wie z.B. Erkältung, Rachenentzündung oder Magen-Darm-Infekt mit Durchfall auf. Auch Insektenstiche und Operationen werden als Auslöser vermutet. GBS ist nicht ansteckend. 

Symptome

Das Krankheitsbild ist sehr vielgestaltig. Die Ausprägung richtet sich v.a. danach, welche Nerven betroffen sind. Häufige Beschwerden sind u.a.:

  • Allgemeine Schwäche, v.a. Muskelschwäche.
  • Unsicheres Gehen, Taubheit oder Kribbeln in den Füßen.
  • Empfindungsstörungen, Koordinationsprobleme und Lähmungserscheinungen in den Beinen.
  • Taubes Gefühl in Händen und Armen ohne Verlust der Beweglichkeit, allerdings teilweise mit unkontrollierten Bewegungsabläufen.
  • Sehstörungen, Doppelbilder und beeinträchtigte Augenbeweglichkeit (z.B. Unfähigkeit zum Lidschluss, Ausfall des Lidschlagreflexes mit Austrocknungsgefahr).
  • Sprach- und Schluckbeschwerden.
  • Atemstörungen. 

Typischerweise beginnen die Beschwerden häufig von den Beinen ausgehend und zeigen sich symmetrisch an beiden Körperhälften.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese mit dem charakteristischen Verlauf und einer körperlichen Untersuchung. Hier kann meistens auch der Verlust oder die Einschränkung von Reflexen (z.B. Ellenbogen, Knie, Fußsohle) festgestellt werden. Zur Diagnosesicherung sind eine Untersuchung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelkanal (Lumbalpunktion) sowie eine Elektromyographie (EMG) erforderlich. 

Therapie

Die Krankheit kann sehr rasch fortschreiten. Es besteht die Gefahr von Atemstillstand und Herzversagen, manchmal innerhalb weniger Stunden. Daher muss die Behandlung in den ersten Tagen unbedingt auf einer Intensivstation erfolgen. Meist erhalten die Betroffenen hochdosiert intravenös Immunglobulin in Kombination mit einer Art Blutreinigung (Plasmapharese). Dabei werden die schädlichen Autoantikörper selektiv aus dem Plasma der Patientin/des Patienten entfernt. Im Anschluss an den Spitalsaufenthalt ist eine Rehabilitation zur Wiederherstellung der Nerven- und Muskelfunktionen sinnvoll.

Eine Heilung ist grundsätzlich möglich, allerdings individuell unterschiedlich und nicht vorhersagbar. Manchmal erfolgt die Besserung kontinuierlich, manchmal schubweise. Der Heilungsprozess kann wenige Wochen oder Jahre dauern. 

Wohin kann ich mich wenden?

Bei ersten Krankheitsanzeichen sollten Sie umgehend eine Fachärztin/einen Facharzt für Neurologie aufsuchen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist zur Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner, die Fachärztin/den Facharzt für Dermatologie und Venerologie bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt für Innere Medizin.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Für eine Rehabilitation müssen Sie einen Antrag bei Ihrem Sozialversicherungsträger einbringen. Die Patientin/der Patient hat in der Regel einen Selbstbehalt zu leisten. Nähere Informationen erhalten Sie unter Reha & Kur.

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