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Gefäßdarstellung © Bergringfoto

Angina pectoris: Diagnose und Therapie

Eine frühzeitige Diagnose ist bei Angina pectoris wichtig, um durch eine gezielte Therapie das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. In einem ausführlichen Gespräch klärt die Ärztin/der Arzt ab, ob der Verdacht auf eine Angina pectoris vorliegt oder Krankheiten bestehen, die zu einer Angina pectoris führen können. Im Anschluss daran erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Das Behandlungsziel ist, die Beschwerden eines Angina-pectoris-Anfalls zu lindern und einem Herzinfarkt vorzubeugen . . .

Diagnose

Bei Patientinnen/Patienten mit typischen Beschwerden oder entsprechendem Verdacht wird zunächst ein Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, wodurch ein Angina-pectoris-Anfall vom Herzinfarkt unterschieden werden kann. Danach folgt in der Regel ein Belastungs-EKG. Zusätzlich erfolgen bei Bedarf weiterführende Untersuchungen, z.B. Langzeit-EKG, Herzultraschall (Echokardiogramm), Myokardszintigraphie, Herzkatheter, Koronarangiographie sowie Bluttests.

Behandlung zugrunde liegender Krankheiten

Das Behandlungsziel ist, die Beschwerden eines Angina-pectoris-Anfalls zu lindern und einem Herzinfarkt vorzubeugen. Unverzichtbare Bestandteile einer erfolgreichen Therapie sind die Behandlung zugrunde liegender bzw. das Risiko für Angina pectoris erhöhender Krankheiten sowie ein gesunder Lebensstil. Darüber hinaus stehen medikamentöse und operative Therapieoptionen zur Verfügung. Ziel ist es, vorliegenden Erkrankungen, die das Risiko einer koronaren Herzkrankheit erhöhen, bestmöglich zu behandeln. Dazu zählen u.a. folgende medikamentöse Maßnahmen:

  • Einstellung eines erhöhten Blutdrucks,
  • Kontrolle eines erhöhten Blutzuckerspiegels bei Diabetes,
  • Senkung der Blutfettwerte,
  • Behandlung einer Niereninsuffizienz,
  • Behandlung von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit.

Gesunder Lebensstil

Durch das eigene Verhalten können Betroffene die medikamentöse Behandlung zugrunde liegender Krankheiten bzw. Risikofaktoren für Angina pectoris maßgeblich unterstützen. Darüber hinaus wird das Risiko für das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit reduziert.
  • Übergewicht meiden: Patientinnen/Patienten mit Angina pectoris sollten Normalgewicht anstreben.
  • Ernährung: Empfohlen wird fettarme, ballaststoffreiche Kost und Zufuhr mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren (z.B. in Kaltwasserfischen und Fischöl). Detaillierte Informationen finden Sie unter Ernährung.
  • Bewegung: Die Leistungsfähigkeit des Herzens lässt sich durch regelmäßiges Ausdauertraining wie z.B. Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren deutlich verbessern. Entspannte Bewegung mehrmals pro Woche ist günstiger, als sich einmal vollständig zu verausgaben. Vor Beginn eines Trainings sollte von einer Kardiologin/einem Kardiologen mit Ergometrie oder Spiroergometrie die körperliche Belastbarkeit der Patientin/des Patienten geprüft werden, um festzustellen, welche Art von Bewegung am besten geeignet ist. Die Kondition sollte langsam gesteigert, Überlastungen vermieden werden. Eventuell kann es vorteilhaft sein, das Training unter Anleitung einer Sporttherapeutin/eines Sporttherapeuten oder einer Ärztin/eines Arztes zu beginnen.
  • Vermeidung von Stress und Überlastung: Wer einen körperlich anstrengenden oder sehr stressigen Beruf ausübt, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Veränderung in Erwägung ziehen. Weiters wird das Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungsmethoden empfohlen. Detaillierte Informationen finden Sie unter Stress & Erholung.
  • Nicht rauchen. Detaillierte Informationen finden Sie unter Rauchstopp.

Hinweis Stabile Angina pectoris und instabile Angina pectoris werden teilweise unterschiedlich behandelt.

Therapie der stabilen Angina pectoris

Bei der medikamentösen Therapie kommen vor allem folgende Arzneimittelgruppen zum Einsatz:

  • Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel): hemmen die Verklebung von Blutplättchen und damit die Entstehung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen bzw. eines Herzinfarkts.
  • Betablocker: vermindern Herzfrequenz und Blutdruck unter Belastung und damit den Sauerstoffbedarf in der Herzmuskulatur. Dadurch werden Angina-pectoris-Anfälle reduziert.
  • Kalziumantagonisten: senken den peripheren Gefäßwiderstand und damit den Blutdruck und wirken Herzrhythmusstörungen entgegen. Sie vermindern ebenfalls den Sauerstoffbedarf und das Risiko für Angina-pectoris-Anfälle.
  • Statine: reduzieren das „schlechte“ LDL-Cholesterin. Der Wert sollte unter 100 mg/dl gesenkt werden.
  • Vasodilatatoren (v.a. Nitrate): bewirken, dass sich die Blutgefäße weitstellen (dilatieren) und entspannen. Dadurch sinken der Gefäßwiderstand und der Blutdruck. Das Blut kann mit weniger Widerstand durch den Körper zirkulieren, der auf die Innenseite des Herzmuskels einwirkende Blutdruck sinkt. Dadurch wird indirekt die Durchblutung des Herzmuskels verbessert. Manche kurzwirksame Formen können akut zur Linderung starker Beschwerden eingesetzt werden. So ist Nitroglyzerin (z.B. Nitro-Kapseln und
    -spray) das Mittel der Wahl zur Therapie des Angina-pectoris-Anfalles. Manche Vasodilatatoren müssen zur Vorbeugung von Angina pectoris regelmäßig eingenommen werden.

Durch operative Therapien sollen bei stabiler Angina pectoris folgende Ziele erreicht werden:

  • Verbesserte Durchblutung der Herzmuskulatur,
  • Linderung der Angina-pectoris-Beschwerden,
  • Senkung des Risikos, einen ersten oder wiederholten Herzinfarkt zu erleiden,
  • Steigerung der Belastbarkeit,
  • Verbesserung der Prognose bei koronaren Herzkrankheit (KHK).

Um diese Ziele zu erreichen, stehen die minimalinvasive, d.h. mit einem sehr kleinen chirurgischen Eingriff verbundene, Ballonkatheterdilatation mit oder ohne Stentimplantation sowie die unter Vollnarkose durchgeführte Bypass-Operation zur Verfügung.

  • Ballonkatheterdilatation: Mit diesem Verfahren können verengte Koronararterien aufgedehnt werden, um den Blutfluss zu gewährleisten. Dazu wird ein Gefäßkatheter mit einem Ballon in das verengte Blutgefäß eingeführt und dieses langsam unter hohem Druck aufgeblasen. Damit das Gefäß langfristig offen bleibt, wird meistens im Anschluss an die Ballondilatation ein Stent dauerhaft implantiert. Darunter versteht man eine kleine, dehnbare Gitternetzröhre aus medizinischem Edelstahl oder einer Kobaltlegierung, die als eine Art Gerüst in der Arterie verbleibt. Bei Bedarf können auch mehrere Stents überlappend in die Koronararterie implantiert werden.
  • Bypass-Operation: Zunächst wird ein Abschnitt einer körpereigenen gesunden Vene, meist aus den Beinen, entnommen. Bessere Ergebnisse werden erzielt, wenn die Brustwandarterien verwendet werden. Das Brustbein wird durch einen Längsschnitt eröffnet, um der Chirurgin/dem Chirurgen den Zugang zum Brustraum zu ermöglichen. Das entnommene Gefäßstück wird als Umleitung bzw. Überbrückung eines verstopften oder stark verengten Herzkranzgefäßes angenäht. Der Eingriff erfolgt am offenen Herzen unter Vollnarkose.

Therapie der instabilen Angina pectoris

Alle Phasen der instabilen Angina pectoris bis hin zum Herzinfarkt werden unter dem Begriff des akuten Koronarsyndroms zusammengefasst. Die Unterscheidung erfolgt anhand der EKG-Veränderungen und des Auftretens bzw. Fehlens von Nekrosemarkern (Troponin I, Troponin T, Creatininphosphokinase (CPK)) im Blut. Jede Patientin/jeder Patient mit akutem Koronarsyndrom muss unverzüglich in ein Krankenhaus transportiert werden, da ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt bzw. plötzlichen Herztod besteht.

Bei unzureichender Sauerstoffsättigung des Blutes besteht die Erstbehandlung in der Sauerstoffgabe über eine Nasensonde. Weiters muss der Oberkörper hochgelagert werden. Bei Bedarf kommen auch Schmerzmittel, Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen sowie Atropin zum Einsatz. Alle Patientinnen/Patienten mit akutem Koronarsyndrom erhalten darüber hinaus Thrombozytenaggregationshemmer.

Die weitere Behandlung richtet sich nach der exakten Diagnose und dem jeweiligen Risikoprofil der Patientin/des Patienten. Bei einer instabilen Angina pectoris ohne Anstieg von Troponin wird nach Vorliegen der Befunde aus Belastungs-EKG, Myokardszintigraphie oder Stressechokardiographie gegebenenfalls eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, die bei Bedarf mit einer Ballondilatation kombiniert wird.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn die Gefäße nur leicht verengt sind, müssen trotz Vorliegens einer koronaren Herzkrankheit keine Beschwerden auftreten. Daher sollten alle Personen ab dem 40. Lebensjahr sowie alle Erwachsenen mit familiärer Vorbelastung (wenn eine Verwandte/ein Verwandter ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr an KHK erkrankt ist oder eine Veranlagung für erhöhte Cholesterinspiegel besteht) ihr KHK-Risiko im Fünf-Jahres-Intervall von der Ärztin/dem Arzt für Allgemeinmedizin oder einer Fachärztin/einem Facharzt für Innere Medizin untersuchen lassen.

Bei Auftreten von Beschwerden, die auf eine koronare Herzkrankheit hinweisen, sollte umgehend eine Ärztin/ein Arzt für Allgemeinmedizin konsultiert werden. Die stabile Angina pectoris wird ambulant behandelt. Jede Patientin/jeder Patient mit akutem Koronarsyndrom muss unverzüglich in ein Krankenhaus transportiert werden, da ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt besteht.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose und Therapie einer koronaren Herzkrankheit wie z.B. Angina pectoris werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB).

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Ist wegen einer koronaren Herzkrankheit ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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