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Behandlung eines Ulcus cruris © kirov1969

Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)

Ein Ulcus cruris ist ein offenes, zumeist nässendes Geschwür am Unterschenkel, das über lange Zeit nicht abheilt. Umgangssprachlich wird es auch als „offenes Bein“ bezeichnet. Das Unterschenkelgeschwür ist Symptom einer anderen Grunderkrankung. Die häufigsten Ursachen sind Zirkulationsstörungen des Blutes im Haut- und Unterhautgewebe des Beines. Betroffen sind meistens ältere Menschen, Frauen häufiger als Männer . . .

Unter einem Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) ist eine schlecht heilende bzw. chronische Wunde zu verstehen. Begünstigt wird die Entstehung durch eine erbliche Veranlagung sowie durch Krankheiten der Gefäße in den Beinen, welche die Blutversorgung oder den Blutkreislauf stören. Weitere Gründe sind beispielsweise Verletzungen, Tumoren oder Entzündungen. Ein Unterschenkelgeschwür kann durch Veränderungen in Venen, in Arterien oder beiden bedingt sein (Ulcus cruris venosum, arteriosum bzw. mixtum). 

Häufigkeit & Enstehung    

Die Häufigkeit beträgt in der Gesamtbevölkerung etwa 0,2 Prozent. Sie nimmt mit dem Alter zu und liegt ab dem 70. Lebensjahr bei etwa 2,5 Prozent. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Allen Formen des Ulcus cruris geht eine Durchblutungsstörung des betroffenen Unterschenkelgewebes voraus. In Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache für die Mangeldurchblutung werden verschiedene Erkrankungsformen unterschieden: Von zehn Unterschenkelgeschwüren werden acht durch Venenerkrankungen und eines durch Störungen der Beinarterien verursacht. Häufig liegt eine Mischform mit venöser und arterieller Ursache (Ulcus cruris mixtum) vor. Die Veränderungen bewirken letztlich eine beeinträchtige Versorgung des betroffenen Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen.

  • Venenschwäche (angeboren oder erworben): Mögliche Ursachen sind v.a. chronisch-venöse Insuffizienz, Krampfaderleiden (Varikose) oder ein Zustand nach Venenthrombose mit Schädigung der Venenklappen. Hierbei sind die Venen, welche das Blut wieder zurück zum Herzen transportieren, nicht voll funktionsfähig. Es kommt zu einem Blutrückstau, in dessen Folge sich die Gefäße erweitern. Dies führt zu Entzündungsvorgängen und im ungünstigsten Fall zur Bildung von Blutgerinnseln. Der Rückstau führt zu einem erhöhten Blutdruck in den betroffenen Venen und dadurch zu Durchblutungsstörungen in den Hautgefäßen. Im Knöchelbereich bilden sich Ödeme. Mit der Zeit verhärtet sich das Haut- und Unterhautgewebe. Weiters kann es zu Gelb- oder Braunverfärbung der Haut kommen.
  • Störung der arteriellen Versorgung: Hierbei kommt es zu einer Minderdurchblutung der unteren Extremität z.B. aufgrund einer Arterienverkalkung oder Störungen der ganz kleinen arteriellen Gefäße (Mikroangiopathien). Dieses Krankheitsbild wird als periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bezeichnet. Mikroangiopathische Störungen kommen z.B. bei Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder rheumatoider Arthritis vorkommen.
  • Weitere mögliche Ursachen: u.a. Verletzungen, Tumoren, Bluthochdruck, Infektionen oder Allgemeinerkrankungen wie z.B. Rheuma, genetische Veranlagung.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung gegen Gefäßveränderungen und damit letztendlich auch gegen Unterschenkelgeschwüre werden u.a. folgende Lebensstilmaßnahmen empfohlen:

  • Verzicht auf Nikotinkonsum,
  • regelmäßige Bewegung,
  • Gewichtsreduktion,
  • fettarme Ernährung.

Weitere Informationen finden Sie unter Gesund leben: Bewegung, Gesund leben: Ernährung sowie Abhängigkeiten & Sucht: Nikotin.

Darüber hinaus sollte – insbesondere bei bereits erhöhtem Risiko (z.B. Diabetes, Varizen, Bluthochdruck, Rheuma, chronisch-venöse Insuffizienz) für Unterschenkelgeschwüre – auf folgende Maßnahmen Wert gelegt werden:

  • regelmäßige Kontrolle der Füße und Beine,
  • weiches und passendes Schuhwerk,
  • Vermeidung von Verletzungen.

Symptome

Arterielle und venöse Unterschenkelgeschwüre verursachen unterschiedliche Symptome und werden teilweise auch anders behandelt. Bei konsequenter und frühzeitiger Therapie kann ein Ulcus cruris zumeist innerhalb weniger Monate wieder vollständig abheilen.

Folgende Symptome können u.a. bei Unterschenkelgeschwüren auftreten:

  • Ulcus cruris venosum: Durch den erhöhten Druck in den Venen werden Blutzellen durch die Gefäßwände in das umliegende Gewebe gedrückt und zerfallen. Dadurch kann es zu Gelb- oder Braunverfärbung der Haut kommen. Weiters können Areale mit weißlicher, verdünnter Haut sowie spinnwebartigen Gefäßzeichnungen am Innenknöchel entstehen. Im Knöchelbereich bilden sich Ödeme. Mit der Zeit verhärtet sich das Haut- und Unterhautgewebe.
    Aufgrund der venösen Abflussstörung werden Stoffwechselabbauprodukte nicht mehr abtransportiert und schädigen die Hautzellen. Durch Risse oder kleine Verletzungen bilden sich geschwürartige, schlecht heilende und oftmals schmerzhafte Wunden. Die Geschwüre sind zunächst kleinflächig, können sich jedoch unbehandelt rasch deutlich vergrößern und den gesamten Unterschenkel betreffen. Sie liegen meist innenseitig und oberhalb des Knöchels.
  • Ulcus cruris arteriosum: Durch Gefäßverschluss kommt es zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie) und zum Absterben des Gewebes mit Geschwürbildung. Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf setzen unter Bewegung immer früher Schmerzen ein. Schließlich sind diese selbst bei Ruhe spürbar. Die Füße und Beine sind kalt, blau und fahl verfärbt. Arterielle Unterschenkelgeschwüre bleiben meistens klein und rund. Sie treten verstärkt an der Außenseite des Unterschenkels, Füßen, Zehen sowie Fersen auf.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Dabei wird das Ulcus in seiner Größe und Form genau dokumentiert (Beschreibung, Foto). Die arteriellen Fußpulse werden geprüft und der Beinumfang gemessen. Weiters können ein Abstrich zur Keimidentifizierung oder eine Gewebeprobe erwogen werden. Bei sehr tiefen Geschwüren kann eine Röntgenaufnahme zum Ausschluss einer Knochenbeteiligung notwendig sein. Als weiterführende Untersuchungen kommen v.a. Doppler-Sonographie und Duplexsonographie zum Einsatz.

Therapie

Die Lokaltherapie beginnt bei allen Unterschenkelgeschwüren mit einer Wundreinigung. Dazu kann Trinkwasser oder sterile physiologische Kochsalzlösung verwendet werden. Abgestorbenes Gewebe und Wundbeläge werden, meist unter Lokalanästhesie, entfernt (Debridement) – dazu stehen enzymatische, physikalische oder chirurgische Verfahren zur Auswahl. Die Wunde wird mit hydroaktiven Wundauflagen (Hydrokolloide, Hydrogele, Alginate, Polyurethanschaum) versorgt, die für ein feuchtes Wundmilieu sorgen und die Epithelbildung fördern. Bei Bedarf werden schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente verordnet. Die übrige Vorgehensweise richtet sich danach, ob es sich um ein artiell oder venös bedingtes Geschwür handelt.

  • Bei einer rein venösen Ursache wird meist eine – lebenslange – Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen und -verbänden verordnet. Dadurch wird die Stauungsproblematik verringert und der gestörte Rückfluss verbessert. Daneben wird regelmäßige Bewegung empfohlen. Venen, in denen der Rückstau besonders ausgeprägt ist, können im Rahmen eines Strippings entfernt, mit Laser verschlossen oder medikamentös verödet werden.
  • Bei einer arteriellen Ursache kann die Durchblutungssituation u.a. durch Wiederherstellung der normalen Durchblutung durch sogenannte endovaskuläre Eingriffe (wie Ballondilatation oder Einsetzen eines Stents) sowie gefäßchirurgische Eingriffe (z.B. Bypass-Operation) verbessert werden.

Prognose

Bei konsequenter und frühzeitiger Behandlung heilt ein Ulcus cruris zumeist innerhalb weniger Monate wieder vollständig ab. Bei venös bedingten Geschwüren sind zwar die Heilungschancen günstiger, allerdings auch die Rückfallraten höher. Zur Vorbeugung von Rückfällen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • angepasste Kompressionsstrümpfe tragen,
  • Beine hochlagern und nicht übereinanderschlagen,
  • regelmäßige Bewegungstherapie (Motto: Lieber laufen und liegen statt sitzen und stehen!).

Erst wenn nach drei Monaten Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen bei einem venösen Ulcus cruris keine Heilungstendenz erkennbar ist oder innerhalb von zwölf Monaten keine Heilung festgestellt werden kann, werden meist chirurgische Verfahren in Erwägung gezogen. 

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung eines Ulcus cruris können je nach zugrundeliegender Erkrankung verschiedene Stellen zuständig sein, u.a.:

  • Hautärztin/Hautarzt,
  • Gefäßspezialistin/ Gefäßspezialisten (Angiologin/Angiologe, Phlebologin/Phlebologe),
  • Diabetologin/Diabetologe (Diabetes mellitus),
  • Onkologin/Onkologe (Tumorerkrankung) oder
  • Internistin/Internist (Bluthochdruck).

Eine wichtige Rolle in der Wundversorgung speziell im Krankenhaus spielt das Pflegepersonal.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Maßnahmen zur Diagnose und Therapie werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt für Innere Medizin.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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