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Haare neben der Haarbürste © bina79

Haarausfall: Diagnose & Therapie

Volles Kopfhaar gilt gemeinhin als Schönheitsideal. Umso mehr leidet das Selbstbewusstsein vieler Betroffener, wenn es zu vermehrtem Haarausfall kommt. Die möglichen Ursachen dafür reichen von genetischer Veranlagung über Schwangerschaft bis hin zu diversen Erkrankungen. Es gibt verschiedene Formen von Haarausfall, denen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Nach dem Auslöser richtet sich auch die jeweilige Behandlung . . .

Lebenszyklus des Haares

Normalerweise besitzt der Mensch etwa 80.000 bis 100.000 Kopfhaare – Blonde eher etwas mehr, Rothaarige weniger. Auf dem Kopf existiert rund eine Million säckchenförmige Haarfollikel, die nur wenige Millimeter groß sind. Etwa jede zehnte dieser Haarwurzeln ist zum aktuellen Zeitpunkt aktiv und bildet ein neues Haar. Der Lebenszyklus der Haare gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Wachstumsphase: 80 bis 90 Prozent der Haare befinden sich in dieser Phase. Sie dauert im Durchschnitt etwa zwei bis sechs Jahre und bestimmt die maximale Haarlänge. Haare wachsen pro Monat etwa einen Zentimeter. Menschen mit einer eher kurzen Haarwachstumsphase können daher kein sehr langes Haar bekommen, auch wenn sie diese nur selten und wenig schneiden lassen.
  • Übergangsphase: Dieser Abschnitt dauert nur kurz.
  • Ruhephase: Nach dieser etwa zwei bis vier Monate dauernden Periode fällt das Haar von alleine aus. Im Normalfall verlieren wir etwa 50 bis 60 Haare pro Tag, bei einer Haarwäsche dürfen es bis zu 100 Haare sein.

Fallen mehr Haare aus, ist dieser Lebenszyklus gestört, und die Ursache sollte durch eine Hautärztin/einen Hautarzt abgeklärt werden. Je nach Auslöser stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Diagnose

Die Ärztin/der Arzt klärt im Gespräch mit der/dem Betroffenen, ob etwa eine familiäre Vorbelastung von Haarausfall oder eine einseitige Ernährung vorliegen könnte. Darüber hinaus wird nach einem Zusammenhang mit möglichen Ursachen (z.B. Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder haarschädigende Einflüsse) gesucht. Danach folgen eine körperliche Untersuchung insbesondere der Kopfhaut sowie gegebenenfalls mikroskopische Untersuchungen der Haarwurzel sowie von Hautproben. Auch Blutuntersuchungen können notwendig sein.

Häufige Formen und Therapie

Es gibt verschiedene Formen von Haarausfall, denen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Nach dem Auslöser richtet sich auch die jeweilige Behandlung. Sie reichen von diversen Lokaltherapien über systemische Therapien bis hin zur sogenannten Mesotherapie. Dabei werden niedrig dosierte Substanzen direkt in die Kopfhaut injiziert.

Sind diese Behandlungen nicht oder nicht ausreichend wirksam und ist der Leidensdruck groß, können eine Perücke, ein Toupet oder Haareinflechtungen Abhilfe schaffen. Eine Haartransplantation sollte nur mit Vorsicht angedacht und ausschließlich von spezialisierten Fachleuten durchgeführt werden, da sie zu Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen und chronischen Infektionen führen kann.

Tipp Wenden Sie sich ausschließlich an seriöse, speziell ausgebildete Ärztinnen/Ärzte, und besprechen Sie im Vorhinein die Erfolgschancen sowie die Kosten der jeweiligen Methode.

Anlagebedingter Haarausfall

Ursachen: Diese genetisch und hormonell bedingte Form (Androgenetische Alopezie) ist in etwa 95 Prozent der Fälle – sowohl bei Frauen als auch, noch deutlich häufiger, bei Männern – für Haarverlust verantwortlich. Durch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber männlichen Hormonen (Androgenen) verkleinern sich die Haarfollikel. Die Haarproduktion wird eingeschränkt, und die Haare fallen auch schneller aus. Beim Mann kommt es zu einem gesteigerten Bartwuchs. Eine Vermehrung der Talgdrüsen auf dem Kopf trägt zusätzlich zum Verlust der Kopfhaare bei.

Symptome: Der Haarverlust beginnt häufig schon in der Pubertät. In den mittleren Lebensjahren ist etwa jeder zweite Mann betroffen. Häufig zeigen sich zunächst „Geheimratsecken“, die sich im Laufe der Zeit zu einer Teil- oder Vollglatze entwickeln.
Bei Frauen lichtet sich das gesamte Kopfhaar. Gleichzeitig entwickelt sich an anderen Körperstellen eine unliebsam vermehrte Behaarung, z.B. an den Beinen, Unterschenkeln, Zehen oder im Gesicht.

Therapie: Für diese Form gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen, deren Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Zur Behandlung stehen Medikamente zur Verfügung, die den Haarausfall stoppen können. An bereits kahlen Stellen wachsen keine Haare mehr nach, da sich die Haarwurzeln bereits verkleinert haben und dies nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Für Frauen und Männer kommen teilweise unterschiedliche Präparate zum Einsatz. Meistens ist eine dauerhafte Anwendung erforderlich.

  • Behandlung bei Männern: Der Wirkstoff Finasterid beeinflusst den Testosteronstoffwechsel. Er muss regelmäßig und über längere Zeit eingenommen werden. Eine mögliche Nebenwirkung sind Potenzprobleme.
  • Behandlung bei Frauen: Kombinierte Hormonpräparate (Östrogen und Gestagen) – z.B. die Antibabypille bei jüngeren Frauen – wirken als Gegenspieler zu Testosteron. Lokal auf die Kopfhaut können östrogenhaltige Lösungen aufgetragen werden. Diese wirken nur im Zeitraum ihrer Anwendung. Frauen – insbesondere in der Schwangerschaft – dürfen Finasterid nicht anwenden.
  • Behandlung bei Frauen und Männern: Der Wirkstoff Minoxidil muss bei Frauen niedriger dosiert werden als bei Männern. Er wird lokal auf die Kopfhaut aufgetragen. Die Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise erweitert Minoxidil aufgrund seiner blutdrucksenkenden Wirkungen die Blutkapillaren und fördert dadurch die Durchblutung. Zusätzlich scheint es die Ruhephase des Haarzyklus zu verkürzen.

Kreisrunder Haarausfall

Ursachen: Die Auslöser der sogenannten Alopecia areata sind nicht genau bekannt, diskutiert werden autoimmunologische Faktoren. Dabei greifen körpereigene Abwehrzellen die Haarwurzeln an. Das gehäufte Auftreten innerhalb einer Familie lässt auch auf eine genetische Veranlagung schließen. Relativ häufig betroffen sind Jugendliche (zirka einer von 1.000). Speziell in diesem Alter ist der psychische Leidensdruck sehr hoch. Ein wichtiger Auslösefaktor dieser vermutlich autoimmunologisch bedingten Erkrankung scheint Stress zu sein.

Symptome: Hauptmerkmal sind plötzlich auftretende kreisrunde haarlose Stellen auf dem Kopf. Da vorwiegend pigmentierte Haare betroffen sind, ergrauen Betroffene oft in relativ kurzer Zeit. Selten kann auch die gesamte Körperbehaarung ausfallen (Alopecia universalis). Die Haare können nach einigen Monaten spontan wieder nachwachsen, danach aber erneut verloren gehen.

Therapie: Da die Ursachen meist unbekannt sind, gestaltet sich die Behandlung schwierig und ist häufig wenig oder nur vorübergehend wirksam. In manchen Fällen kommt es zu Spontanheilungen. Eine Entzündung an den Haarwurzeln wird durch verschiedene lokale Maßnahmen zu lindern versucht, z.B.:

  • durchblutungsfördernde Tinkturen, Minoxidil,
  • entzündungshemmende Medikamente,
  • lokale Anwendung von Diphencypron (DPCP) oder Quadratsäure,
  • Bestrahlung mit UV-Licht,
  • orale Zinkgabe.

Vernarbender Haarausfall

Ursachen: Durch Entzündung der Kopfhaut kommt es zu irreversiblem Haarausfall mit Vernarbung. Als Auslöser kommen folgende Faktoren infrage:

  • Physikalische Schäden: z.B. Röntgenstrahlen, Verbrennung, Verätzung;
  • Tiefe Infektionen: meist mit Bakterien oder Pilzen, seltener mit Viren;
  • Autoimmunerkrankungen: z.B. Lupus erythematodes oder Morphea;
  • Unklare Ursache (idiopathisch): chronisch verlaufende, eitrige, tiefe Follikulitis (Folliculitis decalvans).

Symptome: Im Bereich der Kopfbehaarung finden sich perifollikuläre Entzündungen und übermäßige Verhornungen der Haut (Hyperkeratosen). Meist sind zwischen den entzündeten Arealen Narben an der Kopfhaut erkennbar.

Therapie: Wenn möglich, wird eine ursächliche – d.h. meist gegen Bakterien oder Pilze wirksame – Behandlung durchgeführt. Je nach Schweregrad können auch Glukokortikoide, Retinoide oder Immunsuppressiva zur Anwendung kommen.

Diffuser Haarausfall

Ursachen: Als Auslöser gelten v.a. Krankheiten, Nährstoffmangel oder äußere schädigende Einflüsse auf das Haar selbst, u.a. :

  • Nach Geburten oder nach der Pubertät;
  • Infektionen: z.B. Gürtelrose, Erysipel;
  • Stoffwechselstörungen: z.B. Diabetes, erhöhte Blutfette, Krankheiten von Leber oder Schilddrüse, Störungen der Geschlechtshormone;
  • Mangelerscheinungen, z.B. durch einseitige Diäten (v.a. Unterversorgung mit Eisen, Zink, Folsäure, Vitamin B12);
  • Haartoxische Substanzen: Umweltschadstoffe, Medikamente (z.B. Chemotherapien);
  • Haarschädigende Einflüsse: z.B. häufiges Tragen von Kopfbedeckungen, intensives Kämmen und Bürsten, Toupieren, enge Haarbänder, Tönen, Färben, Bleichen, Dauerwellen, häufiges Waschen mit alkalischen Shampoos, heißes Fönen, intensive Sonneneinwirkung.

Daneben kann diffuser Haarausfall auch bei chronischem Stress, nach Geburten oder der Pubertät, saisonal oder als normaler altersbedingter Prozess auftreten.

Symptome: Das Haupthaar lichtet sich insgesamt immer mehr. Wenn die Ursache behoben ist, können die Haare wieder nachwachsen, soferne die Haarwurzeln noch intakt sind.

Therapie:
Behandlung bzw. Beseitigung der Ursache.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei plötzlichem oder länger andauerndem Haarausfall können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Dermatologie und Venerologie.

Vorteilhaft ist, wenn die Ärztin/der Arzt über eine spezielle Ausbildung sowie ausreichende Erfahrung in der Behandlung von Haarausfall verfügt. Besprechen Sie im Vorhinein die möglichen Therapieoptionen, ihre potenziellen Erfolgschancen sowie die damit verbundenen Kosten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für therapeutische Maßnahmen müssen in den meisten Fällen von der Patientin/dem Patienten selbst getragen werden. Die diagnostische Abklärung der Ursachen wird hingegen meist von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Perücken werden aus leistungsrechtlicher Sicht als Hilfsmittel qualifiziert. Daher gelten die allgemeinen Regelungen für den Bezug von bzw. die Kostenübernahme für Hilfsmittel. Nähere Informationen finden Sie unter Gesundheitsleistungen: Heilbehelfe & Hilfsmittel.

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