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Rettungswagen im Einsatz © Thaut Images

Notfall „Schlaganfall“

„Zeit ist Hirn“ – nichts zählt beim akuten Schlaganfall so sehr wie die Zeit. Jede Minute der Durchblutungsstörung bzw. der Hirnblutung schädigt das Gehirn. Je schneller die Betroffenen behandelt werden, desto besser sind die Chancen, den Schlaganfall zu überleben und Hirnzellen zu retten. Nur so können schwere Folgeschäden möglichst verhindert werden. Schlaganfall-Diagnostik und -Akutbehandlung sind daher immer ein Wettlauf mit der Zeit. Die magische Grenze für den optimalen Therapiebeginn liegt innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach den ersten Anzeichen eines ischämischen Schlaganfalls . . .

Wichtig: Die Zeitrechnung beginnt ab den ersten Anzeichen, nicht erst beim Eintreffen im Krankenhaus! Das bedeutet: Nur wenn Betroffene, Angehörige oder beim Notfall Anwesende die Erst-Symptome sofort erkennen und richtig handeln, lassen sich unnötige Verzögerungen bis zur Spitalseinlieferung verhindern. 

TIA oder „echter“ Schlaganfall?

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) – auch als „Schlagerl“ bezeichnet – ist oft Vorbote eines Schlaganfalls. Bei diesem „leichten Schlaganfall“ ist die Hirndurchblutung nur kurzfristig gestört. Es kommt wie beim Schlaganfall zu plötzlich auftretenden neurologischen Ausfallserscheinungen.

Häufig auftretende Symptome 

  • Lähmungs- und Taubheitsgefühl: z.B. Schwäche und/oder Taubheit in einem Arm, in einem Bein oder einer gesamten Körperhälfte; Taubheitsgefühl im Mund; hängender Mundwinkel
  • Sprachstörungen
  • Plötzliche Verwirrtheit
  • Schwindel und/oder Gleichgewichtsstörung: z.B. Gleichgewichtsstörungen mit und ohne Schwindel
  • Seh- und Hörstörungen: z.B. Sehen von Doppelbildern

Diese Störungen bilden sich jedoch – im Unterschied zum „echten“ Schlaganfall – meist nach Minuten (manchmal erst nach Stunden) wieder vollständig zurück. Trotzdem handelt es sich bei der TIA um einen medizinischen Notfall. Auf jeden Fall sofort die Rettung bzw. die Notärztin oder den Notarzt rufen (Tel.: 112)! Unbehandelt erleidet jeder Zehnte mit einer TIA innerhalb der nächsten drei Monate einen weiteren Schlaganfall, die Hälfte davon bereits innerhalb von zwei Tagen. Daher sollte auch eine TIA wie der „große“ Schlaganfall sofort behandelt werden.

Eine Untersuchung der Universität Oxford zeigt, dass man durch die Akutbehandlung und die Nachbetreuung einer TIA in einer Stroke-Unit zu 80 Prozent einen nachfolgenden Schlaganfall vermeiden kann.

Anzeichen eines Schlaganfalls

Der Schlaganfall kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel und erfordert sofortiges Handeln. Daher ist es wichtig, dass auch medizinische Laien die typischen Anzeichen für einen Schlaganfall erkennen und Sofortmaßnahmen setzen. Achtung: Rufen Sie bei den ersten Anzeichen für einen Schlaganfall immer unverzüglich die Rettung oder die Notärztin/den Notarzt.





Häufige Anzeichen

Art und Intensität der Schlaganfall-Symptome hängen vor allem von der Lokalisation und Größe des geschädigten Hirnareals ab.

  • Halbseitige Lähmung: Mundwinkel hängt herab. Arm und/oder Bein sind schlaff und kraftlos.
  • Gefühllosigkeit bzw. Taubheit an verschiedenen Körperregionen (meist Arm, Bein oder Gesicht): z.B. plötzliche Ungeschicklichkeit der Hand bzw. die Hand fühlt sich „fremd“ an
  • Sprachstörung oder Sprachverständnisstörungen: verwaschene Sprache (Lallen), Silbenverdrehungen, Sprachverlust und/oder Verständnisstörungen (z.B. falsches Befolgen von Anweisungen oder sinnloser Wortschwall)
  • Plötzliche Sehschwäche/Sehstörungen: Sehen von Doppelbildern, verschwommenes Sehen, einseitiger Sehverlust, halbseitige Gesichtsfeldausfälle
  • Plötzliche starke Kopfschmerzen können auf eine Gehirnblutung hinweisen.
  • Benommenheit, ungerichteter Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Koordinationsschwäche: unsicherer Gang mit Fallneigung (besonders zu einer Seite hin)

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Bei Bewusstlosigkeit der/des Betroffenen:

  • Lockern Sie die Kleidung zur Erleichterung der Atmung.
  • Stabile Seitenlagerung
  • Notruf 144 oder Euronotruf 112
  • Jede Minute Kontrolle der Atmung! Atemstillstand erfordert Reanimierungsmaßnahmen durch den Ersthelfer. Anleitungen zur Ersten Hilfe finden Sie auf der Website der Wiener Berufsrettung.

Bei Bewusstsein der/des Betroffenen:

  • Notruf 144 oder Euronotruf 112
  • Kopf und Schultern der/des Betroffenen erhöht lagern (Kopfpolster unterlegen)
  • Lockern Sie die Kleidung zur Erleichterung der Atmung.
  • Sorgen Sie für Frischluft (Fenster öffnen).

Weitere Maßnahmen:

  • Halten Sie die Atemwege frei – gegebenenfalls Zahnprothesen entfernen.
  • Bei Übelkeit und Erbrechen bringen Sie die Betroffene oder den Betroffenen in die stabile Seitenlage.
  • Auf keinen Fall Getränke einflößen! Viele Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten haben Schluckstörungen.
  • Medikamente dürfen ebenfalls nicht verabreicht werden! Auch nicht gegen bestehende Kopfschmerzen. Viele dieser Medikamente (z.B. Aspirin) können eine mögliche Gehirnblutung verstärken. 

Maßnahmen durch die Notärztin/den Notarzt

Die Notärztin/der Notarzt bzw. die Rettungssanitäterin/der Rettungssanitäter führt eine rasche Notfalluntersuchung durch und befragt die Betroffene oder den Betroffenen bzw. die Angehörigen – vor allem auch nach dem Zeitpunkt der ersten Anzeichen. Sie/er dokumentiert Beginn der Symptomatik, Ausmaß der Ausfallserscheinungen wie Lähmungen, Sprach-, Sehstörungen etc. Außerdem misst sie/er den Blutdruck, kontrolliert die Atmung und beurteilt die Bewusstseinslage. Häufig legt sie/er bereits einen intravenösen Zugang. Die Notärztin/der Notarzt bzw. die Rettungssanitäterin/der Rettungssanitäter veranlasst umgehend den Transport in ein Krankenhaus (im besten Fall in eine Schlaganfalleinheit) und kündigt die Patientin/den Patienten per Telefon an. Während des Transports kann im Rettungswagen bereits ein EKG durchgeführt werden.

Da viele Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten Sprachstörungen aufweisen, sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf die Informationen von Angehörigen angewiesen. Die Begleitung der Patientin oder des Patienten ins Krankenhaus durch Angehörige ist daher sehr wichtig! Im Krankenhaus bieten sogenannte Stroke-Units (speziell auf Schlaganfall ausgerichtete Überwachungseinheiten) das ideale Umfeld für eine schnelle Diagnose und Therapie. Dabei liegt Österreich mit 39 Stroke-Units in puncto Akutversorgung von Schlaganfall-Patientinnen und Schlaganfall-Patienten im internationalen Vergleich im absoluten Spitzenfeld.

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