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Unheimliches Szenario mit Vollmond und Fledermaus © Zacarias da Mata

Albträume: Was ist das?

Der Herzschlag wird schneller und schneller, Angst macht sich breit und Schreckensszenen laufen vor dem inneren Auge ab. Dann das Aufwachen – zum Glück war alles nur ein Traum, in diesem Fall ein Albtraum. Im Laufe der Nacht träumt man mehrmals und wacht zwischendurch auf. Nicht immer ist jedoch eine Erinnerung daran vorhanden. Traumerinnerungen machen es möglich, Träume zur Persönlichkeitsentwicklung und auch in der Psychotherapie einzusetzen. Hin und wieder einen Albtraum zu erleben, kann erschreckend sein, ist jedoch aus psychologischer beziehungsweise medizinischer Sicht nichts Ungewöhnliches. Wenn Albträume jedoch gehäuft auftreten und sie die Befindlichkeit sowie den Schlaf stärker beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden . . .

Körper und Seele unter Hochspannung

Albträume (auch Angstträume genannt) gehören zu den sogenannten Parasomnien. Bei diesen wird der Schlafprozess durch Ereignisse oder Vorgänge unterbrochen, etwa auch bei Schlafwandeln oder bei Nachtangst (Pavor nocturnus). Albträume führen zu plötzlichem Aufwachen – der Trauminhalt ist greifbar. Bei sogenannten schlechten Träumen folgt später eine Erinnerung – nicht immer wachen Träumende jedoch dabei auf. Angstträume treten vermehrt in der zweiten Nachthälfte auf – während einer langen REM-Phase. In einer REM-Schlafphase finden schnelle Augenbewegungen statt (rapid eye movement) und der Schlaf ist oberflächlich, der Körper jedoch tief entspannt. 

Die International Classification of Sleep Disorders der American Academy of Sleep Medicine gibt genauere Definitionskriterien für Albträume vor. So steigen bzw. schwanken währenddessen Herz- und Atemfrequenz –Träumende erwachen. Kurz danach und oft auch noch später kann die Erinnerung daran wiedergegeben werden. Inhalt dieser Schreckensträume ist meist eine akute Gefährdung des Lebens, des Selbstwerts oder der eigenen Sicherheit. Doch auch Gefühle wie Wut, Trauer und Schmerzempfindungen sind beispielsweise möglich. Oft bleibt es nicht bei einem Albtraum, sondern die Inhalte wiederholen sich im Lauf der Zeit.

Unterschiedliche Arten von Albträumen

Es gibt unterschiedliche Arten von Albträumen:

  • unangenehme Träume (dysphorische Träume),

  • schlechte Träume (ohne Aufwachen),

  • Albträume (mit Aufwachen),

  • posttraumatische Albträume und Flashbacks (nach einem Trauma z.B. Krieg oder Naturkatastrophe). Unter Flashbacks versteht man das plötzliche imaginative (in der geistigen Vorstellung) Wiedererleben des Traumas.

     

Angstträume können zu deutlichen Beeinträchtigungen der Schlafqualität führen (z.B. der Angst, wieder einzuschlafen) und persönlichen Leidensdruck erzeugen, der bis in soziale und berufliche Bereiche spürbar wird.

Nachtangst, Schlaflähmung und nächtliche Panikattacken

Neben Albträumen gibt es noch andere erschreckende Zustände während der Nacht. Besonders irritierend ist etwa die Schlaflähmung. Bei dieser kommt es zu einer kompletten Lähmung der Körpermuskulatur während des Erwachens – einzig davon ausgenommen ist die Augenmuskulatur. Es können in dieser Phase auch Halluzinationen auftreten. Schlaflähmungen werden vor allem mit Narkolepsie in Verbindung gebracht. Zudem kommen sie auch in der Pubertät gehäuft vor. Sie sind meist mit großem Schrecken verbunden, aber in der Regel harmlos.

Schreckt man vor Angst hoch, hat jedoch keinen Traum in Erinnerung, könnte es sich auch um eine nächtliche Panikattacke handeln. Diese fühlt sich ähnlich an wie eine tagsüber stattfindende. Nähere Informationen zu Angststörungen finden Sie unter Diagnose von Angststörungen.

Die Nachtangst – auch Pavor nocturnus genannt – ist gekennzeichnet durch ein Auftreten in den ersten paar Stunden während des Schlafs. Betroffene schrecken förmlich aus dem Schlaf auf – oftmals mit einem lauten Schrei. Auch der Körper ist in absoluter Alarmbereitschaft: Puls und Atmung rasen. Es ist schwierig, Menschen in dieser Situation aufzuwecken. Oft sind sie orientierungslos und wissen nichts von einer konkreten Traumhandlung. Lediglich fürchterliche Bilder und massive Angstgefühle werden geschildert.

Ursachen und Häufigkeit

Es gibt keine definitiven Erklärungen für die Entstehung von Albträumen. Als mögliche Ursachen kommen z.B. infrage:

Die Häufigkeit von Albträumen ist nicht einfach zu eruieren. Studien haben ergeben, dass rund vier Prozent der österreichischen Bevölkerung darunter leiden. Die Analyse von Traumtagebüchern kommt in Summe zu einer höheren Frequenz.

Vorgänge im Gehirn während eines Albtraums

Das Gehirn ist das Organ, in dem Träumen stattfinden. Doch welche Strukturen sind daran beteiligt? Nach heutigem Wissensstand sind folgende Hirnareale besonders in das Albtraumgeschehen eingebunden:

  • Mandelkern (Amygdala),

  • Hippocampus,

  • präfrontale Hirnrinde (bremst Gefühle, die von der Amygdala ausgehen, ein),

  • vorderer Teil des sogenannten Cingulums.

Kinder & Albträume

Die Häufigkeit des Auftretens von Albträumen ist altersabhängig. So treten diese am häufigsten im Kindesalter auf – mit einem Gipfel zwischen fünf und zehn Jahren. Das ist ganz natürlich. Das Träumen „wie ein Erwachsener“ muss sich allerdings entwickeln. Das „filmhafte“ Träumen entsteht nach und nach. In der frühen Kindheit sind Träume eher statischen Bildern ähnlich. Zwischen neun und fünfzehn Jahren erweitert sich das Traumgeschehen rapide. Zudem ist auch die Unterscheidung zwischen Realität, Traum, Geschichten oder Märchen und Fantasie etwas, das gelernt werden will.

Der Realitätssinn entsteht ab dem zweiten Lebensjahr. Bis zu diesem Zeitpunkt verschwimmen die Ebenen von Traum und Realität. Zwischen vier und sechs Jahren können Kinder langsam das Traumgeschehen als solches wahrnehmen. Ab dem siebenten Lebensjahr erkennen sie einen Sinn als Ausdruck ihres psychischen Erlebens darin. Manchmal ist es bei sehr kleinen Kindern nicht ganz klar, ob sie einen Albtraum hatten oder sich einfach beim Aufwachen vor etwas geschreckt haben (z.B. der Dunkelheit) und deshalb Schutz bei den Eltern suchen.

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