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Frau liegt erschöpft auf Sofa und hält sich Kühlbeutel auf Stirn © diego cervo

Migräne: Diagnose & Therapie

Wichtigstes Instrument zur Migräne-Diagnose ist das ärztliche Gespräch, mit einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte. Besonders aufschlussreich sind dabei die genauen Schilderungen der Patientin/des Patienten (z.B. mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs). Die Behandlung umfasst die Akuttherapie einzelner Attacken sowie die Vorbeugung von Migräneanfällen (Prophylaxe/Intervalltherapie) . . .

Diagnose von Migräne

Ein Kopfschmerztagebuch hilft, die Schmerzen besser zu beschreiben, und erleichtert der Ärztin/dem Arzt die Diagnosefindung. Weiters ist eine körperliche und neurologische Untersuchung notwendig. Gegebenenfalls sind weitere Abklärungen (z.B. ein EEG, CT oder MRT) erforderlich, um andere Erkrankungen auszuschließen. Zudem können Laboruntersuchungen, Röntgenverfahren zur Darstellung von Blutgefäßen oder die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis) im Bedarfsfall zum Einsatz kommen.

Ist die Diagnose Migräne gestellt, sollten eine umfassende Information über die Erkrankung sowie eine Beratung über Therapiemaßnahmen erfolgen. Dabei soll das Verständnis für das Krankheitsbild ermöglicht werden. Ebenso wird die Sensibilität für mögliche Auslöser gestärkt, da es diese zu vermeiden gilt.

Akuttherapie einer Migräneattacke

Zu dieser zählen Maßnahmen zur Reizabschirmung (z.B. Rückzug in dunklen Raum, liegen), kalte Umschläge auf Stirn/Kopf sowie gegebenenfalls eine Tasse Kaffee oder Tee. Koffein oder Teein können schmerzlindernd wirken. Zur medikamentösen Behandlung sollten Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff zur Anwendung kommen – vor allem Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol oder Naproxen. Acetylsalicylsäure sowie Paracetamol werden auch in Kombination mit Koffein angewandt. Mischpräparate mit mehreren Wirkstoffen zeigen ansonsten meist nach einiger Zeit einen Verlust an Wirkung, und deswegen wird die Dosis gesteigert.

Wenn die Schmerzmittel nicht oder nur ungenügend wirken, können Triptane (gefäßverengende Medikamente) zum Einsatz kommen. Diese werden als Tablette (oder auch als Löstablette bei Übelkeit) eingenommen. Alternativen sind die Anwendung als Nasenspray, Zäpfchen oder Subkutan-Spritze. Triptane dürfen nicht häufiger als zehn Tage im Monat verabreicht werden. Parallel werden oft Arzneien gegen Übelkeit empfohlen. Bei sehr starken Anfällen kann eine Notfallbehandlung durch eine Notärztin/einen Notarzt bzw. in einer Spitalsambulanz erforderlich sein.

Hinweis Übermäßiger Schmerzmittelgebrauch kann unter anderem zu Abhängigkeit und zu Nierenversagen oder Leberschädigung führen. Daher sollte in jedem Fall Rücksprache mit einer Ärztin/einem Arzt erfolgen, um diese Komplikationen zu vermeiden. Zudem können Schmerzmittel selbst Ursache von Kopfschmerzen sein, dem sogenannten schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz.

Vorbeugende Maßnahmen

Damit es gar nicht erst zum Auftreten von Migräneanfällen (oder zumindest nur in abgeschwächter Form) kommt, sind vorbeugende Maßnahmen wesentlich. Es wird unterschieden zwischen Kurzzeit- und Langzeitprophylaxe.

Kurzzeitprophylaxe

Der Migräneanfall soll dabei bereits in der Vorphase abgeblockt werden. Vor allem Attacken am Wochenende, während der Menstruation oder in der Nacht können damit abgeschwächt bzw. verhindert werden. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören die Einnahme eines Schmerzmittels oder Kaffeetrinken. Vor der Regel kann auch ein Östrogenpflaster Erleichterung verschaffen.

Langzeitprophylaxe

Diese ist dann notwendig, wenn die Attacken häufiger als dreimal im Monat auftreten, länger als zwei Tage andauern und die Schmerzen unerträglich sind. Zudem kommt sie zum Einsatz, wenn die Akuttherapie schlecht verträglich ist sowie die Aura lange anhält oder Komplikationen auftreten. Zu den Maßnahmen einer Langzeitprophylaxe zählen Medikamenteneinnahme (Betablocker, Flunarizin, Antidepressiva sowie die Antiepileptika Valproat und Topiramat) und Verhaltenstraining.

Zudem kann Biofeedback als komplementärmedizinische Maßnahme hilfreich sein. Für Akupunktur, Fischölpräparate, Mutterkraut, Pestwurz sowie das Koenzym Q10 liegen keine Wirksamkeitsbeweise vor – ebenso für Yoga. Die Wirksamkeit dieser Komplementärtherapien wird jedoch vermutet.

Was können Betroffene selbst tun?

Patientinnen/Patienten können zum Therapieerfolg maßgeblich beitragen. Dazu gehören die Optimierung des Lebensstils (Identifizierung und Vermeidung von Auslösern, Ausdauersport) sowie das Erlernen und Praktizieren von Entspannungsmethoden (z.B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) sowie Stressmanagement

Wohin kann ich mich wenden?

Leiden Sie an Kopfschmerzen, so zögern Sie nicht, eine Allgemeinmedizinerin/einen Allgemeinmediziner oder eine Neurologin/einen Neurologen aufzusuchen. Es ist ratsam, nicht zu lange mit dem Arztbesuch zu warten, damit die Ursache dafür erkannt wird und die Kopfschmerzen nicht chronisch werden. Auch bei hohem Schmerzmittelkonsum sollte man sich diesbezüglich beraten lassen. Begleitend können etwa Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten und klinische Psychologinnen/Psychologen in die Behandlung mit einbezogen werden.

Die Österreichische Kopfschmerzgesellschaft und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. informieren zudem auf Ihren Internetauftritten zum Thema Kopfschmerz & Migräne (inklusive Suche nach spezialisierten Ambulanzen/Kopfschmerzzentren, Kopfschmerztagebuch bzw. -kalender sowie weitere, teils mehrsprachige, Downloads zu speziellen Themen etc.).

In jedem Fall sollte man bei folgenden Symptomen umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen:

  • neu aufgetretene, tägliche Kopfschmerzen,
  • bereits bestehende Kopfschmerzen verändern sich in Intensität oder Häufigkeit,
  • Fieber und starke Kopfschmerzen.

Folgende Symptome stellen medizinische Notfälle dar, bei denen die Rettung unter 144 gerufen werden muss:

  • schlagartig extreme Kopfschmerzen, die innerhalb von Minuten immer stärker werden,
  • Kopfschmerzen und Nackensteife sowie hohes Fieber,
  • Kopfschmerzen, die von Lähmungserscheinungen, Wesensveränderungen oder Gefühlsstörungen begleitet werden,
  • Kopfschmerzen, auf die Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle folgen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- & Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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