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Mann hilft verzweifelter Frau © kieferpix

Notfall: Psychiatrische Krise

Nicht nur bei Unfällen, Vergiftungen etc. kann Erste Hilfe notwendig sein, sondern auch bei psychiatrischen Krisen. Es handelt sich dabei um teils lebensbedrohliche Zustände, die sofortige medizinische und therapeutische Hilfe verlangen . . .

Woran erkenne ich eine psychiatrische Krise?

Gerät ein Mensch in einen psychiatrischen Notfall, leidet dieser meist bereits zuvor unter einer akuten psychischen Erkrankung (z.B. Schizophrenie, akute Angststörung, schwere Depression), bipolare Störung oder ein Substanzmissbrauch (z.B. Alkohol, Drogen). Auch ein akutes körperliches Leiden(z.B. Gehirnblutung) kann zu psychiatrischen Symptomen führen. Trotz großer Not kann nur schwer Kontakt zur betroffenen Person hergestellt werden. Im Gespräch wirken Betroffene oft abwesend und legen teils auch ungewöhnliches Verhalten an den Tag.

Kennzeichen einer psychiatrischen Krise

Eine psychiatrische Krise kann sich durch folgende Kennzeichen äußern:

  • Störungen des Bewusstseins (z.B. Benommenheit, Verwirrtheit, keine Reaktion auf Ansprechen bei starrem Blick),

  • Störung des Realitätsbezugs: Wahrnehmung, Denken und Handeln sind nicht realitätsnah und wirken „komisch“, z.B. „wirres“ Reden, Halluzinationen und Wahnvorstellungen,

  • unkontrolliertes (aggressives) Verhalten,

  • überflutende Gefühle, z.B. von Angst oder Trauer,

  • Ankündigung von selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten (z.B. Suizidabsichten) sowie

  • Nervenzusammenbruchetc.

Hinweis Bei einem psychiatrischen Notfall droht oft Lebensgefahr (z.B. bei Gefahr der Selbstschädigung oder eskalierender Gewalt). Eine akute Verschlechterung eines Krankheitszustandes mit unter Umständen nicht rückgängig zu machenden Folgen ist möglich. Daher ist bei einem psychiatrischen Notfall rasche medizinische Hilfe unumgänglich! Rufen Sie die Rettung unter 144 bzw. im Falle von akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133.

Erste-Hilfe-Schritte bei psychiatrischer Krise

Betroffene in Notsituation ansprechen

Haben Sie das Gefühl, ein Mensch bräuchte Hilfe, zögern Sie nicht, ihn anzusprechen. Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren und die Lage zu erfassen. Betroffene sollten Raum bekommen, selbst zu erzählen, wie es Ihnen geht. In jedem Fall ist die Privatsphäre der Person zu akzeptieren. Manchmal kann es sein, dass das Hilfsangebot abgewiesen wird. Das gilt in den wenigsten Fällen Ihnen persönlich. Holen Sie dennoch Hilfe!

Rechtzeitig und ohne zu diskutieren Hilfe holen

Rufen Sie die Rettung unter 144 oder die Polizei unter 133 bei Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung. Versuchen Sie, bei Menschen, die aggressiv sind, ruhig zu bleiben und halten Sie Abstand. Zeigen Sie klar Ihre Grenzen.

Hinweis Einfühlsam zu sein und gleichzeitig konsequent Hilfe zu organisieren, muss kein Widerspruch sein. Es ist jedoch manchmal schwierig, selbst einen klaren Kopf in dieser Situation zu bewahren. Diese kann sehr verunsichern. Gefühle wie Ohnmacht und Verzweiflung können so stark mitempfunden werden, dass man selbst fast handlungsunfähig wird. Vor allem, wenn man sehr in die Situation involviert ist. Diskutieren Sie jedoch nicht lange – holen Sie Hilfe.

Maßnahmen bis die Rettung eintrifft

Folgende Maßnahmen können Ihnen als Orientierung dienen, während professionelle Hilfe unterwegs ist:

  • Versuchen Sie die Betroffene/den Betroffenen nicht alleine zu lassen! Bleiben Sie wenn möglich mit ihr/ihm in Kontakt.

  • Vermeiden Sie Zurechtweisungen. Versuchen Sie diejenige/denjenigen zu beruhigen und ggf. noch weitere Hilfe zu holen. 

  • Nehmen Sie die Person und ihre Wahrnehmung ernst, stellen Sie diese nicht in Frage.

  • Die Rettungsleitstelle kann Ihnen auch über das Telefon Anweisungen geben, die Sie befolgen sollten.

Was kann ich tun, wenn ich selbst in einer psychiatrischen Krise bin?

  • Es geht Ihnen psychisch sehr schlecht? Kontaktieren Sie umgehend die Rettung unter der Nummer 144. Wenn jemand für Sie Hilfe holt, haben Sie soweit wie möglich Vertrauen, dass man Ihnen helfen möchte.

  • Sie sehen sich nicht mehr aus einer ausweglosen Situation hinaus, haben vielleicht auch Angst, sich etwas anzutun? Hilfsmöglichkeiten sowie rasche Ansprechstellen finden Sie unter Suizidgedanken? Holen Sie sich Hilfe. Es gibt sie.

Was ist der Unterschied zur psychischen Krise?

Eine psychische Krise wird durch belastende Lebensereignisse und/oder veränderte Umstände ausgelöst. Betroffene können diese momentan nicht mit ihren üblichen Problemlösungsstrategien bewältigen. In der Folge haben sie Schwierigkeiten, ihr Berufsleben sowie ihr soziales Leben zu meistern. Psychische Krisen sind manchmal nicht gleich offensichtlich. Seelische Wunden sind vielleicht nicht so gut sichtbar wie jene des Körpers, aber oft nicht weniger schmerzhaft. Durch rechtzeitiges Handeln können so manche Folgeerkrankungen (z.B.  posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen) oder gefährliche Situationen (z.B. Suizid, Gewalthandlung) vermieden werden. Nähere Informationen finden Sie unter So leisten Sie Erste Hilfe für die Psyche!.

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