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Druckverband bei blutenden Unterschenkel ©Fotolia

Notfall: Blutungen

Verletzungen von großen Blutgefäßen können starke Blutungen hervorrufen. Bei diesen Notfällen muss sofort gehandelt werden, denn die Situation kann schnell lebensbedrohlich werden.

Verliert der Körper eine große Menge Blut, besteht die Gefahr eines Schocks: Die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, der Kreislauf und der Stoffwechsel drohen zu versagen. Schnelle Hilfe ist das Um und Auf. 

Aufgrund des Blutverlustes kann es rasch zu einem sogenannten Schock kommen. In diesem Schockzustand stimmt das Verhältnis Blutvolumen zu Gefäßvolumen nicht mehr, so dass der Körper auf ein Notprogramm umschaltet.

Wie äußert sich ein (drohender) Schock?

Bei einer starken Blutung geht in kürzester Zeit eine große Menge Blut verloren. Bei äußeren Verletzungen tritt das Blut oft schwall- oder stoßartig aus, aber auch innere, nicht sichtbare Verletzungen können sehr schnell bedrohlich werden.

In jedem Fall versucht der Körper, den Blutverlust zu kompensieren. Dafür werden unter anderem die kleinen Arterien (Arteriolen) und Venen (Venolen) verengt, um den Blutdruck möglichst aufrecht zu halten. Mit fortschreitendem Blutverlust kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Blassgraue und kühle Haut, kalter Schweiß,
  • Zittern,
  • Unruhe, eventuell Verwirrtheit oder Ängstlichkeit,
  • flache schnelle Atmung,
  • Beschleunigung des Herzschlags (Tachykardie),
  • Bewusstseinsstörung bis zur Bewusstlosigkeit.

Ein Schock ist ein akut lebensbedrohlicher Zustand und muss sofort behandelt werden. Mehr zum Thema: Notfall Schock

Wie kann ich Erste Hilfe leisten?

Die erste und wichtigste Maßnahme bei Blutungen ist das Stoppen oder zumindest das Eindämmen der Blutung. Jede andere Maßnahme ist zweitrangig! In diesem Fall ist die Erste Hilfe lebensrettend! 

  • Die blutende Person sollte sich sofort hinsetzen oder -legen. Bei bereits offensichtlichen Schocksymptomen Beine hochlagern.
  • Es muss umgehend Druck auf die Wunde ausgeübt werden! Am besten die Person selbst drücken lassen, falls diese dazu in der Lage ist.
  • Wählen Sie den Notruf 144.
  • Organisieren Sie einen Verbandskasten, und ziehen Sie zum Eigenschutz Einmalhandschuhe an.
  • Drücken Sie mit einer keimfreien Wundauflage fest auf die Wunde. Wenn Sie die nötigen Materialen haben, können Sie stattdessen einen Druckverband anlegen:

    • Wickeln Sie eine elastische Binde einmal über die Blutung. Nehmen Sie mehrere Mullbinden (oder ein mehrfach gefaltetes Tuch), und legen Sie diese als Druckkörper auf die verletzte Stelle. Wickeln Sie anschließend die restliche Mullbinde fest darum.
    • Blutet es durch den Druckverband durch, legen Sie eventuell einen zweiten darüber oder drücken Sie mit festem Fingerdruck darauf.
    • Wenn Sie einen Fremdkörper in der Wunde erkennen können, ziehen Sie diesen NICHT heraus! Legen Sie Wundauflagen rund um den Fremdkörper und fixieren Sie diese vorsichtig mit einer Mullbinde. Wickeln Sie einen lockeren Verband darüber.
    • Lagern Sie die verletzte Region, z.B. den Arm, hoch (z.B. auf einer Stuhllehne ablegen oder wenn nötig selbst hochhalten, bis die Rettungskräfte eintreffen).

Achtung! Anders als oft vermutet sollten starke Blutungen nicht abgebunden werden! Bei unsachgemäßer Anwendung können dadurch z.B. Nerven verletzt werden. Abbindungen sind nur erlaubt, wenn eine extreme Blutung nicht anders zu stoppen ist oder eine Extremität abgetrennt wurde. Sie können, je nach Verletzungslokalisation, nur am Oberarm oder Oberschenkel angelegt werden.

Bei Bewusstlosigkeit oder plötzlichem Bewusstseinsverlust

  • Bewusstsein überprüfen: ansprechen und sanft schütteln

  • Atmung prüfen: Kopf überstrecken, „hören, sehen, fühlen“ für maximal zehn Sekunden

    • Normale Atmung ist vorhanden: Bringen Sie die Betroffene/den Betroffenen in stabile Seitenlage. Überprüfen Sie die Atmung immer wieder, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind! Decken Sie die Person zu, um eine Unterkühlung zu vermeiden.

    • Keine normale Atmung vorhanden: Beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen; 30x Herzdruckmassage, 2x beatmen. Wiederholen Sie dies so lange, bis die Rettungskräfte vor Ort sind oder die Person Lebenszeichen zeigt. Lassen Sie sich unbedingt helfen, und wechseln Sie sich mit einer anderen Helferin/einem anderen Helfer ab!
      Mehr zum Thema: Erste-Hilfe-Maßnahmen

Wissenswertes zu Blutungen

Blut ist lebensnotwendig. Daher wird Blut auch als „flüssiges“ Organ bezeichnet. Seine Hauptaufgabe ist der Transport von Nährstoffen und Sauerstoff. Zusätzlich ist Blut an der Regulation des Temperatur- und Wasserhaushaltes, der Immunabwehr und der Wundheilung beteiligt. Jeder Mensch hat eine Gesamtblutmenge von etwa sieben bis acht Prozent seines Körpergewichtes, das entspricht einem Blutvolumen von vier bis sechs Litern. Ab einem Blutverlust von zirka 20 Prozent stellt der Körper auf einen Notfallmodus um, der als Schock bezeichnet wird.

Was ist ein Schock?

Der Blutungsschock ist in der medizinischen Fachsprache ein Flüssigkeitsmangelschock (hypovolämischer Schock). Auch anhaltendes Erbrechen oder Durchfall kann dazu führen. Es gibt auch andere Schockarten: den allergischen, septischen, kardialen oder neurogenen Schock. Ihnen gemeinsam ist das lebensbedrohliche Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den kleinsten Gefäßen (Kapillaren) vermindert ist. Alle Folgen des Schockes entstehen weitgehend unabhängig von der Ursache. Durch die Ausschüttung von "Alarmhormonen" (Adrenalin und Noradrenalin) werden die kleinen Arterien (Arteriolen) und Venen (Venolen) enggestellt und der Herzschlag beschleunigt. In Folge dieser Reaktion kommt es kurzfristig zur Blutdruckstabilisierung.

Damit ist aber nur noch die Durchblutung für Gehirn, Herz, Leber und Nieren gewährleistet. Kommt es z.B. bei einer Blutung zu keinem Stillstand, werden weitere Organe aus der Blutzirkulation ausgeschlossen und so geschädigt, dass dies zum Tod führen kann. Aus diesem Grund ist z.B. bei einer starken Blutung Erste Hilfe lebensrettend.

Was gehört laut ÖNORM in einen Verbandskasten?

In jedem Auto und an jeder Arbeitsstätte muss sich per Gesetz ein Verbandskasten befinden. Diese sind genormt und sollten auch regelmäßig kontrolliert und erneuert werden (Ablaufdatum beachten!). Zusätzlich sollte auch in jedem Haushalt ein gut sortierter Verbandskasten zur Verfügung stehen. Der Inhalt ist durch ÖNORM festgelegt. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Apothekerkammer.

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