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Glas mit Milch © Brian Jackson

Milchallergie

Die Allergie gegen Milch ist von der Laktoseintoleranz zu unterscheiden: Werden bei der Intoleranz die Beschwerden durch eine bestimmte Zuckerart verursacht, sind es bei der Allergie bestimmte Eiweiße der Milch. Die Milchallergie ist eine Allergie im klassischen Sinne, d.h., das Immunsystem bekämpft einen für den Körper eigentlich harmlosen Stoff und reagiert über. In weiterer Folge kommt es zur Bildung von IgE-Antikörpern und zur Sensibilisierung gegen diese bestimmten Substanzen . . .

Beschwerden bei Milchallergie

Bei einer Milchallergie wird auf bestimmte Eiweißfraktionen der Milch, auf Kasein oder Molkeneiweiß, überreagiert. Die Beschwerden bei einer Allergie auf Milch können unmittelbar nach dem Verzehr oder mit Verzögerung auftreten. Sie können sich an Mund, Rachen, Nase, Atemwegen, Haut und Augen zeigen. Aber auch der Magen-Darm-Trakt, die Lunge und das Herz-Kreislauf-System können betroffen sein. Kribbeln im Mund, Juckreiz und Schwellungen an den Schleimhäuten und der Haut sowie plötzliche Atemnot (allergisches Asthma) sind häufige Reaktionen.

Weitere Informationen zu allergischen Reaktionen erhalten Sie unter Was ist eine Allergie?

Milchallergie und Ernährung

Milcheiweiß kann in sogenannte Milcheiweißfraktionen aufgeteilt werden: in das hitzestabile Kasein und das hitzeempfindliche Molkeneiweiß. Folglich gibt es auch Unterschiede bei der Allergie. Bei einer Allergie auf Kasein müssen Milch und daraus hergestellte Produkte aller Tierarten gemieden werden.

Bei der Allergie auf das Molkeneiweiß sollte lediglich auf Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte verzichtet werden. Die meisten Milchallergikerinnen/Milchallergiker reagieren jedoch auf beide Eiweißfraktionen der Milch allergisch. Milchallergien im Säuglings- oder Kindesalter bilden sich in den meisten Fällen bis zum Schuleintritt wieder zurück.

Milcheiweiß kann in vielen Lebensmitteln, die nicht offensichtlich mit Milch in Zusammenhang stehen, enthalten sein – achten Sie daher auf die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe auf Lebensmitteletiketten.

Milcheiweiß kann sich in folgenden Lebensmitteln verstecken:

  • Milchbrot, Kuchen und Torten,
  • Backmischungen,
  • Paniermehlen,
  • Eis,
  • Kartoffelpüree bzw. -pulver,
  • Ketchup, Senf, Mayonnaisen sowie
  • Fertiggerichten und Saucen.

Allergenkennzeichnung

Gemäß EU-Verbraucherinformationsverordnung müssen Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose) gekennzeichnet und in der Zutatenliste z.B. durch Schriftart oder Hintergrundfarbe hervorgehoben werden. Diese erweiterte Kennzeichnungspflicht ist seit 13. Dezember 2014 für verpackte und unverpackte Waren (offene, lose Ware) verpflichtend.

Bisher mussten die wichtigsten Allergene nur auf verpackten Waren gekennzeichnet werden. Bei unverpackten Lebensmitteln, die an Endverbraucher abgegeben bzw. in der Gemeinschaftsverpflegung angeboten werden (Bäckereien, Restaurants, Kantinen, Imbisse etc.), kann die Weitergabe der Allergeninformation entweder schriftlich oder mündlich erfolgen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Kalzium

Da Milch und Milchprodukte den Körper mit Kalzium versorgen, sollte bei einer Allergie auf Milch insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr an Kalzium geachtet werden. Kalzium ist auch in Gemüse wie Grünkohl, Broccoli, Fenchel, Lauch oder Spinat sowie in diversen Mineralwässern mit einem Gehalt von mehr als 150 Milligramm Kalzium pro Liter enthalten. Ist die Versorgung mit Kalzium nicht bedarfsdeckend, kann eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Kalzium.

Vitamin D

Weiters trägt Milch u.a. auch zur Deckung des Bedarfs an Vitamin D bei, das im Milchfett enthalten ist und vor Allergien und anderen Erkrankungen schützt. Fettarme Milchprodukte enthalten weniger schützendes Vitamin D. Bei Milchallergie muss daher auf ausreichende Aufnahme von Vitamin D geachtet werden. Darüber berät Sie Ihre Allgemeinmedizinerin/Ihr Allgemeinmediziner.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Vitamin D.

Eiweiß

Milch und Milchprodukte enthalten viel Eiweiß. Bei einer Milchallergie sollte die Deckung des Eiweißbedarfs durch andere Eiweißquellen sichergestellt werden. Mageres Fleisch, Fisch und Eier, aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Erdäpfel und Brot enthalten Eiweiß.

Um Fehl- und Unterernährung zu vermeiden, ist eine präzise Diagnostik wichtig, z.B. bei einer Allergiespezialistin/einem Allergiespezialisten oder in einem Allergieambulatorium. Dies gilt auch für Kinder, da bei ihnen Milchallergien häufig auftreten.

Therapie bei Milchallergie

Die Auslöser der Allergie sollen gemieden werden. Meist wird auf beide Eiweißfraktionen der Milch allergisch reagiert – das Kasein und das Molkeneiweiß.

Fettanteil erhöht Verträglichkeit

Bei der Milchallergie gegen Kasein muss auf Milch und daraus hergestellte Produkte ALLER Tierarten verzichtet werden: Das bezieht sich auf Kuh-, Schaf,- Ziegen- und Stutenmilch. Das Kasein ist hitzestabil und kann daher durch Erhitzen nicht unschädlich gemacht werden. Je fettreicher ein Milchprodukt ist, umso weniger Eiweiß ist enthalten: Obers und Butter haben daher einen geringeren Eiweißanteil und werden von manchen Kaseinallergikerinnen/-allergikern relativ gut vertragen. Bei Allergie auf Kasein kann Reismilch als Ersatz für Milch verwendet werden.

Tipp Schlagobers mit Wasser verdünnt kann bei Kaseineiweißallergie eine verträgliche Alternative sein.

Bei der Milchallergie gegen Molkeneiweiß muss ausschließlich auf Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte verzichtet werden. Molkeneiweiß ist hitzeempfindlich. Die allergene Wirkung kann daher durch Hitzebehandlungen herabgesetzt werden. Bei einer gemäßigten Allergie werden daher Produkte wie fettreicher Käse, Topfen oder ultrahocherhitze Milch (H-Milch) vertragen.

Hinweis Soja ist als Alternative nur begrenzt empfehlenswert, da ca. ein Viertel aller Betroffenen auch darauf allergisch reagiert, es besteht weiters eine Kreuzreaktivität zu Erdnuss.

Vorgehen im Notfall

Beim Auftreten von Beschwerden werden diese symptomatisch behandelt. Bei schwerer Allergie sollten die Betroffenen mit einem Notfallset ausgestattet sein, das immer mitzuführen ist. Darin sollten ein Antihistaminikum, Kortison-Präparat, Asthmaspray sowie bei bereits vorangegangenen allergischen Schockreaktionen in erster Linie ein Adrenalinautoinjektor zur Selbsttherapie enthalten sein. Angehörige einer/eines Nahrungsmittelallergikerin/-allergikers sollten im Gebrauch der Notfallmedikation geschult sein.

Säuglinge und Milchallergie

Beim Säugling (bei 2,5% aller Neugeborenen) mit der Diagnose einer Milchallergie muss unter Beratung durch die Kinderärztin/den Kinderarzt als Milch-Eliminationsernährung auf hydrolysierte Milchpräparate oder Aminosäureformulas übergegangen werden.
Ungeeignet ist z.B. die Milch anderer Säugetiere oder Sojamilch.

Eine ausgewogene Ernährung ist auch bei Allergie auf Milch möglich. Als Grundlage der Ernährung sollte die Österreichische Ernährungspyramide dienen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung ist hilfreich.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährungsberatung und -therapie.

Hinweis Allgemeine Informationen erhalten Sie unter Diagnose und Therapie von Nahrungsmittallergien und -intoleranzen.

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