Arbeitssucht
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Arbeitssucht: Was ist das?
In der Fachwelt gibt es unterschiedliche Ansichten zum Thema Arbeitssucht, und es gibt dazu noch viel Forschungsbedarf. Derzeit geht die Fachwelt davon aus, dass Arbeitssucht mehr ist als besonders viel arbeiten. Sie sieht sie im Zusammenhang mit einer zwanghaften Einstellung zu Leistung und Arbeit. Das ganze Leben der betroffenen Person dreht sich dabei um die Arbeit. Andere Lebensbereiche spielen kaum oder gar keine Rolle. Es gibt keine Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Der Selbstwert ist stark an die Arbeit gebunden. Häufig ist begleitend eine missbräuchliche Verwendung von Alkohol, Medikamenten oder Nikotin vorhanden.
Es ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt, ob es sich bei Arbeitssucht um ein Krankheitsbild handelt. Arbeitssucht ist nicht offiziell als Diagnose laut der derzeit gültigen Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-10 anerkannt – ebenso wie im neuen Diagnose-Klassifikations-System ICD-11, von dem es jedoch noch keine offizielle deutsche Version gibt.
Die Fachwelt diskutiert zudem darüber, ob man Arbeitssucht nicht besser als „Suchthaftes Arbeiten“ oder „Workaholism“ (englisch von Workaholic) bezeichnen sollte. Forscher:innen beraten sich auch darüber, ob es mehrere Ausprägungen von sogenannten Workaholics geben kann. Dabei spielt es u.a. eine Rolle, ob jemand prinzipiell Freude an der Arbeit hat oder einen Leidensdruck.
Fachleute unterscheiden zudem andere Begriffe in Abgrenzung zu Arbeitssucht:
- Arbeitsengagement: Dieses ist ausgewogen und mit positiven, erfüllenden Gedanken und Gefühlen verbunden. Fachleute bringen gesundes Arbeitsengagement im Gegensatz zu Arbeitssucht mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit in Verbindung.
- Leidenschaft für die Arbeit: Diese ist durch Liebe zur Arbeit gekennzeichnet. Die Arbeit ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Das kann etwa auch bei einem Ehrenamt der Fall sein. Herausforderungen werden positiv gesehen, und es ist Kontrolle über das eigene Verhalten möglich.
- Übermäßiges Engagement in der Arbeit: Es findet ein besonders großes Engagement in Bezug auf die Arbeit statt. Diese steht jedoch nicht im Verhältnis zu dem Gehalt oder den Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem kommt es zu Schwierigkeiten, sich von der Arbeit abzugrenzen.
Welche Risikofaktoren für Arbeitssucht gibt es?
Fachleute gehen davon aus, dass Arbeitssucht durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren entsteht. Diese Zusammenhänge müssen jedoch noch näher erforscht werden, um ein umfassendes Verständnis zur Entstehung von Arbeitssucht zu bekommen.
Die Fachwelt geht derzeit davon aus, dass Persönlichkeitsfaktoren und Arbeitsumstände Einfluss auf die Entstehung von Arbeitssucht haben können. Zu möglichen persönlichen Risikofaktoren für eine Arbeitssucht können u.a. zählen: Neurotizismus – ein Persönlichkeitsmerkmal einhergehend mit vermehrt negativen Gefühlen – oder Perfektionismus. Zu Arbeitsumständen zählen etwa Arbeitsbelastung oder Rollenkonflikte. Fachleute gehen derzeit davon aus, dass das Geschlecht keine entscheidende Rolle für die Entstehung von Arbeitssucht spielt.
Beim Thema Arbeitssucht kommt zudem eine gesellschaftliche Komponente ins Spiel: Leistung und viel arbeiten werden oft mit hoher gesellschaftlicher Anerkennung in Verbindung gebracht.
Welche Personen weisen ein höheres Risiko für Arbeitssucht auf?
Angestellte, Führungskräfte, Selbstständige und Akademiker:innen sowie Arbeitnehmer:innen in wettbewerbsorientierter Umgebung weisen ein erhöhtes Risiko für Arbeitssucht auf.
Welche Folgen kann Arbeitssucht haben?
Zu möglichen Folgen von Arbeitssucht können etwa zählen:
- Belastung zwischenmenschlicher Beziehungen in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Partnerschaft
- Erschöpfung
- Erhöhung des Risikos für Burnout
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schlechtere Schlafqualität
Fachleute sehen in Summe eine Verschlechterung der Gesundheit bei Menschen, die suchthaft arbeiten. Allerdings sind die Zusammenhänge diesbezüglich noch nicht klar – es dürften verschiedene Lebensumstände dabei eine Rolle spielen.
In Japan ist etwa auch der Begriff „Karoshi“ gebräuchlich: plötzlicher Tod durch Überarbeitung; etwa durch Herzinfarkt oder Suizid.
Welche Merkmale können auf Arbeitssucht hinweisen?
Zu Merkmalen von Arbeitssucht können zählen:
- Innere Unruhe
- Frustration, wenn Arbeiten nicht möglich ist
- Zwanghafter Arbeitsstil
- Überdurchschnittlicher Arbeitseinsatz
- Perfektionismus in Kombination mit Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen
- Andauernde Gedanken an die Arbeit
Zur Einordnung und Feststellung möglicher Beschwerden können Fragebögen etwa bei einer klinisch-psychologischen Untersuchung zur Anwendung kommen.
Kann man Arbeitssucht vorbeugen?
Fachleute gehen davon aus, dass Maßnahmen zur Prävention von Arbeitssucht sowohl persönlich auf die Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter eingehen als auch organisatorische Prozesse berücksichtigen sollten.
Zu möglichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Arbeitssucht im Unternehmen zählen zum Beispiel:
- Maßnahmen, die zur Work-Life-Balance beitragen
- Schulungen anbieten – zum Beispiel zu Zeitmanagement
- Beachtung von Bedürfnissen für die psychische Gesundheit der Mitarbeiter:innen durch die Führungskräfte
- Anreizsysteme für besonders exzessives Arbeiten vermeiden: zum Beispiel Lob dafür, krank in die Arbeit zu gehen etc.
Wenn bereits Verhalten sichtbar ist, das auf ungesundes Arbeitsengagement hinweisen könnte, können laut Fachwelt etwa folgende Maßnahmen unterstützen:
- Führungskräfte können zum Beispiel das Gespräch suchen, dabei eine wertschätzende Haltung einnehmen und sich nach dem Befinden erkundigen.
- Auf gesundheitsfördernde Schulungen und Angebote hinweisen, etwa zum Thema Stressbewältigung.
- Auf Hilfsangebote aufmerksam machen wie Arbeitsmediziner:in, Arbeitspsychologin oder Arbeitspsychologe etc.
Allgemeine Informationen zu Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz finden Sie unter:
Was kann ich selbst für mein Wohlbefinden in der Arbeit tun?
Hilfreiche allgemeine Maßnahmen für das eigene Wohlbefinden am Arbeitsplatz finden Sie unter:
Wo finde ich Rat und Unterstützung?
Die Arbeitsmedizinerin bzw. der Arbeitsmediziner oder die Arbeitspsychologin bzw. der Arbeitspsychologe kann bei Kennzeichen von Arbeitssucht eine Unterstützung sein und etwa ggf. weitere Abklärungen veranlassen. Eine Psychotherapie kann u.a. im Umgang mit Arbeitssucht unterstützen.
Die Behandlung möglicher Begleiterkrankungen erfolgt auf diese abgestimmt, etwa bei Depressionen oder Angststörungen. Auch ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe kann Betroffenen helfen.
Was kann ich als nahestehende Person tun?
Arbeitssucht kann auch das soziale Umfeld wie etwa Kolleginnen oder Kollegen oder die Familie belasten. Als Person im nahen Umfeld kann man sich selbst Hilfe im Umgang mit der Situation suchen; etwa als Kollegin oder Kollege bei einer Arbeitspsychologin oder einem Arbeitspsychologen oder bei einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.
Weitere Informationen finden Sie etwa auch unter Psychische Erkrankungen: Was können Angehörige tun? und Co-Abhängigkeit.
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Letzte Aktualisierung: 8. Mai 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Univ.-Prof. Dr. Dr. Alfred Barth, Klinischer Psychologe