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Injektionsnadel © Tobias Arhelger

Tollwut

Die wohl gefährlichste aller Krankheiten, die gleichermaßen Mensch und Tier betrifft (Zoonose), ist die Tollwut (Rabies). Sie fordert nach Meldungen der WHO jedes Jahr ca. 55.000 Todesopfer. Verursacht wird die Tollwut durch ein Virus, das von infizierten Tieren mit dem Speichel ausgeschieden wird. Durch Bissverletzungen eines an Tollwut erkrankten Tieres gelangt virushaltiger Speichel in den Körper. Innerhalb kurzer Zeit wandert das Virus in die Nervenzellen ein und entlang der Nerven weiter Richtung Rückenmark und Gehirn.

Erreger: Tollwutvirus

Verbreitung: nahezu weltweit; 95 Prozent aller Tollwuterkrankungen werden aus Asien (v.a. Indien) und Afrika gemeldet. Österreich wurde 2008 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für tollwutfrei erklärt.

Übertragung: Biss- oder Kratzwunden bzw. Hautkontakt (Speichel) mit infizierten Fleischfressern, v.a. streunende Hunde und Katzen sowie Füchse, Schakale, Affen, Fledermäuse; wenn infizierter Speichel mit verletzten Haustellen oder mit Schleimhäuten (z.B. Augen) in Kontakt kommt, kann das Virus übertragen werden. 

Inkubationszeit: zwei Wochen bis maximal zwölf Monate.

Beschwerdebild: uncharakteristischer Beginn mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und Unwohlsein. Auch Schmerzen an der Bissstelle treten auf, hinzu kommen Angstzustände, Schlaflosigkeit, Depressionen oder Erregungszustände. Diese Beschwerden dauern zwei bis zehn Tage. Das Virus vermehrt sich zunächst in der Eintrittsstelle und wandert dann über das Rückenmark in das Gehirn. In der Folge treten neurologische Beschwerden auf: Hyperventilation (gesteigerte Atemtätigkeit, „Hecheln“), Zeichen eines Sauerstoffmangels, Sprachunfähigkeit, Lähmungen, Wasser- und Lichtscheu, Stimmritzenkrampf („zugeschnürte Kehle“), Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Unruhe, Bewegungsdrang. Diese Beschwerden dauern zwei bis sieben Tage und werden bei vollem Bewusstsein durchlitten. Danach fällt die/der Betroffene ins Koma. Die Erkrankung endet ausnahmslos tödlich.

Sofortmaßnahmen nach Kontakt mit tollwütigem Tier: Reisenden in Ländern mit hohem Tollwutrisiko wird eine prophylaktische Schutzimpfung empfohlen, da etwa 0,1-1% der Reisenden einen tollwutsuspekten Tierkontakt während des Aufenthaltes erleiden. (Präexpositionsprophlyaxe). Kommt es ohne Schutzimpfung zu Kontakt mit dem Speichel eines möglicherweise infizierten Tieres (durch Biss, Kratzen, Ablecken offener Hautstellen etc.), müssen sofort Maßnahmen zur Immunisierung (Postexpositionsprophylaxe) getroffen werden. Dazu zählen:

  • sofortiges Auswaschen der Verletzung mit einer Seifenlösung (mindestens 15 Minuten);
  • Desinfektion der Wunde;
  • umgehend das nächstliegende Krankenhaus aufsuchen;
  • Verabreichung eines Tollwut-Immunglobulin-Präparates, d.h. Tollwut-Antikörper; ein Teil davon wird mit mehreren Stichen rund um die Wunde injiziert, um zu verhindern, dass sich das Virus in das Nervensystem ausbreitet. Der Rest des Impfstoffes wird in den Gesäßmuskel verabreicht;
  • gleichzeitig Beginn der aktiven Immunisierung, d.h. der Gabe von Totimpfstoff (sofern im Reiseland verfügbar); diese umfasst mehrere Teilimpfungen;
  • gegebenenfalls Auffrischung der Tetanusprophylaxe.

Alle Maßnahmen sind unverzüglich einzuleiten, d.h., sie müssen noch im Gastland getroffen werden.

Hinweis Mit Ausnahme der Verabreichung von Immunglobulinen gelten diese Maßnahmen ebenso für Personen, die eine vorbeugende Schutzimpfung erhalten haben und Kontakt mit einem infizierten Tier hatten!

Eine Immunisierung vor oder sofort nach der Infektion ist die einzige Möglichkeit, den Ausbruch der Krankheit aufzuhalten. 

Hinweis Nicht in allen Ländern der Welt sind die Impfstoffe zeitnah verfügbar, Reisende in Risikogebiete sollten sich vor Reiseantritt genau über die Situation erkundigen! Bei nicht ausreichender medizinischer Versorgung im Urlaubsland muss nach einer möglichen Infektion unverzüglich die Heimreise angetreten werden!

Diagnose: aus dem Krankheitsbild, Kontakt mit Tieren, Beobachtung des Tieres, später Virusnachweis in Speichel und Hornhaut.

Therapie: es gibt keine Behandlung der Tollwut.

Vorbeugung: Schutzimpfung. Die vorbeugende Schutzimfpung ist allen Reisenden in Ländern, in denen Tollwut vorkommt, zu empfehlen.

Hinweis Importierte Hunde und andere Tiere aus Endemiegebieten können auch in Österreich noch Menschen gefährden, sofern sie nicht ordnungsgemäß tierärztlich geprüft und freigegeben wurden.


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