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Übergewichtiges Kind © Pixel-Shot
Übergewichtiges Kind © Pixel-Shot

Übergewicht im Kindes- und Jugendalter

Wie bei Erwachsenen kann auch bei Kindern und Jugendlichen eine unausgewogene Ernährung zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas führen. Übergewichtige Kinder haben langfristig ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten. Die gesundheitlichen Folgen gleichen im Wesentlichen jenen bei Erwachsenen: z.B. das Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt, Knie- und Rückenproblemen, Schlafapnoe sowie einiger Krebsarten. Zudem sind übergewichtige Kinder verstärkt durch psychosoziale Störungen gefährdet (z.B. Depression, geringes Selbstwertgefühl, soziale Isolation).Wer hingegen als Kind ein gesundes Gewicht auf die Waage bringt, steigert seine Wahrscheinlichkeit, auch im späteren Leben Normalgewicht zu haben.  

Was sind die Ursachen für Übergewicht im Kindes- und Jugendalter?

Es gibt unterschiedliche Gründe für Übergewicht im Kindes- und Jugendalter. Hierzu zählen eine zu hohe Energieaufnahme (z.B. durch zu große Portionen), ein vermehrter Konsum kalorienreicher Lebensmittel (z.B. Fast-Food-Produkte) und zuckerhaltiger Getränke sowie mangelnde Bewegung und verkürzte Schlafdauer. Auch einige Medikamente (z.B. bestimmte Psychopharmaka), genetische Faktoren und manche Krankheiten (z.B. Cushing-Syndrom, Hypothyreose) können die Entstehung von Übergewicht bzw. Adipositas begünstigen. 

Hinweis Adipositas im Kindes- und Jugendalter erhöht das Risiko für die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen und vorzeitigem Tod – und das unabhängig davon, ob Adipositas im Erwachsenenalter besteht.

Wann sind Kinder und Jugendliche übergewichtig?

Zur Einteilung des Gewichts (Normal-, Unter- oder Übergewicht bzw. Adipositas) hat sich weltweit auch im Kindes- und Jugendalter die Ermittlung des BMI durchgesetzt. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist es bei Kindern notwendig, auch das Alter und Geschlecht bei der Berechnung des BMI zu berücksichtigen. Aufgrund der körperlichen Entwicklung sind bei Kindern Veränderungen der Fettgewebsmasse in einem bestimmten Ausmaß auch normal.

BMI-Rechner für Kinder & Jugendliche

Da der BMI alters- und geschlechtsabhängig ist, müssen im Kindesalter sogenannte BMI-Referenzkurven (Perzentilen) verwendet werden. So liegt beispielsweise Übergewicht vor, wenn der BMI eines Jungen oder eines Mädchens im Alter von neun Jahren bei über 20 und damit über der 90. Perzentile liegt. Das heißt: 90 von 100 Kinder in diesem Alter haben einen BMI unter 20. Bei Kindern und Jugendlichen spricht man ab der 90. Perzentile von Übergewicht, ab der 97. von Adipositas und ab der 99,5. Perzentile von extremer Adipositas.

Hinweis Einen BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche finden Sie auf der Website der Deutschen Adipositas Gesellschaft (abgeglichen mit den Perzentilen).

Geschlechtsspezifische Perzentilkurven Kinder/Jugendliche (bis 18 Jahre) 

 








Tipps zur Vermeidung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Gesunde Verhaltensweisen etwa in puncto Ernährung und Bewegung können die Entwicklung von Übergewicht bei Kindern vorbeugen. Kinder lernen am Vorbild. Daher sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Eltern und anderen Bezugspersonen kommt daher eine wichtige Rolle zu.
Im ersten Schritt ist es wichtig, Übergewicht als solches zu erkennen und als gesundheitliches Risiko wahrzunehmen. Im nächsten Schritt sollte möglichst frühzeitig professionelle Hilfe, etwa durch eine Kinderärztin/einen Kinderarzt bzw. eine Diätologin/einen Diätologen, in Anspruch genommen werden. Bei Bedarf kann auch eine Psychologin/ein Psychologe bei der Bekämpfung von Übergewicht unterstützen.

Ernährung als wichtiger Baustein 

  • Ernährungssünden – zu viel, zu fett, zu süß: Bei der Fettzufuhr sollte auf die Zufuhr der „richtigen“, also ungesättigten Fette geachtet werden. Diese sind etwa in Nüssen, pflanzlichen Ölen und fettreichem Fisch enthalten. Die Zufuhr von gesättigten und Transfetten sollte hingegen reduziert werden. Diese sind z.B. in Fast Food, Fertigprodukten und abgepackten Keksen enthalten. Zudem versteckt sich in derartigen Produkten auch häufig viel Salz. Denn auch der Zuckerkonsum sollte generell reduziert werden. Einen maßvollen Umgang mit Zucker müssen Kinder erst erlernen.
  • Fertiggerichte sparsam einsetzen und fettarme Zubereitungsmethoden wählen: Neben zahlreichen Zusatzstoffen enthalten Fertiggerichte häufig mehr Zucker und Fett als nötig. Bereiten Sie daher wann immer möglich Speisen selbst aus Grundzutaten zu. Dies spart meist Geld und schmeckt auch besser. Zu den fettsparenden Zubereitungsmethoden zählen kochen, dünsten, schmoren oder braten in einer beschichteten Pfanne.
  • Täglich Obst und Gemüse: Ist Ihr Kind ein Gemüse- und Obstmuffel, können Sie tricksen und dieses in Speisen „verstecken“, etwa im Zucchinikuchen oder Gemüsesugo mit (Vollkorn-)Nudeln.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Diese können etwa über das Frühstück, das Mittag- und Abendessen sowie eine Vor- und Nachmittagsjause aufgeteilt werden. Dadurch werden Kinder über den Tag verteilt mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt. In den zwei bis drei Stunden zwischen den Mahlzeiten benötigen die Kinder keine Snacks.
  • Optimale Verteilung der Mahlzeiten: Besonders bei starkem Übergewicht ist die richtige Verteilung der Mahlzeiten über den Tag wichtig. Dabei kommt dem Abendessen eine besondere Rolle zu. Dieses sollte nicht zu üppig sein und nicht zu spät auf den Tisch kommen. Denn eine Essenspause über Nacht von ca. zwölf Stunden sollte gegeben sein. So kann der Körper auf seine Fettreserven als Energiequelle zurückgreifen und diese abbauen.
  • Abwechslung muss sein: Nur wenn der Speiseplan abwechslungsreich gestaltet wird, kann ein Kind (wie auch ein Erwachsener) mit allen lebensnotwendigen Inhaltsstoffen versorgt werden. Eine Hilfestellung bietet dabei die Österreichische Ernährungspyramide für Kinder.
  • Gefühl für Portionsgrößen entwickeln: Als Maßeinheit kann die Hand des Kindes herangezogen werden. Ebenso sollte die Zusammensetzung der Mahlzeit nicht außer Acht gelassen werden. Eine ideale Mahlzeit enthält Gemüse oder Obst, Getreideprodukte und einen Eiweißlieferanten (z.B. Milchprodukte, Ei, Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte).
  • Wasser als Durstlöscher: Ausreichend zu trinken ist auch für Kinder sehr wichtig. Wasser enthält keine Kalorien und ist daher der beste Durstlöscher. 
  • Finger weg von Diäten: Einseitige Ernährung, Hungerkuren oder Crash-Diäten können den Körper schädigen und zu Mangelerscheinungen sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen. Sie sind für Kinder gänzlich ungeeignet. Zudem kann es auch bei Kindern zum sogenannten Jo-Jo-Effekt kommen. Hierbei zeigt die Waage nach der Diät ein gleichhohes oder oft auch höheres Gewicht an als vor der Diät. Der Grund: Endet die Diät, legt der Körper umso rascher Fettreserven an, um gegen eine neuerliche Hungerperiode besser gerüstet zu sein.
  • Satt sein des Kindes respektieren: Jeder Tag ist anders und der Hunger nicht immer gleich groß. Kleine Kinder haben ein gutes Gespür für Hunger und Sättigung. Wichtig ist, immer genug Zeit und Ruhe für das Essen einzuplanen, damit das Kind auf seinen Bauch hören kann. Wenn Ihr Kind satt ist, sollte es nicht zum Aufessen gedrängt werden.
  • Gemeinsam statt einsam: Regelmäßig gemeinsam zu essen kann ein schöner Fixpunkt im Tagesablauf sein und qualitative Familienzeit bedeuten. Denn es schafft für die ganze Familie das Gefühl zusammenzugehören und verbindet. Das gilt auch für Teenager.
  • Essen ohne Ablenkung: Ablenkungen wie Fernseher, Handy, Zeitschriften und Ähnliches sollte während des Essens kein Platz eingeräumt werden. So können alle ohne Ablenkung die gemeinsame Mahlzeit genießen und sich unterhalten. Wer nebenbei isst, verliert zudem schnell den Überblick über die verzehrte Menge.  
  • Essen ist keine Belohnung: Lernen Kinder, dass es bei Traurigkeit, Stress, Langeweile immer etwas zu essen gibt, kann dies die Entstehung von Übergewicht fördern. Besser ist, das Kind in den Arm zu nehmen, ihm zu zuhören und Sorgen ernst zu nehmen und zu besprechen. 
  • Ziele festlegen: Diese können ganz unterschiedlich sein und sollten sich dabei nicht ausschließlich am Gewicht orientieren. Mögliche Ziele könnten sein, dreimal am Tag eine Handvoll Gemüse zu essen oder wöchentlich zum Sporttraining zu gehen.

Nähere Informationen finden Sie in der Broschüre der ÖGK „Übergewicht bei Kindern“

Hinweis Limonaden, Fruchtsäfte und Co. enthalten nicht nur viel Zucker und damit Kalorien. Der süße Geschmack verstärkt häufig die Lust auf Süßes. Hinzu kommt, dass aufgrund der zugeführten Kalorien über Getränke nicht weniger gegessen wird. Dabei sind auch Light-Getränke keine gute Alternative. Sie enthalten zwar keinen Zucker und damit keine oder wesentlich weniger Kalorien. Dennoch fördert das süß schmeckende Getränk die Vorliebe für Süßes. All dies kann Übergewicht fördern. Achtung: Auch Milch und Kakao sind nicht als Durstlöscher geeignet, sondern eine Zwischenmahlzeit.

Weitere Alltagstipps zur Vermeidung von Übergewicht 

  • Täglich Bewegung und gemeinsam aktiv werden: Bewegung macht nicht nur fit und verbraucht Kalorien, sie beeinflusst auch das Gewicht positiv. Zudem gleicht Bewegung Stress aus. Daher gilt: Lassen Sie Ihr Kind/Ihre Kinder so viel bewegen wie möglich. Mindestens jedoch eine Stunde täglich.
    Zudem hält auch der Alltag viele Möglichkeiten für Bewegung bereit. So können Sie Ihr Kind mit dem Fahrrad oder zu Fuß in den Kindergarten oder die Schule bringen.
  • Schlaf und Erholung: Zu wenig Schlaf und chronischer Stress können die Entstehung von Übergewicht begünstigen. Möglicherweise werden dadurch Hormone, die Hunger und Sättigung regeln, beeinflusst. Wie viel Schlaf und Erholung ein Kind benötigt, ist dabei individuell verschieden. Rituale vor dem Einschlafen (z.B. eine Gute-Nacht-Geschichte oder ein Schlaflied) ebenso wie feste Schlaf- und Wachzeiten fördern das Einschlafen ebenso wie reichlich Bewegung am Tag. Aktivitäten wie Fernsehen, Computer oder mit dem Smartphone zu spielen ebenso wie eine zu große Mahlzeit und koffeinhaltige Getränke (z.B. Cola-Getränke, schwarzer und grüner Tee) am Abend können das Einschlafen hingegen erschweren.
  • Medienkonsummit Bedacht und klaren Regeln: Vereinbaren Sie Medienzeiten, und halten Sie diese ein. Zudem sollte im Kinderzimmer kein eigener Fernseher stehen.
  • Vorbildwirkung nicht vergessen: Eltern sind auch in puncto Medienkonsum Vorbilder. Lassen Sie sich bei gemeinsamen Mahlzeiten und bei Gesprächen mit Ihrem Kind nicht durch das Handy oder den Fernseher stören.

Hinweis Wer zu viel Zeit vor dem Fernseher oder mit elektronischen Geräten verbringt, steigert sein Risiko, übergewichtig zu werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Zur Diagnose und Therapie einer Adipositas im Kindes- und Jugendalter können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Diätologin/Diätologe.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die  e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem  Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:


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