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Mutter lächelt ihr Baby an © Svetlana Fedoseeva

Eltern-Kind-Bindung

Bereits von Geburt an hat das Neugeborene ein Bindungsbedürfnis. Es sucht Schutz und Nähe bei einer Bezugsperson. Dieses Bedürfnis ist jedoch nicht immer gleich. Besonders stark ausgeprägt ist es, wenn Säuglinge Angst oder das Gefühl haben, von der Bindungsperson getrennt zu sein. Körperliche Nähe stillt das Bindungsbedürfnis des Säuglings besonders gut. Der Begriff „Bindung“ im Sinne einer zwischenmenschlichen emotionalen Verbundenheit wurde Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts von John Bowlby begründet. Eine sichere Bindung ist ein psychischer Schutzfaktor für Kinder und eine wichtige Basis für die Persönlichkeitsentwicklung . . .

Schützende Geborgenheit

Für die kindliche Entwicklung ist zumindest eine Bindungsperson wichtig – ob Mutter, Vater oder etwa Adoptiveltern. Allerdings gibt es oft nicht nur eine Bindungsbeziehung, sondern mehrere, zu denen unterschiedlich starke emotionale Verbindungen bestehen. Der Feinfühligkeit kommt bei der Entstehung von Bindungen eine besondere Bedeutung zu. Sie ermöglicht es, Bedürfnisse zu erkennen und rasch in geeigneter Form darauf zu reagieren. Dabei spielen Blickkontakt, sprachlicher Austausch und Berührung eine große Rolle. Körperkontakt fördert die Bildung des Hormons Oxytozin, das wiederum die gefühlsmäßige Verbundenheit stärkt. Feinfühligkeit hilft dem Kind auch, mit Anforderungen und Eindrücken der Umwelt fertigzuwerden.

Arten der Bindung

Durch die Erforschung von Bindungsmustern im Säuglingsalter, kristallisierten sich drei Arten von Bindung (Bindungsqualitäten) heraus. Die jeweiligen Kennzeichen lassen sich Ende des ersten Lebensjahres erkennen. Dabei ist zu beachten, dass sich diese Bindungsmodelle aus der Forschung ergeben und Beobachtungen in einer standardisierten Situation darstellen. Sie lassen sich also nicht einfach selbst 1:1 „nachstellen“, sondern sollen einen Einblick in die verschiedenen Bindungsmuster geben.

Sichere Bindung

Säuglinge im Alter von einem Jahr zeigen eine sichere Bindung dadurch, dass sie bei Trennung von der Bezugsperson Angst haben, weinen und lautstark protestieren. Sie suchen nach der vertrauten Person. Wenn diese wiederkommt, möchten die Säuglinge auf den Arm genommen und beruhigt werden. Die Besänftigung tritt dann schon nach kurzer Zeit ein.

Unsicher-vermeidende Bindung  

Kinder mit diesem Bindungstyp verhalten sich bei Trennung von der Bindungsperson ruhig. Sie begrüßen diese dann nach ihrer Rückkehr auch nicht – im Gegenteil, sie wenden sich sogar von ihr ab. Nach außen hin wirkt dieses Verhalten sehr unkompliziert, die Kinder stehen dabei aber meist unter Stress, wie wissenschaftliche Untersuchungen zutage brachten.

Unsicher ambivalente (zwiespältig-ängstliche) Bindung

Liegt dieses Bindungsmuster vor, ist bei Kindern deutlich Stress in Trennungssituationen oder während einer furchteinflößenden Begebenheit sichtbar. Dies äußert sich z.B. durch lautes Weinen und Protest. Auch bei sicher gebundenen Kindern ist dies der Fall. Kehrt die Mutter nach einer Trennungssituation jedoch zurück, zeigen sich Unterschiede zur sicheren Bindung. Wird das Kind nun beispielsweise auf den Arm der Mutter genommen, hält es sich fest, signalisiert aber gleichzeitig Bindungsvermeidung etwa durch Aggressivität. Unsicher gebundene Kinder lassen sich nicht so schnell wieder beruhigen. Sie senden widersprüchliche Signale aus – daher die Bezeichnung „zwiespältig-ängstlich“. Zudem zeigen die Kinder weniger Freude an der Erkundung der Umgebung.

Zwischen den Bindungserfahrungen der Eltern und den Bindungsmustern ihrer Kinder ist ein Zusammenhang zu erkennen. Bindungserfahrungen, die Kinder mit ihren Bezugspersonen machen, prägen wesentlich ihr Verhalten und ihre Gefühlswelt. Es gibt jedoch auch sogenannte pathologische (krankhafte) Bindungsarten wie z.B. die desorganisierte Bindung und Bindungsstörungen.

Bindung fördern

Kinder erkunden von Natur aus gerne ihre Umwelt. Daher ist es wichtig, dass sie von Bindungspersonen dazu ermutigt und dabei begleitet werden. Sichere Bindung ermöglicht ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen – den sicheren Hafen dabei im Hinterkopf. Mit einer sicheren Bindung „ausgestattet“, lassen sich Herausforderungen des Alltags besser bewältigen.

Säuglinge haben ein Grundbedürfnis nach Schutz, emotionaler Sicherheit und Nähe. Bestimmte Verhaltensweisen des Babys, z.B. Lachen, Klammern, Augenkontakt etc. fördern diesen Schutzinstinkt bei den Eltern. Diese Reaktion ist bei Frauen und Männer prinzipiell gleich verankert. Daher können sich auch beide Elternteile – Mutter und Vater – kompetent und gefühlvoll um ihr Baby kümmern.

Die Rolle der Eltern

Die Bindung zwischen Eltern und Kindern gilt als wichtige Basis für die Entwicklung und spätere Beziehungsfähigkeit. Sie hilft Kindern, Urvertrauen aufzubauen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Zu einer liebevollen Beziehung zu ihrem Kind können beide Elternteile beitragen. Liebe und Zuneigung der Eltern zum Kind festigen sich im ersten Lebensjahr. Bei manchen Menschen entstehen diese Gefühle spontan, bei anderen langsamer. Bei werdenden Vätern wird die Verbundenheit mit dem Kind gefördert, wenn sie bei der Geburt dabei sind und früh an der Betreuung des Babys teilhaben. Es ist zudem nie zu spät, sich in die Kinderbetreuung einzubringen.

Mutter und Vater können gemeinsam lernen, was ein Baby braucht und wie sie seine Bedürfnisse verstehen. Vielleicht sind manche Väter zunächst im Umgang mit dem Säugling befangen. Dabei können sie nicht nur für gute Bedingungen einer Mutter-Kind-Beziehung sorgen, sondern auch selbst ihrem Kind Wärme und Liebe geben. Auch bei Vätern weckt der Kontakt mit dem Baby Gefühle wie Glück, Zärtlichkeit und Geduld.

Kinderbetreuung möglichst aufteilen

Übernehmen Väter bestimmte Aufgaben bei der Betreuung des Kindes, entlastet dies die Mutter, die manchmal eine Auszeit benötigt. Auch etwa Großeltern oder Freundinnen/Freunde können im besten Fall einspringen. Den Eltern hilft ein achtsamer Umgang miteinander bei der Bewältigung etwaiger Probleme in der für sie neuen und ungewohnten Situation. An beide Eltern sicher gebundene Kinder machen später auch kaum Unterschiede in ihrem Vertrauen auf mütterlichen und väterlichen Schutz – etwa wenn die Mutter oder der Vater den Raum verlässt. Auch zeigen sie weniger Trennungsangst, denn sie wissen: Da gibt es immer noch einen zweiten Menschen, der Sicherheit bietet.

Wie die Beziehung zum Kind gestaltet wird und wie sie sich die Aufgaben aufteilen oder wer die Elternkarenz nutzt, ist die persönliche Entscheidung der Erziehungsberechtigten. Eine gelungene Partnerschaft kann sich auch positiv auf die Eltern-Kind-Bindung auswirken. Welche Qualität die Bindung zwischen Eltern und Kind hat, hängt besonders von emotionalen und nicht von materiellen Werten ab.

Informationen zur Stärkung und Unterstützung der Erziehungskompetenz finden Sie unter Frühe Hilfen

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